Archiv der Kategorie: Kultur

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Nach der Auflösung des MONAliesA e.V. gibt es nun eine Gruppe engagierter Frauen, die die Bibliothek mithilfe eines neuen Vereins weiterfĂŒhren möchte. Aufgrund der fehlenden stĂ€dtischen Zuwendung in Form von Fördermitteln in diesem Jahr sind wir im Moment auf Spenden angewiesen.

Die Spenden werden fĂŒr die Zukunft der Bibliothek benötigt: ZunĂ€chst vor allem fĂŒr den Ankauf des BĂŒcher- und Medienbestandes und die Miete im Haus der Demokratie, sodass die Frauen- und Genderbibliothek in der zweiten JahreshĂ€lfte wiedereröffnet werden kann.

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Split Self is the ideal

Seit nun mehr als zwei Monate tobt in Deutschland eine Debatte ĂŒber Prostitution. Auslöser war  der von der EMMA-Herausgeberin Alice Schwarzer initierte Appell die Prostitution zu verbieten. Begleitet wurde diese Kampagne durch die Veröffentlichung „Prostitution. Ein deutscher Skandal„.

Viel ist in Zeitungen geschrieben worden. Auch die Talkshows griffen das Thema beherzt auf und diskutierten mal mit mehr, mal mit weniger seriösen GĂ€sten. Und da sind natĂŒrlich auch noch die feministischen Stimmen. JĂŒngst meldete sich das „AlphamĂ€dchen“ Meredith Haaf in der SĂŒddeutschen zu Wort. Ganz wie vor 5 Jahren, als eine junge Generation von weißen Frauen den „neuen Feminismus“ ausriefen, steht die „Alt-Emanze“ Alice Schwarzer und der „EMMA-Feminismus“ unter Beschuss.In dem Artikel kritisiert sie die von Schwarzer gezogene Parallele zwischen PĂ€dophilie und Prostitution. Frau Haaf wirft ihr darauhin einen „anachronistischen und frauenfeindlichen SexualitĂ€tsbegriff“ vor, der keine „sexuelle Autonomie“ der Frau zulĂ€sst und stellt sie damit auf eine Stufe mit islamischen und christlichen Fundamentalisten. Der Vorwurf eines „altmodischen Frauenbildes in der Prostitutionsdebatte“ kulminiert in der Aussage Alice Schwarzer mache mit einer patriarchalischen Ideologie Politik. Wie bitte?

Der Gastbeitrag von Meredith Haaf zeigt mehr als deutlich, dass Kapitalismus- gepaart mit Patriarchatskritik und soziapolitische Forderungen in feministischen Debatten kaum noch vorkommen. Noch mehr schockierend ist die Annahme von Frau Haaf, dass Frauen doch in der Lage sein sollten, den Sex, den sie haben, von sich zu trennen.

Die schwedische Feministin und Journalistin Kajsa Ekis Ekman greift in ihrem jĂŒngst erschienen Buch „Being and Being Bought: Prostitution, Surrogacy and the Split Self“ diese Argumentation auf: “ The Self must be split from the body to make it possible to sell your body without selling yourself. The body becomes sex. Sex becomes a service. The story of the sex worker says: the Split Self is not only possible, it is the ideal.“

Kajsa Ekis Ekman setzt sich in ihrem Buch sehr kritisch mit Prostitution auseinander. Sie kritisiert hierbei insbesondere die Allianz zwischen Rechten und Linken: „Auf der einen Seite sind da die neoliberalen Rechten, die an den freien Markt glauben und alles deregulieren wollen. Auf der anderen Seite steht die postmoderne Linke, die alles bejaht, was fĂŒr sie nach Freiheit klingt. Nun haben wir es bei der Prostitution mit einem völlig deregulierten Markt mit Dumpinglöhnen und Mietwucher zu tun, dem die Linke das Vokabular liefert: „UnterdrĂŒckte Frauen nehmen sich die Macht, ihr Leben selbst zu definieren und weigern sich, Opfer zu sein.“ Auch die Queer-Bewegung kommt bei ihr nicht gut weg, „die Prostitution als cool und hip definiert„: „Das Problem ist: Diese Bewegung stellt zwar Normen in Frage, aber nicht die MachtverhĂ€ltnisse. Die Prostituierte ist in diesem Diskurs kein menschliches Wesen, sondern ein Symbol fĂŒr sexuelle GrenzĂŒberschreitung, mit dem man sich schmĂŒcken kann wie mit einem Ohrring, den man sich anhĂ€ngt.

