Archiv der Kategorie: Kultur

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Split Self is the ideal

Seit nun mehr als zwei Monate tobt in Deutschland eine Debatte √ľber Prostitution. Ausl√∂ser war¬† der von der EMMA-Herausgeberin Alice Schwarzer initierte Appell die Prostitution zu verbieten. Begleitet wurde diese Kampagne durch die Ver√∂ffentlichung „Prostitution. Ein deutscher Skandal„.

Viel ist in Zeitungen geschrieben worden. Auch die Talkshows griffen das Thema beherzt auf und diskutierten mal mit mehr, mal mit weniger seri√∂sen G√§sten. Und da sind nat√ľrlich auch noch die feministischen Stimmen. J√ľngst meldete sich das „Alpham√§dchen“ Meredith Haaf in der S√ľddeutschen zu Wort. Ganz wie vor 5 Jahren, als eine junge Generation von wei√üen Frauen den „neuen Feminismus“ ausriefen, steht die „Alt-Emanze“ Alice Schwarzer und der „EMMA-Feminismus“ unter Beschuss.In dem Artikel kritisiert sie die von Schwarzer gezogene Parallele zwischen P√§dophilie und Prostitution. Frau Haaf wirft ihr darauhin einen „anachronistischen und frauenfeindlichen Sexualit√§tsbegriff“ vor, der keine „sexuelle Autonomie“ der Frau zul√§sst und stellt sie damit auf eine Stufe mit islamischen und christlichen Fundamentalisten. Der Vorwurf eines „altmodischen Frauenbildes in der Prostitutionsdebatte“ kulminiert in der Aussage Alice Schwarzer mache mit einer patriarchalischen Ideologie Politik. Wie bitte?

Der Gastbeitrag von Meredith Haaf zeigt mehr als deutlich, dass Kapitalismus- gepaart mit Patriarchatskritik und soziapolitische Forderungen in feministischen Debatten kaum noch vorkommen. Noch mehr schockierend ist die Annahme von Frau Haaf, dass Frauen doch in der Lage sein sollten, den Sex, den sie haben, von sich zu trennen.

Die schwedische Feministin und Journalistin Kajsa Ekis Ekman greift in ihrem j√ľngst erschienen Buch „Being and Being Bought: Prostitution, Surrogacy and the Split Self“ diese Argumentation auf: “ The Self must be split from the body to make it possible to sell your body without selling yourself. The body becomes sex. Sex becomes a service. The story of the sex worker says: the Split Self is not only possible, it is the ideal.“

Kajsa Ekis Ekman setzt sich in ihrem Buch sehr kritisch mit Prostitution auseinander. Sie kritisiert hierbei insbesondere die Allianz zwischen Rechten und Linken: „Auf der einen Seite sind da die neoliberalen Rechten, die an den freien Markt glauben und alles deregulieren wollen. Auf der anderen Seite steht die postmoderne Linke, die alles bejaht, was f√ľr sie nach Freiheit klingt. Nun haben wir es bei der Prostitution mit einem v√∂llig deregulierten Markt mit Dumpingl√∂hnen und Mietwucher zu tun, dem die Linke das Vokabular liefert: ‚ÄěUnterdr√ľckte Frauen nehmen sich die Macht, ihr Leben selbst zu definieren und weigern sich, Opfer zu sein.‚Äú Auch die Queer-Bewegung kommt bei ihr nicht gut weg, „die Prostitution als cool und hip definiert„: „Das Problem ist: Diese Bewegung stellt zwar Normen in Frage, aber nicht die Machtverh√§ltnisse. Die Prostituierte ist in diesem Diskurs kein menschliches Wesen, sondern ein Symbol f√ľr sexuelle Grenz√ľberschreitung, mit dem man sich schm√ľcken kann wie mit einem Ohrring, den man sich anh√§ngt.

Gewagt ist ihre Analogie zur Leihmutterschaft. Ekman behauptet, dass es sich hierbei auch um eine erweiterte Form der Prostitution handelt. Die Leihmutter muss ihr Selbst vom K√∂rper und Kind abspalten. Nur so k√∂nnen sie eine Ware werden f√ľr die bezahlt wird.Sie fragt: „Why should this not be called child trafficking?

