Archiv der Kategorie: Kultur

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Nach der Auflösung des MONAliesA e.V. gibt es nun eine Gruppe engagierter Frauen, die die Bibliothek mithilfe eines neuen Vereins weiterführen möchte. Aufgrund der fehlenden städtischen Zuwendung in Form von Fördermitteln in diesem Jahr sind wir im Moment auf Spenden angewiesen.

Die Spenden werden für die Zukunft der Bibliothek benötigt: Zunächst vor allem für den Ankauf des Bücher- und Medienbestandes und die Miete im Haus der Demokratie, sodass die Frauen- und Genderbibliothek in der zweiten Jahreshälfte wiedereröffnet werden kann.

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Split Self is the ideal

Seit nun mehr als zwei Monate tobt in Deutschland eine Debatte über Prostitution. Auslöser war  der von der EMMA-Herausgeberin Alice Schwarzer initierte Appell die Prostitution zu verbieten. Begleitet wurde diese Kampagne durch die Veröffentlichung „Prostitution. Ein deutscher Skandal„.

Viel ist in Zeitungen geschrieben worden. Auch die Talkshows griffen das Thema beherzt auf und diskutierten mal mit mehr, mal mit weniger seriösen Gästen. Und da sind natürlich auch noch die feministischen Stimmen. Jüngst meldete sich das „Alphamädchen“ Meredith Haaf in der Süddeutschen zu Wort. Ganz wie vor 5 Jahren, als eine junge Generation von weißen Frauen den „neuen Feminismus“ ausriefen, steht die „Alt-Emanze“ Alice Schwarzer und der „EMMA-Feminismus“ unter Beschuss.In dem Artikel kritisiert sie die von Schwarzer gezogene Parallele zwischen Pädophilie und Prostitution. Frau Haaf wirft ihr darauhin einen „anachronistischen und frauenfeindlichen Sexualitätsbegriff“ vor, der keine „sexuelle Autonomie“ der Frau zulässt und stellt sie damit auf eine Stufe mit islamischen und christlichen Fundamentalisten. Der Vorwurf eines „altmodischen Frauenbildes in der Prostitutionsdebatte“ kulminiert in der Aussage Alice Schwarzer mache mit einer patriarchalischen Ideologie Politik. Wie bitte?

Der Gastbeitrag von Meredith Haaf zeigt mehr als deutlich, dass Kapitalismus- gepaart mit Patriarchatskritik und soziapolitische Forderungen in feministischen Debatten kaum noch vorkommen. Noch mehr schockierend ist die Annahme von Frau Haaf, dass Frauen doch in der Lage sein sollten, den Sex, den sie haben, von sich zu trennen.

Die schwedische Feministin und Journalistin Kajsa Ekis Ekman greift in ihrem jüngst erschienen Buch „Being and Being Bought: Prostitution, Surrogacy and the Split Self“ diese Argumentation auf: “ The Self must be split from the body to make it possible to sell your body without selling yourself. The body becomes sex. Sex becomes a service. The story of the sex worker says: the Split Self is not only possible, it is the ideal.“

Kajsa Ekis Ekman setzt sich in ihrem Buch sehr kritisch mit Prostitution auseinander. Sie kritisiert hierbei insbesondere die Allianz zwischen Rechten und Linken: „Auf der einen Seite sind da die neoliberalen Rechten, die an den freien Markt glauben und alles deregulieren wollen. Auf der anderen Seite steht die postmoderne Linke, die alles bejaht, was für sie nach Freiheit klingt. Nun haben wir es bei der Prostitution mit einem völlig deregulierten Markt mit Dumpinglöhnen und Mietwucher zu tun, dem die Linke das Vokabular liefert: „Unterdrückte Frauen nehmen sich die Macht, ihr Leben selbst zu definieren und weigern sich, Opfer zu sein.“ Auch die Queer-Bewegung kommt bei ihr nicht gut weg, „die Prostitution als cool und hip definiert„: „Das Problem ist: Diese Bewegung stellt zwar Normen in Frage, aber nicht die Machtverhältnisse. Die Prostituierte ist in diesem Diskurs kein menschliches Wesen, sondern ein Symbol für sexuelle Grenzüberschreitung, mit dem man sich schmücken kann wie mit einem Ohrring, den man sich anhängt.

