Archiv der Kategorie: Politik

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Nach der Aufl√∂sung des MONAliesA e.V. gibt es nun eine Gruppe engagierter Frauen, die die Bibliothek mithilfe eines neuen Vereins weiterf√ľhren m√∂chte. Aufgrund der fehlenden st√§dtischen Zuwendung in Form von F√∂rdermitteln in diesem Jahr sind wir im Moment auf Spenden angewiesen.

Die Spenden werden f√ľr die Zukunft der Bibliothek ben√∂tigt: Zun√§chst vor allem f√ľr den Ankauf des B√ľcher- und Medienbestandes und die Miete im Haus der Demokratie, sodass die Frauen- und Genderbibliothek in der zweiten Jahresh√§lfte wiederer√∂ffnet werden kann.

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Split Self is the ideal

Seit nun mehr als zwei Monate tobt in Deutschland eine Debatte √ľber Prostitution. Ausl√∂ser war¬† der von der EMMA-Herausgeberin Alice Schwarzer initierte Appell die Prostitution zu verbieten. Begleitet wurde diese Kampagne durch die Ver√∂ffentlichung „Prostitution. Ein deutscher Skandal„.

Viel ist in Zeitungen geschrieben worden. Auch die Talkshows griffen das Thema beherzt auf und diskutierten mal mit mehr, mal mit weniger seri√∂sen G√§sten. Und da sind nat√ľrlich auch noch die feministischen Stimmen. J√ľngst meldete sich das „Alpham√§dchen“ Meredith Haaf in der S√ľddeutschen zu Wort. Ganz wie vor 5 Jahren, als eine junge Generation von wei√üen Frauen den „neuen Feminismus“ ausriefen, steht die „Alt-Emanze“ Alice Schwarzer und der „EMMA-Feminismus“ unter Beschuss.In dem Artikel kritisiert sie die von Schwarzer gezogene Parallele zwischen P√§dophilie und Prostitution. Frau Haaf wirft ihr darauhin einen „anachronistischen und frauenfeindlichen Sexualit√§tsbegriff“ vor, der keine „sexuelle Autonomie“ der Frau zul√§sst und stellt sie damit auf eine Stufe mit islamischen und christlichen Fundamentalisten. Der Vorwurf eines „altmodischen Frauenbildes in der Prostitutionsdebatte“ kulminiert in der Aussage Alice Schwarzer mache mit einer patriarchalischen Ideologie Politik. Wie bitte?

Der Gastbeitrag von Meredith Haaf zeigt mehr als deutlich, dass Kapitalismus- gepaart mit Patriarchatskritik und soziapolitische Forderungen in feministischen Debatten kaum noch vorkommen. Noch mehr schockierend ist die Annahme von Frau Haaf, dass Frauen doch in der Lage sein sollten, den Sex, den sie haben, von sich zu trennen.

Die schwedische Feministin und Journalistin Kajsa Ekis Ekman greift in ihrem j√ľngst erschienen Buch „Being and Being Bought: Prostitution, Surrogacy and the Split Self“ diese Argumentation auf: “ The Self must be split from the body to make it possible to sell your body without selling yourself. The body becomes sex. Sex becomes a service. The story of the sex worker says: the Split Self is not only possible, it is the ideal.“

Kajsa Ekis Ekman setzt sich in ihrem Buch sehr kritisch mit Prostitution auseinander. Sie kritisiert hierbei insbesondere die Allianz zwischen Rechten und Linken: „Auf der einen Seite sind da die neoliberalen Rechten, die an den freien Markt glauben und alles deregulieren wollen. Auf der anderen Seite steht die postmoderne Linke, die alles bejaht, was f√ľr sie nach Freiheit klingt. Nun haben wir es bei der Prostitution mit einem v√∂llig deregulierten Markt mit Dumpingl√∂hnen und Mietwucher zu tun, dem die Linke das Vokabular liefert: ‚ÄěUnterdr√ľckte Frauen nehmen sich die Macht, ihr Leben selbst zu definieren und weigern sich, Opfer zu sein.‚Äú Auch die Queer-Bewegung kommt bei ihr nicht gut weg, „die Prostitution als cool und hip definiert„: „Das Problem ist: Diese Bewegung stellt zwar Normen in Frage, aber nicht die Machtverh√§ltnisse. Die Prostituierte ist in diesem Diskurs kein menschliches Wesen, sondern ein Symbol f√ľr sexuelle Grenz√ľberschreitung, mit dem man sich schm√ľcken kann wie mit einem Ohrring, den man sich anh√§ngt.

