Schlagwort-Archive: Monaliesa

Wie geht es weiter?

Zu Beginn des neuen Jahres wollen wir euch auf den aktuellen Stand bringen. Zuerst jedoch sagen wir noch einmal Danke für die Unterstützungswelle der letzten Wochen!

Es heißt nun erstmal abwarten. Die Entscheidung des Kulturamts, uns 2015 nicht zu fördern, steht zunächst fest. Der geplante Haushalt muss allerdings im März durch den Stadtrat. Einige Stadträtinnen und Stadträte haben uns bereits zugesagt, einen Änderungsantrag zugunsten der MONAliesA zu stellen. Mit einer Mehrheit im Stadtrat hätten wir die Chance, doch noch Förderung zu erhalten. Wir rufen hiermit also alle Fraktionen auf, sich für den Erhalt der MONAliesA einzusetzen!

Bis zur endgültigen Verabschiedung des Haushalts im April werden wir die MONAliesA weiter für euch betreiben. Das heißt, dass wir unsere für die Buchmesse geplanten Lesungen mit Sarah Diehl („Die Uhr, die nicht tickt“) und Gertraud Klemm („Aberland“) veranstalten können. Darauf freuen wir uns!

Auch im Januar haben wir bereits eine Veranstaltung für euch. Am 23.01. werden sechs Frauen mit Fotos und Film über ihre Reise in die Mongolei berichten. Der gesamte Eintritt fließt als Spende an die MONAliesA.

Unser erster Öffnungstag in diesem Jahr ist der 6. Januar. Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern alles Gute für 2015!

Antifeministisches Streichkonzert

Feminist solidarity now!

Letztes Wochenende trafen sich in Leipzig die unter dem i.d.a-Dachverband organisierten deutschsprachigen Frauen-/Lesbenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen. Dieses jährlich stattfindende Treffen dient nicht nur dem fachlichen Austausch und der Vernetzung. Das Treffen zeigt vor allem auch die Vielfalt und das unermesslich reiche Erbe der Frauenbewegungen im deutschsprachigen Raum. Und genau dieser Reichtum, diese Vielfalt drohen nun verloren zu gehen – und daran haben auch (leider) Frauen ihren Anteil!

Archiv Frau und Musik

In Frankfurt/Main sitzt ein weltweit einzigartiges Archiv: das Archiv Frau und Musik. Es beherbergt ca. 20.000 Medieneinheiten und stellt damit das umfangreichste internationale Komponistinnen-Archiv dar. Neben Kompositionen und sonstigen künstlerischen Nachlässen musikschaffender Frauen werden Sekundärliteratur, Hochschulschriften, Presseveröffentlichungen sowie graue Literatur, wie zum Beispiel Konzertprogramme, gesammelt.

Diese Schatzkammer, deren ältesten Quellenbestände bis in das 9. Jahrhundert (!) zurückreichen, ist akut von der Schließung bedroht! Die Bankenstadt Frankfurt/Main hat für 2014 alle bisherigen Fördermittel für das Archiv gestrichen. Während das Land Hessen bereit ist das Archiv weiter finanziell zu fördern, bleibt Frankfurt/Main hart. Falls keine Einigung erzielt wird, droht die Schließung!!

Die Frauen vom Archiv Frau und Musik benötigen dringend Unterstützung! Hier geht es zur Online-Petition.

FrauenMediaTurm

Bereits im Frühjahr 2013 schlugen die medialen Wellen hoch: Die frisch gewählte weibliche Doppelspitze von Nordrhein-Westfalen (Rot-Grün wohlgemerkt) kürzte rückwirkend (!) die Fördermittel für den FrauenMediaTurm (FMT) um satte 140.000 €. Die an Zynismus kaum zu überbietende Begründung lautete damals: „Mit der Förderentscheidung der damaligen Landesregierung (unter Rüttgers) wurde davon ausgegangen, dass sich auch der Bund mit einem gleich hohen Betrag an der Förderung des FMT beteiligt. (…) Damals wurde von einer jeweils hälftigen Finanzierung zwischen Bund und Land ausgegangen. (…) Ich hoffe, dass es Ihnen gelingen wird, die immer intendierte komplementäre Finanzierung Ihres FrauenMediaTurms mit Hilfe von Bund, Land und Drittmitteln erfolgreich zu gewährleisten.“ Liebe Frau Kraft: Wie sollen denn bitte Drittmittel langfristig eingeworben werden, wenn die Einrichtung um ihre Existenz kämpft und nicht mal die Stromrechnung bezahlen kann? Für Drittmittelakquise braucht es Personal und Zeit – beides sind Ressourcen, die in Frauen-/Lesbenarchive und -bibliotheken kaum noch anzutreffen sind.

