Archiv der Kategorie: Gesellschaft

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Nach der Aufl√∂sung des MONAliesA e.V. gibt es nun eine Gruppe engagierter Frauen, die die Bibliothek mithilfe eines neuen Vereins weiterf√ľhren m√∂chte. Aufgrund der fehlenden st√§dtischen Zuwendung in Form von F√∂rdermitteln in diesem Jahr sind wir im Moment auf Spenden angewiesen.

Die Spenden werden f√ľr die Zukunft der Bibliothek ben√∂tigt: Zun√§chst vor allem f√ľr den Ankauf des B√ľcher- und Medienbestandes und die Miete im Haus der Demokratie, sodass die Frauen- und Genderbibliothek in der zweiten Jahresh√§lfte wiederer√∂ffnet werden kann.

Bitte helfen Sie uns, die MONAliesA als Teil des frauenpolitischen Netzwerks zu erhalten!

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Split Self is the ideal

Seit nun mehr als zwei Monate tobt in Deutschland eine Debatte √ľber Prostitution. Ausl√∂ser war¬† der von der EMMA-Herausgeberin Alice Schwarzer initierte Appell die Prostitution zu verbieten. Begleitet wurde diese Kampagne durch die Ver√∂ffentlichung „Prostitution. Ein deutscher Skandal„.

Viel ist in Zeitungen geschrieben worden. Auch die Talkshows griffen das Thema beherzt auf und diskutierten mal mit mehr, mal mit weniger seri√∂sen G√§sten. Und da sind nat√ľrlich auch noch die feministischen Stimmen. J√ľngst meldete sich das „Alpham√§dchen“ Meredith Haaf in der S√ľddeutschen zu Wort. Ganz wie vor 5 Jahren, als eine junge Generation von wei√üen Frauen den „neuen Feminismus“ ausriefen, steht die „Alt-Emanze“ Alice Schwarzer und der „EMMA-Feminismus“ unter Beschuss.In dem Artikel kritisiert sie die von Schwarzer gezogene Parallele zwischen P√§dophilie und Prostitution. Frau Haaf wirft ihr darauhin einen „anachronistischen und frauenfeindlichen Sexualit√§tsbegriff“ vor, der keine „sexuelle Autonomie“ der Frau zul√§sst und stellt sie damit auf eine Stufe mit islamischen und christlichen Fundamentalisten. Der Vorwurf eines „altmodischen Frauenbildes in der Prostitutionsdebatte“ kulminiert in der Aussage Alice Schwarzer mache mit einer patriarchalischen Ideologie Politik. Wie bitte?

Der Gastbeitrag von Meredith Haaf zeigt mehr als deutlich, dass Kapitalismus- gepaart mit Patriarchatskritik und soziapolitische Forderungen in feministischen Debatten kaum noch vorkommen. Noch mehr schockierend ist die Annahme von Frau Haaf, dass Frauen doch in der Lage sein sollten, den Sex, den sie haben, von sich zu trennen.

Die schwedische Feministin und Journalistin Kajsa Ekis Ekman greift in ihrem j√ľngst erschienen Buch „Being and Being Bought: Prostitution, Surrogacy and the Split Self“ diese Argumentation auf: “ The Self must be split from the body to make it possible to sell your body without selling yourself. The body becomes sex. Sex becomes a service. The story of the sex worker says: the Split Self is not only possible, it is the ideal.“

