Archiv der Kategorie: Kultur

Oh my God, it’s a mirage

Während wir die jährliche Sommerpause nutzen, um unter anderem das Programm der kommenden Saison vorzubereiten, sei euch allen ein kleines Filmchen ans Herz gelegt, über das wir uns vor Lachen bald nicht mehr eingekriegt haben. Es stammt angeblich von den Leuten der New York Public Library, auch wenn die das mittlerweile dementieren (zwinker, zwinker).

Naja trotzdem: Allen da draußen, die schon mal – und sei es auch nur für den Bruchteil einer Sekunde – daran gedacht haben in einer Bibliothek was mitgehen zu lassen, soll das eine Warnung sein. Don`t mess up with the wrong ladies! Don`t mess up with librarians!

http://vimeo.com/66169135

(via boingboing)

In memoriam: Johanna Ludwig (1937-2013)

Johanna Ludwig

Johanna Ludwig (*26.01.1937 – †02.08.2013)

ist nach langer, schwerer Krankheit am 2. August 2013 verstorben.  MONAliesA trauert um eine jahrelange Mitkämpferin und Wegbegleiterin, die das frauenkulturelle und -politische Geschehen in Leipzig nachhaltig geprägt hat.

Die Initiatorin, langjährige Vorsitzende und Ehrenvorsitzende der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e.V. hat mehr als zwei Jahrzehnte lang unermüdlich, ideenreich und gewissenhaft Leben und Werk der Schriftstellerin und Frauenpolitikerin Louise Otto-Peters erforscht, andere ermutigt und für die Rechte der Frauen sensibilisiert.

Johanna Ludwig hat damit einen maßgeblichen Beitrag zur Wiederaneignung des Erbes der deutschen Frauenbewegung in Leipzig geleistet, das hier im 20. Jh. aus unterschiedlichen Gründen wenig Beachtung fand und partiell in Vergessenheit geriet. Maßgeblich durch ihre vielfältigen öffentlichen Initiativen wissen inzwischen viele Leipzigerinnen und Leipziger, dass ihre Stadt nicht nur als Universitätsstadt, Messestadt, Musikstadt, Buchstadt, Stadt des Sports und Stadt der deutschen Arbeiterbewegung Berühmtheit erlangte, sondern dass sie auch ein Zentrum der deutschen Frauenbewegung war, und verbinden dies mit den Namen von Louise Otto-Peters, Auguste Schmidt, Henriette Goldschmidt und anderen.
Johanna Ludwigs Anliegen bestand aber nicht nur aus rein historischen Betrachtungen; aktuelle Bezüge zur Förderung der Gleichstellung von Frauen in der heutigen Zeit wurden bewusst gesucht.

Die Louise Otto-Peters-Gesellschaft e.V. wird ihre Arbeit im Sinne von Johanna Ludwig fortsetzen.

Sommerpause und Ausblick

In der kommenden Woche startet die Frauen- und Genderbibliothek in die wohlverdiente Sommerpause! Der Ausleihbetrieb ist daher vom 29. Juli bis 31. August geschlossen.
Das Büro ist ebenfalls eingeschränkt besetzt: Vom 06.08. bis 31.08. am Dienstag und Donnerstag jeweils von 9 bis 14 Uhr.

Ab September starten wir wieder durch und es erwarten Euch u. a. diese Neuerwerbungen:

Rigoberta Menchu: Enkelin der Maya und Klage der Erde

In diesen beiden Büchern erzählt die Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchu über den Kampf der Maya gegen Genozid und politische Verfolgung der indigenen Bevölkerung in Guatemala. Die berühmteste Frau Guatemalas erzählt ausführlich über ihre Kindheit in dem kleinen Dorf Chimel, über ihre Familie, die Zeit der furchtbaren Repression, über ihren Bezug zur Erde und zur Natur, ihre Bemühungen in den Korridoren der UN-Menschenrechtskommission in Genf und New York, die Verleihung des Nobelpreises …

 

 

 

Peggy Piesche (Hg.): Euer Schweigen schützt euch nicht

Der vorliegende Band ist eine Sammlung von bereits erschienenen und bisher unveröffentlichten Texten Audre Lordes. Ergänzt werden diese durch Texte von Frauen, die gemeinsam mit der Autorin den Weg einer deutschen Schwarzen Frauenbewegung gingen und von Schwarzen Frauen der Nachfolgegenerationen aus Deutschland, die sich mit ihrem Erbe und den aktuellen Kämpfen auseinander setzen.