Gewagt ist ihre Analogie zur Leihmutterschaft. Ekman behauptet, dass es sich hierbei auch um eine erweiterte Form der Prostitution handelt. Die Leihmutter muss ihr Selbst vom Körper und Kind abspalten. Nur so können sie eine Ware werden fĂŒr die bezahlt wird.Sie fragt: „Why should this not be called child trafficking?

Wie ĂŒberzeugend sie die These darlegt, davon kann sich die Leser_in im kommenden Jahr selbst ein Bild machen. Da wird dieses Buch bei uns ausleihbar sein.

Barbara und Meret in Berlin

WĂ€hrend sich das Museum fĂŒr bildende KĂŒnste in Leipzig mit seiner aktuellen Ausstellung „Die Schöne und das Biest“ als Museum fĂŒr sexistische Altherren-Phantasien profiliert, glĂ€nzt der Martin-Gropius-Bau mit zwei sensationellen Restrospektiven der Werke Barbara Klemms und Meret Oppenheims.

Barbara Klemm hat wie keine andere Fotografin SchlĂŒsselereignisse des 20. und 21. Jahrhunderts mit der Kamera festgehalten. Als Fotografin der Frakfurter Allgemeinen Zeitung prĂ€gte sie mit ihren Schwarz-Weiß-Aufnahmen das kollektive GedĂ€chtnis: Williy Brandt 1973 im GesprĂ€ch mit Leonid Breschnew, die Nelkenrevolution 1974 in Portugal oder der Fall der Mauer und die deutsche Wiedervereinigung. Aber auch  Alltagsszenen und Straßensituationen aus allen Erdteilen, einfĂŒhlsame Portraits von KĂŒnstlern, Schriftstellern, Musikern findet sich in der Ausstellung, die ca. 300 Exponate umfasst.

Unmittelbar gegenĂŒber befindet sich die große Werkschau Meret Oppenheims, die am 6. Oktober 100 Jahre alt geworden wĂ€re. Meret Oppenheim wird zu Recht als wichtigste KĂŒnstlerin des Surrealismus und feministische Identifikationsfigur gefeiert. Jedoch ließ sie sich nie auf eine Kunstrichtung festlegen und bewahrte sich stehts ihre UnabhĂ€ngigkeit. Die daraus resultierende Vielgestaltigkeit ihres Gesamtoeuvres ist bis dato nicht nur unerreicht, sondern auch heute noch wegweisend.

Der Besuch dieser beiden famosen Ausstellungen sei allen ans Herz gelegt. Wer den Weg nach Berlin nicht schafft, kann sich gerne auch bei uns die beiden Begleitpublikationen ausleihen:

Barbara Klemm: Fotografien 1968 – 2013

Meret Oppenheim: Retrospektive

Und als kleines Zusatzschmankerl haben wir nun auch den Riesenband „Kunst und Feminismus“ neu im Bestand. Dieser enthĂ€lt eine fundierte und vielschichtige Zusammenschau der feministischen Kunst seit den 1960er Jahren. Neben der theoretischen Einbettung sind auch zahlreiche Werke feministischer KĂŒnstlerinnen abgebildet. Großer Pluspunkt dieser Publikation ist BerĂŒcksichtigung der Werke Schwarzer Frauen. Leider fehlen die Indigenas völlig – ihre Kunst wird dann wohl immer noch eher in den Museen fĂŒr Völkerkunde verortet.

Prostitution – ein deutscher Skandal

Seit letzter Woche schlagen die Wellen mal wieder hoch. Die Zeitschrift EMMA hat einen Appell gegen Prostitution lanciert. Auf dem Cover sind einige der insgesamt 90  prominenten Erstunterzeichner_innen, die die Abschaffung der Prostitution und die Änderung des ZuhĂ€lter-Gesetzes fordern. Bislang haben ca. 2.800 Menschen diesen Appell unterzeichnet, Tendenz steigend.

Die Gegenreaktionen ließen natĂŒrlich nicht lange auf sich warten. Sofort hagelte es – mal mehr, mal weniger sachlich und fundiert – Kritik. Diese reicht von „Polizeifeministin“ bis hin zu Rassismus. Letzteres ist wohl auf dem von Alice Schwarzer verwendeten Begriff white slavery zurĂŒckzufĂŒhren.