Und nun streicht die Landesregierung unter der Federführung von Hannelore Kraft die letzten Fördermittel in Höhe von 70.000 €. Würde der Bund den FMT nicht mit 150.000 € fördern und der Vorstand mit enormen Einsatz Drittmittel einwerben – der FrauenMediaTurm müsste seine Pforten schließen. Die Verhandlungen mit dem Bund laufen – Ausgang ungewiss.

Und wir, MONAliesA?

Auch unsere finanzielle Sitaution ist prekär und äußerst unsicher. Jährlich müssen neue Förderanträge eingereicht werden, hinzu kommen mehrere Projektanträge für Drittmittel. Während wir für die Frauen-/Gendbibliothek vorsichtig hoffen, bangen wir derzeit um unsere feministische Mädchenarbeit.

Derzeit plant die Sadt Leipzig im Bereich der freien Trägern eine Mittelkürzung um 50%!! Anders ausgedrückt: Bis zu 10 Einrichtungen droht die Schließung! Wen es betreffen wird, weiß im Moment niemand. Nur eines scheint klar zu sein: Kinder- und Jugendarbeit scheint in dieser Stadt keine Priorität zu haben.

Es ist vielen Trägern schon in den letzten Jahren nur durch Leistungsreduzierungen möglich gewesen, tarifliche Steigerungen im Personalbereich und Mehrbelastungen aufgrund höherer Betriebskosten abzufedern. Unsere Mitarbeiterinnen in der Mädchenarbeit sind hochqualifizierte Sozialpädagoginnen, die mit ihren 20 bis 26 Stundenwochen und viel Engagement in Form von (unbezahlten) Überstunden die große Nachfrage nach feministischer Jugendarbeit mit Mädchen in Leipzig abdecken können.

Ob und in welchem Umfang die Mädchenarbeit gestrichen wird, können wir im Moment nicht sagen. Dennoch sind Solidarität und Protest gefragt, denn der drohende Kahlschlag in der Kinder- und Jugendhilfe ist nicht hinnehmbar! Weitere Infos über die skandalösen Kürzungen und Möglichkeiten des Protests findet ihr hier.

 

Brigitte Reimann

Unsere Autorinnenreihe neigt sich (leider) dem Ende zu. Der September steht ganz im Zeichen der Autorin Brigitte Reimann.

Bereits mit 14 Jahren beschließt Brigitte Reimann Schriftstellerin zu werden. Ihr erstes Stück, ein Laienspiel für die Schulweihnachtsfeier, wurde 1948 uraufgeführt. Als sie 1951 das Abitur macht, waren bereits einige ihrer Erzählungen veröffentlicht und Reimann hatte erste Preise erhalten. Sie beginnt ein Studium der Theaterwissenschaften, welches sie aus gesundheitlichen Gründen abbrechen muss. Ihr Geld verdient sie sich dann zunächst als Lehrerin. In der Arbeitsgemeinschaft Junger Autoren kommt sie in Kontakt mit weiteren AutorInnen und widmet sich ab 1953 ganz der Schriftstellerei…

Am 06.09. um 19 Uhr besteht die Möglichkeit mehr über das Leben und Werk der bedeutenden DDR-Autorin zu erfahren. In Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen referieren und lesen Angela Potowski, Martin und Helene Schmidt unter dem Titel „Brigitte Reimann – zwischen Euphorie und Resignation“ aus den Werken Reimanns.

Zum Abschluss zeigen wir am 11.09. um 18 Uhr zusammen mit der Kinobar Prager Frühling den Film „Unser kurzes Leben“ – eine selten gezeigte Defa-Verfilmung des Romans „Franziska Linkerhand“.

„Schmuckstück – Tausche und Schmause“

MONAliesA lädt am 20.07 von 10 bis 14 Uhr erneut ein zum Freund_innen-Brunch. Dieses Jahr soll sich im schönen Kirschgarten an der Paul-Gerhardt-Kirche alles um unsere “Schmuckstücke” drehen: Egal ob Ketten, Ringe, Armreifen oder Hautschmuck – Es gibt so viel, was gezeigt und bewundert werden will. Bei allerlei (gern auch selbstmitgebrachten) veganen und vegetarischen Leckereien besteht die Möglichkeit sich auszutauschen (und zwar im geistigen wie materiellen Sinne) oder der Goldschmiedin über die Schulter zu schauen… Es sind alle Freund_innen herzlich eingeladen!