 

 

Gabriele Dietze: Weiße Frauen in Bewegung. Genealogien und Konkurrenzen von Race- und Genderkritiken

Die Studie konfrontiert zwei zentrale Emanzipationsanstrengungen der Moderne miteinander: unmarkierte ›weiße‹ US-amerikanische Frauenbewegungen und den Kampf um Bürgerrechte von people of color. Es geht dabei um implizite Sozio- und Psycho-Logiken, die Feminität mit whiteness gleichsetzen und race-Emanzipation mit Maskulinität. Die Studie untersucht kontraproduktive Race-Gender-Konkurrenzen, z.B. einen ›Rape-Lynching-Komplex‹, der schwarze Männer und weiße Frauen in ein Gewaltverhältnis imaginiert, Sexualpolitik im Second Wave Feminism und den Prozess um O.J. Simpson. Erkenntnisinteresse ist die Verfugung von Sexismus und Rassismus und seine soziokulturellen Repräsentationsformen.

 

Beate Binder u. a. (Hg.): Eingreifen, kritisieren, Verändern. Interventionen ethnographisch und geschlechtertheoretisch

Unter dem Stichwort „Interventionen“ versammelt dieser Band unterschiedliche Perspektiven auf ethnographische und geschlechterkritische Wissensproduktion, die kritisierend und verändernd in politische Konfliktfelder eingreifen will und auf vielfältige Formen der Kollaboration mit sozialen Bewegungen und gesellschaftlichen AkteurInnen setzt. Die Beiträge loten das Dazwischensein aus – zwischen ForscherInnen und Beforschten, zwischen Wissenschaft, Kunst und Aktivismus.

 

Linda Tuhiwai Smith: Decolonizing Methodologies. Research and indigenous peoples

Ein Klassiker! In diesem Grundlagenwerk beschreibt sie wie westliche Wissenschaften immer noch kolonialistisch arbeiten und wie wissenschaftliche Methoden dekolonialisiert werden können, damit indigene Menschen wieder zu Subjekten werden können. Weiterhin hinterfragt Linda Tuhiwai Smith die Verbindungen zwischen Imperialismus und Forschung und Konzepte wie “Entdeckung” und “Claiming”, die dazu beigetragen haben, wie sich der Westen indigene Welten in das eigene Netz integriert und dadurch diese entfremdet hat. Ein großartiges Buch! Lesen!

 

 

Hit so hard. The life and near death of Patty Schemel (DVD)

Patty Schemel war ab 1992 die Drummerin der Band Hole. In dem Doku-Film “Hit so Hard”  erzählt sie über ihre Zeit in der Band und über ihre massiven Drogenprobleme. Neben Interviews mit Courtey Love, Eric Erlandson und Melissa Auf Der Maur sind bislang noch nie gezeigte Filmaufnahmen zu sehen, die Patty Schemel während ihrer Zeit mit Hole gedreht hat. Patty Schemel, eine Frau über die eine Dokumentation auf alle Fälle lohnt.

Sing us a song, piano woman

Das gängige Bild eines weiblichen Fans lautet ungefähr so: Sie steht kreischend und hysterisch vorm Hotel oder der Konzertbühne, hält selbstbemalte Pappen mit Herzchen hoch und ist beim Anblick des meist männlichen Musikers kaum noch zu bändigen. Sie würden alles tun, um ihr männliches Idol einmal zu treffen und sie geben ihr komplettes Taschengeld für Merchandise aus.

Dieses Klischee ist so alt wie die Popkultur selbst: angefangen von der “Beatlermania” über die Boygroups der 1990er bis hin zum “Bieber-Fever” in unserer Zeit. Es wird von der Musikindustrie fleißig gepflegt, verpsricht dies doch Umsätze in Milliardenhöhe. Auch die Musikjournalist_innen leisten ihren Beitrag: weibliche Fans werden entweder als Groupies oder Fanatikerinnen abgestempelt. Seriöse Beiträge oder gar Untrersuchungen über weibliche Fans jeneseits des beschriebenen Stereotyps sind sehr rar.