Wie √ľberzeugend sie die These darlegt, davon kann sich die Leser_in im kommenden Jahr selbst ein Bild machen. Da wird dieses Buch bei uns ausleihbar sein.

Barbara und Meret in Berlin

W√§hrend sich das Museum f√ľr bildende K√ľnste in Leipzig mit seiner aktuellen Ausstellung „Die Sch√∂ne und das Biest“ als Museum f√ľr sexistische Altherren-Phantasien profiliert, gl√§nzt der Martin-Gropius-Bau mit zwei sensationellen Restrospektiven der Werke Barbara Klemms und Meret Oppenheims.

Barbara Klemm hat wie keine andere Fotografin Schl√ľsselereignisse des 20. und 21. Jahrhunderts mit der Kamera festgehalten. Als Fotografin der Frakfurter Allgemeinen Zeitung pr√§gte sie mit ihren Schwarz-Wei√ü-Aufnahmen das kollektive Ged√§chtnis: Williy Brandt 1973 im Gespr√§ch mit Leonid Breschnew, die Nelkenrevolution 1974 in Portugal oder der Fall der Mauer und die deutsche Wiedervereinigung. Aber auch¬† Alltagsszenen und Stra√üensituationen aus allen Erdteilen, einf√ľhlsame Portraits von K√ľnstlern, Schriftstellern, Musikern findet sich in der Ausstellung, die ca. 300 Exponate umfasst.

Unmittelbar gegen√ľber befindet sich die gro√üe Werkschau Meret Oppenheims, die am 6. Oktober 100 Jahre alt geworden w√§re. Meret Oppenheim wird zu Recht als wichtigste K√ľnstlerin des Surrealismus und feministische Identifikationsfigur gefeiert. Jedoch lie√ü sie sich nie auf eine Kunstrichtung festlegen und bewahrte sich stehts ihre Unabh√§ngigkeit. Die daraus resultierende Vielgestaltigkeit ihres Gesamtoeuvres ist bis dato nicht nur unerreicht, sondern auch heute noch wegweisend.

Der Besuch dieser beiden famosen Ausstellungen sei allen ans Herz gelegt. Wer den Weg nach Berlin nicht schafft, kann sich gerne auch bei uns die beiden Begleitpublikationen ausleihen:

Barbara Klemm: Fotografien 1968 – 2013

Meret Oppenheim: Retrospektive

Und als kleines Zusatzschmankerl haben wir nun auch den Riesenband „Kunst und Feminismus“ neu im Bestand. Dieser enth√§lt eine fundierte und vielschichtige Zusammenschau der feministischen Kunst seit den 1960er Jahren. Neben der theoretischen Einbettung sind auch zahlreiche Werke feministischer K√ľnstlerinnen abgebildet. Gro√üer Pluspunkt dieser Publikation ist Ber√ľcksichtigung der Werke Schwarzer Frauen. Leider fehlen die Indigenas v√∂llig – ihre Kunst wird dann wohl immer noch eher in den Museen f√ľr V√∂lkerkunde verortet.

Prostitution – ein deutscher Skandal

Seit letzter Woche schlagen die Wellen mal wieder hoch. Die Zeitschrift EMMA hat einen Appell gegen Prostitution lanciert. Auf dem Cover sind einige der insgesamt 90¬† prominenten Erstunterzeichner_innen, die die Abschaffung der Prostitution und die √Ąnderung des Zuh√§lter-Gesetzes fordern. Bislang haben ca. 2.800 Menschen diesen Appell unterzeichnet, Tendenz steigend.

Die Gegenreaktionen lie√üen nat√ľrlich nicht lange auf sich warten. Sofort hagelte es – mal mehr, mal weniger sachlich und fundiert – Kritik. Diese reicht von „Polizeifeministin“ bis hin zu Rassismus. Letzteres ist wohl auf dem von Alice Schwarzer verwendeten Begriff white slavery zur√ľckzuf√ľhren.

