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Buchtipps für den Herbst

Für die kalten und regnerischen Herbsttage empfehlen wir unseren Leser_innen folgende frisch eingetroffene Bücher:

Jennifer Teege: Amon. Mein Großvater hätte mich erschossen

Es ist ein Schock, der ihr ganzes Selbstverständnis erschüttert: Mit 38 Jahren erfährt Jennifer Teege durch einen Zufall, wer sie ist. In einer Bibliothek findet sie ein Buch über ihre Mutter und ihren Großvater Amon Göth. Millionen Menschen kennen Göths Geschichte. In Steven Spielbergs Film «Schindlers Liste» ist der brutale KZ-Kommandant der Saufkumpan und Gegenspieler des Judenretters Oskar Schindler. Göth war verantwortlich für den Tod tausender Menschen und wurde 1946 gehängt.

Dieses Buch ist zurecht von den Feuilletons gelobt worden. Jennifer Teege gelingt es auf beeindruckender Art und Weise die Leser_innen auf ihre Reise in die Vergangenheit mitzunehmen. Teegers Schilderungen über ihre schonungslose Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Familiengeschichte wird von Zeitzeug_inneberichten und historischen Fakten über Amon Göth angereichert. Dadurch gewinnt das Buch nicht nur an Intensität, sondern macht auch deutlich, dass die Aufarbeitung des Nationalsozialismus in der dritten bzw. gar vierten Generation noch lange nicht abgeschlossen ist.

 

Janet Frame: Auf dem Maniototo

Janet Frame zählt zu den bekanntesten Autorinnen Neuseelands. Zur literarischen Berühmtheit schaffte sie es mit ihrem autobiografisch gefärbten Roman „Der Engel an meiner Tafel“, der 1990 von Jane Campion fulminant verfilmt wurde.

Nun hat der C.H.Beck-Verlag den bereits 1987 erschienen Roman „Auf dem Maniototo“ auf deutsch veröffentlicht: In ihrem vielleicht schönsten Roman erzählt Janet Frame von einer Frau, die, nachdem sie ihren Ehemann verloren hat, beschließt Schriftstellerin zu werden. Sie absolviert einen Kurs, geht auf Reisen, verliebt sich, heiratet erneut – und wird wieder Witwe. Auf Einladung von Freunden verbringt sie, die Neuseeländerin, den Sommer in Berkeley, Kalifornien, und erbt unversehens das Haus ihrer Freunde, die bei einem Erdbeben in Italien ums Leben kommen. Doch am Ende des Sommers tauchen sie quicklebendig wieder auf. Was ist Realität, was Fiktion, wie glaubwürdig ist die Erzählerin, die sich uns unter verschiedenen Namen vorstellt? Amüsant und detailreich, haarsträubend und bunt, in einer grandiosen Sprache erzählt dieser Roman lauter Geschichten und handelt dabei zugleich vom Schreiben und Erzählen selbst.

Swetlana Alexejewitsch: Second Hand Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus

Bereits mit ihren Büchern „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ und „Tschernobyl. Chronik einer Zukunft“ hat sich Swetlana Alexejewitsch als großartige Zuhörererin und Erzählerin bewiesen. Mit ihrem neuen Buch „SecondHand Zeit“ beweist sie sich einmal mehr als Meisterin  der Zeitgeschichte. Darin widmet sie sich den Verlierer_innen des russischen Wandels, den Menschen, die von Mühlen der Politik und Ökonomie zermalmt werden. Swetlana Alexejewitsch hört denen zu, die nicht mehr gehört werden – nicht mal von ihren eigenen Kindern und Enkelkindern. Die Autorin selbst nimmt sich zurück, will sie doch „ein nüchterner Historiker ohne Fakel“ sein. Um so mehr strahlen die Berichte von Dissident_innen, Student_innen, ehemaligen GULag-Häftlingen, Verlierer_innen und Gewinner_innen des Turbo-Kapitalismus der 1990er Jahre. Zusammen ergeben sie ein atemberaubendes und kaum eträgliches Panorama an Menschen, die vor allem eins zu einen scheint: die Last in der Sowjetunion geboren zu sein.

Gegen das Schweigen – Audre Lorde

Die Frauenbewegungsforschung hat sich in den letzten Jahrzehnten recht ausdifferenziert und durch zahlreiche Publikationen interessante Ergebnisse zu Tage gebracht. Jedoch fällt auf, dass angesichts der Fülle an Literatur bislang ein Teil der Bewegungsgeschichte ausgeblendet wurde: die Afro-Deutsche Frauenbewegung in Deutschland.