Gewagt ist ihre Analogie zur Leihmutterschaft. Ekman behauptet, dass es sich hierbei auch um eine erweiterte Form der Prostitution handelt. Die Leihmutter muss ihr Selbst vom Körper und Kind abspalten. Nur so können sie eine Ware werden für die bezahlt wird.Sie fragt: „Why should this not be called child trafficking?

Wie überzeugend sie die These darlegt, davon kann sich die Leser_in im kommenden Jahr selbst ein Bild machen. Da wird dieses Buch bei uns ausleihbar sein.

Barbara und Meret in Berlin

Während sich das Museum für bildende Künste in Leipzig mit seiner aktuellen Ausstellung „Die Schöne und das Biest“ als Museum für sexistische Altherren-Phantasien profiliert, glänzt der Martin-Gropius-Bau mit zwei sensationellen Restrospektiven der Werke Barbara Klemms und Meret Oppenheims.

Barbara Klemm hat wie keine andere Fotografin Schlüsselereignisse des 20. und 21. Jahrhunderts mit der Kamera festgehalten. Als Fotografin der Frakfurter Allgemeinen Zeitung prägte sie mit ihren Schwarz-Weiß-Aufnahmen das kollektive Gedächtnis: Williy Brandt 1973 im Gespräch mit Leonid Breschnew, die Nelkenrevolution 1974 in Portugal oder der Fall der Mauer und die deutsche Wiedervereinigung. Aber auch  Alltagsszenen und Straßensituationen aus allen Erdteilen, einfühlsame Portraits von Künstlern, Schriftstellern, Musikern findet sich in der Ausstellung, die ca. 300 Exponate umfasst.

Unmittelbar gegenüber befindet sich die große Werkschau Meret Oppenheims, die am 6. Oktober 100 Jahre alt geworden wäre. Meret Oppenheim wird zu Recht als wichtigste Künstlerin des Surrealismus und feministische Identifikationsfigur gefeiert. Jedoch ließ sie sich nie auf eine Kunstrichtung festlegen und bewahrte sich stehts ihre Unabhängigkeit. Die daraus resultierende Vielgestaltigkeit ihres Gesamtoeuvres ist bis dato nicht nur unerreicht, sondern auch heute noch wegweisend.

Der Besuch dieser beiden famosen Ausstellungen sei allen ans Herz gelegt. Wer den Weg nach Berlin nicht schafft, kann sich gerne auch bei uns die beiden Begleitpublikationen ausleihen:

Barbara Klemm: Fotografien 1968 – 2013

Meret Oppenheim: Retrospektive

Und als kleines Zusatzschmankerl haben wir nun auch den Riesenband „Kunst und Feminismus“ neu im Bestand. Dieser enthält eine fundierte und vielschichtige Zusammenschau der feministischen Kunst seit den 1960er Jahren. Neben der theoretischen Einbettung sind auch zahlreiche Werke feministischer Künstlerinnen abgebildet. Großer Pluspunkt dieser Publikation ist Berücksichtigung der Werke Schwarzer Frauen. Leider fehlen die Indigenas völlig – ihre Kunst wird dann wohl immer noch eher in den Museen für Völkerkunde verortet.

Prostitution – ein deutscher Skandal

Seit letzter Woche schlagen die Wellen mal wieder hoch. Die Zeitschrift EMMA hat einen Appell gegen Prostitution lanciert. Auf dem Cover sind einige der insgesamt 90  prominenten Erstunterzeichner_innen, die die Abschaffung der Prostitution und die Änderung des Zuhälter-Gesetzes fordern. Bislang haben ca. 2.800 Menschen diesen Appell unterzeichnet, Tendenz steigend.