Die Debatte weiter anfachen wird das neue¬† von Alice Schwarzer herausgegebene Buch „Prostitution – Ein deutscher Skandal.“, das diese Woche ver√∂ffentlicht wird. Unter den insgesamt vier Themenbl√∂cken „Die Folgen der Reform – und der Widerstand“, „Prostitutierte reden“, „Reicher Sextourist – arme Prostitutierte“ und „Blick Zur√ľck – und Blick in die Gegenwart“ sind zahlreiche Beitr√§ge versammelt, die zum Teil bereits in der EMMA ver√∂ffentlicht wurden. Anhand dieser Beitr√§ge hat die Leser_in die M√∂glichkeit, die nun mittlerweile 30 Jahre andauernde Berichterstattung von EMMA kritisch nachzuvollziehen. Als besonders eindr√ľcklich erweisen sich die Gesp√§che mit den Prostutierten, die EMMA-Redakteurinnen in den letzten Jahrzehnten immer wieder gef√ľhrt haben. Neben prominente „Alt-Huren“ wie Domenica kommen vor allem die Frauen zu Wort, die nicht so recht in das Glamourbild der freien selbstbestimmten in Sau√ü und Braus lebenden Sexarbeiterin passen. Dabei muss man nicht wie Bettina Flittner und Cornelia Filter bis in das deutsch-tschechische Grenzgebiet fahren, um die unmenschlichen Au√üma√üe des internationalen Frauenhandels und der sexuellen Ausbeutung erfahren. Auch hierzulande hat sich die Situation seit 2002 massiv ver√§ndert. „Seit der Reform des Prostitutionsgesetzes sind nicht nur die Anzeigen enthemmter geworden, sondern auch die Freier brutaler… Das Gesetz hat nichts gebracht. Zumindest nichts f√ľr uns Prostitutierte, so die Domina Ellen Templin. Aber wem nutzt nun dieses Gesetz? Diese und andere Fragen werden in der erhellenden Reportage √ľber die „Pro-Prostitutionsfront gestellt. Am Beispiel der „Hurenprojekte“ Hydra und Dona Carmen fragt die Autor_in, wer eigentlich hinter der „Prostituiertenlobby“ steckt, wer sie finanziert und wem sie vor allem n√ľtzen.

Aufschlussreich ist auch der Beitrag aus dem Jahr 1979. Die Autorinnen Rosemarie Giesen und Gunda Schumann geben darin einen ersten √úberblick √ľber die Haltung der neuen Feministinnen zur Prostitution. W√§hrend in den USA und Frankreich Prostituierte damit beginnen sich zu organisieren und politische Forderungen zu stellen (sei es Legalisierung oder Verbot der Zuh√§lterei), bleibt es in Westdeutschland relativ still.

Ob das Buch dazu beiträgt die verhärteten Fronten in der Prostitutionsdebatte zu lockern, bleibt fraglich. Vielleicht gelingt es am 14. November, denn an diesem Tag findet um 20 Uhr im Urania/Berlin in Anwesenheit von Alice Schwarzer eine Podiumsdiskussion statt.

Aber eines steht nach der Lekt√ľre des Buches jetzt schon fest: Deutschland ist zum Paradies der Frauenh√§ndler geworden. Un dar√ľber muss nicht nur geredet, sondern es muss vor allem gehandelt werden!

Antifeministisches Streichkonzert

Feminist solidarity now!

Letztes Wochenende trafen sich in Leipzig die unter dem i.d.a-Dachverband organisierten deutschsprachigen Frauen-/Lesbenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen. Dieses jährlich stattfindende Treffen dient nicht nur dem fachlichen Austausch und der Vernetzung. Das Treffen zeigt vor allem auch die Vielfalt und das unermesslich reiche Erbe der Frauenbewegungen im deutschsprachigen Raum. Und genau dieser Reichtum, diese Vielfalt drohen nun verloren zu gehen Рund daran haben auch (leider) Frauen ihren Anteil!

Archiv Frau und Musik

In Frankfurt/Main sitzt ein weltweit einzigartiges Archiv: das Archiv Frau und Musik. Es beherbergt ca. 20.000 Medieneinheiten und stellt damit das umfangreichste internationale Komponistinnen-Archiv dar. Neben Kompositionen und sonstigen k√ľnstlerischen Nachl√§ssen musikschaffender Frauen werden Sekund√§rliteratur, Hochschulschriften, Pressever√∂ffentlichungen sowie graue Literatur, wie zum Beispiel Konzertprogramme, gesammelt.