Gewagt ist ihre Analogie zur Leihmutterschaft. Ekman behauptet, dass es sich hierbei auch um eine erweiterte Form der Prostitution handelt. Die Leihmutter muss ihr Selbst vom K√∂rper und Kind abspalten. Nur so k√∂nnen sie eine Ware werden f√ľr die bezahlt wird.Sie fragt: „Why should this not be called child trafficking?

Wie √ľberzeugend sie die These darlegt, davon kann sich die Leser_in im kommenden Jahr selbst ein Bild machen. Da wird dieses Buch bei uns ausleihbar sein.

Monika Hauser zu Gast bei MONAliesA

‚ÄúNicht aufh√∂ren anzufangen.‚ÄĚ ‚Äď 20 Jahre medica mondiale

Am Montag, den 25. November 2013 l√§dt MONAliesA zu einem Vortrag mit Dr. Monika Hauser, Gr√ľnderin und Vorsitzende von medica mondiale und Tr√§gerin des Alternativen Friedensnobelpreises ein.

Monika Hauser mit Mitarbeiterinnen von Medica Afghanistan in Kabul. 2012 © Elissa Bogos/medica mondiale
Monika Hauser mit Mitarbeiterinnen von Medica Afghanistan in Kabul. 2012 © Elissa Bogos/medica mondiale

Berichte aus Kriegs- und Krisengebieten sprechen h√§ufig nur sehr allgemein von ‚ÄúBetroffenen‚ÄĚ, ‚ÄúOpfern‚ÄĚ, ‚ÄúZivilisten‚ÄĚ und neuerdings auch wieder von ‚ÄúGefallenen‚ÄĚ. Diese medialen Sprechblasen pr√§gen die kollektive Wahrnehmung bewaffneter Konflikte auf eine fatale Weise, indem sie Gewalt und Unrecht zu schwammigen Statistiken reduzieren. Vor allem jedoch verschleiern sie die Tatsache, dass jeder Krieg aufs Neue eine klar zu definierende Opfergruppe reproduziert: die Frauen.

Eine Organisation, die sich gegen die weit verbreitete Ignoranz sowie die Verkl√§rung kriegsbedingten Leids engagiert, feiert in diesem Jahr ihr zwanzigj√§hriges Bestehen: medica mondiale. Als zu Beginn der 1990er Jahre in Bosnien Krieg herrschte, drangen Berichte √ľber systematische Massenvergewaltigungen an die √Ėffentlichkeit, mit denen sich jedoch au√üerhalb entsprechend engagierter Kreise kaum jemand ernsthaft auseinandersetzte. Die K√∂lner Frauen√§rztin Dr. Monika Hauser reiste daraufhin in das Kriegsgebiet, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen und erste Hilfe zu organisieren. Das bosnische Zenica war eine jener zahlreichen von Kriegsfl√ľchtlingen √ľberf√ľllten St√§dte, die Monika Hauser erreichte. Jede zweite Frau war hier vergewaltigt worden. Mit Hilfe befreundeter √Ąrztinnen, Psychologinnen, Psychiaterinnen, Krankenschwestern und weiterer Frauen aus dem In- und Ausland gr√ľndete sie hier im April 1993 die erste Anlaufstelle f√ľr vergewaltigte Frauen und M√§dchen. Weitere Zentren in ganz Bosnien folgten. Allein im ersten Jahr wurden in Zenica mehr als 4000 Frauen ambulant versorgt und 150 Frauen und Kinder dauerhaft aufgenommen.

Seit zwanzig Jahren engagieren sich Hauser und ihre Mitarbeiterinnen und Helferinnen bei medica mondiale f√ľr die Opfer kriegsbedingter, sexueller Gewalt. Inzwischen betreibt die gemeinn√ľtzige Organisation auch Hilfszentren im Kosovo, in Albanien, Liberia und Afghanistan und kooperiert mit eine ganzen Reihe Partnerorganisationen in vielen weiteren L√§ndern der Welt. Ihr spezifischer Ansatz ist ein ganzheitlicher: Traumatisierte Frauen und Kinder werden nicht nur medizinisch versorgt sondern erhalten auch eine umfassende psychosoziale Betreuung.