Die Gegenreaktionen ließen natürlich nicht lange auf sich warten. Sofort hagelte es – mal mehr, mal weniger sachlich und fundiert – Kritik. Diese reicht von „Polizeifeministin“ bis hin zu Rassismus. Letzteres ist wohl auf dem von Alice Schwarzer verwendeten Begriff white slavery zurückzuführen.

Die Debatte weiter anfachen wird das neue  von Alice Schwarzer herausgegebene Buch „Prostitution – Ein deutscher Skandal.“, das diese Woche veröffentlicht wird. Unter den insgesamt vier Themenblöcken „Die Folgen der Reform – und der Widerstand“, „Prostitutierte reden“, „Reicher Sextourist – arme Prostitutierte“ und „Blick Zurück – und Blick in die Gegenwart“ sind zahlreiche Beiträge versammelt, die zum Teil bereits in der EMMA veröffentlicht wurden. Anhand dieser Beiträge hat die Leser_in die Möglichkeit, die nun mittlerweile 30 Jahre andauernde Berichterstattung von EMMA kritisch nachzuvollziehen. Als besonders eindrücklich erweisen sich die Gespäche mit den Prostutierten, die EMMA-Redakteurinnen in den letzten Jahrzehnten immer wieder geführt haben. Neben prominente „Alt-Huren“ wie Domenica kommen vor allem die Frauen zu Wort, die nicht so recht in das Glamourbild der freien selbstbestimmten in Sauß und Braus lebenden Sexarbeiterin passen. Dabei muss man nicht wie Bettina Flittner und Cornelia Filter bis in das deutsch-tschechische Grenzgebiet fahren, um die unmenschlichen Außmaße des internationalen Frauenhandels und der sexuellen Ausbeutung erfahren. Auch hierzulande hat sich die Situation seit 2002 massiv verändert. „Seit der Reform des Prostitutionsgesetzes sind nicht nur die Anzeigen enthemmter geworden, sondern auch die Freier brutaler… Das Gesetz hat nichts gebracht. Zumindest nichts für uns Prostitutierte, so die Domina Ellen Templin. Aber wem nutzt nun dieses Gesetz? Diese und andere Fragen werden in der erhellenden Reportage über die „Pro-Prostitutionsfront gestellt. Am Beispiel der „Hurenprojekte“ Hydra und Dona Carmen fragt die Autor_in, wer eigentlich hinter der „Prostituiertenlobby“ steckt, wer sie finanziert und wem sie vor allem nützen.

Aufschlussreich ist auch der Beitrag aus dem Jahr 1979. Die Autorinnen Rosemarie Giesen und Gunda Schumann geben darin einen ersten Überblick über die Haltung der neuen Feministinnen zur Prostitution. Während in den USA und Frankreich Prostituierte damit beginnen sich zu organisieren und politische Forderungen zu stellen (sei es Legalisierung oder Verbot der Zuhälterei), bleibt es in Westdeutschland relativ still.

Ob das Buch dazu beiträgt die verhärteten Fronten in der Prostitutionsdebatte zu lockern, bleibt fraglich. Vielleicht gelingt es am 14. November, denn an diesem Tag findet um 20 Uhr im Urania/Berlin in Anwesenheit von Alice Schwarzer eine Podiumsdiskussion statt.

Aber eines steht nach der Lektüre des Buches jetzt schon fest: Deutschland ist zum Paradies der Frauenhändler geworden. Un darüber muss nicht nur geredet, sondern es muss vor allem gehandelt werden!

Antifeministisches Streichkonzert

Feminist solidarity now!

Letztes Wochenende trafen sich in Leipzig die unter dem i.d.a-Dachverband organisierten deutschsprachigen Frauen-/Lesbenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen. Dieses jährlich stattfindende Treffen dient nicht nur dem fachlichen Austausch und der Vernetzung. Das Treffen zeigt vor allem auch die Vielfalt und das unermesslich reiche Erbe der Frauenbewegungen im deutschsprachigen Raum. Und genau dieser Reichtum, diese Vielfalt drohen nun verloren zu gehen – und daran haben auch (leider) Frauen ihren Anteil!