Diese Schatzkammer, deren √§ltesten Quellenbest√§nde bis in das 9. Jahrhundert (!) zur√ľckreichen, ist akut von der Schlie√üung bedroht! Die Bankenstadt Frankfurt/Main hat f√ľr 2014 alle bisherigen F√∂rdermittel f√ľr das Archiv gestrichen. W√§hrend das Land Hessen bereit ist das Archiv weiter finanziell zu f√∂rdern, bleibt Frankfurt/Main hart. Falls keine Einigung erzielt wird, droht die Schlie√üung!!

Die Frauen vom Archiv Frau und Musik ben√∂tigen dringend Unterst√ľtzung! Hier geht es zur Online-Petition.

FrauenMediaTurm

Bereits im Fr√ľhjahr 2013 schlugen die medialen Wellen hoch: Die frisch gew√§hlte weibliche Doppelspitze von Nordrhein-Westfalen (Rot-Gr√ľn wohlgemerkt) k√ľrzte r√ľckwirkend (!) die F√∂rdermittel f√ľr den FrauenMediaTurm (FMT) um satte 140.000 ‚ā¨. Die an Zynismus kaum zu √ľberbietende Begr√ľndung lautete damals: ‚ÄěMit der F√∂rderentscheidung der damaligen Landesregierung (unter R√ľttgers) wurde davon ausgegangen, dass sich auch der Bund mit einem gleich hohen Betrag an der F√∂rderung des FMT beteiligt. (…) Damals wurde von einer jeweils h√§lftigen Finanzierung zwischen Bund und Land ausgegangen. (…) Ich hoffe, dass es Ihnen gelingen wird, die immer intendierte komplement√§re Finanzierung Ihres FrauenMediaTurms mit Hilfe von Bund, Land und Drittmitteln erfolgreich zu gew√§hrleisten.‚Äú Liebe Frau Kraft: Wie sollen denn bitte Drittmittel langfristig eingeworben werden, wenn die Einrichtung um ihre Existenz k√§mpft und nicht mal die Stromrechnung bezahlen kann? F√ľr Drittmittelakquise braucht es Personal und Zeit – beides sind Ressourcen, die in Frauen-/Lesbenarchive und -bibliotheken kaum noch anzutreffen sind.

Und nun streicht die Landesregierung unter der Federf√ľhrung von Hannelore Kraft die letzten F√∂rdermittel in H√∂he von 70.000 ‚ā¨. W√ľrde der Bund den FMT nicht mit 150.000 ‚ā¨ f√∂rdern und der Vorstand mit enormen Einsatz Drittmittel einwerben – der FrauenMediaTurm m√ľsste seine Pforten schlie√üen. Die Verhandlungen mit dem Bund laufen – Ausgang ungewiss.

Und wir, MONAliesA?

Auch unsere finanzielle Sitaution ist prek√§r und √§u√üerst unsicher. J√§hrlich m√ľssen neue F√∂rderantr√§ge eingereicht werden, hinzu kommen mehrere Projektantr√§ge f√ľr Drittmittel. W√§hrend wir f√ľr die Frauen-/Gendbibliothek vorsichtig hoffen, bangen wir derzeit um unsere feministische M√§dchenarbeit.

Derzeit plant die Sadt Leipzig im Bereich der freien Tr√§gern eine Mittelk√ľrzung um 50%!! Anders ausgedr√ľckt: Bis zu 10 Einrichtungen droht die Schlie√üung! Wen es betreffen wird, wei√ü im Moment niemand. Nur eines scheint klar zu sein: Kinder- und Jugendarbeit scheint in dieser Stadt keine Priorit√§t zu haben.

Es ist vielen Trägern schon in den letzten Jahren nur durch Leistungsreduzierungen möglich gewesen, tarifliche Steigerungen im Personalbereich und Mehrbelastungen aufgrund höherer Betriebskosten abzufedern. Unsere Mitarbeiterinnen in der Mädchenarbeit sind hochqualifizierte Sozialpädagoginnen, die mit ihren 20 bis 26 Stundenwochen und viel Engagement in Form von (unbezahlten) Überstunden die große Nachfrage nach feministischer Jugendarbeit mit Mädchen in Leipzig abdecken können.