Zum 20. Todestag von Audre Lorde hat Peggy Piesche unter dem Titel „Euer Schweigen schützt euch nicht“ eine großartige Anthologie von bereits erschienen und übersetzten Texzten von Audre Lorde veröffentlicht.  Ergänzt werden diese durch Texte und gedichte von Wegbegleiterinnen und Schwarzen Frauen der Nachfolgegenerationen aus Deutschland, die sich mit ihrem Erbe und den aktuellen Kämpfen auseinandersetzen.

Am 25.09.2013 um 20 Uhr wird Peggy Piesche persönlich das Buch im Conne Island vorstellen. Wir werden neben einem Büchertisch mit themenrelevanter Literatur auch eine Sonderaktion durchführen: An diesem Abend können Interessierte eine MONAliesA-Jahreslesekarte für 10€ erwerben. Ihr spart also 50%!

Wer nicht abwarten kann, hat die Möglichkeit das Buch von Peggy Piesche sich bei uns auszuleihen. Und auch sonst sei dazu folgende Literatur aus unserem Bestand empfohlen:

Audre Lorde: Zami

Audre Lorde / Adrienne Rich: Macht und Sinnlichkeit

May Ayim: Grenzelos und unverschämt

Katharina Oguntoye u. a. : Farbe bekennen. Afro-Deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte

Gabriele Dietze: Weiße Frauen in Bewegung. Genealogien und Konkurrenzen von Race- und Genderpolitiken

Anja Meulenbelt: Scheidelinien. Über Sexismus, Rassismus und Klassismus

Gloria I. Joseph: Schwarzer Feminismus. Theorie und Politik afro-amerikanischer Frauen

bell hooks: Black Looks

Anette Diedrich: Weiße Weiblichkeiten. Konstruktionmen von „Rasse“ und Geschlecht im deutschen Kolonialismus

Und viel viel viel mehr….

 

 

The Industrial Vagina

Nachdem Maria Furtwängler alias Charlotte Lindholm im Tatort „Wegwerfmädchen“ gegen Zwangsprostitution ermittelt hat, ist nun am 15.09. um 20.15 Uhrauf ARD das Wiener Team Bibi Fellner und Moritz Eisner dran. In der Folge „Angezählt“ servieren sie zur besten Sendezeit den Zuschauer_innen harte Kost: Von ca. 6.000 Prostituierten arbeiten in Wien gerade mal 1.500 legal. An Stelle die viel beschworene „selbstbestimmte Sexarbeiterin“ zu präsentieren, zeigen sie den harten Alltag in einem harten globalisierten frauenverachtenden Männer-Business.

Und am Montag wird wieder in diversen vermeintlich linken, antikapitalistischen und feministischen Zeitungen und Blogs Folgendes zu lesen sein: „Nein, das ist doch alles gar nicht so schlimm. Hier wird wieder pauschalisiert und überhaupt machen die meisten das doch freiwillig.“ Dieser Ton ist in Zeiten, wo gerne von Intersektionalität die Rede ist, ziemlich erstaunlich. Denn genau bei diesem Thema wird in den Diskussionen und Zeitungsbeiträgen die Verbindung von Race, Class und Gender ausgeblendet. Wieso eigentlich? Vielleicht weil dann das Bild von der „selbstbestimmten Sexarbeiterin“ (die es durchaus gibt, aber sie ist nun mal leider eine Ausnahme) zerstört wird? Und weil mensch sich dann vielleicht auch mit der Komplizenschaft, den so ein pseudo-emanzipatorischer und kapitalistisch-neoliberaler Diskurs nun mal leistet, auseinandersetzen muss?

Übrigens stammt die Blog-Überschrift von dem gleichnamigen Buch von Sheila Jeffrey. Darin untersucht sie den Aufstieg der Sex-Branche zu einem globalen Industriezweig bestehend aus Puffs, BrideOrder, Pornos und Strip-Clubs. Jeffrey: „The important  is the new economic ideology and practice of these times, neo-liberalism, in which the tolerance of ´sexual freedom´ has been merged with a free market ideology to reconstruct prostitution as legitimate ´work´ which can form the basis of national and international sex-industries.“ Ihre These: Dieser global wachsende und milliardenschwere Wirtschaftssektor muss als die kommerzalisierte Unterdrückung der Frauen verstanden werden, an der nicht nur Zuhälter_innen und Wirtschaftsunternehmen verdienen, sondern auch staatliche Regierungen. Zum Beispiel Deutschland.