Dr. Monika Hauser wird am kommenden Montag, den 25. November 2013 bei uns zu Gast sein und √ľber Geschichte, Gegenwart und Zukunft von medica mondiale sprechen.

Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr in der Unteren Wandelhalle des Neuen Rathauses zu Leipzig. Der Eintritt ist frei, wir bitten alle BesucherInnen jedoch freundlich um Spenden f√ľr medica mondiale.

Zugleich weisen wir auch auf unsere Fotoausstellung ‚ÄěStarke Stimmen ‚Äď Frauen in Afghanistan‚Äú hin, die noch bis zum 2. Dezember 2013 ebenfalls in der Unteren Wandelhalle des Neuen Rathauses zu sehen ist.

http://www.medicamondiale.org

Antifeministisches Streichkonzert

Feminist solidarity now!

Letztes Wochenende trafen sich in Leipzig die unter dem i.d.a-Dachverband organisierten deutschsprachigen Frauen-/Lesbenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen. Dieses jährlich stattfindende Treffen dient nicht nur dem fachlichen Austausch und der Vernetzung. Das Treffen zeigt vor allem auch die Vielfalt und das unermesslich reiche Erbe der Frauenbewegungen im deutschsprachigen Raum. Und genau dieser Reichtum, diese Vielfalt drohen nun verloren zu gehen Рund daran haben auch (leider) Frauen ihren Anteil!

Archiv Frau und Musik

In Frankfurt/Main sitzt ein weltweit einzigartiges Archiv: das Archiv Frau und Musik. Es beherbergt ca. 20.000 Medieneinheiten und stellt damit das umfangreichste internationale Komponistinnen-Archiv dar. Neben Kompositionen und sonstigen k√ľnstlerischen Nachl√§ssen musikschaffender Frauen werden Sekund√§rliteratur, Hochschulschriften, Pressever√∂ffentlichungen sowie graue Literatur, wie zum Beispiel Konzertprogramme, gesammelt.

Diese Schatzkammer, deren √§ltesten Quellenbest√§nde bis in das 9. Jahrhundert (!) zur√ľckreichen, ist akut von der Schlie√üung bedroht! Die Bankenstadt Frankfurt/Main hat f√ľr 2014 alle bisherigen F√∂rdermittel f√ľr das Archiv gestrichen. W√§hrend das Land Hessen bereit ist das Archiv weiter finanziell zu f√∂rdern, bleibt Frankfurt/Main hart. Falls keine Einigung erzielt wird, droht die Schlie√üung!!

Die Frauen vom Archiv Frau und Musik ben√∂tigen dringend Unterst√ľtzung! Hier geht es zur Online-Petition.

FrauenMediaTurm

Bereits im Fr√ľhjahr 2013 schlugen die medialen Wellen hoch: Die frisch gew√§hlte weibliche Doppelspitze von Nordrhein-Westfalen (Rot-Gr√ľn wohlgemerkt) k√ľrzte r√ľckwirkend (!) die F√∂rdermittel f√ľr den FrauenMediaTurm (FMT) um satte 140.000 ‚ā¨. Die an Zynismus kaum zu √ľberbietende Begr√ľndung lautete damals: ‚ÄěMit der F√∂rderentscheidung der damaligen Landesregierung (unter R√ľttgers) wurde davon ausgegangen, dass sich auch der Bund mit einem gleich hohen Betrag an der F√∂rderung des FMT beteiligt. (…) Damals wurde von einer jeweils h√§lftigen Finanzierung zwischen Bund und Land ausgegangen. (…) Ich hoffe, dass es Ihnen gelingen wird, die immer intendierte komplement√§re Finanzierung Ihres FrauenMediaTurms mit Hilfe von Bund, Land und Drittmitteln erfolgreich zu gew√§hrleisten.‚Äú Liebe Frau Kraft: Wie sollen denn bitte Drittmittel langfristig eingeworben werden, wenn die Einrichtung um ihre Existenz k√§mpft und nicht mal die Stromrechnung bezahlen kann? F√ľr Drittmittelakquise braucht es Personal und Zeit – beides sind Ressourcen, die in Frauen-/Lesbenarchive und -bibliotheken kaum noch anzutreffen sind.