Ob und in welchem Umfang die M√§dchenarbeit gestrichen wird, k√∂nnen wir im Moment nicht sagen. Dennoch sind Solidarit√§t und Protest gefragt, denn der drohende Kahlschlag in der Kinder- und Jugendhilfe ist nicht hinnehmbar! Weitere Infos √ľber die skandal√∂sen K√ľrzungen und M√∂glichkeiten des Protests findet ihr hier.

 

Protest gegen frauenfeindliche Ausstellung!

Vergangenen Freitag (12.10.) wurde mit viel Blitzlichtgewitter (Ja,sie waren da: „dear Mel Ramos“ und „lieber Wolfgang Joop“ wurden unterw√ľrfig begr√ľ√üt) die neue Ausstellung des Leipziger Museums f√ľr bildende K√ľnste (MdbK) er√∂ffnet. Sie tr√§gt den vielsagenden Titel „Die Sch√∂ne und das Biest“. Diese Schau darf wohl mit recht als widerlicher Tiefpunkt bezeichnet werden: Der Nazi-√Ąsthet Richard M√ľller soll behutsam rehabiliert werden (jemand der angeblich „schon 1935“ in Ungnade fiel, w√§re 1944 wohl kaum auf Hitlers „Gottbegnadetenliste“ gelandet – aber davon erf√§hrt das Publikum nichts); der Pop-Art-Sexist Mel Ramos („es beschweren sich doch immer nur h√§ssliche Feministinnen √ľber meine Kunst“) wird noch mal richtig geil abgefeiert. Warum Wolfgang Joops Affenbilder dabei sind? Die Kuratoren meinten, dass sie „einfach mal Lust darauf“ hatten… Zur offiziellen Er√∂ffnung wurde das nat√ľrlich ein bisschen verschwurbelter r√ľbergebracht.

Es ist schlichtweg ekelhaft: Die Frauen dieser Schau werden gnadenlos objektiviert, ja – bestialisiert! Sie erscheinen als Verf√ľhrerinnen, deren starke Sexualit√§t als Bedrohung empfunden wird und daher geb√§ndigt werden muss. Dressur mit Tiger und Weib; auch Penetrationsfantasien… Das alles mal wieder unter dem Deckmantel der Kunst. „Von Sexisten f√ľr Sexisten“, murmelte es an der Gaderobe.

Wir protestieren aufsSchärfste gegen diese frauenverachtende und gewaltverherrlichende Ausstellung und fordern ihre sofortige Schließung!

Mit den Worten der Guerillia Girls muss wieder einmal gefragt werden:

Buchtipps f√ľr den Herbst

F√ľr die kalten und regnerischen Herbsttage empfehlen wir unseren Leser_innen folgende frisch eingetroffene B√ľcher:

Jennifer Teege: Amon. Mein Großvater hätte mich erschossen

Es ist ein Schock, der ihr ganzes Selbstverst√§ndnis ersch√ľttert: Mit 38 Jahren erf√§hrt Jennifer Teege durch einen Zufall, wer sie ist. In einer Bibliothek findet sie ein Buch √ľber ihre Mutter und ihren Gro√üvater Amon G√∂th. Millionen Menschen kennen G√∂ths Geschichte. In Steven Spielbergs Film ¬ęSchindlers Liste¬Ľ ist der brutale KZ-Kommandant der Saufkumpan und Gegenspieler des Judenretters Oskar Schindler. G√∂th war verantwortlich f√ľr den Tod tausender Menschen und wurde 1946 geh√§ngt.

Dieses Buch ist zurecht von den Feuilletons gelobt worden. Jennifer Teege gelingt es auf beeindruckender Art und Weise die Leser_innen auf ihre Reise in die Vergangenheit mitzunehmen. Teegers Schilderungen √ľber ihre schonungslose Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Familiengeschichte wird von Zeitzeug_inneberichten und historischen Fakten √ľber Amon G√∂th angereichert. Dadurch gewinnt das Buch nicht nur an Intensit√§t, sondern macht auch deutlich, dass die Aufarbeitung des Nationalsozialismus in der dritten bzw. gar vierten Generation noch lange nicht abgeschlossen ist.

