Archiv der Kategorie: Termine

“Traumgeburt oder Geburtstrauma? – Zum neuen Unbehagen an der Geburt”

Vortrag und Diskussion mit Dr. Sabine Flick

Seit wenigen Jahren engagieren sich Aktivist*innen der so genannten „Roses Revolution“gegen geburtshilfliche Gewalt in Europa. Sie beziehen sich dabei auf Erfahrungen respektlosenUmgangs und ungerechtfertigter Behandlung bis hin zu körperlicher Misshandlung, die Frauen unter der Geburt erleben. WĂ€hrend die WHO dazu bereits ein Statement veröffentlicht hat, die Diskussionen um ‚Black BirthingJustice‘ in den USA aufrassistische Strukturen auch in der Geburtshilfehinweisenund in einigen lateinamerikanischen LĂ€ndern geburtshilflichen Gewalt sogar bereits als Rechtsgegenstand verhandelt wird, hat die Debatte in Europa gerade erst begonnen. Interessanterweise konzentriert sich die europĂ€ische, insbesondere deutschsprachige Diskussion stark auf die psychischen Aspekte der Erfahrungen mit geburtshilflicher Gewalt. MĂŒtter, Doulas und Hebammen beschreiben traumatische Erlebnisse wĂ€hrend der Geburt und leiten Folgeprobleme beim Stillen, Depressionen und Bindungsprobleme mit dem SĂ€ugling aus diesen Traumata ab. Experten aus Psychotherapie und Psychiatrie stehen Pate fĂŒr diese ErklĂ€rungen. In der Folge bietet der Bereich der Eltern-Kind-Psychotherapie immer mehr Dienstleistungen zur PrĂ€vention und BewĂ€ltigung von Geburtstraumata an.
Was ist passiert? Erleben wir tatsĂ€chlich ein #metoo im Kreißsaal? Ist dies alles also ein Hinweis darauf, dass sich die Situation der Frauen unter der Geburt in Europa verschlechtert hat oder sind womöglich noch andere Diskurse am Werk, die uns ein insgesamt stark verĂ€ndertes Bild von dem geben, was heute unter einer „normalen“ Geburt verstanden wird?Und welche Rolle spielt die Ökonomisierung der Kliniken?Der Vortrag gibt Antworten auf diese Fragen und greift dabei auf laufende Forschungen zurĂŒck.

Dr. Sabine Flick vertritt derzeit die Professur fĂŒr Soziologie mit dem Schwerpunkt Familien- und Jugendsoziologie an der Goethe-UniversitĂ€t in Frankfurt am Main und forscht am dortigen Institut fĂŒr Sozialforschung. Ihre Schwerpunkte sind Medizin- und Wissenssoziologie, qualitative Forschungsmethoden sowie die Soziologie der GeschlechterverhĂ€ltnisse. Neben ihrer TĂ€tigkeit in der Wissenschaft ist sie als Supervisorin in Feldern psychosozialer Arbeit unterwegs.

Einlass: 18.30 Uhr
Veranstaltungsbeginn: 19 Uhr
Reservierung von SitzplÀtzen nicht möglich!
Eintritt: Spendenempfehlung 2-10 Euro

Der Vortrag ist Teil der neuen Veranstaltungsreihe “Geschlecht. Gesellschaft. Psyche” der monaliesa. In dieser Veranstaltungsreihe wollen wir uns mit der Frage beschĂ€ftigen, inwiefern die Kategorie Geschlecht vermittelt ĂŒber gesellschaftliche Prozesse mit psychischer Gesundheit zusammenhĂ€ngt bzw. auch andersherum, wie psychische Gesundheit durch gesellschaftliche VerĂ€nderungen insbesondere bezĂŒglich Geschlechternormen befördert werden könnte.

Bildungsfahrt in die Mahn- und GedenkstĂ€tte RavensbrĂŒck

Zusammen mit der GedenkstĂ€tte fĂŒr Zwangsarbeit Leipzig besuchen wir vom 17. bis 19.5.2019 mit einer Gruppe von 25 Personen die Mahn- und GedenkstĂ€tte RavensbrĂŒck sowie das GelĂ€nde des ehemaligen KZ Uckermark.
 
