Schlagwort-Archive: indigener Feminismus

Sommerpause und Ausblick

In der kommenden Woche startet die Frauen- und Genderbibliothek in die wohlverdiente Sommerpause! Der Ausleihbetrieb ist daher vom 29. Juli bis 31. August geschlossen.
Das Büro ist ebenfalls eingeschränkt besetzt: Vom 06.08. bis 31.08. am Dienstag und Donnerstag jeweils von 9 bis 14 Uhr.

Ab September starten wir wieder durch und es erwarten Euch u. a. diese Neuerwerbungen:

Rigoberta Menchu: Enkelin der Maya und Klage der Erde

In diesen beiden Büchern erzählt die Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchu über den Kampf der Maya gegen Genozid und politische Verfolgung der indigenen Bevölkerung in Guatemala. Die berühmteste Frau Guatemalas erzählt ausführlich über ihre Kindheit in dem kleinen Dorf Chimel, über ihre Familie, die Zeit der furchtbaren Repression, über ihren Bezug zur Erde und zur Natur, ihre Bemühungen in den Korridoren der UN-Menschenrechtskommission in Genf und New York, die Verleihung des Nobelpreises …

 

 

 

Peggy Piesche (Hg.): Euer Schweigen schützt euch nicht

Der vorliegende Band ist eine Sammlung von bereits erschienenen und bisher unveröffentlichten Texten Audre Lordes. Ergänzt werden diese durch Texte von Frauen, die gemeinsam mit der Autorin den Weg einer deutschen Schwarzen Frauenbewegung gingen und von Schwarzen Frauen der Nachfolgegenerationen aus Deutschland, die sich mit ihrem Erbe und den aktuellen Kämpfen auseinander setzen.

 

 

Gabriele Dietze: Weiße Frauen in Bewegung. Genealogien und Konkurrenzen von Race- und Genderkritiken

Die Studie konfrontiert zwei zentrale Emanzipationsanstrengungen der Moderne miteinander: unmarkierte ›weiße‹ US-amerikanische Frauenbewegungen und den Kampf um Bürgerrechte von people of color. Es geht dabei um implizite Sozio- und Psycho-Logiken, die Feminität mit whiteness gleichsetzen und race-Emanzipation mit Maskulinität. Die Studie untersucht kontraproduktive Race-Gender-Konkurrenzen, z.B. einen ›Rape-Lynching-Komplex‹, der schwarze Männer und weiße Frauen in ein Gewaltverhältnis imaginiert, Sexualpolitik im Second Wave Feminism und den Prozess um O.J. Simpson. Erkenntnisinteresse ist die Verfugung von Sexismus und Rassismus und seine soziokulturellen Repräsentationsformen.

 

Beate Binder u. a. (Hg.): Eingreifen, kritisieren, Verändern. Interventionen ethnographisch und geschlechtertheoretisch

Unter dem Stichwort „Interventionen“ versammelt dieser Band unterschiedliche Perspektiven auf ethnographische und geschlechterkritische Wissensproduktion, die kritisierend und verändernd in politische Konfliktfelder eingreifen will und auf vielfältige Formen der Kollaboration mit sozialen Bewegungen und gesellschaftlichen AkteurInnen setzt. Die Beiträge loten das Dazwischensein aus – zwischen ForscherInnen und Beforschten, zwischen Wissenschaft, Kunst und Aktivismus.

 

Linda Tuhiwai Smith: Decolonizing Methodologies. Research and indigenous peoples

Ein Klassiker! In diesem Grundlagenwerk beschreibt sie wie westliche Wissenschaften immer noch kolonialistisch arbeiten und wie wissenschaftliche Methoden dekolonialisiert werden können, damit indigene Menschen wieder zu Subjekten werden können. Weiterhin hinterfragt Linda Tuhiwai Smith die Verbindungen zwischen Imperialismus und Forschung und Konzepte wie „Entdeckung“ und „Claiming“, die dazu beigetragen haben, wie sich der Westen indigene Welten in das eigene Netz integriert und dadurch diese entfremdet hat. Ein großartiges Buch! Lesen!

 

 

Hit so hard. The life and near death of Patty Schemel (DVD)

Patty Schemel war ab 1992 die Drummerin der Band Hole. In dem Doku-Film „Hit so Hard“  erzählt sie über ihre Zeit in der Band und über ihre massiven Drogenprobleme. Neben Interviews mit Courtey Love, Eric Erlandson und Melissa Auf Der Maur sind bislang noch nie gezeigte Filmaufnahmen zu sehen, die Patty Schemel während ihrer Zeit mit Hole gedreht hat. Patty Schemel, eine Frau über die eine Dokumentation auf alle Fälle lohnt.

Jagende Aborigines-Frauen

KästnerJagendeSammlerinnen
© Sibylle Kästner

Am Dienstag, den 04.06., um 19 Uhr laden wir zu einer Buchvorstellung ein. Sybille Kästner wird über Jagende Sammlerinnen und sammelnde Jägerinnen bei den australischen Aborigines sprechen.