 

Janet Frame: Auf dem Maniototo

Janet Frame z√§hlt zu den bekanntesten Autorinnen Neuseelands. Zur literarischen Ber√ľhmtheit schaffte sie es mit ihrem autobiografisch gef√§rbten Roman „Der Engel an meiner Tafel“, der 1990 von Jane Campion fulminant verfilmt wurde.

Nun hat der C.H.Beck-Verlag den bereits 1987 erschienen Roman „Auf dem Maniototo“ auf deutsch ver√∂ffentlicht: In ihrem vielleicht sch√∂nsten Roman erz√§hlt Janet Frame von einer Frau, die, nachdem sie ihren Ehemann verloren hat, beschlie√üt Schriftstellerin zu werden. Sie absolviert einen Kurs, geht auf Reisen, verliebt sich, heiratet erneut ‚Äď und wird wieder Witwe. Auf Einladung von Freunden verbringt sie, die Neuseel√§nderin, den Sommer in Berkeley, Kalifornien, und erbt unversehens das Haus ihrer Freunde, die bei einem Erdbeben in Italien ums Leben kommen. Doch am Ende des Sommers tauchen sie quicklebendig wieder auf. Was ist Realit√§t, was Fiktion, wie glaubw√ľrdig ist die Erz√§hlerin, die sich uns unter verschiedenen Namen vorstellt? Am√ľsant und detailreich, haarstr√§ubend und bunt, in einer grandiosen Sprache erz√§hlt dieser Roman lauter Geschichten und handelt dabei zugleich vom Schreiben und Erz√§hlen selbst.

Swetlana Alexejewitsch: Second Hand Zeit. Leben auf den Tr√ľmmern des Sozialismus

Bereits mit ihren B√ľchern „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ und „Tschernobyl. Chronik einer Zukunft“ hat sich Swetlana Alexejewitsch als gro√üartige Zuh√∂rererin und Erz√§hlerin bewiesen. Mit ihrem neuen Buch „SecondHand Zeit“ beweist sie sich einmal mehr als Meisterin¬† der Zeitgeschichte. Darin widmet sie sich den Verlierer_innen des russischen Wandels, den Menschen, die von M√ľhlen der Politik und √Ėkonomie zermalmt werden. Swetlana Alexejewitsch h√∂rt denen zu, die nicht mehr geh√∂rt werden – nicht mal von ihren eigenen Kindern und Enkelkindern. Die Autorin selbst nimmt sich zur√ľck, will sie doch „ein n√ľchterner Historiker ohne Fakel“ sein. Um so mehr strahlen die Berichte von Dissident_innen, Student_innen, ehemaligen GULag-H√§ftlingen, Verlierer_innen und Gewinner_innen des Turbo-Kapitalismus der 1990er Jahre. Zusammen ergeben sie ein atemberaubendes und kaum etr√§gliches Panorama an Menschen, die vor allem eins zu einen scheint: die Last in der Sowjetunion geboren zu sein.

Gegen das Schweigen – Audre Lorde

Die Frauenbewegungsforschung hat sich in den letzten Jahrzehnten recht ausdifferenziert und durch zahlreiche Publikationen interessante Ergebnisse zu Tage gebracht. Jedoch f√§llt auf, dass angesichts der F√ľlle an Literatur bislang ein Teil der Bewegungsgeschichte ausgeblendet wurde: die Afro-Deutsche Frauenbewegung in Deutschland.

Zum 20. Todestag von Audre Lorde hat Peggy Piesche unter dem Titel „Euer Schweigen sch√ľtzt euch nicht“ eine gro√üartige Anthologie von bereits erschienen und √ľbersetzten Texzten von Audre Lorde ver√∂ffentlicht.¬† Erg√§nzt werden diese durch Texte und gedichte von Wegbegleiterinnen und Schwarzen Frauen der Nachfolgegenerationen aus Deutschland, die sich mit ihrem Erbe und den aktuellen K√§mpfen auseinandersetzen.

Am 25.09.2013 um 20 Uhr wird Peggy Piesche pers√∂nlich das Buch im Conne Island vorstellen. Wir werden neben einem B√ľchertisch mit themenrelevanter Literatur auch eine Sonderaktion durchf√ľhren: An diesem Abend k√∂nnen Interessierte eine MONAliesA-Jahreslesekarte f√ľr 10‚ā¨ erwerben. Ihr spart also 50%!

