Schlagwort-Archive: Geschichtsbewusstsein

A tsunami of life

Jeanne Córdova ist eine Pionierin der lesbisch-feministischen Bewegung in den USA. In den1970er Jahren gehörte sie zu den ersten, die in vorderster Reihe für Frauen und soziale Gerechtigkeit kämpften.

Bereits 1971 veröffentliche sie The Lesbian Tide, das erste nationale Magazin, welches sich ausschließlich mit lesbischen Themen befasste: As the first of my many political children, The Lesbian Tide exceeded our hopes that we wanted to build a national lesbian publication that would reflect the fact that we were a national community. Not just a small group in L.A., or NYC cells of activists.

Neben ihren journalistischen Arbeiten veröffentlichte Jeanne Córdova zahlreiche Bücher w.z.B. “Kicking the Habit: An Autobiographical Novel. A Lesbian Nun Story” oder “Sexism. It’s a Nasty Affair”.

Nun hat Jeanne Córdova ihr bewegtes Leben in einer Autobiographie niedergeschrieben: “When we where outlaws”. Kaum erschienen wurde es auch gleich mit drei Preisen ausgezeichent: dem LAMBDA LITERARY AWARD (Lesbian Memoir/Biography), der PUBLISHING TRIANGLE (Judy Grahn lesbian non-fiction award) sowie dem GOLDEN CROWN LITERARY AWARD

Na wenn das mal keine Einladung ist, dieses Buch zu lesen! (Dieses Buch wird demnächst auch in unserem Bestand zu finden sein – Bitte noch etwas Geduld!)

Workshop: “Erinnern und Vergessen” in Krasne (Ukraine)

Im polnischen Jugów (Hausdorf) im niederschlesischen Eulengebirge wurde vor zwei Jahren ein Projekt gestartet, das in der kommenden Woche seine Fortsetzung in Krasne (Ukraine) finden wird: Unter dem Titel “Memory & Oblivion” begann ein Team von jungen Wissenschaftlerinnen aus Deutschland, Polen und der Ukraine sich mit den Folgen des Zweiten Weltkrieges aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive zu befassen und insbesondere die Thematik der Zwangsmigration im Kontext individueller als auch kollektiver weiblicher Erfahrungsmuster näher zu beleuchten. Zentrales Anliegen dabei war die Dekonstruktion national determinierter Opferdiskurse sowie die Fokusierung auf die Schicksale der Frauen jener Jahre, die in (politisch rechts wie links zu verortenden) geschichtspolitischen Erinnerungsdiskursen der einzelnen Länder Mittel- und Osteuropas bislang überwiegend als passive Randfiguren im Verlaufe dieser zäsurhaften Jahre in Erscheinung treten durften.


Die Geschichte der Frauen von Jugów war für uns Teilnehmerinnen gerade deshalb so interessant, weil hier in diesem kleinen hundert-Seelen-Dorf im Zuge der Kriegsereignisse ein nahezu vollständiger Bevölkerungsaustausch stattgefunden hat: Deutsche Frauen verließen den Ort (einige wenige blieben aber auch), polnische und ukrainische Frauen aus dem Osten Europas (sowie aus dem französischen Exil) fanden hier ein neues zu Hause bzw. wurden hierher zwangsumgesiedelt. Wie nahmen diese Frauen jene schicksalhaften Monate wahr? Wie gingen sie mit den Brüchen in ihrer Biographie um? Wie erlebten und verarbeiteten sie das Spannungsverhältnis von Brutalität und Alltag in Kriegszeiten? Wie organisierten sie nicht zuletzt auch ihre eigenen Bedürfnisse? Solche und ähnliche Fragen standen im Zentrum dieses ersten internationalen Geschichtsworkshops, in dessen Ergebnis ein höchst sehenswerter Dokumentarfilm entstanden ist, der den Frauen von Jugów Raum und Zeit für ihre individuelle Geschichte einräumt.

Trailer:
[vimeo 28007409 w=500 h=281]

Als Kooperationspartnerin beteiligt sich MONAliesA auch am zweiten Teil dieses internationalen Workshops, weshalb ich mich am kommenden Freitag auf den langen Weg in Richtung Lviv machen werde. Auch hier soll am Ende wieder ein Film entstehen, der im Sinne der Oral History einmal jenen Themen und Akteurinnen ein Podium bereitet, die vom erinnerungspolitischen Mainstream bislang zumeist übertönt wurden, deren biographische Erfahrungen somit auch unweigerlich dem Vergessen anheimzufallen drohen.