 

Sommerpause und Ausblick

In der kommenden Woche startet die Frauen- und Genderbibliothek in die wohlverdiente Sommerpause! Der Ausleihbetrieb ist daher vom 29. Juli bis 31. August geschlossen.
Das Büro ist ebenfalls eingeschränkt besetzt: Vom 06.08. bis 31.08. am Dienstag und Donnerstag jeweils von 9 bis 14 Uhr.

Ab September starten wir wieder durch und es erwarten Euch u. a. diese Neuerwerbungen:

Rigoberta Menchu: Enkelin der Maya und Klage der Erde

In diesen beiden Büchern erzählt die Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchu über den Kampf der Maya gegen Genozid und politische Verfolgung der indigenen Bevölkerung in Guatemala. Die berühmteste Frau Guatemalas erzählt ausführlich über ihre Kindheit in dem kleinen Dorf Chimel, über ihre Familie, die Zeit der furchtbaren Repression, über ihren Bezug zur Erde und zur Natur, ihre Bemühungen in den Korridoren der UN-Menschenrechtskommission in Genf und New York, die Verleihung des Nobelpreises …

 

 

 

Peggy Piesche (Hg.): Euer Schweigen schützt euch nicht

Der vorliegende Band ist eine Sammlung von bereits erschienenen und bisher unveröffentlichten Texten Audre Lordes. Ergänzt werden diese durch Texte von Frauen, die gemeinsam mit der Autorin den Weg einer deutschen Schwarzen Frauenbewegung gingen und von Schwarzen Frauen der Nachfolgegenerationen aus Deutschland, die sich mit ihrem Erbe und den aktuellen Kämpfen auseinander setzen.

 

 

Gabriele Dietze: Weiße Frauen in Bewegung. Genealogien und Konkurrenzen von Race- und Genderkritiken

Die Studie konfrontiert zwei zentrale Emanzipationsanstrengungen der Moderne miteinander: unmarkierte ›weiße‹ US-amerikanische Frauenbewegungen und den Kampf um Bürgerrechte von people of color. Es geht dabei um implizite Sozio- und Psycho-Logiken, die Feminität mit whiteness gleichsetzen und race-Emanzipation mit Maskulinität. Die Studie untersucht kontraproduktive Race-Gender-Konkurrenzen, z.B. einen ›Rape-Lynching-Komplex‹, der schwarze Männer und weiße Frauen in ein Gewaltverhältnis imaginiert, Sexualpolitik im Second Wave Feminism und den Prozess um O.J. Simpson. Erkenntnisinteresse ist die Verfugung von Sexismus und Rassismus und seine soziokulturellen Repräsentationsformen.

 

Beate Binder u. a. (Hg.): Eingreifen, kritisieren, Verändern. Interventionen ethnographisch und geschlechtertheoretisch

Unter dem Stichwort „Interventionen“ versammelt dieser Band unterschiedliche Perspektiven auf ethnographische und geschlechterkritische Wissensproduktion, die kritisierend und verändernd in politische Konfliktfelder eingreifen will und auf vielfältige Formen der Kollaboration mit sozialen Bewegungen und gesellschaftlichen AkteurInnen setzt. Die Beiträge loten das Dazwischensein aus – zwischen ForscherInnen und Beforschten, zwischen Wissenschaft, Kunst und Aktivismus.

 

Linda Tuhiwai Smith: Decolonizing Methodologies. Research and indigenous peoples

Ein Klassiker! In diesem Grundlagenwerk beschreibt sie wie westliche Wissenschaften immer noch kolonialistisch arbeiten und wie wissenschaftliche Methoden dekolonialisiert werden können, damit indigene Menschen wieder zu Subjekten werden können. Weiterhin hinterfragt Linda Tuhiwai Smith die Verbindungen zwischen Imperialismus und Forschung und Konzepte wie „Entdeckung“ und „Claiming“, die dazu beigetragen haben, wie sich der Westen indigene Welten in das eigene Netz integriert und dadurch diese entfremdet hat. Ein großartiges Buch! Lesen!

 

 

Hit so hard. The life and near death of Patty Schemel (DVD)

Patty Schemel war ab 1992 die Drummerin der Band Hole. In dem Doku-Film „Hit so Hard“  erzählt sie über ihre Zeit in der Band und über ihre massiven Drogenprobleme. Neben Interviews mit Courtey Love, Eric Erlandson und Melissa Auf Der Maur sind bislang noch nie gezeigte Filmaufnahmen zu sehen, die Patty Schemel während ihrer Zeit mit Hole gedreht hat. Patty Schemel, eine Frau über die eine Dokumentation auf alle Fälle lohnt.