Und nun streicht die Landesregierung unter der Federf√ľhrung von Hannelore Kraft die letzten F√∂rdermittel in H√∂he von 70.000 ‚ā¨. W√ľrde der Bund den FMT nicht mit 150.000 ‚ā¨ f√∂rdern und der Vorstand mit enormen Einsatz Drittmittel einwerben – der FrauenMediaTurm m√ľsste seine Pforten schlie√üen. Die Verhandlungen mit dem Bund laufen – Ausgang ungewiss.

Und wir, MONAliesA?

Auch unsere finanzielle Sitaution ist prek√§r und √§u√üerst unsicher. J√§hrlich m√ľssen neue F√∂rderantr√§ge eingereicht werden, hinzu kommen mehrere Projektantr√§ge f√ľr Drittmittel. W√§hrend wir f√ľr die Frauen-/Gendbibliothek vorsichtig hoffen, bangen wir derzeit um unsere feministische M√§dchenarbeit.

Derzeit plant die Sadt Leipzig im Bereich der freien Tr√§gern eine Mittelk√ľrzung um 50%!! Anders ausgedr√ľckt: Bis zu 10 Einrichtungen droht die Schlie√üung! Wen es betreffen wird, wei√ü im Moment niemand. Nur eines scheint klar zu sein: Kinder- und Jugendarbeit scheint in dieser Stadt keine Priorit√§t zu haben.

Es ist vielen Trägern schon in den letzten Jahren nur durch Leistungsreduzierungen möglich gewesen, tarifliche Steigerungen im Personalbereich und Mehrbelastungen aufgrund höherer Betriebskosten abzufedern. Unsere Mitarbeiterinnen in der Mädchenarbeit sind hochqualifizierte Sozialpädagoginnen, die mit ihren 20 bis 26 Stundenwochen und viel Engagement in Form von (unbezahlten) Überstunden die große Nachfrage nach feministischer Jugendarbeit mit Mädchen in Leipzig abdecken können.

Ob und in welchem Umfang die M√§dchenarbeit gestrichen wird, k√∂nnen wir im Moment nicht sagen. Dennoch sind Solidarit√§t und Protest gefragt, denn der drohende Kahlschlag in der Kinder- und Jugendhilfe ist nicht hinnehmbar! Weitere Infos √ľber die skandal√∂sen K√ľrzungen und M√∂glichkeiten des Protests findet ihr hier.

 

Protest gegen frauenfeindliche Ausstellung!

Vergangenen Freitag (12.10.) wurde mit viel Blitzlichtgewitter (Ja,sie waren da: „dear Mel Ramos“ und „lieber Wolfgang Joop“ wurden unterw√ľrfig begr√ľ√üt) die neue Ausstellung des Leipziger Museums f√ľr bildende K√ľnste (MdbK) er√∂ffnet. Sie tr√§gt den vielsagenden Titel „Die Sch√∂ne und das Biest“. Diese Schau darf wohl mit recht als widerlicher Tiefpunkt bezeichnet werden: Der Nazi-√Ąsthet Richard M√ľller soll behutsam rehabiliert werden (jemand der angeblich „schon 1935“ in Ungnade fiel, w√§re 1944 wohl kaum auf Hitlers „Gottbegnadetenliste“ gelandet – aber davon erf√§hrt das Publikum nichts); der Pop-Art-Sexist Mel Ramos („es beschweren sich doch immer nur h√§ssliche Feministinnen √ľber meine Kunst“) wird noch mal richtig geil abgefeiert. Warum Wolfgang Joops Affenbilder dabei sind? Die Kuratoren meinten, dass sie „einfach mal Lust darauf“ hatten… Zur offiziellen Er√∂ffnung wurde das nat√ľrlich ein bisschen verschwurbelter r√ľbergebracht.

Es ist schlichtweg ekelhaft: Die Frauen dieser Schau werden gnadenlos objektiviert, ja – bestialisiert! Sie erscheinen als Verf√ľhrerinnen, deren starke Sexualit√§t als Bedrohung empfunden wird und daher geb√§ndigt werden muss. Dressur mit Tiger und Weib; auch Penetrationsfantasien… Das alles mal wieder unter dem Deckmantel der Kunst. „Von Sexisten f√ľr Sexisten“, murmelte es an der Gaderobe.

Wir protestieren aufsSchärfste gegen diese frauenverachtende und gewaltverherrlichende Ausstellung und fordern ihre sofortige Schließung!