Die Debatte weiter anfachen wird das neue  von Alice Schwarzer herausgegebene Buch „Prostitution – Ein deutscher Skandal.“, das diese Woche veröffentlicht wird. Unter den insgesamt vier Themenblöcken „Die Folgen der Reform – und der Widerstand“, „Prostitutierte reden“, „Reicher Sextourist – arme Prostitutierte“ und „Blick ZurĂŒck – und Blick in die Gegenwart“ sind zahlreiche BeitrĂ€ge versammelt, die zum Teil bereits in der EMMA veröffentlicht wurden. Anhand dieser BeitrĂ€ge hat die Leser_in die Möglichkeit, die nun mittlerweile 30 Jahre andauernde Berichterstattung von EMMA kritisch nachzuvollziehen. Als besonders eindrĂŒcklich erweisen sich die GespĂ€che mit den Prostutierten, die EMMA-Redakteurinnen in den letzten Jahrzehnten immer wieder gefĂŒhrt haben. Neben prominente „Alt-Huren“ wie Domenica kommen vor allem die Frauen zu Wort, die nicht so recht in das Glamourbild der freien selbstbestimmten in Sauß und Braus lebenden Sexarbeiterin passen. Dabei muss man nicht wie Bettina Flittner und Cornelia Filter bis in das deutsch-tschechische Grenzgebiet fahren, um die unmenschlichen Außmaße des internationalen Frauenhandels und der sexuellen Ausbeutung erfahren. Auch hierzulande hat sich die Situation seit 2002 massiv verĂ€ndert. „Seit der Reform des Prostitutionsgesetzes sind nicht nur die Anzeigen enthemmter geworden, sondern auch die Freier brutaler… Das Gesetz hat nichts gebracht. Zumindest nichts fĂŒr uns Prostitutierte, so die Domina Ellen Templin. Aber wem nutzt nun dieses Gesetz? Diese und andere Fragen werden in der erhellenden Reportage ĂŒber die „Pro-Prostitutionsfront gestellt. Am Beispiel der „Hurenprojekte“ Hydra und Dona Carmen fragt die Autor_in, wer eigentlich hinter der „Prostituiertenlobby“ steckt, wer sie finanziert und wem sie vor allem nĂŒtzen.

Aufschlussreich ist auch der Beitrag aus dem Jahr 1979. Die Autorinnen Rosemarie Giesen und Gunda Schumann geben darin einen ersten Überblick ĂŒber die Haltung der neuen Feministinnen zur Prostitution. WĂ€hrend in den USA und Frankreich Prostituierte damit beginnen sich zu organisieren und politische Forderungen zu stellen (sei es Legalisierung oder Verbot der ZuhĂ€lterei), bleibt es in Westdeutschland relativ still.

Ob das Buch dazu beitrÀgt die verhÀrteten Fronten in der Prostitutionsdebatte zu lockern, bleibt fraglich. Vielleicht gelingt es am 14. November, denn an diesem Tag findet um 20 Uhr im Urania/Berlin in Anwesenheit von Alice Schwarzer eine Podiumsdiskussion statt.

Aber eines steht nach der LektĂŒre des Buches jetzt schon fest: Deutschland ist zum Paradies der FrauenhĂ€ndler geworden. Un darĂŒber muss nicht nur geredet, sondern es muss vor allem gehandelt werden!

Antifeministisches Streichkonzert

Feminist solidarity now!

Letztes Wochenende trafen sich in Leipzig die unter dem i.d.a-Dachverband organisierten deutschsprachigen Frauen-/Lesbenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen. Dieses jĂ€hrlich stattfindende Treffen dient nicht nur dem fachlichen Austausch und der Vernetzung. Das Treffen zeigt vor allem auch die Vielfalt und das unermesslich reiche Erbe der Frauenbewegungen im deutschsprachigen Raum. Und genau dieser Reichtum, diese Vielfalt drohen nun verloren zu gehen – und daran haben auch (leider) Frauen ihren Anteil!