Archiv Frau und Musik

In Frankfurt/Main sitzt ein weltweit einzigartiges Archiv: das Archiv Frau und Musik. Es beherbergt ca. 20.000 Medieneinheiten und stellt damit das umfangreichste internationale Komponistinnen-Archiv dar. Neben Kompositionen und sonstigen künstlerischen Nachlässen musikschaffender Frauen werden Sekundärliteratur, Hochschulschriften, Presseveröffentlichungen sowie graue Literatur, wie zum Beispiel Konzertprogramme, gesammelt.

Diese Schatzkammer, deren ältesten Quellenbestände bis in das 9. Jahrhundert (!) zurückreichen, ist akut von der Schließung bedroht! Die Bankenstadt Frankfurt/Main hat für 2014 alle bisherigen Fördermittel für das Archiv gestrichen. Während das Land Hessen bereit ist das Archiv weiter finanziell zu fördern, bleibt Frankfurt/Main hart. Falls keine Einigung erzielt wird, droht die Schließung!!

Die Frauen vom Archiv Frau und Musik benötigen dringend Unterstützung! Hier geht es zur Online-Petition.

FrauenMediaTurm

Bereits im Frühjahr 2013 schlugen die medialen Wellen hoch: Die frisch gewählte weibliche Doppelspitze von Nordrhein-Westfalen (Rot-Grün wohlgemerkt) kürzte rückwirkend (!) die Fördermittel für den FrauenMediaTurm (FMT) um satte 140.000 €. Die an Zynismus kaum zu überbietende Begründung lautete damals: „Mit der Förderentscheidung der damaligen Landesregierung (unter Rüttgers) wurde davon ausgegangen, dass sich auch der Bund mit einem gleich hohen Betrag an der Förderung des FMT beteiligt. (…) Damals wurde von einer jeweils hälftigen Finanzierung zwischen Bund und Land ausgegangen. (…) Ich hoffe, dass es Ihnen gelingen wird, die immer intendierte komplementäre Finanzierung Ihres FrauenMediaTurms mit Hilfe von Bund, Land und Drittmitteln erfolgreich zu gewährleisten.“ Liebe Frau Kraft: Wie sollen denn bitte Drittmittel langfristig eingeworben werden, wenn die Einrichtung um ihre Existenz kämpft und nicht mal die Stromrechnung bezahlen kann? Für Drittmittelakquise braucht es Personal und Zeit – beides sind Ressourcen, die in Frauen-/Lesbenarchive und -bibliotheken kaum noch anzutreffen sind.

Und nun streicht die Landesregierung unter der Federführung von Hannelore Kraft die letzten Fördermittel in Höhe von 70.000 €. Würde der Bund den FMT nicht mit 150.000 € fördern und der Vorstand mit enormen Einsatz Drittmittel einwerben – der FrauenMediaTurm müsste seine Pforten schließen. Die Verhandlungen mit dem Bund laufen – Ausgang ungewiss.

Und wir, MONAliesA?

Auch unsere finanzielle Sitaution ist prekär und äußerst unsicher. Jährlich müssen neue Förderanträge eingereicht werden, hinzu kommen mehrere Projektanträge für Drittmittel. Während wir für die Frauen-/Gendbibliothek vorsichtig hoffen, bangen wir derzeit um unsere feministische Mädchenarbeit.

Derzeit plant die Sadt Leipzig im Bereich der freien Trägern eine Mittelkürzung um 50%!! Anders ausgedrückt: Bis zu 10 Einrichtungen droht die Schließung! Wen es betreffen wird, weiß im Moment niemand. Nur eines scheint klar zu sein: Kinder- und Jugendarbeit scheint in dieser Stadt keine Priorität zu haben.