Über meine Eindrücke und Erlebnisse vom zweiten Teil des Workshops werde ich versuchen auch möglichst zeitnah hier im Blog zu berichten. Wer mehr Interesse am Projekt hat, sei einerseits natürlich auf die Dokumentation “Memory and Oblivion” verwiesen, die bei uns in der Bibliothek zum Ausleihen bereitliegt. Interessant ist außerdem:

– Link zur “Fundacja Kobieca” zum ersten Teil des Projektes: http://www.efka.org.pl/en/?action=gl&ID=119

– Bericht im “Kurier Galicyjski”: http://www.kuriergalicyjski.com/index.php/reportage/724-projekt-historyczny-o-przesiedleniach-na-ukrainie-zachodniej

–  Projektbeschreibung auf der Seite von “Geschichtswerkstatt Europa”: http://www.geschichtswerkstatt-europa.org/projekt-details/items/krasne.html

(Jessica Bock)

Dorothea und Margarete

MONAliesA gedenkt heute zwei Frauen, die in zwei unterschiedlichen Bereichen Pionierinnen waren:

Dorothea Chrsitiane Erxleben lebte von 1715 bis 1762 und war die erste deutsche promovierte Ärztin. Bereits als Mädchen zeigte sie ein außergewöhnliches Interesse an naturwissenschaftlichen Studien. Ihre außergewöhnlichen geistigen Fähigkeiten wurden von ihrem Vater gewürdigt und sie genoss die gleiche medizinische Ausbildung wie ihr Bruder. Der Zugang zur Universität wurde ihr verwehrt. Erst die väterliche Intervention bei Friedrich dem Großen ermöglichte Dorothea Christiane Erxleben die Promotion.

Zeitlebens kämpfte sie gegen die Vorurteile und Anfeindungen gegenüber gebildeten Frauen an. In ihrer berühmten Schrift Gründliche Untersuchung der Ursachen, die das weibliche Geschlecht vom Studiren abhalten heißt es:

„Die Verachtung der Gelehrsamkeit zeigt sich besonders darin, dass das weibliche Geschlecht vom Studieren abgehalten wird. Wenn etwas dem größten Teil der Menschheit vorenthalten wird, weil es nicht allen Menschen nötig und nützlich ist, sondern vielen zum Nachteil gereichen könnte, verdient es keine Wertschätzung, da es nicht von allgemeinem Nutzen sein kann. So führt der Ausschluss vieler von der Gelehrsamkeit zu ihrer Verachtung. Dieses Unrecht ist ebenso groß wie dasjenige, das den Frauen widerfährt, die dieses herrlichen und kostbaren Gegenstandes beraubt werden.“

 Margarete Mitscherlich ist gestern im Alter von 94 Jahren gestorben. Sie gehörte nicht nur zu den bekanntesten Psychoanalytikerinnen Deutschlands, die das Erbe Sigmund Freuds zurück nach Deutschland brachte. Sie war auch eine bekennende Feministin, die sich kritisch mit der Frauenbewegung und den Geschlechterrollen auseinandersetzte. Ihre Werke wie Die Unfähigkeit zu Trauern oder Die friedfertige Frau gelten als Schlüsseltexte und beeinflussten Generationen.

Trotz ihres hohen Alters war sie hellwach, leidlich gesund und noch immer berufstätig: Bis zuletzt hielt sie gelegentlich psychoanalytische Sitzungen ab, las mehrere Tageszeitungen und schrieb täglich E-Mails.

Ad fontes, Ladiez!

„Die Geschichte aller Zeiten, und die heutige ganz besonders, lehrt: dass diejenigen, welche selbst an ihre Rechte  zu denken vergessen, auch vergessen wurden.“

Dieses Zitat von Louise Otto Peters, der bedeutenden Frauenrechtlerin aus Leipzig, lässt sich ohne Weiteres auch auf das allgemeine Feld der weiblichen Erinnerungs- und Geschichtskultur übertragen: „Die Geschichte aller Zeiten, und die heutige ganz besonders, lehrt: dass diejenigen, welche selbst an ihre Geschichte zu denken vergessen, auch vergessen wurden.“ Diesen Umstand haben bereits die Kämpferinnen der Frauenbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts erkannt und ihre eigenen Archive und Sammlungen begründet. Entstanden ist eine breite und vielfältige Frauenarchivlandschaft mit wertvollen Schätzen der Frauenbewegung.

Auch heute ist es wichtig feministische Gruppen und deren Aktivitäten zu dokumentieren. Warum, das zeigt ein Video, das zwar mehr auf die Occupy-Bewegung gemünzt ist, aber durchaus auf die heutige queer-feministische Bewegung übertragbar ist:

[vimeo 41009024 w=500 h=369]



Also Ladiez: Verantwortung – Selbstbestimmung – Forschung – Austausch – Kontinuität:

MONAliesA plant zurzeit den Aufbau eines queer-feministischen Archivs, das die vielfältigen Strömungen gegenwärtiger frauen-/queerpolitischer Bewegungen so dicht und umfassend wie möglich dokumentieren und archivieren soll. Seien Sie dabei und unterstützen Sie uns! Wir sammeln:
Plakate, Flyer, Fotos, Protokolle, Bilder, (fremdsprachige) Fan-Zines, Aufnäher, studentische Arbeiten, Radiosendungen, Konzertmitschnitte etc.etc. etc. …

Weitere Informationen →hier.