Archiv Frau und Musik

In Frankfurt/Main sitzt ein weltweit einzigartiges Archiv: das Archiv Frau und Musik. Es beherbergt ca. 20.000 Medieneinheiten und stellt damit das umfangreichste internationale Komponistinnen-Archiv dar. Neben Kompositionen und sonstigen kĂŒnstlerischen NachlĂ€ssen musikschaffender Frauen werden SekundĂ€rliteratur, Hochschulschriften, Presseveröffentlichungen sowie graue Literatur, wie zum Beispiel Konzertprogramme, gesammelt.

Diese Schatzkammer, deren Ă€ltesten QuellenbestĂ€nde bis in das 9. Jahrhundert (!) zurĂŒckreichen, ist akut von der Schließung bedroht! Die Bankenstadt Frankfurt/Main hat fĂŒr 2014 alle bisherigen Fördermittel fĂŒr das Archiv gestrichen. WĂ€hrend das Land Hessen bereit ist das Archiv weiter finanziell zu fördern, bleibt Frankfurt/Main hart. Falls keine Einigung erzielt wird, droht die Schließung!!

Die Frauen vom Archiv Frau und Musik benötigen dringend UnterstĂŒtzung! Hier geht es zur Online-Petition.

FrauenMediaTurm

Bereits im FrĂŒhjahr 2013 schlugen die medialen Wellen hoch: Die frisch gewĂ€hlte weibliche Doppelspitze von Nordrhein-Westfalen (Rot-GrĂŒn wohlgemerkt) kĂŒrzte rĂŒckwirkend (!) die Fördermittel fĂŒr den FrauenMediaTurm (FMT) um satte 140.000 €. Die an Zynismus kaum zu ĂŒberbietende BegrĂŒndung lautete damals: „Mit der Förderentscheidung der damaligen Landesregierung (unter RĂŒttgers) wurde davon ausgegangen, dass sich auch der Bund mit einem gleich hohen Betrag an der Förderung des FMT beteiligt. (…) Damals wurde von einer jeweils hĂ€lftigen Finanzierung zwischen Bund und Land ausgegangen. (…) Ich hoffe, dass es Ihnen gelingen wird, die immer intendierte komplementĂ€re Finanzierung Ihres FrauenMediaTurms mit Hilfe von Bund, Land und Drittmitteln erfolgreich zu gewĂ€hrleisten.“ Liebe Frau Kraft: Wie sollen denn bitte Drittmittel langfristig eingeworben werden, wenn die Einrichtung um ihre Existenz kĂ€mpft und nicht mal die Stromrechnung bezahlen kann? FĂŒr Drittmittelakquise braucht es Personal und Zeit – beides sind Ressourcen, die in Frauen-/Lesbenarchive und -bibliotheken kaum noch anzutreffen sind.

Und nun streicht die Landesregierung unter der FederfĂŒhrung von Hannelore Kraft die letzten Fördermittel in Höhe von 70.000 €. WĂŒrde der Bund den FMT nicht mit 150.000 € fördern und der Vorstand mit enormen Einsatz Drittmittel einwerben – der FrauenMediaTurm mĂŒsste seine Pforten schließen. Die Verhandlungen mit dem Bund laufen – Ausgang ungewiss.

Und wir, MONAliesA?

Auch unsere finanzielle Sitaution ist prekĂ€r und Ă€ußerst unsicher. JĂ€hrlich mĂŒssen neue FörderantrĂ€ge eingereicht werden, hinzu kommen mehrere ProjektantrĂ€ge fĂŒr Drittmittel. WĂ€hrend wir fĂŒr die Frauen-/Gendbibliothek vorsichtig hoffen, bangen wir derzeit um unsere feministische MĂ€dchenarbeit.

Derzeit plant die Sadt Leipzig im Bereich der freien TrĂ€gern eine MittelkĂŒrzung um 50%!! Anders ausgedrĂŒckt: Bis zu 10 Einrichtungen droht die Schließung! Wen es betreffen wird, weiß im Moment niemand. Nur eines scheint klar zu sein: Kinder- und Jugendarbeit scheint in dieser Stadt keine PrioritĂ€t zu haben.

Es ist vielen TrĂ€gern schon in den letzten Jahren nur durch Leistungsreduzierungen möglich gewesen, tarifliche Steigerungen im Personalbereich und Mehrbelastungen aufgrund höherer Betriebskosten abzufedern. Unsere Mitarbeiterinnen in der MĂ€dchenarbeit sind hochqualifizierte SozialpĂ€dagoginnen, die mit ihren 20 bis 26 Stundenwochen und viel Engagement in Form von (unbezahlten) Überstunden die große Nachfrage nach feministischer Jugendarbeit mit MĂ€dchen in Leipzig abdecken können.