Es ist vielen Trägern schon in den letzten Jahren nur durch Leistungsreduzierungen möglich gewesen, tarifliche Steigerungen im Personalbereich und Mehrbelastungen aufgrund höherer Betriebskosten abzufedern. Unsere Mitarbeiterinnen in der Mädchenarbeit sind hochqualifizierte Sozialpädagoginnen, die mit ihren 20 bis 26 Stundenwochen und viel Engagement in Form von (unbezahlten) Überstunden die große Nachfrage nach feministischer Jugendarbeit mit Mädchen in Leipzig abdecken können.

Ob und in welchem Umfang die Mädchenarbeit gestrichen wird, können wir im Moment nicht sagen. Dennoch sind Solidarität und Protest gefragt, denn der drohende Kahlschlag in der Kinder- und Jugendhilfe ist nicht hinnehmbar! Weitere Infos über die skandalösen Kürzungen und Möglichkeiten des Protests findet ihr hier.

 

Protest gegen frauenfeindliche Ausstellung!

Vergangenen Freitag (12.10.) wurde mit viel Blitzlichtgewitter (Ja,sie waren da: „dear Mel Ramos“ und „lieber Wolfgang Joop“ wurden unterwürfig begrüßt) die neue Ausstellung des Leipziger Museums für bildende Künste (MdbK) eröffnet. Sie trägt den vielsagenden Titel „Die Schöne und das Biest“. Diese Schau darf wohl mit recht als widerlicher Tiefpunkt bezeichnet werden: Der Nazi-Ästhet Richard Müller soll behutsam rehabiliert werden (jemand der angeblich „schon 1935“ in Ungnade fiel, wäre 1944 wohl kaum auf Hitlers „Gottbegnadetenliste“ gelandet – aber davon erfährt das Publikum nichts); der Pop-Art-Sexist Mel Ramos („es beschweren sich doch immer nur hässliche Feministinnen über meine Kunst“) wird noch mal richtig geil abgefeiert. Warum Wolfgang Joops Affenbilder dabei sind? Die Kuratoren meinten, dass sie „einfach mal Lust darauf“ hatten… Zur offiziellen Eröffnung wurde das natürlich ein bisschen verschwurbelter rübergebracht.

Es ist schlichtweg ekelhaft: Die Frauen dieser Schau werden gnadenlos objektiviert, ja – bestialisiert! Sie erscheinen als Verführerinnen, deren starke Sexualität als Bedrohung empfunden wird und daher gebändigt werden muss. Dressur mit Tiger und Weib; auch Penetrationsfantasien… Das alles mal wieder unter dem Deckmantel der Kunst. „Von Sexisten für Sexisten“, murmelte es an der Gaderobe.

Wir protestieren aufsSchärfste gegen diese frauenverachtende und gewaltverherrlichende Ausstellung und fordern ihre sofortige Schließung!

Mit den Worten der Guerillia Girls muss wieder einmal gefragt werden:

Buchtipps für den Herbst

Für die kalten und regnerischen Herbsttage empfehlen wir unseren Leser_innen folgende frisch eingetroffene Bücher:

Jennifer Teege: Amon. Mein Großvater hätte mich erschossen

Es ist ein Schock, der ihr ganzes Selbstverständnis erschüttert: Mit 38 Jahren erfährt Jennifer Teege durch einen Zufall, wer sie ist. In einer Bibliothek findet sie ein Buch über ihre Mutter und ihren Großvater Amon Göth. Millionen Menschen kennen Göths Geschichte. In Steven Spielbergs Film «Schindlers Liste» ist der brutale KZ-Kommandant der Saufkumpan und Gegenspieler des Judenretters Oskar Schindler. Göth war verantwortlich für den Tod tausender Menschen und wurde 1946 gehängt.

Dieses Buch ist zurecht von den Feuilletons gelobt worden. Jennifer Teege gelingt es auf beeindruckender Art und Weise die Leser_innen auf ihre Reise in die Vergangenheit mitzunehmen. Teegers Schilderungen über ihre schonungslose Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Familiengeschichte wird von Zeitzeug_inneberichten und historischen Fakten über Amon Göth angereichert. Dadurch gewinnt das Buch nicht nur an Intensität, sondern macht auch deutlich, dass die Aufarbeitung des Nationalsozialismus in der dritten bzw. gar vierten Generation noch lange nicht abgeschlossen ist.