40 Jahre jüdischer Feminismus – masel tov!

Die Frau im TallitAm Donnerstag, den 27.06., um 19 Uhr spricht Dr. Yvonne Domhardt über „Die weibliche Seite des Judentums“. Ihr Vortrag über 40 Jahre jüdischer Feminismus findet im Rahmen der Jüdischen Woche 2013 Leipzig statt.

1972 hatte alles begonnen: Die Ernennung der Amerikanerin Sally Priesand zur ersten Rabbinerin nach der Schoa (bereits 1935 wurde Regina Jonas in Deutschland zur ersten Rabbinerin weltweit ordiniert) markierte einen Meilenstein in der jüdischen (Frauen)Geschichte und kann als Geburtsstunde des jüdischen Feminismus gesehen werden. Ursprünglich in den Vereinigten Staaten aufgekommen, erreichte der jüdische Feminismus bald auch Europa. Die Judaistin Yvonne Domhardt zeichnet  in ihrem Vortrag die Geschichte der jüdisch-feministischen Bewegung vorwiegend innerhalb Deutschlands – auch mit Blick auf Schweizer Verhältnisse – nach.

Ausgehend von der nahezu in Vergessenheit geratenen Tradition der jüdischen Frauenbewegung im Deutschland vor der Schoa mit Bertha Pappenheim als Gründerin des jüdischen Frauenbundes JFB (1904) bis hin zur jüdisch-feministischen Initiative Bet Debora setzt sie sich kritisch mit jüdischen Traditionen auseinander und sucht nach Wegen für ein weiblicheres Judentum, für mehr Geschlechtergerechtigkeit im Judentum.

Heute um 19 Uhr laden wir im Kirschgarten gegenüber der Paul-Gerhard-Kirche ein:

“Für jede kommt die Zeit” – Eine musikalisch-szenische Lesung

An diesem Abend werden Ausschnitte aus Maxie Wanders bahnbrechendem Protokollband Guten Morgen, Du Schöne vorgestellt. Die darin aufgenommenen Erlebnisse von Frauen, die ihre Suche nach Lebenssinn und Lebensglück sowie ihre Sichtweisen auf Männer schildern, sollen mit gegenwärtigen weiblichen Befindlichkeiten musikalisch-szenisch verglichen werden. Was hat sich verändert im Laufe der Zeit? Fühlt und empfindet frau heute anders? Welche Beweggründe und Haltungen stehen jeweils dahinter? Und was für ein gesellschaftliches Bewusstsein? Eine musikalische Lesung, nicht nur für Frauen.

Dazu gibt es Sonne, ein kleines Buffet und kühle Getränke.

Jagende Aborigines-Frauen

KästnerJagendeSammlerinnen
© Sibylle Kästner

Am Dienstag, den 04.06., um 19 Uhr laden wir zu einer Buchvorstellung ein. Sybille Kästner wird über Jagende Sammlerinnen und sammelnde Jägerinnen bei den australischen Aborigines sprechen.

In ihrer feministisch-kritischen Analyse räumt die Autorin mit dem Stereotyp auf, Jagd sei eine Männerdomäne. Vielmehr ist das Erbeuten von Tieren in den Lebenszyklus und die religiöse Welt der Aborigines-Frauen eingebettet, wozu auch ihre aktive Teilhabe an Zeremonien zur Beutevermehrung gehört.

An dieser Stelle möchten wir auf weitere Literatur über Aborigines-Frauen aus unserem Bestand hinweisen.

 

Jackie und Rita Huggins: Die Stimme meiner Mutter

Entwurzelt und verschleppt leben noch heute Aboriginals aus den Zeiten der Stolen Generation in Australiens Ghettos. Rita erzählt ihre Geschichte, die durch all diese Demütigungen ging, aber sich durch ihre Lebenseinstellung zu beachtlichen Erfolgen wendete. Die Kindheit im Lager, wohin sie mit ihrer Familie deportiert war. Sie erlebt Ungerechtigkeit und Hoffnungslosigkeit des Reservats unter den entwürdigenden Regeln des weißen Mannes. Der Zusammenhalt ihrer Familie, das Bewußtsein der Eltern für Menschenwürde und spirituelle Werte, retten Ritas Persönlichkeit.
Wir erleben sie als Ehefrau, als Mutter, in ihrer Sehnsucht nach Liebe, in ihrer Suche nach geistiger Erfüllung. Wir verfolgen aber auch ihren Weg als Aktivistin für die Rechte der Schwarzen.