Ob und in welchem Umfang die MĂ€dchenarbeit gestrichen wird, können wir im Moment nicht sagen. Dennoch sind SolidaritĂ€t und Protest gefragt, denn der drohende Kahlschlag in der Kinder- und Jugendhilfe ist nicht hinnehmbar! Weitere Infos ĂŒber die skandalösen KĂŒrzungen und Möglichkeiten des Protests findet ihr hier.

 

Protest gegen frauenfeindliche Ausstellung!

Vergangenen Freitag (12.10.) wurde mit viel Blitzlichtgewitter (Ja,sie waren da: „dear Mel Ramos“ und „lieber Wolfgang Joop“ wurden unterwĂŒrfig begrĂŒĂŸt) die neue Ausstellung des Leipziger Museums fĂŒr bildende KĂŒnste (MdbK) eröffnet. Sie trĂ€gt den vielsagenden Titel „Die Schöne und das Biest“. Diese Schau darf wohl mit recht als widerlicher Tiefpunkt bezeichnet werden: Der Nazi-Ästhet Richard MĂŒller soll behutsam rehabiliert werden (jemand der angeblich „schon 1935“ in Ungnade fiel, wĂ€re 1944 wohl kaum auf Hitlers „Gottbegnadetenliste“ gelandet – aber davon erfĂ€hrt das Publikum nichts); der Pop-Art-Sexist Mel Ramos („es beschweren sich doch immer nur hĂ€ssliche Feministinnen ĂŒber meine Kunst“) wird noch mal richtig geil abgefeiert. Warum Wolfgang Joops Affenbilder dabei sind? Die Kuratoren meinten, dass sie „einfach mal Lust darauf“ hatten… Zur offiziellen Eröffnung wurde das natĂŒrlich ein bisschen verschwurbelter rĂŒbergebracht.

Es ist schlichtweg ekelhaft: Die Frauen dieser Schau werden gnadenlos objektiviert, ja – bestialisiert! Sie erscheinen als VerfĂŒhrerinnen, deren starke SexualitĂ€t als Bedrohung empfunden wird und daher gebĂ€ndigt werden muss. Dressur mit Tiger und Weib; auch Penetrationsfantasien… Das alles mal wieder unter dem Deckmantel der Kunst. „Von Sexisten fĂŒr Sexisten“, murmelte es an der Gaderobe.

Wir protestieren aufsSchĂ€rfste gegen diese frauenverachtende und gewaltverherrlichende Ausstellung und fordern ihre sofortige Schließung!

Mit den Worten der Guerillia Girls muss wieder einmal gefragt werden:

Buchtipps fĂŒr den Herbst

FĂŒr die kalten und regnerischen Herbsttage empfehlen wir unseren Leser_innen folgende frisch eingetroffene BĂŒcher:

Jennifer Teege: Amon. Mein Großvater hĂ€tte mich erschossen

Es ist ein Schock, der ihr ganzes SelbstverstĂ€ndnis erschĂŒttert: Mit 38 Jahren erfĂ€hrt Jennifer Teege durch einen Zufall, wer sie ist. In einer Bibliothek findet sie ein Buch ĂŒber ihre Mutter und ihren Großvater Amon Göth. Millionen Menschen kennen Göths Geschichte. In Steven Spielbergs Film «Schindlers Liste» ist der brutale KZ-Kommandant der Saufkumpan und Gegenspieler des Judenretters Oskar Schindler. Göth war verantwortlich fĂŒr den Tod tausender Menschen und wurde 1946 gehĂ€ngt.

Dieses Buch ist zurecht von den Feuilletons gelobt worden. Jennifer Teege gelingt es auf beeindruckender Art und Weise die Leser_innen auf ihre Reise in die Vergangenheit mitzunehmen. Teegers Schilderungen ĂŒber ihre schonungslose Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Familiengeschichte wird von Zeitzeug_inneberichten und historischen Fakten ĂŒber Amon Göth angereichert. Dadurch gewinnt das Buch nicht nur an IntensitĂ€t, sondern macht auch deutlich, dass die Aufarbeitung des Nationalsozialismus in der dritten bzw. gar vierten Generation noch lange nicht abgeschlossen ist.