In ihrer feministisch-kritischen Analyse räumt die Autorin mit dem Stereotyp auf, Jagd sei eine Männerdomäne. Vielmehr ist das Erbeuten von Tieren in den Lebenszyklus und die religiöse Welt der Aborigines-Frauen eingebettet, wozu auch ihre aktive Teilhabe an Zeremonien zur Beutevermehrung gehört.

An dieser Stelle möchten wir auf weitere Literatur über Aborigines-Frauen aus unserem Bestand hinweisen.

 

Jackie und Rita Huggins: Die Stimme meiner Mutter

Entwurzelt und verschleppt leben noch heute Aboriginals aus den Zeiten der Stolen Generation in Australiens Ghettos. Rita erzählt ihre Geschichte, die durch all diese Demütigungen ging, aber sich durch ihre Lebenseinstellung zu beachtlichen Erfolgen wendete. Die Kindheit im Lager, wohin sie mit ihrer Familie deportiert war. Sie erlebt Ungerechtigkeit und Hoffnungslosigkeit des Reservats unter den entwürdigenden Regeln des weißen Mannes. Der Zusammenhalt ihrer Familie, das Bewußtsein der Eltern für Menschenwürde und spirituelle Werte, retten Ritas Persönlichkeit.
Wir erleben sie als Ehefrau, als Mutter, in ihrer Sehnsucht nach Liebe, in ihrer Suche nach geistiger Erfüllung. Wir verfolgen aber auch ihren Weg als Aktivistin für die Rechte der Schwarzen.

Gail Jones: Perdita

Die zwölfjährige Perdita lebt mit ihrer wahnsinnigen Mutter und ihrem verbitterten Vater in der australischen Wildnis heran, in einer Hütte voller Zeitungsausschnitte über den Zweiten Weltkrieg und vermodernder Bücher, in denen Schlangen hausen. Die Shakespeare-Zitate der Mutter sind die Grundlage von Perditas spärlicher Bildung. Verwildert und frei, sucht sie Liebe bei dem taubstummen Sohn der Nachbarn und in dem Aborigine-Hausmädchen Mary. Perdita scheint zufrieden mit ihrem Leben in diesem gottverlassenen Winkel der Erde – bis zu dem Tag, an dem ihr Vater erstochen aufgefunden wird. Mary bekennt sich schuldig und wird verhaftet, Perdita verliert das Gedächtnis und kann fortan nur noch flüstern und stottern. Erst als sie die wahren Umstände des Mordes zu erinnern gezwungen ist, findet sie auch ihre Sprache wieder …

Perdita ist Gail Jones´ Beitrag zur Debatte um die Entschuldigung der australischen Regierung für ihre unmenschliche Behandlung der Aborigines.

The Rabbit-Proof-Fence (Long walk home), DVD

Australien, 1931, in einem Aborigine Dorf namens Jigalong Ein heranrasendes Auto zieht eine gewaltige Staubwolke hinter sich her. Plötzlich stürmen Männer aus dem Wagen. Wenige Augenblicke später verflüchtigt sich der Staub – und drei Kinder sind verschwunden. Gewaltsam haben die Männer die 14-jährige Molly, ihre achtjährige Schwester Daisy sowie deren zehnjährige Cousine Gracie aus ihren Familien gerissen. Ganz legal, im Namen der Regierung, denn die australische Rassenpolitik duldet keine „Mischlingskinder“. Quer durch den Kontinent werden Molly, Daisy und Gracie in das fast 2.500 Kilometer entfernte Erziehungsheim Camp Moore River transportiert. Zwei Nächte halten es die Mädchen in ihrem Gefängnis aus. Dann wagen sie das Unmögliche Sie treten die nahezu endlose Flucht nach Hause an. Dabei orientieren sie sich an dem großen Zaun, der den Kontinent zerteilt, um Kaninchen vom Farmland fernzuhalten, dem Rabbit-Proof Fence…

Brief an Michelle Williams

Michelle Williams als „Indianerin“ – Was soll das?

Liebe Michelle Williams,

seit Jahren sehe ich viele Deiner Filme und bin jedesmal begeistert von deinem schauspielerischen Können. In dem Meer an botoxverseuchten und mehr oder minder talentfreien Schauspielerinnen bist Du glücklicherweise eine große Ausnahme. Doch seit dem Cover des AnOther Magazine finde ich dich irgendwie gar nicht mehr cool. Was ist passiert?

Auf dem Cover bist Du ziemlich eindeutig als Native Woman verkleidet. Ja richtig, verkleidet. In der weißen kapitalistischen Gesellschaft wird das gerne als Ethno-Look bezeichnet. Dieser Mode-Trend taucht immer mal wieder wellenartig auf und soll stets ein Hauch von „Andersartigkeit“, „Naturnähe“ oder „Exotik“ versprühen. Mode darf das, denn „Mode hat keine Moral und darf machen, was sie will.“ So die Meinung von Sabine Resch, Studienleiterin im Bereich Modejournalismus an der Münchner AMD Akademie Mode und Design und Dozentin für Modetheorie. Sie hält die Debatte um Dein Cover-Foto für reichlich übertrieben. Ignoranter kann ein Mensch kaum sein.