Spontan sind noch 3 PlÀtze frei geworden!
Wenn ihr mitkommen möchtet, schreibt an bibliothek@monaliesa.de

 

Wir wollen uns wÀhrend unseres Aufenthalts vor allen Dingen mit Erinnerung, Erinnerungsdiskursen und Gedenken auseinandersetzen. Wie wird den Frauen, MÀdchen und Lesben, welche dort inhaftiert, zur Zwangsarbeit gezwungen und ermordet wurden, gedacht? Wie an sie erinnert?
An beiden Orten werden wir an FĂŒhrungen teilnehmen (Angelika Meyer/RavensbrĂŒck, Initiative Gedenkort KZ Uckermark). Es wird außerdem auch viel Zeit eingerĂ€umt, selbststĂ€ndig EindrĂŒcke zu gewinnen. Am Ende jedes Tages wollen wir zusammenkommen und uns austauschen. Wir ĂŒbernachten in der Jugendherberge RavensbrĂŒck, sie befindet sich auf dem GelĂ€nde des ehemaligen Konzentrationslagers. Diese Situation wird in unseren GesprĂ€chen eine Rolle spielen. Alle Menschen sind unabhĂ€ngig von ihren Kenntnissen oder ihres Vorwissens eingeladen, mitzukommen. FĂŒr die gemeinsame Anreise mit dem Zug, Übernachtung und Verpflegung ist ein Betrag von 25€ zu zahlen. Sollte dies eine HĂŒrde fĂŒr euch sein, sprecht uns bitte an, sodass wir einen Weg finden können, wie ihr trotzdem an der Fahrt teilnehmen könnt.

Crowdfunding fĂŒr outside#7

UnterstĂŒtzt das Crowdfunding der „outside the box“!

Crowdfunding outside #7

Die Zeitschrift fĂŒr feministische Gesellschaftskritik outside the box gibt ihr neues Heft zum Thema ERFAHRUNG heraus und braucht dafĂŒr eure Hilfe. Die Ausgabe # 7 muss noch gedruckt werden. Über dieses crowdfunding könnt ihr (in begrenzter Anzahl) Exemplare vorbestellen und helft der Redaktion damit, die Druckkosten zu bezahlen. Am 6. Juli 2019 soll die Release stattfinden. Infos ĂŒber die letzten 6 Ausgaben der Zeitung und andere AktivitĂ€ten: outside-mag.de

Di., 07.05., 19 Uhr: Geburtshilfe als Beruf

GesprĂ€ch mit den Hebammen Annett Heitmann-Mbise und Guisette Quander ĂŒber Klinik- und Geburtshausalltag, Risiken der SelbststĂ€ndigkeit und das Handwerk der Geburtshilfe

Der Hebammenberuf als einer der Ă€ltesten Frauenberufe ist anhand des gesellschaftlichen Umgangs mit GebĂ€ren stetig im Wandel. Über 97 Prozent aller Geburten in Deutschland finden in einer Klinik statt, nur wenige im Geburtshaus oder zu Hause. Die meisten Hebammen arbeiten folglich als Angestellte im Krankenhaus oder in der Vor- und Nachsorge, wĂ€hrend die selbststĂ€ndige Arbeit in der Geburtshilfe mit hohen Versicherungssummen belegt ist und immer weniger KrankenhĂ€user selbststĂ€ndige Beleghebammen akzeptieren. Das Recht auf freie Hebammenwahl steht somit in Frage.
In den KreißsĂ€len hat sich seit der Hospitalisierung der Geburt viel getan, in Ostdeutschland vor allem seit 1990: die „aktive“ Geburtshilfe mit vielen Interventionen ist – zumindest vom Anspruch her – einer „sanfteren“ Geburtshilfe gewichen. Es bleiben ökonomische ZwĂ€nge und Hierarchien, die eine 1:1-Betreuung von GebĂ€renden kaum zulassen.
In den kommenden Jahren wird die Hebammenausbildung akademisiert: ein Versuch, den Hebammenberuf mit mehr gesellschaftlicher Anerkennung und besserer Bezahlung neu aufzustellen?