 

Janet Frame: Auf dem Maniototo

Janet Frame zĂ€hlt zu den bekanntesten Autorinnen Neuseelands. Zur literarischen BerĂŒhmtheit schaffte sie es mit ihrem autobiografisch gefĂ€rbten Roman „Der Engel an meiner Tafel“, der 1990 von Jane Campion fulminant verfilmt wurde.

Nun hat der C.H.Beck-Verlag den bereits 1987 erschienen Roman „Auf dem Maniototo“ auf deutsch veröffentlicht: In ihrem vielleicht schönsten Roman erzĂ€hlt Janet Frame von einer Frau, die, nachdem sie ihren Ehemann verloren hat, beschließt Schriftstellerin zu werden. Sie absolviert einen Kurs, geht auf Reisen, verliebt sich, heiratet erneut – und wird wieder Witwe. Auf Einladung von Freunden verbringt sie, die NeuseelĂ€nderin, den Sommer in Berkeley, Kalifornien, und erbt unversehens das Haus ihrer Freunde, die bei einem Erdbeben in Italien ums Leben kommen. Doch am Ende des Sommers tauchen sie quicklebendig wieder auf. Was ist RealitĂ€t, was Fiktion, wie glaubwĂŒrdig ist die ErzĂ€hlerin, die sich uns unter verschiedenen Namen vorstellt? AmĂŒsant und detailreich, haarstrĂ€ubend und bunt, in einer grandiosen Sprache erzĂ€hlt dieser Roman lauter Geschichten und handelt dabei zugleich vom Schreiben und ErzĂ€hlen selbst.

Swetlana Alexejewitsch: Second Hand Zeit. Leben auf den TrĂŒmmern des Sozialismus

Bereits mit ihren BĂŒchern „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ und „Tschernobyl. Chronik einer Zukunft“ hat sich Swetlana Alexejewitsch als großartige Zuhörererin und ErzĂ€hlerin bewiesen. Mit ihrem neuen Buch „SecondHand Zeit“ beweist sie sich einmal mehr als Meisterin  der Zeitgeschichte. Darin widmet sie sich den Verlierer_innen des russischen Wandels, den Menschen, die von MĂŒhlen der Politik und Ökonomie zermalmt werden. Swetlana Alexejewitsch hört denen zu, die nicht mehr gehört werden – nicht mal von ihren eigenen Kindern und Enkelkindern. Die Autorin selbst nimmt sich zurĂŒck, will sie doch „ein nĂŒchterner Historiker ohne Fakel“ sein. Um so mehr strahlen die Berichte von Dissident_innen, Student_innen, ehemaligen GULag-HĂ€ftlingen, Verlierer_innen und Gewinner_innen des Turbo-Kapitalismus der 1990er Jahre. Zusammen ergeben sie ein atemberaubendes und kaum etrĂ€gliches Panorama an Menschen, die vor allem eins zu einen scheint: die Last in der Sowjetunion geboren zu sein.

Gegen das Schweigen – Audre Lorde

Die Frauenbewegungsforschung hat sich in den letzten Jahrzehnten recht ausdifferenziert und durch zahlreiche Publikationen interessante Ergebnisse zu Tage gebracht. Jedoch fĂ€llt auf, dass angesichts der FĂŒlle an Literatur bislang ein Teil der Bewegungsgeschichte ausgeblendet wurde: die Afro-Deutsche Frauenbewegung in Deutschland.

Zum 20. Todestag von Audre Lorde hat Peggy Piesche unter dem Titel „Euer Schweigen schĂŒtzt euch nicht“ eine großartige Anthologie von bereits erschienen und ĂŒbersetzten Texzten von Audre Lorde veröffentlicht.  ErgĂ€nzt werden diese durch Texte und gedichte von Wegbegleiterinnen und Schwarzen Frauen der Nachfolgegenerationen aus Deutschland, die sich mit ihrem Erbe und den aktuellen KĂ€mpfen auseinandersetzen.

Am 25.09.2013 um 20 Uhr wird Peggy Piesche persönlich das Buch im Conne Island vorstellen. Wir werden neben einem BĂŒchertisch mit themenrelevanter Literatur auch eine Sonderaktion durchfĂŒhren: An diesem Abend können Interessierte eine MONAliesA-Jahreslesekarte fĂŒr 10€ erwerben. Ihr spart also 50%!