Wer nicht abwarten kann, hat die Möglichkeit das Buch von Peggy Piesche sich bei uns auszuleihen. Und auch sonst sei dazu folgende Literatur aus unserem Bestand empfohlen:

Audre Lorde: Zami

Audre Lorde / Adrienne Rich: Macht und Sinnlichkeit

May Ayim: Grenzelos und unverschämt

Katharina Oguntoye u. a. : Farbe bekennen. Afro-Deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte

Gabriele Dietze: Weiße Frauen in Bewegung. Genealogien und Konkurrenzen von Race- und Genderpolitiken

Anja Meulenbelt: Scheidelinien. √úber Sexismus, Rassismus und Klassismus

Gloria I. Joseph: Schwarzer Feminismus. Theorie und Politik afro-amerikanischer Frauen

bell hooks: Black Looks

Anette Diedrich: Wei√üe Weiblichkeiten. Konstruktionmen von „Rasse“ und Geschlecht im deutschen Kolonialismus

Und viel viel viel mehr….

 

 

Unser kurzes Leben

Heute endet (leider) unsere Autorinnenreihe „Mein Antrieb w√§re, Welt zu machen“. Den Abschluss kr√∂nt der selten aufgef√ľhrte DEFA-Film „Unser kurzes Leben“, eine Verfilmung des Romans „Franziska Linkerhand“ von Brigitte Reimann. Dieser Film l√§uft heute um 18 Uhr in der Kinobar Prager Fr√ľhling.

Die junge Architektin Franziska trennt sich von ihrem Mann und scheidet freiwillig aus dem Mitarbeiterstab eines ber√ľhmten Dresdner Professors aus, um in einem Kleinstadtb√ľro zu arbeiten. Hart in ihren Anforderungen an sich selbst und voller Ideale m√∂chte sie eine Stadt bauen, in der sich die Menschen wohlf√ľhlen. Doch Franziska sp√ľrt bald, wie sehr sich ihre Vorstellungen und W√ľnsche vom tats√§chlichen, oft b√ľrokratischen Arbeitsalltag unterscheiden. Ihre Kollegen √ľberzeugt sie von einem Ideenwettbewerb zur Umgestaltung des Stadtzentrums. Als Franziskas Entwurf √ľberzeugen kann und sie den Wettbewerb gewinnt, geschieht f√ľr sie Unerwartetes: Die Umsetzung des Projekts wird auf unbestimmte Zeit verschoben…

Brigitte Reimann

Unsere Autorinnenreihe neigt sich (leider) dem Ende zu. Der September steht ganz im Zeichen der Autorin Brigitte Reimann.

Bereits mit 14 Jahren beschlie√üt Brigitte Reimann Schriftstellerin zu werden. Ihr erstes St√ľck, ein Laienspiel f√ľr die Schulweihnachtsfeier, wurde 1948 uraufgef√ľhrt. Als sie 1951 das Abitur macht, waren bereits einige ihrer Erz√§hlungen ver√∂ffentlicht und Reimann hatte erste Preise erhalten. Sie beginnt ein Studium der Theaterwissenschaften, welches sie aus gesundheitlichen Gr√ľnden abbrechen muss. Ihr Geld verdient sie sich dann zun√§chst als Lehrerin. In der Arbeitsgemeinschaft Junger Autoren kommt sie in Kontakt mit weiteren AutorInnen und widmet sich ab 1953 ganz der Schriftstellerei…

Am 06.09. um 19 Uhr besteht die M√∂glichkeit mehr √ľber das Leben und Werk der bedeutenden DDR-Autorin zu erfahren. In Kooperation mit der Landeszentrale f√ľr politische Bildung Sachsen referieren und lesen Angela Potowski, Martin und Helene Schmidt unter dem Titel „Brigitte Reimann – zwischen Euphorie und Resignation“ aus den Werken Reimanns.

Zum Abschluss zeigen wir am 11.09. um 18 Uhr zusammen mit der Kinobar Prager Fr√ľhling den Film „Unser kurzes Leben“ – eine selten gezeigte Defa-Verfilmung des Romans „Franziska Linkerhand“.