Gail Jones: Perdita

Die zwölfjährige Perdita lebt mit ihrer wahnsinnigen Mutter und ihrem verbitterten Vater in der australischen Wildnis heran, in einer Hütte voller Zeitungsausschnitte über den Zweiten Weltkrieg und vermodernder Bücher, in denen Schlangen hausen. Die Shakespeare-Zitate der Mutter sind die Grundlage von Perditas spärlicher Bildung. Verwildert und frei, sucht sie Liebe bei dem taubstummen Sohn der Nachbarn und in dem Aborigine-Hausmädchen Mary. Perdita scheint zufrieden mit ihrem Leben in diesem gottverlassenen Winkel der Erde – bis zu dem Tag, an dem ihr Vater erstochen aufgefunden wird. Mary bekennt sich schuldig und wird verhaftet, Perdita verliert das Gedächtnis und kann fortan nur noch flüstern und stottern. Erst als sie die wahren Umstände des Mordes zu erinnern gezwungen ist, findet sie auch ihre Sprache wieder …

Perdita ist Gail Jones´ Beitrag zur Debatte um die Entschuldigung der australischen Regierung für ihre unmenschliche Behandlung der Aborigines.

The Rabbit-Proof-Fence (Long walk home), DVD

Australien, 1931, in einem Aborigine Dorf namens Jigalong Ein heranrasendes Auto zieht eine gewaltige Staubwolke hinter sich her. Plötzlich stürmen Männer aus dem Wagen. Wenige Augenblicke später verflüchtigt sich der Staub – und drei Kinder sind verschwunden. Gewaltsam haben die Männer die 14-jährige Molly, ihre achtjährige Schwester Daisy sowie deren zehnjährige Cousine Gracie aus ihren Familien gerissen. Ganz legal, im Namen der Regierung, denn die australische Rassenpolitik duldet keine „Mischlingskinder“. Quer durch den Kontinent werden Molly, Daisy und Gracie in das fast 2.500 Kilometer entfernte Erziehungsheim Camp Moore River transportiert. Zwei Nächte halten es die Mädchen in ihrem Gefängnis aus. Dann wagen sie das Unmögliche Sie treten die nahezu endlose Flucht nach Hause an. Dabei orientieren sie sich an dem großen Zaun, der den Kontinent zerteilt, um Kaninchen vom Farmland fernzuhalten, dem Rabbit-Proof Fence…

An den/die Zettelschreiber_in

img_0001Liebe_r Zettelschreiber_in,

leider haben wir auf Grund fehlender Kontaktdaten nicht die Möglichkeit persönlich auf Ihren Zettel zu antworten, daher dieser Blogeintrag in der Hoffnung, dass Sie ihn eventuell lesen werden.

Sie haben uns am 5. März, am Abend der Femen-Veranstaltung, einen Zettel hinterlassen, den wir leider erst jetzt entdeckt haben. Darin kritisieren Sie zwei Bezeichnungen unserer Bibliothekssystematik und die darin eingeordnete Literatur.

Zur Bestandssystematik:

Sie kritisieren die Begriffe „Behinderte“ und „Indianerinnen“. Sie haben völlig Recht. Auch ich persönlich verwende die Umschreibung „Menschen mit Behinderung“ und spreche lieber von „Native Women“, „Indigene Frauen“ oder „Frauen der First Nations“. Nicht unerwähnt soll aber bleiben, dass es natürlich auch Natives gibt, die sich (in ironischer Aneignung) selbst als „Indians“ bezeichnen – um „den Weißen“ vor Augen zu führen, was für Nieten sie doch in Geografie seien.