Mit den Worten der Guerillia Girls muss wieder einmal gefragt werden:

Buchtipps f√ľr den Herbst

F√ľr die kalten und regnerischen Herbsttage empfehlen wir unseren Leser_innen folgende frisch eingetroffene B√ľcher:

Jennifer Teege: Amon. Mein Großvater hätte mich erschossen

Es ist ein Schock, der ihr ganzes Selbstverst√§ndnis ersch√ľttert: Mit 38 Jahren erf√§hrt Jennifer Teege durch einen Zufall, wer sie ist. In einer Bibliothek findet sie ein Buch √ľber ihre Mutter und ihren Gro√üvater Amon G√∂th. Millionen Menschen kennen G√∂ths Geschichte. In Steven Spielbergs Film ¬ęSchindlers Liste¬Ľ ist der brutale KZ-Kommandant der Saufkumpan und Gegenspieler des Judenretters Oskar Schindler. G√∂th war verantwortlich f√ľr den Tod tausender Menschen und wurde 1946 geh√§ngt.

Dieses Buch ist zurecht von den Feuilletons gelobt worden. Jennifer Teege gelingt es auf beeindruckender Art und Weise die Leser_innen auf ihre Reise in die Vergangenheit mitzunehmen. Teegers Schilderungen √ľber ihre schonungslose Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Familiengeschichte wird von Zeitzeug_inneberichten und historischen Fakten √ľber Amon G√∂th angereichert. Dadurch gewinnt das Buch nicht nur an Intensit√§t, sondern macht auch deutlich, dass die Aufarbeitung des Nationalsozialismus in der dritten bzw. gar vierten Generation noch lange nicht abgeschlossen ist.

 

Janet Frame: Auf dem Maniototo

Janet Frame z√§hlt zu den bekanntesten Autorinnen Neuseelands. Zur literarischen Ber√ľhmtheit schaffte sie es mit ihrem autobiografisch gef√§rbten Roman „Der Engel an meiner Tafel“, der 1990 von Jane Campion fulminant verfilmt wurde.

Nun hat der C.H.Beck-Verlag den bereits 1987 erschienen Roman „Auf dem Maniototo“ auf deutsch ver√∂ffentlicht: In ihrem vielleicht sch√∂nsten Roman erz√§hlt Janet Frame von einer Frau, die, nachdem sie ihren Ehemann verloren hat, beschlie√üt Schriftstellerin zu werden. Sie absolviert einen Kurs, geht auf Reisen, verliebt sich, heiratet erneut ‚Äď und wird wieder Witwe. Auf Einladung von Freunden verbringt sie, die Neuseel√§nderin, den Sommer in Berkeley, Kalifornien, und erbt unversehens das Haus ihrer Freunde, die bei einem Erdbeben in Italien ums Leben kommen. Doch am Ende des Sommers tauchen sie quicklebendig wieder auf. Was ist Realit√§t, was Fiktion, wie glaubw√ľrdig ist die Erz√§hlerin, die sich uns unter verschiedenen Namen vorstellt? Am√ľsant und detailreich, haarstr√§ubend und bunt, in einer grandiosen Sprache erz√§hlt dieser Roman lauter Geschichten und handelt dabei zugleich vom Schreiben und Erz√§hlen selbst.

Swetlana Alexejewitsch: Second Hand Zeit. Leben auf den Tr√ľmmern des Sozialismus

Bereits mit ihren B√ľchern „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ und „Tschernobyl. Chronik einer Zukunft“ hat sich Swetlana Alexejewitsch als gro√üartige Zuh√∂rererin und Erz√§hlerin bewiesen. Mit ihrem neuen Buch „SecondHand Zeit“ beweist sie sich einmal mehr als Meisterin¬† der Zeitgeschichte. Darin widmet sie sich den Verlierer_innen des russischen Wandels, den Menschen, die von M√ľhlen der Politik und √Ėkonomie zermalmt werden. Swetlana Alexejewitsch h√∂rt denen zu, die nicht mehr geh√∂rt werden – nicht mal von ihren eigenen Kindern und Enkelkindern. Die Autorin selbst nimmt sich zur√ľck, will sie doch „ein n√ľchterner Historiker ohne Fakel“ sein. Um so mehr strahlen die Berichte von Dissident_innen, Student_innen, ehemaligen GULag-H√§ftlingen, Verlierer_innen und Gewinner_innen des Turbo-Kapitalismus der 1990er Jahre. Zusammen ergeben sie ein atemberaubendes und kaum etr√§gliches Panorama an Menschen, die vor allem eins zu einen scheint: die Last in der Sowjetunion geboren zu sein.