Annett Heitmann-Mbise ist seit 2008 Hebamme und GrĂŒnderin des Geburtshauses „Aus dem Bauch heraus“ in Leipzig
Guisette Quander ist seit 1988 Hebamme und arbeitet im Sana-Klinikum Borna
Moderation: Marie MĂŒller-Zetzsche

Die Veranstaltung ist Teil unserer Reihe „GebĂ€ren und Geburtshilfe“

Do., 25.04., 19 Uhr: Vortrag GedenkstĂ€tte fĂŒr Zwangsarbeit: Die Aufseherinnen des KZ-Außenlagers “HASAG Leipzig“

Die Rolle von Frauen im NS war lange Zeit umstritten. Erst gegen Ende der 1980er Jahre richtete sich der Blick der Forschung von der einseitigen Opferperspektive hin zu einem VerstĂ€ndnis von Frauen als (Mit)TĂ€terinnen und eigenstĂ€ndig handelnden Akteurinnen innerhalb des nationalsozialistischen Verfolgungsapparates. In Leipzig existierte seit 1944 das KZ-Frauenaußenlager „HASAG Leipzig“. Die ca. 5000 weiblichen HĂ€ftlinge wurden rund um die Uhr von ĂŒber 80 KZ-Aufseherinnen bewacht.
Nach 1945 gab es keine weitergehende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen TĂ€terinnen.

Die Referentinnen widmen sich seit 2017 in einem Forschungsprojekt der Aufarbeitung der Biografien dieser Aufseherinnen. Der Vortrag zielt darauf ab, am Beispiel des KZ-Außenlagers „HASAG Leipzig“ eine EinfĂŒhrung in das Thema KZ-Aufseherinnen zu geben. Dabei sollen anhand von Forschungsergebnissen die Wege der Frauen von ihrer Rekrutierung bis zu ihrem Dienst im Außenlager sowie mögliche HandlungsrĂ€ume und der
juristische Umgang mit ihren Verbrechen nach 1945 beleuchtet werden.

Eine Veranstaltung im Rahmen der GedenkstĂ€ttenfahrt RavensbrĂŒck, in Kooperation mit der GedenkstĂ€tte fĂŒr Zwangsarbeit Leipzig.

11.04., 19 Uhr: Wirklich frei sind wir erst, wenn wir auch dick sein können!

Im Vortrag sollen die Bewegungen Fat Acceptance und Body Positivity in ihrem Potential fĂŒr eine Analyse struktureller UnterdrĂŒckungsmechansimen (und einer Emanzipation von diesen) kritisch hinterfragt werden und dabei immer wieder mit der Kategorie Geschlecht in Beziehung gesetzt werden.

Dick gilt als Tabu, als unter keinen UmstĂ€nden erstrebenswert, darĂŒber hinaus sind ganze Industrien darauf abgezielt zu verhindern, dass Menschen dick werden. Entstanden in den 1970er Jahren als Untergrundbewegung in San Francisco, gewinnt die Fat Acceptance Bewegung, die diese Einstellungen hinterfragt, nun langsam auch in Deutschland immer mehr an Aufmerksamkeit in feministischen und tendenziell auch in mehrheitsgesellschaftlichen Diskursen.

Dicke Menschen erfahren bis heute Diskriminierung und Benachteilungen in allen Lebensbereichen, die sogenannte Fettfeindlichkeit (engl. Fatshaming/Fatphobia/-misia). Die Fat Acceptance Bewegung versucht der Entstehung von Stigmatisierung gegenĂŒber dicken Menschen entgegenzuwirken und somit Diskriminierung abzubauen. Eine feministische HauptĂŒberzeugung der Bewegung ist dabei, dass Menschen – unabhĂ€ngig wie dick – Akzeptanz, WertschĂ€tzung und vollstĂ€ndige gesellschaftliche Teilhabe verdienen. Obwohl Menschen aller Gesellschaftsschichten dick sein können, sind besonders Menschen, die Mehrfachdiskriminierungen erfahren, betroffen. Denn der Diskurs ĂŒber das Dicksein wird gesellschaftlich ĂŒber mehrere Achsen verhandelt: Gesundheit, Schönheit und Verantwortung. Daraus resultierend sind Frauen und Queers durch die enge VerknĂŒpfung dieser Achsen erhöhter Fettfeindlichkeit ausgesetzt. Beispielsweise mĂŒssen MĂŒtter nicht nur selbst dĂŒnn, in fettfeindlicher Rhetorik synonym mit gesund und schön, sein, sondern mĂŒssen auch konstant dafĂŒr sorgen ihre Kinder keinesfalls dick sind oder werden, damit diese möglichst nie zu erwachsenen Dicken werden. Zudem hat sich seit den 1990er Jahren aus der Fat Acceptance Bewegung heraus die Body Positivity Bewegung in den sozialen Medien herausbildet. Obwohl eine Öffnung der Thematiken wĂŒnschenswert sein könnte, ist heute der Diskurs zwischen Fat Acceptance und Body Positivity geprĂ€gt von AusschlĂŒssen und Zugehörigkeit, kapitalistischer Verwertbarkeit und Ausnutzung der Slogans.