Um so wertvoller ist die von Adrienne Trier-Bieniek vorgelegte Studie “Sing us a Song, Piano Woman. Female Fans and the Music of Tori Amos”. Dieses Buch leistet einen fundamentalen Beitrag zu unserem Verständnis von weiblicher Fan-Kultur, das Verhältnis zwischen feministischer Musik und feministischen Aktivismus und wie feministische Musikerinnen gängige Stereotypen in der Popkultur negieren bzw. herausfordern.

Der Auslöser sich mit weiblicher Fankultur und der heilenden Wirkung von Musik am Beispiel der Fangemeinde von Tori Amos zu beschäftigen war der Amoklauf der Virginia Tech in Blacksburg (Virginia) im Jahr 2007. Die Autorin: “I had about a month of experiencing that sense of loss with people who also had experienced it, then I was yanked out of there. I was looking for some way to help me deal with this big sense of loss.”  Sie fand ihre Heilung in den Alben The Beekeeper und American Doll Posse von Tori Amos.

Dass Trier-Bieniek mit ihrer Erfahrung nicht allein ist, zeigen die zahlreichen  und zum Teil auch bewegenden Ausschnitte aus den zahlreichen Inrerviews mit Fans von Tori Amos.

Hier ein paar Beispiele:

These songs are not about break-ups and make-ups…. They´re about the things that go on in a woman heart. […] They´re about the breaking down the patriarchy within relationships and the idea of women claiming their own power.” (S. 20)

I was molested when I was little by my mom´s best friend´s son. […] But Tori, it´s definitely helped me, just her music.” (S. 71)

Die Fans schätzen Tori Amos nicht nur, weil sie in ihren Texten die Erfahrungen von Frauen im Mittelpunkt stellt. Eine Mehrheit der befragten Frauen identifiziert sich auch mit Toris feministischen Anliegen: “Like a lot of songs are feminist and I feel like a lot of her songs, something like “Winter” or the Little Earthquakes album in general….” (S. 41)

Adrienne Trier-Bieniek ist ein wundervolles Buch gelungen, das sich trotz englischer Sprache leicht lesen lässt. Dieses Buch ist nicht nur etwas für Tori Amos-Fans, sonder für alle, die sich mit Feminismus, Musik und Pop-Kultur beschäftigen.

Und zum Abschluss noch einer meiner absoluten Favoriten von Tori Amos:

http://www.youtube.com/watch?v=lCpOAXIgF9U

“Schmuckstück – Tausche und Schmause”

MONAliesA lädt am 20.07 von 10 bis 14 Uhr erneut ein zum Freund_innen-Brunch. Dieses Jahr soll sich im schönen Kirschgarten an der Paul-Gerhardt-Kirche alles um unsere “Schmuckstücke” drehen: Egal ob Ketten, Ringe, Armreifen oder Hautschmuck – Es gibt so viel, was gezeigt und bewundert werden will. Bei allerlei (gern auch selbstmitgebrachten) veganen und vegetarischen Leckereien besteht die Möglichkeit sich auszutauschen (und zwar im geistigen wie materiellen Sinne) oder der Goldschmiedin über die Schulter zu schauen… Es sind alle Freund_innen herzlich eingeladen!

40 Jahre jüdischer Feminismus – masel tov!

Die Frau im TallitAm Donnerstag, den 27.06., um 19 Uhr spricht Dr. Yvonne Domhardt über “Die weibliche Seite des Judentums”. Ihr Vortrag über 40 Jahre jüdischer Feminismus findet im Rahmen der Jüdischen Woche 2013 Leipzig statt.

1972 hatte alles begonnen: Die Ernennung der Amerikanerin Sally Priesand zur ersten Rabbinerin nach der Schoa (bereits 1935 wurde Regina Jonas in Deutschland zur ersten Rabbinerin weltweit ordiniert) markierte einen Meilenstein in der jüdischen (Frauen)Geschichte und kann als Geburtsstunde des jüdischen Feminismus gesehen werden. Ursprünglich in den Vereinigten Staaten aufgekommen, erreichte der jüdische Feminismus bald auch Europa. Die Judaistin Yvonne Domhardt zeichnet  in ihrem Vortrag die Geschichte der jüdisch-feministischen Bewegung vorwiegend innerhalb Deutschlands – auch mit Blick auf Schweizer Verhältnisse – nach.