Gegen das Schweigen – Audre Lorde

Die Frauenbewegungsforschung hat sich in den letzten Jahrzehnten recht ausdifferenziert und durch zahlreiche Publikationen interessante Ergebnisse zu Tage gebracht. Jedoch f√§llt auf, dass angesichts der F√ľlle an Literatur bislang ein Teil der Bewegungsgeschichte ausgeblendet wurde: die Afro-Deutsche Frauenbewegung in Deutschland.

Zum 20. Todestag von Audre Lorde hat Peggy Piesche unter dem Titel „Euer Schweigen sch√ľtzt euch nicht“ eine gro√üartige Anthologie von bereits erschienen und √ľbersetzten Texzten von Audre Lorde ver√∂ffentlicht.¬† Erg√§nzt werden diese durch Texte und gedichte von Wegbegleiterinnen und Schwarzen Frauen der Nachfolgegenerationen aus Deutschland, die sich mit ihrem Erbe und den aktuellen K√§mpfen auseinandersetzen.

Am 25.09.2013 um 20 Uhr wird Peggy Piesche pers√∂nlich das Buch im Conne Island vorstellen. Wir werden neben einem B√ľchertisch mit themenrelevanter Literatur auch eine Sonderaktion durchf√ľhren: An diesem Abend k√∂nnen Interessierte eine MONAliesA-Jahreslesekarte f√ľr 10‚ā¨ erwerben. Ihr spart also 50%!

Wer nicht abwarten kann, hat die Möglichkeit das Buch von Peggy Piesche sich bei uns auszuleihen. Und auch sonst sei dazu folgende Literatur aus unserem Bestand empfohlen:

Audre Lorde: Zami

Audre Lorde / Adrienne Rich: Macht und Sinnlichkeit

May Ayim: Grenzelos und unverschämt

Katharina Oguntoye u. a. : Farbe bekennen. Afro-Deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte

Gabriele Dietze: Weiße Frauen in Bewegung. Genealogien und Konkurrenzen von Race- und Genderpolitiken

Anja Meulenbelt: Scheidelinien. √úber Sexismus, Rassismus und Klassismus

Gloria I. Joseph: Schwarzer Feminismus. Theorie und Politik afro-amerikanischer Frauen

bell hooks: Black Looks

Anette Diedrich: Wei√üe Weiblichkeiten. Konstruktionmen von „Rasse“ und Geschlecht im deutschen Kolonialismus

Und viel viel viel mehr….

 

 

The Industrial Vagina

Nachdem Maria Furtw√§ngler alias Charlotte Lindholm im Tatort „Wegwerfm√§dchen“ gegen Zwangsprostitution ermittelt hat, ist nun am 15.09. um 20.15 Uhrauf ARD das Wiener Team Bibi Fellner und Moritz Eisner dran. In der Folge „Angez√§hlt“ servieren sie zur besten Sendezeit den Zuschauer_innen harte Kost: Von ca. 6.000 Prostituierten arbeiten in Wien gerade mal 1.500 legal. An Stelle die viel beschworene „selbstbestimmte Sexarbeiterin“ zu pr√§sentieren, zeigen sie den harten Alltag in einem harten globalisierten frauenverachtenden M√§nner-Business.

Und am Montag wird wieder in diversen vermeintlich linken, antikapitalistischen und feministischen Zeitungen und Blogs Folgendes zu lesen sein: „Nein, das ist doch alles gar nicht so schlimm. Hier wird wieder pauschalisiert und √ľberhaupt machen die meisten das doch freiwillig.“ Dieser Ton ist in Zeiten, wo gerne von Intersektionalit√§t die Rede ist, ziemlich erstaunlich. Denn genau bei diesem Thema wird in den Diskussionen und Zeitungsbeitr√§gen die Verbindung von Race, Class und Gender ausgeblendet. Wieso eigentlich? Vielleicht weil dann das Bild von der „selbstbestimmten Sexarbeiterin“ (die es durchaus gibt, aber sie ist nun mal leider eine Ausnahme) zerst√∂rt wird? Und weil mensch sich dann vielleicht auch mit der Komplizenschaft, den so ein pseudo-emanzipatorischer und kapitalistisch-neoliberaler Diskurs nun mal leistet, auseinandersetzen muss?