Sing us a song, piano woman

Das gängige Bild eines weiblichen Fans lautet ungefähr so: Sie steht kreischend und hysterisch vorm Hotel oder der Konzertbühne, hält selbstbemalte Pappen mit Herzchen hoch und ist beim Anblick des meist männlichen Musikers kaum noch zu bändigen. Sie würden alles tun, um ihr männliches Idol einmal zu treffen und sie geben ihr komplettes Taschengeld für Merchandise aus.

Dieses Klischee ist so alt wie die Popkultur selbst: angefangen von der „Beatlermania“ über die Boygroups der 1990er bis hin zum „Bieber-Fever“ in unserer Zeit. Es wird von der Musikindustrie fleißig gepflegt, verpsricht dies doch Umsätze in Milliardenhöhe. Auch die Musikjournalist_innen leisten ihren Beitrag: weibliche Fans werden entweder als Groupies oder Fanatikerinnen abgestempelt. Seriöse Beiträge oder gar Untrersuchungen über weibliche Fans jeneseits des beschriebenen Stereotyps sind sehr rar.

Um so wertvoller ist die von Adrienne Trier-Bieniek vorgelegte Studie „Sing us a Song, Piano Woman. Female Fans and the Music of Tori Amos“. Dieses Buch leistet einen fundamentalen Beitrag zu unserem Verständnis von weiblicher Fan-Kultur, das Verhältnis zwischen feministischer Musik und feministischen Aktivismus und wie feministische Musikerinnen gängige Stereotypen in der Popkultur negieren bzw. herausfordern.

Der Auslöser sich mit weiblicher Fankultur und der heilenden Wirkung von Musik am Beispiel der Fangemeinde von Tori Amos zu beschäftigen war der Amoklauf der Virginia Tech in Blacksburg (Virginia) im Jahr 2007. Die Autorin: „I had about a month of experiencing that sense of loss with people who also had experienced it, then I was yanked out of there. I was looking for some way to help me deal with this big sense of loss.“  Sie fand ihre Heilung in den Alben The Beekeeper und American Doll Posse von Tori Amos.

Dass Trier-Bieniek mit ihrer Erfahrung nicht allein ist, zeigen die zahlreichen  und zum Teil auch bewegenden Ausschnitte aus den zahlreichen Inrerviews mit Fans von Tori Amos.

Hier ein paar Beispiele:

These songs are not about break-ups and make-ups…. They´re about the things that go on in a woman heart. […] They´re about the breaking down the patriarchy within relationships and the idea of women claiming their own power.“ (S. 20)

I was molested when I was little by my mom´s best friend´s son. […] But Tori, it´s definitely helped me, just her music.“ (S. 71)

Die Fans schätzen Tori Amos nicht nur, weil sie in ihren Texten die Erfahrungen von Frauen im Mittelpunkt stellt. Eine Mehrheit der befragten Frauen identifiziert sich auch mit Toris feministischen Anliegen: „Like a lot of songs are feminist and I feel like a lot of her songs, something like „Winter“ or the Little Earthquakes album in general….“ (S. 41)

Adrienne Trier-Bieniek ist ein wundervolles Buch gelungen, das sich trotz englischer Sprache leicht lesen lässt. Dieses Buch ist nicht nur etwas für Tori Amos-Fans, sonder für alle, die sich mit Feminismus, Musik und Pop-Kultur beschäftigen.

Und zum Abschluss noch einer meiner absoluten Favoriten von Tori Amos:

http://www.youtube.com/watch?v=lCpOAXIgF9U

Buchmesse 2013

Heute startet die Leipziger Bucmesse 2013. Das Veranstaltungsprogramm ist so groß wie eh und je. Damit Sie, liebe Besucher_innen, nicht die Qual der Wahl haben, stellen wir unsere Lesungen vor.