 

Janet Frame: Auf dem Maniototo

Janet Frame zählt zu den bekanntesten Autorinnen Neuseelands. Zur literarischen Berühmtheit schaffte sie es mit ihrem autobiografisch gefärbten Roman „Der Engel an meiner Tafel“, der 1990 von Jane Campion fulminant verfilmt wurde.

Nun hat der C.H.Beck-Verlag den bereits 1987 erschienen Roman „Auf dem Maniototo“ auf deutsch veröffentlicht: In ihrem vielleicht schönsten Roman erzählt Janet Frame von einer Frau, die, nachdem sie ihren Ehemann verloren hat, beschließt Schriftstellerin zu werden. Sie absolviert einen Kurs, geht auf Reisen, verliebt sich, heiratet erneut – und wird wieder Witwe. Auf Einladung von Freunden verbringt sie, die Neuseeländerin, den Sommer in Berkeley, Kalifornien, und erbt unversehens das Haus ihrer Freunde, die bei einem Erdbeben in Italien ums Leben kommen. Doch am Ende des Sommers tauchen sie quicklebendig wieder auf. Was ist Realität, was Fiktion, wie glaubwürdig ist die Erzählerin, die sich uns unter verschiedenen Namen vorstellt? Amüsant und detailreich, haarsträubend und bunt, in einer grandiosen Sprache erzählt dieser Roman lauter Geschichten und handelt dabei zugleich vom Schreiben und Erzählen selbst.

Swetlana Alexejewitsch: Second Hand Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus

Bereits mit ihren Büchern „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ und „Tschernobyl. Chronik einer Zukunft“ hat sich Swetlana Alexejewitsch als großartige Zuhörererin und Erzählerin bewiesen. Mit ihrem neuen Buch „SecondHand Zeit“ beweist sie sich einmal mehr als Meisterin  der Zeitgeschichte. Darin widmet sie sich den Verlierer_innen des russischen Wandels, den Menschen, die von Mühlen der Politik und Ökonomie zermalmt werden. Swetlana Alexejewitsch hört denen zu, die nicht mehr gehört werden – nicht mal von ihren eigenen Kindern und Enkelkindern. Die Autorin selbst nimmt sich zurück, will sie doch „ein nüchterner Historiker ohne Fakel“ sein. Um so mehr strahlen die Berichte von Dissident_innen, Student_innen, ehemaligen GULag-Häftlingen, Verlierer_innen und Gewinner_innen des Turbo-Kapitalismus der 1990er Jahre. Zusammen ergeben sie ein atemberaubendes und kaum eträgliches Panorama an Menschen, die vor allem eins zu einen scheint: die Last in der Sowjetunion geboren zu sein.

Gegen das Schweigen – Audre Lorde

Die Frauenbewegungsforschung hat sich in den letzten Jahrzehnten recht ausdifferenziert und durch zahlreiche Publikationen interessante Ergebnisse zu Tage gebracht. Jedoch fällt auf, dass angesichts der Fülle an Literatur bislang ein Teil der Bewegungsgeschichte ausgeblendet wurde: die Afro-Deutsche Frauenbewegung in Deutschland.

Zum 20. Todestag von Audre Lorde hat Peggy Piesche unter dem Titel „Euer Schweigen schützt euch nicht“ eine großartige Anthologie von bereits erschienen und übersetzten Texzten von Audre Lorde veröffentlicht.  Ergänzt werden diese durch Texte und gedichte von Wegbegleiterinnen und Schwarzen Frauen der Nachfolgegenerationen aus Deutschland, die sich mit ihrem Erbe und den aktuellen Kämpfen auseinandersetzen.

Am 25.09.2013 um 20 Uhr wird Peggy Piesche persönlich das Buch im Conne Island vorstellen. Wir werden neben einem Büchertisch mit themenrelevanter Literatur auch eine Sonderaktion durchführen: An diesem Abend können Interessierte eine MONAliesA-Jahreslesekarte für 10€ erwerben. Ihr spart also 50%!