√úbrigens stammt die Blog-√úberschrift von dem gleichnamigen Buch von Sheila Jeffrey. Darin untersucht sie den Aufstieg der Sex-Branche zu einem globalen Industriezweig bestehend aus Puffs, BrideOrder, Pornos und Strip-Clubs. Jeffrey: „The important¬† is the new economic ideology and practice of these times, neo-liberalism, in which the tolerance of ¬īsexual freedom¬ī has been merged with a free market ideology to reconstruct prostitution as legitimate ¬īwork¬ī which can form the basis of national and international sex-industries.“ Ihre These: Dieser global wachsende und milliardenschwere Wirtschaftssektor muss als die kommerzalisierte Unterdr√ľckung der Frauen verstanden werden, an der nicht nur Zuh√§lter_innen und Wirtschaftsunternehmen verdienen, sondern auch staatliche Regierungen. Zum Beispiel Deutschland.

 

Lose Hate not Weight!

Haley Morris Cafiero

Ich wei√ü gar nicht mehr wann genau, aber es war auf jeden Fall vor meinem 10. Lebensjahr, als meine Mom meine erste Di√§t verordnete. „Ich sei zu dick.“, meinte sie. Seitdem habe ich begriffen, dass M√§dchen vorrangig nicht schlau und stark zu sein haben, sondern schlank und sch√∂n.

Wie stark dicke Menschen mit Ressentiments zu k√§mpfen haben zeigen die Fotos von Haley Morris Cafiero. W√§hrend in der Highschool die Welt noch in Ordnung schien (Sie war sportlich und spielte in drei Teams Soccer.), nahm sie auf dem College pl√∂tzlich drastisch zu (von Gr√∂√üe 7 auf 14). Die Diagnose: eine Schilddr√ľsenunterfunktion. „Ich versuchte zun√§chst, mit Di√§ten und Gewichtstraining gegenzuhalten. Dann kam ich irgendwann an den Punkt, dass es keinen Sinn mache, mich f√ľr etwas zu bestrafen, f√ľr das ich nichts konnte. Seltbstzerfleischung ist Zeitverschwendung.“

Ihre Umwelt und Mitmenschen sahen das aber anders. Sie machten sich auf offener Stra√üe √ľber den K√∂rper von Haley Morris Cafiero lustig. Doch Cafiero schoss zur√ľck und zwar mit einer Fotokamera. Ihre produzierten Fotoserien tragen Titel wie „Wait Watchers!“ oder „Gelato“. Sie zeigen Haley an √∂ffentlichen Orten, wo sie sich unwohl f√ľhlte. Egal ob in Spanien, Peru, New York oder Memphis, das Ergebnis war √ľberall gleich. Haley: „Wenn ich diese Bilder betrachte, bin ich nicht verletzt. Ich f√ľhle mich dann so, als ob ich ihren Blick erwidere und gegen sie richte. Ich f√ľhle mich gut, so wie ich bin, ich brauche von niemandem eine Erlaubnis f√ľr meine Existenz.“

An dieser Stelle sei auch das Buch von Virgie Tovar empfohlen (Bei uns ausleihbar!) . In „Hot and Heavey. Fierce Fat Girls on Life, Love and Fashion“¬† versammelt sich bewegende und ermutigende Berichte von dicken Frauen. Sie schreiben offen √ľber Sex mit dicken K√∂rpern, Fat-Burlesque oder Plus-Size-Modeling.

Sommerpause und Ausblick

In der kommenden Woche startet die Frauen- und Genderbibliothek in die wohlverdiente Sommerpause! Der Ausleihbetrieb ist daher vom 29. Juli bis 31. August geschlossen.
Das B√ľro ist ebenfalls eingeschr√§nkt besetzt: Vom 06.08. bis 31.08. am Dienstag und Donnerstag jeweils von 9 bis 14 Uhr.