Judith Schreier studiert im Master Amerikanistik an der UniversitÀt
Leipzig. Sie forscht ĂŒber die Darstellung von dicken Körpern sowie
Gender und SexualitÀt in (amerikanischer) Literatur und Kultur und ist zudem Fat-Aktivistin.

Mitmachen?

Momentan suchen wir nach Mitstreiterinnen, die Lust haben, in der Veranstaltungsplanung aktiv zu werden. Falls ihr euch also vorstellen könnt, Lesungen, VortrĂ€ge etc. in der MONAliesA durchzufĂŒhren, meldet euch bei uns, dann können wir uns zu einem GesprĂ€ch treffen. Liebe GrĂŒĂŸe & bis bald! Eure MONAliesA

 

Freitag, 22.03.19, 19 Uhr: Das Politische ist Persönlich! Kristina HĂ€nel liest ACHTUNG RAUMÄNDERUNG

Die Veranstaltung findet im GWZ der Uni Leipzig, Beethovenstr. 15, Hörsaal im Erdgeschoss statt!

Tagebuch der „AbtreibungsĂ€rztin“, die sich nicht mundtot machen lĂ€sst

Von einer, die auszog, einen Unrechtsparagrafen zu kippen: die Gießener Ärztin Kristina HĂ€nel und ihr Kampf fĂŒr das Recht auf Information zum Schwangerschaftsabbruch.

Als Kristina HĂ€nel am 3. August 2017 nach Hause kommt, erwartet sie ein Brief vom Amtsgericht. »Strafverfahren gegen Sie wegen Werbens fĂŒr den Abbruch einer Schwangerschaft  « Laut §219a StGB gilt die Sachinformation auf ihrer Homepage als Werbung und ist verboten, ein Umstand, den Abtreibungsgegner nutzen, um Mediziner*innen bundesweit anzuzeigen. Bis dato unbemerkt von einer breiteren Öffentlichkeit. Dies Ă€ndert sich mit der »Causa HĂ€nel«, als die Ärztin ihren Fall mit einer Petition öffentlich macht und mit Haut und Haar fĂŒr die AufklĂ€rung ĂŒber §219a und seine Abschaffung eintritt.

Als Galionsfigur der Kampagne fĂŒr das Recht auf Information zum Schwangerschaftsabbruch wird Kristina HĂ€nel große mediale Aufmerksamkeit zuteil, doch die Reduzierung auf den Begriff »AbtreibungsĂ€rztin« akzeptiert sie nicht. In ihrem persönlichen Tagebuch hĂ€lt sie mit ungefilterter Offenheit fest, welche inneren und Ă€ußeren KĂ€mpfe sie vor, wĂ€hrend und nach dem Prozess begleiten und wie sie zu der öffentlichen Person wurde, die sie heute ist. Dabei ordnet sie ihr Engagement gegen den §219a ebenso in die Geschichte des Kampfes fĂŒr Frauengesundheit ein wie in den Kontext ihres Wirkens als Ärztin und Mensch. Erkennbar wird eine beherzte Frau, die stets versucht, anderen zu helfen und das Richtige zu tun.

Dies ist eine Veranstaltung im Rahmen von „Leipzig liest“

11.01.2019, 19 Uhr: Lesung aus der „PS: Anmerkungen zum Literaturbetrieb / Politisch Schreiben“ #4

Was bedeutet Alter fĂŒr Fragen gesellschaftlicher Diskriminierung? Welchen Platz weist einem das eigene Geburtsjahr im Literaturbetrieb zu? Wer hat die Zeit auf seiner Seite und warum? Was heißt es für eine Schriftsteller*in, das alter (lat.), also das andere zu sein? Welche Möglichkeiten gibt es, feministische Geschichtsschreibung in die Literatur zu tragen?

Aus der #4 von PS: Anmerkungen zum Literaturbetrieb / Politisch Schreiben werden Essays zum Thema „alter“ gelesen und in offener Runde diskutiert. PS versteht sich als literarische Plattform, die in aktuelle Debatten des Literaturbetriebes eingreift und Strukturen sichtbar macht. Die jĂ€hrlich erscheinende Zeitschrift vereint neben Essays und Interviews literarische Texte aller Disziplinen, in print und digital.

Es lesen: El Awadalla (Wien) und kaƛka bryla (Leipzig, PS).
Moderation: Carolin Krahl (Leipzig, PS)