Wer nicht abwarten kann, hat die Möglichkeit das Buch von Peggy Piesche sich bei uns auszuleihen. Und auch sonst sei dazu folgende Literatur aus unserem Bestand empfohlen:

Audre Lorde: Zami

Audre Lorde / Adrienne Rich: Macht und Sinnlichkeit

May Ayim: Grenzelos und unverschämt

Katharina Oguntoye u. a. : Farbe bekennen. Afro-Deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte

Gabriele Dietze: Weiße Frauen in Bewegung. Genealogien und Konkurrenzen von Race- und Genderpolitiken

Anja Meulenbelt: Scheidelinien. Über Sexismus, Rassismus und Klassismus

Gloria I. Joseph: Schwarzer Feminismus. Theorie und Politik afro-amerikanischer Frauen

bell hooks: Black Looks

Anette Diedrich: Weiße Weiblichkeiten. Konstruktionmen von „Rasse“ und Geschlecht im deutschen Kolonialismus

Und viel viel viel mehr….

 

 

Unser kurzes Leben

Heute endet (leider) unsere Autorinnenreihe „Mein Antrieb wäre, Welt zu machen“. Den Abschluss krönt der selten aufgeführte DEFA-Film „Unser kurzes Leben“, eine Verfilmung des Romans „Franziska Linkerhand“ von Brigitte Reimann. Dieser Film läuft heute um 18 Uhr in der Kinobar Prager Frühling.

Die junge Architektin Franziska trennt sich von ihrem Mann und scheidet freiwillig aus dem Mitarbeiterstab eines berühmten Dresdner Professors aus, um in einem Kleinstadtbüro zu arbeiten. Hart in ihren Anforderungen an sich selbst und voller Ideale möchte sie eine Stadt bauen, in der sich die Menschen wohlfühlen. Doch Franziska spürt bald, wie sehr sich ihre Vorstellungen und Wünsche vom tatsächlichen, oft bürokratischen Arbeitsalltag unterscheiden. Ihre Kollegen überzeugt sie von einem Ideenwettbewerb zur Umgestaltung des Stadtzentrums. Als Franziskas Entwurf überzeugen kann und sie den Wettbewerb gewinnt, geschieht für sie Unerwartetes: Die Umsetzung des Projekts wird auf unbestimmte Zeit verschoben…

Brigitte Reimann

Unsere Autorinnenreihe neigt sich (leider) dem Ende zu. Der September steht ganz im Zeichen der Autorin Brigitte Reimann.

Bereits mit 14 Jahren beschließt Brigitte Reimann Schriftstellerin zu werden. Ihr erstes Stück, ein Laienspiel für die Schulweihnachtsfeier, wurde 1948 uraufgeführt. Als sie 1951 das Abitur macht, waren bereits einige ihrer Erzählungen veröffentlicht und Reimann hatte erste Preise erhalten. Sie beginnt ein Studium der Theaterwissenschaften, welches sie aus gesundheitlichen Gründen abbrechen muss. Ihr Geld verdient sie sich dann zunächst als Lehrerin. In der Arbeitsgemeinschaft Junger Autoren kommt sie in Kontakt mit weiteren AutorInnen und widmet sich ab 1953 ganz der Schriftstellerei…

Am 06.09. um 19 Uhr besteht die Möglichkeit mehr über das Leben und Werk der bedeutenden DDR-Autorin zu erfahren. In Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen referieren und lesen Angela Potowski, Martin und Helene Schmidt unter dem Titel „Brigitte Reimann – zwischen Euphorie und Resignation“ aus den Werken Reimanns.

Zum Abschluss zeigen wir am 11.09. um 18 Uhr zusammen mit der Kinobar Prager Frühling den Film „Unser kurzes Leben“ – eine selten gezeigte Defa-Verfilmung des Romans „Franziska Linkerhand“.