Wer nicht abwarten kann, hat die Möglichkeit das Buch von Peggy Piesche sich bei uns auszuleihen. Und auch sonst sei dazu folgende Literatur aus unserem Bestand empfohlen:

Audre Lorde: Zami

Audre Lorde / Adrienne Rich: Macht und Sinnlichkeit

May Ayim: Grenzelos und unverschÀmt

Katharina Oguntoye u. a. : Farbe bekennen. Afro-Deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte

Gabriele Dietze: Weiße Frauen in Bewegung. Genealogien und Konkurrenzen von Race- und Genderpolitiken

Anja Meulenbelt: Scheidelinien. Über Sexismus, Rassismus und Klassismus

Gloria I. Joseph: Schwarzer Feminismus. Theorie und Politik afro-amerikanischer Frauen

bell hooks: Black Looks

Anette Diedrich: Weiße Weiblichkeiten. Konstruktionmen von „Rasse“ und Geschlecht im deutschen Kolonialismus

Und viel viel viel mehr….

 

 

Unser kurzes Leben

Heute endet (leider) unsere Autorinnenreihe „Mein Antrieb wĂ€re, Welt zu machen“. Den Abschluss krönt der selten aufgefĂŒhrte DEFA-Film „Unser kurzes Leben“, eine Verfilmung des Romans „Franziska Linkerhand“ von Brigitte Reimann. Dieser Film lĂ€uft heute um 18 Uhr in der Kinobar Prager FrĂŒhling.

Die junge Architektin Franziska trennt sich von ihrem Mann und scheidet freiwillig aus dem Mitarbeiterstab eines berĂŒhmten Dresdner Professors aus, um in einem KleinstadtbĂŒro zu arbeiten. Hart in ihren Anforderungen an sich selbst und voller Ideale möchte sie eine Stadt bauen, in der sich die Menschen wohlfĂŒhlen. Doch Franziska spĂŒrt bald, wie sehr sich ihre Vorstellungen und WĂŒnsche vom tatsĂ€chlichen, oft bĂŒrokratischen Arbeitsalltag unterscheiden. Ihre Kollegen ĂŒberzeugt sie von einem Ideenwettbewerb zur Umgestaltung des Stadtzentrums. Als Franziskas Entwurf ĂŒberzeugen kann und sie den Wettbewerb gewinnt, geschieht fĂŒr sie Unerwartetes: Die Umsetzung des Projekts wird auf unbestimmte Zeit verschoben…

Brigitte Reimann

Unsere Autorinnenreihe neigt sich (leider) dem Ende zu. Der September steht ganz im Zeichen der Autorin Brigitte Reimann.

Bereits mit 14 Jahren beschließt Brigitte Reimann Schriftstellerin zu werden. Ihr erstes StĂŒck, ein Laienspiel fĂŒr die Schulweihnachtsfeier, wurde 1948 uraufgefĂŒhrt. Als sie 1951 das Abitur macht, waren bereits einige ihrer ErzĂ€hlungen veröffentlicht und Reimann hatte erste Preise erhalten. Sie beginnt ein Studium der Theaterwissenschaften, welches sie aus gesundheitlichen GrĂŒnden abbrechen muss. Ihr Geld verdient sie sich dann zunĂ€chst als Lehrerin. In der Arbeitsgemeinschaft Junger Autoren kommt sie in Kontakt mit weiteren AutorInnen und widmet sich ab 1953 ganz der Schriftstellerei…

Am 06.09. um 19 Uhr besteht die Möglichkeit mehr ĂŒber das Leben und Werk der bedeutenden DDR-Autorin zu erfahren. In Kooperation mit der Landeszentrale fĂŒr politische Bildung Sachsen referieren und lesen Angela Potowski, Martin und Helene Schmidt unter dem Titel „Brigitte Reimann – zwischen Euphorie und Resignation“ aus den Werken Reimanns.

Zum Abschluss zeigen wir am 11.09. um 18 Uhr zusammen mit der Kinobar Prager FrĂŒhling den Film „Unser kurzes Leben“ – eine selten gezeigte Defa-Verfilmung des Romans „Franziska Linkerhand“.