Die kapitalistische, rasstische und auch sexistische Vereinnahmung der Kultur der Native Americans, sei es in Nord-, Mittel- oder Südamerika, hat eine lange Tradition und ist eng mit der Geschichte der Kolonisation und ethnischen Verfolgung indigener Menschen verbunden. Menschen indigener Abstammung bzw. Zugehörigkeit wurden jahrhundertelang verfolgt, ihre Sprachen, Religionen und Bräuche wurden unterdrückt und in manchen Regionen auch ausgelöscht. Erst mit dem Aufkommen des American Indian Movement in den 1970er Jahren gelang eine Gegenbewegung zur Bewahrung und Stärkung der vielen hunderten unterschiedlichen Nations.

Die weiße Vereinnahmung indigener Kulturen reicht von Hollywoodfilmen (siehe z. B. Der mit dem Wolf tanzt oder Der letzte Mohikaner) über Musik bis hin zur Mode. Liebe Michelle, hast Du jemals darüber nachgedacht, dass Muster oder Federn für viele Native Americans keine x-beliebige Konsumprodukte sind, sondern essentielle Bestandteile ihrer Identität und Kultur? Hast Du überhaupt eine Ahnung davon, dass die Mode der Native Americans mehrere Jahrhunderte alt ist? Gemusterte Stoffe, die bestimmten Ethnien zugeordnet werden, sind da nicht  einfach nur Muster. Sie haben zum Teil spirituelle Bedeutungen oder sind Zeichen, die mit Botschaften oder gar Geschichten verbunden sind. Aber um das zu wissen, liebe Michelle, muss man sich mit deren Geschichte und Kultur intensiv beschäftigen. Hier sind ein paar Tipps:

* Identity by Design. Tradition, Change, and Celebration in Native Women´s Dresses, von National Museum of the American Indian.

* Indigenous American Women: Decolonization, Empowerment, Activism, von Devon Abbott Mihesuah.

* Conquest. Sexual Violence and American Indian Genocide, von Andrea Smith.

* Reel Injun. On the trail of the Hollywood Indian, Dokumentation 2011.

Ach Michelle, ich dachte Du bist irgendwie klüger als z. B. Gwen Stefanie und ihre Band No Doubt. Die haben im letzten Jahr mit ihren Video „Looking Hot“ mal so richtig in die rasstisch-sexistische Mottenkiste gegriffen. In diesem Clip ist Gwen Stefanie als blonde „sexy Indian Maiden“ zu sehen. Weißt Du Michelle, dass diese rassistische und sexistische Pervertierung der Native Women u. a. ein Grund für die massive sexualisierte Gewalt gegenüber indigenen Frauen ist?

Eigentlich wollte ich mir in dieser Woche Deinen neuen Film „Take this Waltz“ anschauen, aber das überlege ich mir noch. Schade.

 

 

Native American Feminism

Wir richten gerne unseren Blick über den eurozentristischen Tellerrand hinaus und empfehlen unseren Leser_innen sich auch mal mit anderen Feminismen zu beschäftigen. An dieser Stelle möchten wir Literatur empfehlen, die den Native American Feminism bzw. den indigenen Feminismus zum Thema haben.

The sacred hoop. Recovering the Feminine in American Indian traditions

Paula Gunn Allen zählt zu den Pionierinnen des Native American Feminism und hat dazu eines der wichtigsten Bücher geschrieben: The sacred hoop. Darin zeigt sie die anhaltende Lebendigkeit der amerikanisch-indianischer Traditionen auf und betont dabei die elementare Rolle der Frau. Paula Gunn Allen war mit diesem Buch nicht nur eine der ersten Aktivistinnen, die lesbische Indianerinnen eine Stimme gab, sondern auch die „roten“ Wurzeln des weißen amerikanischen Feminismus hervorhob.

 

I am woman

Lee Maracle ist eine der profiliertesten Stimmen der First Nations in Kanada. Sie ist eine mit Preisen ausgezeichnete Autorin, Perfomerin, Schauspielerin und Mythenbewahrerin der Staulo. Ihr Buch I am woman bezeichnet sie selbst als eine persönliche Auseinandersetzung mit Frausein, Kultur, traditionellen spirituellen Glauben und politische Unabhängigkeit: „My original intention was to empower Native women to take heart their own personal struggle for Native feminist being.“

 

 

 

Weg der Tränen

Wilma Mankiller hat Geschichte geschrieben. Zwar war sie nicht, wie oft behauptet, der erste weibliche Chief der Cherokee Nation. Dennoch hatte sie in dieser Position von 1985 bis 1995 die Geschicke dieser Nation geleitet und ihren Fortlauf maßgeblich geprägt. In ihrem Buch Weg der Tränen erzählt sie nicht nur ihre eigene Lebensgeschichte, sondern auch die ihrer Nation. Ein bewegendes Buch einer starken Frau, die vom (Über)leben und Kraft der Cherokee im 20. Jahrhundert erzählt und Mut macht.

Zum Ausklang und für eine weitere Inspiration: Buffy Sainte Marie mit „No no Keshagesh“


Wie immer alles bei uns auszuleihen! 🙂