Sie kritisieren ferner, wenn auch etwas unkonkret, die angebotene Literatur unter dem Schlagwort „Indianerinnen“. Unter diesem (nochmal: unglücklichen) Begriff sind Bücher einsortiert, die sich aus unterschiedlicher Perspektive und mit verschiedenen stilistischen Mitteln mit den Native Women beschäftigen. Ich bestreite nicht, dass sich auch Bücher darunter befinden, die ein verkitschtes und romantisierendes Bild der Native Americans zeichnen. Dazu ist zunächst grundsätzlich zu sagen, dass der Medienbestand von MONAliesA nicht erst vor zwei Wochen aufgebaut wurde, sondern seit 1990 (!) kontinuierlich wächst. Inhalt und Struktur unserer Bibliothek haben bereits eine eigene Geschichte und weisen die „Handschriften“ der zahlreichen Mitarbeiterinnen und Helferinnen der vergangenen 23 Jahre auf. Eine vorsichtige Schätzung geht mittlerweile von mehr als 20.000 Medieneinheiten aus. Die kontinuierliche Pflege eines solch großen Bestandes ist für einen Verein wie uns eine sehr aufwändige Angelegenheit. Sie können sich aber sicher sein, dass die Frage der Bestandsrevision bei MONAliesA seither mehrfach, auch kontrovers, diskutiert wurde. Schon aus Platzgründen sortieren wir ab und an auch Bände aus und vertreten dennoch die Meinung, dass es nicht Aufgabe einer Bibliothek ist, seine Leser_innen mittels Giftschranksystem zu bevormunden. Im Zweifelsfall setzen wir lieber auf persönliche Beratung und den Hinweis auf weitere Literatur. Dazu ist es freilich unabdingbar, dass wir auch offen angesprochen werden – Uns also (anonym) ein mangelndes Bewusstsein vorzuwerfen, verkennt die Hintergründe und Rahmenbedingungen einer Bibliothek wie MONAliesA vollkommen. Hätten Sie sich, liebe_r Kritiker_in, zudem einmal die Zeit genommen, den kritisierten Bestand genauer durchzusehen, dann wäre Ihnen unschwer aufgefallen, dass die große Mehrheit der angebotenen Literatur von Native Women selbst verfasst wurde. Zu nennen wären hier: Winona LaDuke, Wilma Mankiller, Beverly Hungry Wolf oder Leslie Marmon Silko. Wer diese Bücher liest, dem wird schnell klar, dass hier keine (post)kolonialen Fanasien bestätigt werden, sondern tiefe Einblicke in die Geschichte, Gegenwart und Kultur der Native Americans geboten werden.

MONAliesA hat im Blog schon mehrfach auf Themen wie „Native Women“ oder „Indigenous Feminisms“ hingewiesen, auch Literaturtipps gegeben. Wir haben auch den kopflosen Umgang mit Symbolen und Bekleidungen der amerikanischen Ureinwohner kritisiert und dazu passende Bücher  empfohlen. In unserem Veranstaltungsprogramm berücksichtigen wir quasi permanent auch Themen, die sich kritisch mit diesen und ähnlichen Zusammenhängen beschäftigen: Ich gehe nicht davon aus, dass Sie, liebe_r Kritiker_in, schon mal einen solchen Vortrag bei uns besucht haben, denn diese Themen gehören häufig leider nicht zu den besucherstärksten. Und darum noch mal: Uns mangelnde Sensibilität oder fehlendes Wissen über (post-)koloniale Zusammenhänge vorzuwerfen, ist nicht fair.

Warum ändern wir aber nicht einfach solch problematische Schlagworte wie „Indianerinnen“ oder „Behinderte“? An Willen fehlt es uns sicher nicht, schon eher an Kapazitäten: Die Frauen-/Genderbibliothek wird zur Zeit komplett ehrenamtlich betreut. Dies schließt die Einarbeitung neuer Medien, Betreuung der Ausleihe und die Bestandpflege mit ein. Jeder Eingriff in die Tektonik eines historisch gewachsenen Bestandes wie den unsrigen ist ein äußerst arbeitsaufwändiges Unterfangen: Es müssen nicht nur zahllose Karteikarten geändert, sondern auch Eintragungen im Online-Bestandskatalog sowie  Änderungen in der Gesamtsystematik vorgenommen werden. Dazu fehlen uns im Moment schlicht die personellen Ressourcen.