Donnerstag, 14.3., um 18 Uhr

Bona Peiser – Die erste deutsche Bibliothekarin

Lesung und Diskussion mit Frauke Mahrt-Thomson

Bona Peiser (1864 –1929), die erste deutsche Bibliothekarin, war eine Wegbereiterin der Bücher- und Lesehallen-Bewegung und der Frauenarbeit in Bibliotheken. Lebenslang hat sie sich für die Qualitätssicherung des bibliothekarischen Berufs eingesetzt und für die Interessenvertretung ihrer Kolleginnen und später auch Kollegen. Nicht nur in der Lesehalle der Deutschen Gesellschaft für Ethische Kultur, sondern auch in der Bibliothek des Kaufmännischen Verbandes für weibliche Angestellte (VWA) wurde sie zur Ausbilderin einer ganzen Generation bibliothekarisch arbeitender Frauen. Die Entwicklung der jahrzehntelang von ihr geleiteten Bibliotheken sowie die Darstellung ihrer fachlichen Leistungen und ihres berufs- und frauenpolitischen Engagements stehen im Mittelpunkt dieser Biographie.

Eintritt: 3,- / 4,- €

 

Donnerstag, 14.3., um 20 Uhr

Das Ende der Aufzählung

Lesung mit Irngard Maria Ostermann

Die letzte Lebensstation der Autorin Vera hat einen Namen: Max. Sie lernt den Hobbypoeten bei der Hochzeit von Freunden kennen und akzeptiert, dass er seine Familie nicht zerstören will. Seine tolerante Frau weiß um seine Fremdgänge, reagiert aber, als sie den Ernst der Lage erkennt, mit Eifersucht und rivalisiert mit Vera, die ihrerseits mit Hilfe eines Stipendiums aus dem Beziehungsgeflecht nach Rhodos flieht. Dort lebt sie unbeschwert bald an der Seite des Lokalbesitzers Yannis, obwohl sie weiß, dass seine traditionellen Lebensentwürfe sich nicht mit ihren decken. Sie ahnt, dass ein neuer Lebensabschnitt bevorsteht, genießt die Musik und das Meer. Noch einmal vorm Vergehen blühn , denn seit Beginn der Liaison mit Max begreift sie den Tod als Unglück, auf das man unweigerlich zusteuert. Als er ihr Leben erschüttert, verliert sie den Halt, lockert die Distanz zu Max, dessen Hartnäckigkeit sie unterschätzt hat. Die Sehnsucht ist wie ein Schmetterling, der von Blüte zu Blüte fliegt, solange der schwarze Vogel sich zurückhält.

Eintritt: 3,- / 4,- €

 

Freitag, 15.03., um 19 Uhr

Die Frau meines Vaters

Lesung und Diskussion mit Anja Röhl

»Kind sein heißt allein sein, schuld sein, essen müssen, schlafen müssen, brav sein müssen. Kind sein heißt, sich nicht wehren zu können.”In ihren Kindheits- und Jugenderinnerungen zeichnet Anja Röhl ein Porträt der autoritären und lebensfeindlichen Gesellschaft der 1950er und 60er Jahre in Deutschland. Als Kind geschiedener Eltern ist sie einsam und unsicher. Erst die moderne, antiautoritäre zweite Frau ihres Vaters, zu dem sie an den »Papi-Tagen« geht, bringt ihr Verständnis, Zuwendung und Zutrauen entgegen: Es ist Ulrike Meinhof.

Eintritt: 4,- / 5,- €

Frauenkörper neu gesehen

Endlich! Der feministische Klassiker „Frauenkörper neu gesehen“ ist neuaufgelegt worden. Das Buch erregte in den 1970er Jahren große Aufmerksamkeit, da es einer breiten Öffentlichkeit den weiblichen Körper in bis dahin nie gekannter Genauigkeit vorstellte. Hinzu kamen alternativmedizinische Informationen über die einzelnen Funktionen des weiblichen Körpers und Tipps für ein genussvollere Sexualität.

Die neue Herausgeberin des immer noch revolutionären Werkes ist Dr. Laura Méritt. Tja, wer sonst! Die Betreiberin der Berliner Institution Sexclusivitäten arbeitet und publiziert seit Jahren zu Themen wie weibliche Sexualität, lesbische Frauen oder weibliche Ejakulation. Mit viel Liebe zum Detail hat sie das Buch von A bis Z überarbeitet. Wunderbar abgerundet werden die Texte durch die in ihrer Qualität immer noch unerreichten Illustrationen .

Passend zu diesem Buch sei ein weiterer feministischer Meilenstein ans Herz gelegt: „Our Bodies, ourselves“. Bei uns ausleihbar!

Das Fest der Liebe kann kommen! 🙂

Buchtipp: Wir sind die Macht!

Im vergangenen Jahr erhielt Leymah R. Gbowee zusammen mit Ellen Johnson Sirleaf und Tawakkul Karman den Friedensnobelpreis. Zu recht, wie ihre jüngst erschienene Autobiographie „Wir sind die Macht“ beweist.