Ab September starten wir wieder durch und es erwarten Euch u. a. diese Neuerwerbungen:

Rigoberta Menchu: Enkelin der Maya und Klage der Erde

In diesen beiden B√ľchern erz√§hlt die Friedensnobelpreistr√§gerin Rigoberta Menchu √ľber den Kampf der Maya gegen Genozid und politische Verfolgung der indigenen Bev√∂lkerung in Guatemala. Die ber√ľhmteste Frau Guatemalas erz√§hlt ausf√ľhrlich √ľber ihre Kindheit in dem kleinen Dorf Chimel, √ľber ihre Familie, die Zeit der furchtbaren Repression, √ľber ihren Bezug zur Erde und zur Natur, ihre Bem√ľhungen in den Korridoren der UN-Menschenrechtskommission in Genf und New York, die Verleihung des Nobelpreises …

 

 

 

Peggy Piesche (Hg.): Euer Schweigen sch√ľtzt euch nicht

Der vorliegende Band ist eine Sammlung von bereits erschienenen und bisher unveröffentlichten Texten Audre Lordes. Ergänzt werden diese durch Texte von Frauen, die gemeinsam mit der Autorin den Weg einer deutschen Schwarzen Frauenbewegung gingen und von Schwarzen Frauen der Nachfolgegenerationen aus Deutschland, die sich mit ihrem Erbe und den aktuellen Kämpfen auseinander setzen.

 

 

Gabriele Dietze: Weiße Frauen in Bewegung. Genealogien und Konkurrenzen von Race- und Genderkritiken

Die Studie konfrontiert zwei zentrale Emanzipationsanstrengungen der Moderne miteinander: unmarkierte ‚Äļwei√üe‚ÄĻ US-amerikanische Frauenbewegungen und den Kampf um B√ľrgerrechte von people of color. Es geht dabei um implizite Sozio- und Psycho-Logiken, die Feminit√§t mit whiteness gleichsetzen und race-Emanzipation mit Maskulinit√§t. Die Studie untersucht kontraproduktive Race-Gender-Konkurrenzen, z.B. einen ‚ÄļRape-Lynching-Komplex‚ÄĻ, der schwarze M√§nner und wei√üe Frauen in ein Gewaltverh√§ltnis imaginiert, Sexualpolitik im Second Wave Feminism und den Prozess um O.J. Simpson. Erkenntnisinteresse ist die Verfugung von Sexismus und Rassismus und seine soziokulturellen Repr√§sentationsformen.

 

Beate Binder u. a. (Hg.): Eingreifen, kritisieren, Verändern. Interventionen ethnographisch und geschlechtertheoretisch

Unter dem Stichwort ‚ÄěInterventionen‚Äú versammelt dieser Band unterschiedliche Perspektiven auf ethnographische und geschlechterkritische Wissensproduktion, die kritisierend und ver√§ndernd in politische Konfliktfelder eingreifen will und auf vielf√§ltige Formen der Kollaboration mit sozialen Bewegungen und gesellschaftlichen AkteurInnen setzt. Die Beitr√§ge loten das Dazwischensein aus ‚Äď zwischen ForscherInnen und Beforschten, zwischen Wissenschaft, Kunst und Aktivismus.

 

Linda Tuhiwai Smith: Decolonizing Methodologies. Research and indigenous peoples

Ein Klassiker! In diesem Grundlagenwerk beschreibt sie wie westliche Wissenschaften immer noch kolonialistisch arbeiten und wie wissenschaftliche Methoden dekolonialisiert werden k√∂nnen, damit indigene Menschen wieder zu Subjekten werden k√∂nnen. Weiterhin hinterfragt Linda Tuhiwai Smith die Verbindungen zwischen Imperialismus und Forschung und Konzepte wie „Entdeckung“ und „Claiming“, die dazu beigetragen haben, wie sich der Westen indigene Welten in das eigene Netz integriert und dadurch diese entfremdet hat. Ein gro√üartiges Buch! Lesen!

 

 

Hit so hard. The life and near death of Patty Schemel (DVD)

Patty Schemel war ab 1992 die Drummerin der Band Hole. In dem Doku-Film „Hit so Hard“¬† erz√§hlt sie √ľber ihre Zeit in der Band und √ľber ihre massiven Drogenprobleme. Neben Interviews mit Courtey Love, Eric Erlandson und Melissa Auf Der Maur sind bislang noch nie gezeigte Filmaufnahmen zu sehen, die Patty Schemel w√§hrend ihrer Zeit mit Hole gedreht hat. Patty Schemel, eine Frau √ľber die eine Dokumentation auf alle F√§lle lohnt.