Zum Schluss schreiben Sie, dass Sie sich in der Bibliothek „sehr unwohl“ fühlten. Ich bedaure das sehr, zumal Ihnen so leicht hätte geholfen werden können: Wir freuen uns jederzeit über Kritik und Meinungsbekundungen an unserer Arbeit, sofern die Betroffenen sich wenigstens bemühen auch das direkte Gespräch mit uns zu suchen. Es ist äußerst schwer auf anonyme Kritik zu reagieren und es zeugt auch nicht von Fairness. Ich finde diesen Umstand mehr als schade und wünsche mir für die Zukunft, dass Besucher_innen und Nutzer_innen auf uns zu kommen, uns ihr Anliegen oder Problem direkt schildern bzw. uns einfach fragen. Nur so können Missverständnisse künftig vermieden werden. „Also, traut Euch!“

Feministische Protestkultur heute

Seit Beginn der Frauenbewegungen bildete der öffentliche Protest bzw. die feministische Demonstration einen wichtigen Bestandteil, um für gesellschaftliche Tabus, feministische Forderungen und Themen zu sensbilisieren. Dabei bewiesen die Feminist_innen über die Jahrzehnte hinweg eine enorme Kreativität. Bereits die Akteurinnen der Ersten Frauenbewegung um 1900 und die Feministinnen der 1970er Jahre wussten sich und ihre Protestaktionen medienwirksam zu inszenieren. Angefangen von den Radikalen über die Dollen Minas aus den Niederlanden und den Guerrilla Girls bis hin zu den La-Barbe-Aktionen. Auffällig ist jedoch, dass der Protest freizügiger geworden ist. Bekanntestes Beispiel sind die Femen aus der Ukraine. Auch inhaltich scheint es neben konstanten Problemen auch Verschiebungen gegeben zu haben.

Die Diskussionsveranstaltung am Dienstag den 5.3. um 19 Uhr möchte den Blick auf die Gegenwart richten und die feministische Protestkultur der letzten 20 Jahre resümieren. Das Hauptaugenmerk richtet sich u.a. auf die Slutwalk-Bewegung, die Femen und auf Pussy Riot. Neben den Aktuer_innen und deren Netzwerke soll vor allem über die Themen und die visuellen Inszenierungen des gegenwärtigen feministischen Protests diskutiert werden. Die Rolle der Medien gilt es ebenso kritisch zu reflektieren wie auch die Ziele und Forderungen der feministischen Aktivist_innen.

Eingeladen sind Femen Germany, e*vibes und Dorothee Marth. Los geht es um 19 Uhr. der Eintritt beträgt 2 €.

Falls eine englische Übersetzung benötigt wird, bitte an monaliesa@leipzigerinnen.de Bescheid geben!

Achtung: Bei der Veranstaltung handelt es sich um eine reine Diskussionsveranstaltung! Protestkundgebungen oder -veranstaltungen jeglicher Art (an- oder ausgezogen) und das zeigen von Protestmedien (Plakate, Körper, usw.) sind untersagt. Auch das Nutzen oder Zeigen faschistischer und verfassungsfeindlicher Symbole ist nicht gestattet. Personen, die diesen Bestimmungen zuwiderhandeln, werden des Raumes verwiesen.

Doppelgeburtstag: Maxie Wander und MONAliesA

Am 26.02. um 19 Uhr lässt es die Frauen-/Genderbibliothek MONAliesA so richtig krachen! Es darf ausgelassen getanzt, geschmaust und gefeiert werden, ohne rücksicht auf Füße, Hüfte und den morgigen Arbeitstag!

MONAliesA wird in diesem Jahr 23 Jahre alt und das ist angesichts der weiterhin bestehenden unsicheren Fördersituation nicht nur ein Grund das Tanzbein zu schwingen, sondern auch immer wieder ein Wunder.

Die Feierlichkeiten stehen ganz im Zeichen der DDR-Autorin Maxie Wander. Als feierliches Abendprogramm gibt es eine musikalisch szenische Lesung, bei der aus dem Klassiker „Guten Morgen, Du Schöne“ gelesen wird.

„Ich halte jedes Leben für hinreichend interessant, um anderen mitgeteilt zu werden“, sagte Maxie Wander über „Guten Morgen, du Schöne“. Mit dieser Motivation entstanden Gespräche mit 19 ganz unterschiedlichen Frauen, welche die Schriftstellerin aufzeichnete und 1977 veröffentlichte. Alles kam in dem Buch zur Sprache. Die Frauen redeten über Gefühle, Familie, Arbeit, Männer, Sexualität und immer ging es um die Frage: Ist meine Art zu leben die „richtige“? Entstanden sind bewegende Gesprächsprotolkolle, die Imtraud Morgner einmal als Reichtümer bezeichnete. Dieses Buch verdient wiederentdeckt zu werden – dazu möchte die Veranstaltung einen Beitrag leisten.