Darin beschreibt Leymah R. Gbowee mit schonungsloser Ehrlichkeit ihren Weg zu einer der prägendsten Gestalten der afrikanischen Frauen- und Friedensbewegung. Der Weg dorthin war mehr als steinig: Sie war 17 Jahre alt, als der liberianische Bürgerkrieg ausbricht. Sie galt als Hoffnung der Familie, wollte Kinderärztin werden. Stattdessen schlitterte sie in eine Beziehung, die geprägt war von sexualisierter und psychischer Gewalt. Am Ende besaß sie keine Ausbidung, hatte vier Kinder und keine Träume mehr. Erst als sie ein Praktikum als Streetworkerin mit ehemaligen Kindersoldaten absolvierte, erwachte sie aus ihrer Lethargie und nahm ihr Leben selbst in die Hand.

Ihr Weg hin zu einer international renommierten Frieden- und Frauenaktivistin liest sich nicht nur spannend, er ist auch lebensnah und selbstkritisch geschrieben. Besonders eindringlich sind ihre Schilderungen über ihre Arbeit mit den traumatisierten liberianischen Frauen und wie sie ihnen wieder Hoffnung und neuen Lebensmut gab.

Für alle, die meinen, nichts ändern zu können oder die sich schön in ihrer vermeintlich emanzipierten westlichen Scheinwelt eingerichtet haben á la „Wir haben doch Gleichberechtigung!“, seien hier eines besseren belehrt:

“ Die Stimme der älteren liberianischen Frau klingt noch immer nach: Hör nicht auf. Hör niemals auf. Meine Antwort: Nein. Ich werde niemals aufhören.“

Leymah R. Gbowee: Wir sind die Macht.     Ab jetzt bei uns ausleihbar.

A tsunami of life

Jeanne Córdova ist eine Pionierin der lesbisch-feministischen Bewegung in den USA. In den1970er Jahren gehörte sie zu den ersten, die in vorderster Reihe für Frauen und soziale Gerechtigkeit kämpften.

Bereits 1971 veröffentliche sie The Lesbian Tide, das erste nationale Magazin, welches sich ausschließlich mit lesbischen Themen befasste: As the first of my many political children, The Lesbian Tide exceeded our hopes that we wanted to build a national lesbian publication that would reflect the fact that we were a national community. Not just a small group in L.A., or NYC cells of activists.

Neben ihren journalistischen Arbeiten veröffentlichte Jeanne Córdova zahlreiche Bücher w.z.B. „Kicking the Habit: An Autobiographical Novel. A Lesbian Nun Story“ oder „Sexism. It’s a Nasty Affair“.

Nun hat Jeanne Córdova ihr bewegtes Leben in einer Autobiographie niedergeschrieben: „When we where outlaws“. Kaum erschienen wurde es auch gleich mit drei Preisen ausgezeichent: dem LAMBDA LITERARY AWARD (Lesbian Memoir/Biography), der PUBLISHING TRIANGLE (Judy Grahn lesbian non-fiction award) sowie dem GOLDEN CROWN LITERARY AWARD

Na wenn das mal keine Einladung ist, dieses Buch zu lesen! (Dieses Buch wird demnächst auch in unserem Bestand zu finden sein – Bitte noch etwas Geduld!)

Joy Harjo: Crazy Brave

Joy Harjo, 1951 in Tulsa/Oklahoma geboren,ist eine der führendesten Stimmen der Native Americans in den USA. Stark beeinflusst von ihrer indianischen Herkunft (Muscogee Creek), feministischen und sozialen Fragen, bezieht sie indianische Mythen, Symboliken und Werte in ihre Lyrik mit ein.             Neben zahlreichen Gedichtbänden veröffentlichte die Saxophonistin mit ihrer Band Poetry Justice zahlreiche Alben.

Ihr bewegendes Leben hat sie jetzt als Autobibografie unter dem Titel „Crazy Brave“ veröffentlicht. Dieses Buch sei allen wärmstens empfohlen! Mit einer atemberaubenden lyrischen Sprache schreibt sie über ihre schwere und von Missbrauch gezeichnete Jugend und wie sie zu ihrer eigenen lyrischen und musikalischen Stimme fand.

„It’s important as a writer to do my art well and do it in a way that is powerful and beautiful and meaningful, so that my work regenerates the people, certainly Indian people, and the earth and the sun. And in that way we all continue forever.“ (Joy Harjo)