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Lose Hate not Weight!

Haley Morris Cafiero

Ich weiß gar nicht mehr wann genau, aber es war auf jeden Fall vor meinem 10. Lebensjahr, als meine Mom meine erste Diät verordnete. „Ich sei zu dick.“, meinte sie. Seitdem habe ich begriffen, dass Mädchen vorrangig nicht schlau und stark zu sein haben, sondern schlank und schön.

Wie stark dicke Menschen mit Ressentiments zu kämpfen haben zeigen die Fotos von Haley Morris Cafiero. Während in der Highschool die Welt noch in Ordnung schien (Sie war sportlich und spielte in drei Teams Soccer.), nahm sie auf dem College plötzlich drastisch zu (von Größe 7 auf 14). Die Diagnose: eine Schilddrüsenunterfunktion. „Ich versuchte zunächst, mit Diäten und Gewichtstraining gegenzuhalten. Dann kam ich irgendwann an den Punkt, dass es keinen Sinn mache, mich für etwas zu bestrafen, für das ich nichts konnte. Seltbstzerfleischung ist Zeitverschwendung.“

Ihre Umwelt und Mitmenschen sahen das aber anders. Sie machten sich auf offener Straße über den Körper von Haley Morris Cafiero lustig. Doch Cafiero schoss zurück und zwar mit einer Fotokamera. Ihre produzierten Fotoserien tragen Titel wie „Wait Watchers!“ oder „Gelato“. Sie zeigen Haley an öffentlichen Orten, wo sie sich unwohl fühlte. Egal ob in Spanien, Peru, New York oder Memphis, das Ergebnis war überall gleich. Haley: „Wenn ich diese Bilder betrachte, bin ich nicht verletzt. Ich fühle mich dann so, als ob ich ihren Blick erwidere und gegen sie richte. Ich fühle mich gut, so wie ich bin, ich brauche von niemandem eine Erlaubnis für meine Existenz.“

An dieser Stelle sei auch das Buch von Virgie Tovar empfohlen (Bei uns ausleihbar!) . In „Hot and Heavey. Fierce Fat Girls on Life, Love and Fashion“  versammelt sich bewegende und ermutigende Berichte von dicken Frauen. Sie schreiben offen über Sex mit dicken Körpern, Fat-Burlesque oder Plus-Size-Modeling.

American Girl

Zu einer „richtigen“ Mädchensozialisation gehören nicht nur pinke Klamotten und der frühe Besuch im Beauty-Salon, sondern auch eine ordentliche Ausstattung an Puppen. Die Klassiker sind Barbie oder auch die Bratz.

In den USA können Mädchen eine Puppe erwerben, die genauso aussehen wie sie selbst: Ein American Girl. Auf der Homepage des Unternehmens heißt es dazu: „At American Girl, we celebrate girls and all that they can be. That’s why we develop products and experiences that help girls grow up in a wholesome way, while encouraging them to enjoy girlhood through fun and enchanting play.“ Das Sortiment umfasst unterschiedliche Puppentypen: American Girl Characters, My American Girl Dolls, Bitty Baby, ein Magazin, Bücher und sogar einen virtuellen Campus für Mädchen. Die Puppe American Girl gilt in den Staaten als die „Anti-Barbie“ und ist dort ein Verkaufsschlager.

Die Fotografin Ilona Szwarc hat sich  mit diesem Puppenphänomen beschäftigt. sondern auch . Für ihre Fotoserie „American Girl“ hat sie Mädchen mit ihren Puppen aufgesucht und sie fotografiert.

„As an artist, I am wondering and looking for traces of what effect would this prolonged play have on girls? Does it extend their childhood? Or perhaps it takes away from the strength that girls could develop, and contributes to the infantilization of women?“ Das diese Fragen mehr als berechtigt sind, zeigen die von ihr gemachten Bilder. Dazu Szwarc: „American Girl product defines and categorizes American girls – future American women and that fact raises important questions about who gets represented and how. Branding behind the doll perpetuates domesticity and traditional gender roles. I examine how culture and society conditions gender and how it invents childhood. Gender becomes a performance that is again mirrored in the performance of my subjects for the camera.“

Für diese Fotoserie erhielt Ilona Szwarc in der Kategorie „Observed Portraits“ den World-Press-Photo-Award.

Traumfrau

„Wohin die Liebe führt…“ So abgedroschen dieser Satz auch klingen mag, in ihm steckt immer noch ganz viel Wahrheit. Ein Beleg dafür ist der Kurzfilm von Oliver Schwarz „Traumfrau“. In dieser sehr behutsam inszenierten Dokumentation porträtiert er Dirk und seine Freundin Jenny.

Jenny ist  – nach den westlichen Schönheitsidealen zu urteilen – in der Tat eine Traumfrau. Jedoch ist das Besondere an ihr nicht ihr optisches Erscheinungsbild. Jenny ist aus Silikon. Eigentlich völlig leblos. Doch wenn Dirk von dieser Beziehung zu berichten beginnt, dann sind plötzlich von beiden Seiten Emotionen im Spiel.

Das Geschäft mit den maßgeschneiderten Silikonpuppen boomt. Es sind vor allem Männer aus der Bildungsschicht, meist sogar mit Familie, die sich eine Frau aus Silikon kaufen. Was sagt das Phänomen über unsere Gesellschaft, über Schönheitsideale? Ist dieser Markt nicht ein Beleg dafür, das die Frau bzw. der weibliche Körper vollends zu einem Konsumprodukt geworden ist? Oder wirft dieser Film nicht ein grelles Schlagschlicht auf das heutige Geschlechterverhätlnis?

An den Internationalen Kurzfilmtagen Winterthur wurde das einfühlsame Werk mit dem Preis für den besten Schweizer Schulfilm ausgezeichnet. Ausserdem wurde er an den Solothurner Filmtagen gezeigt und in den Kurzfilmwettbewerb «Berlinale Shorts» aufgenommen. Kinostart in der Schweiz ist der 05.04.2013.

http://vimeo.com/54851408

Frauenkörper neu gesehen

Endlich! Der feministische Klassiker „Frauenkörper neu gesehen“ ist neuaufgelegt worden. Das Buch erregte in den 1970er Jahren große Aufmerksamkeit, da es einer breiten Öffentlichkeit den weiblichen Körper in bis dahin nie gekannter Genauigkeit vorstellte. Hinzu kamen alternativmedizinische Informationen über die einzelnen Funktionen des weiblichen Körpers und Tipps für ein genussvollere Sexualität.

Die neue Herausgeberin des immer noch revolutionären Werkes ist Dr. Laura Méritt. Tja, wer sonst! Die Betreiberin der Berliner Institution Sexclusivitäten arbeitet und publiziert seit Jahren zu Themen wie weibliche Sexualität, lesbische Frauen oder weibliche Ejakulation. Mit viel Liebe zum Detail hat sie das Buch von A bis Z überarbeitet. Wunderbar abgerundet werden die Texte durch die in ihrer Qualität immer noch unerreichten Illustrationen .

Passend zu diesem Buch sei ein weiterer feministischer Meilenstein ans Herz gelegt: „Our Bodies, ourselves“. Bei uns ausleihbar!

Das Fest der Liebe kann kommen! 🙂