Ausgehend von der nahezu in Vergessenheit geratenen Tradition der jüdischen Frauenbewegung im Deutschland vor der Schoa mit Bertha Pappenheim als Gründerin des jüdischen Frauenbundes JFB (1904) bis hin zur jüdisch-feministischen Initiative Bet Debora setzt sie sich kritisch mit jüdischen Traditionen auseinander und sucht nach Wegen für ein weiblicheres Judentum, für mehr Geschlechtergerechtigkeit im Judentum.

Heute um 19 Uhr laden wir im Kirschgarten gegenüber der Paul-Gerhard-Kirche ein:

“Für jede kommt die Zeit” – Eine musikalisch-szenische Lesung

An diesem Abend werden Ausschnitte aus Maxie Wanders bahnbrechendem Protokollband Guten Morgen, Du Schöne vorgestellt. Die darin aufgenommenen Erlebnisse von Frauen, die ihre Suche nach Lebenssinn und Lebensglück sowie ihre Sichtweisen auf Männer schildern, sollen mit gegenwärtigen weiblichen Befindlichkeiten musikalisch-szenisch verglichen werden. Was hat sich verändert im Laufe der Zeit? Fühlt und empfindet frau heute anders? Welche Beweggründe und Haltungen stehen jeweils dahinter? Und was für ein gesellschaftliches Bewusstsein? Eine musikalische Lesung, nicht nur für Frauen.

Dazu gibt es Sonne, ein kleines Buffet und kühle Getränke.

Top of the lake

Elisabeth Moss alias Robin Griffin

Trigger-Warnung: Es geht um sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungskultur.

Jane Campion hat wieder zugeschlagen. Die Macherin von “Das Piano” oder “Bright Star” beweist einmal mehr, dass sie zu einer der wichtigsten Filmregisseurinnen der Gegenwart zählt. Ihr neueste Produktion heißt “Top of the lake” und könnte hinsichtlich des Themas aktueller kaum sein: In sieben Folgen geht Jane Campion der Frage nach, wie sexualisierte Gewalt und deren Wurzeln  bekämpft werden können, wenn der Schuldige (Patriarchat und dessen Auswirkungen) nicht einfach vor Gericht gestellt und verurteilt werden kann? Und auch wenn Täter im höheren Maße inaftiert werden würden, die sexualisierte Gewalt würde weitergehen, weil sie so normal ist. Das Problem ist nicht der individuelle Täter, sondern eine Kultur, die sexualisierte Gewalt akzeptiert und feiert.

Und genau in diese Realität, in diese Vergewaltigungskultur zielt die Miniserie “Top of the Lake”. Im Zentrum steht die Kriminalbeamtin Robin Griffin. Sie soll das Verschwinden der 12jährigen Tui aufklären, die Opfer einer Gruppenvergewaltigung geworden ist und seitdem vermisst wird. Die Suche nach ihr entwickelt sich für Robin, selbst Opfer einer gang rape, als eine Tour de Force, in der sie sich in einer Gesellschaft aus drinkenden, bewaffeneten, Drogen produzierenden und pädophilen Männern durchsetzen muss. Auch von ihren Kollegen, ein Old-Boys-Club par excellence, erfährt Robin keine Unterstützung.

Wer jetzt glaubt, dass Jane Campion eine Art “Anti-Männerserie” gedreht hat, in der die Frauen nicht nur die Opfer, sondern auch die Guten sind, muss leider enttäuscht werden. Vielmehr zeigt sie mit schonungloser Offenheit wie stark sexualisierte Gewalt in das Leben eines Einzelnen hineinwirkt und was es letzendlich mit einer Gesellschaft macht, die Opfer verhöhnt und entmenschlicht.

“Top of the Lake” wurde auf dem diesjährigen Sundance-Filmfestival und der Berlinale gezeigt und frenetisch gefeiert. Ausgestrahlt wurde die Serie bereits im amerikanischen, australischen und neuseeländischen Fernsehen. Ob und wann die Serie auch im deutschsprachigen Raum zu sehen seid wird, steht noch in den Sternen. In Kürze wird “Top of the lake” als DVD-Box zu erwerben sein und dann bei uns zur Ausleihe bereitstehen.

http://www.youtube.com/watch?v=YerIiHm-JtQ

Die Preziöse ist da!

Die deutschsprachige feministische Presselandschaft ist um ein Magazin reicher, denn Die Preziöse ist da!

Alles begann mit einer Idee von drei Frauen, die eine Zeitschrift  für die anspruchsvolle queere Frau herausbringen wollten. Doch wie umsetzen? Ganz einfach sie gründeten ein Start-Up-Unternehmen namens Freilenzer-Verlag und starteten eine Crowdfunding-Kampagne. Und siehe da, das Geld kam zusammen.

Nun liegt endlich die erste Ausgabe in allen Bahnhofsbuchandlungen aus. Und die kann sich in der Tat sehen lassen. Oberstes Credo der Herausgeberinnen ist Qualität gepaart mit thematischer Vielfalt: “Wir glauben daran, dass man nur der Vielfalt des modernen Lebens gerecht werden kann, wenn man sich ihrer nicht verschließt und seinen Horizont konstant erweitert.” Dieser begrüßenswerte Anspruch spiegelt sich in der ersten Ausgabe wieder. Die Themen reichen von Asexualität über Körperbehaarung bis hin zum Frauenfußball. Sogar ein Horoskop ist dabei!

Irmtraud Morgner meinte einmal, der größte Fehler von Frauen sei ihr Mangel an Größenwahn. Dies trifft auf die Preziöse-Macherinnen definitiv nicht zu. In Zeiten sinkender Printauflagen und Zeitungssterben sind sie größenwahnsinnig genug ein feminitisch-queeres Magazin herauszubringen, das sich dem Mainstream und einem Eliten-Nischen-Dasein verweigert und obendrein auch noch Vielfalt, Qualität, Seriosität und Authentizität bieten möchte. Chapeau!

Wer sich den Heftpreis von 5€ nicht leisten kann oder will, kann gerne bei uns in der Bibliothek in der Ausgabe blättern! 🙂

Beruf: Trobairitz

Für ihren wohl wichtigsten Roman “Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz”  ließ sich Irmtraud Morgner vom europäischen Mittelalter inspirieren. Verdutzt werden sich jetzt bestimmt einige fragen “DDR und Minnesang? Geht das überhaupt?” Für Irmtraud Morgner kein Problem. Sie verbindet mühelos Epochen der Geschichte, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben.

Im Mittelpunkt des Romans “Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz” steht Beatriz de Dia. Sie ist eine provenzalische Minnesängerin (Troubadourin), die – da ihre Kanzonen im 12. Jahrhundert unerwidert verhallten – enttäuscht der mittelalterlichen Männerwelt entflohen ist. Von der Göttin Persephone in einen 808-jährigen Schlaf versetzt, wacht sie 1968 auf. Erneut erfährt sie allerorten Gewalt und Verachtung, bis sie hört, dass das Leben einer Frau als ganzer Mensch im “gelobten Land” DDR gewährleistet sein soll…

Beatriz de Dia hat es tatsächlich gegeben. Sie lebte im 12. Jh. in der französischen Provence und war einer der berühmtesten Trobairitz im okkzitentanischen Mittelalter.  Beatriz de Dia war wahrscheinlich die Gattin des Grafen Wilhelm von Poitiers (1158-1189). Sie hinterließ ein kleines Text-Melodien-Korpus (um 1160).

Prof. Dr. Angelica Rieger läd am 18.04. um 19 Uhr in die weitgehend unbekannte Welt des weiblichen Trobadors ein. Sie wird zum einen  Beatriz de Dia und weitere Trobairitz sowie deren literarisches Wirken vorstellen. Zum anderen wird sie auch darüber sprechen, was mit einer Frau geschah, die ihren zugewiesenen Platz als Adelsdame verließ, um eine selbständige Sängerin zu werden. Musikalisch begleitet wird Frau Rieger von Christine Vogel an der Viola de Gamba.

Wer sich schon mal vorab über dieses Thema informieren möchte, dem sei die preisgekrönte Seite Spielfrauen im Mittelalter der Hochschule für Musik und Theater Hamburg empfohlen.