Kajsa Ekis Ekman setzt sich in ihrem Buch sehr kritisch mit Prostitution auseinander. Sie kritisiert hierbei insbesondere die Allianz zwischen Rechten und Linken: „Auf der einen Seite sind da die neoliberalen Rechten, die an den freien Markt glauben und alles deregulieren wollen. Auf der anderen Seite steht die postmoderne Linke, die alles bejaht, was f√ľr sie nach Freiheit klingt. Nun haben wir es bei der Prostitution mit einem v√∂llig deregulierten Markt mit Dumpingl√∂hnen und Mietwucher zu tun, dem die Linke das Vokabular liefert: ‚ÄěUnterdr√ľckte Frauen nehmen sich die Macht, ihr Leben selbst zu definieren und weigern sich, Opfer zu sein.‚Äú Auch die Queer-Bewegung kommt bei ihr nicht gut weg, „die Prostitution als cool und hip definiert„: „Das Problem ist: Diese Bewegung stellt zwar Normen in Frage, aber nicht die Machtverh√§ltnisse. Die Prostituierte ist in diesem Diskurs kein menschliches Wesen, sondern ein Symbol f√ľr sexuelle Grenz√ľberschreitung, mit dem man sich schm√ľcken kann wie mit einem Ohrring, den man sich anh√§ngt.

Gewagt ist ihre Analogie zur Leihmutterschaft. Ekman behauptet, dass es sich hierbei auch um eine erweiterte Form der Prostitution handelt. Die Leihmutter muss ihr Selbst vom K√∂rper und Kind abspalten. Nur so k√∂nnen sie eine Ware werden f√ľr die bezahlt wird.Sie fragt: „Why should this not be called child trafficking?

Wie √ľberzeugend sie die These darlegt, davon kann sich die Leser_in im kommenden Jahr selbst ein Bild machen. Da wird dieses Buch bei uns ausleihbar sein.

Monika Hauser zu Gast bei MONAliesA

‚ÄúNicht aufh√∂ren anzufangen.‚ÄĚ ‚Äď 20 Jahre medica mondiale

Am Montag, den 25. November 2013 l√§dt MONAliesA zu einem Vortrag mit Dr. Monika Hauser, Gr√ľnderin und Vorsitzende von medica mondiale und Tr√§gerin des Alternativen Friedensnobelpreises ein.

Monika Hauser mit Mitarbeiterinnen von Medica Afghanistan in Kabul. 2012 © Elissa Bogos/medica mondiale
Monika Hauser mit Mitarbeiterinnen von Medica Afghanistan in Kabul. 2012 © Elissa Bogos/medica mondiale

Berichte aus Kriegs- und Krisengebieten sprechen h√§ufig nur sehr allgemein von ‚ÄúBetroffenen‚ÄĚ, ‚ÄúOpfern‚ÄĚ, ‚ÄúZivilisten‚ÄĚ und neuerdings auch wieder von ‚ÄúGefallenen‚ÄĚ. Diese medialen Sprechblasen pr√§gen die kollektive Wahrnehmung bewaffneter Konflikte auf eine fatale Weise, indem sie Gewalt und Unrecht zu schwammigen Statistiken reduzieren. Vor allem jedoch verschleiern sie die Tatsache, dass jeder Krieg aufs Neue eine klar zu definierende Opfergruppe reproduziert: die Frauen.

Eine Organisation, die sich gegen die weit verbreitete Ignoranz sowie die Verkl√§rung kriegsbedingten Leids engagiert, feiert in diesem Jahr ihr zwanzigj√§hriges Bestehen: medica mondiale. Als zu Beginn der 1990er Jahre in Bosnien Krieg herrschte, drangen Berichte √ľber systematische Massenvergewaltigungen an die √Ėffentlichkeit, mit denen sich jedoch au√üerhalb entsprechend engagierter Kreise kaum jemand ernsthaft auseinandersetzte. Die K√∂lner Frauen√§rztin Dr. Monika Hauser reiste daraufhin in das Kriegsgebiet, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen und erste Hilfe zu organisieren. Das bosnische Zenica war eine jener zahlreichen von Kriegsfl√ľchtlingen √ľberf√ľllten St√§dte, die Monika Hauser erreichte. Jede zweite Frau war hier vergewaltigt worden. Mit Hilfe befreundeter √Ąrztinnen, Psychologinnen, Psychiaterinnen, Krankenschwestern und weiterer Frauen aus dem In- und Ausland gr√ľndete sie hier im April 1993 die erste Anlaufstelle f√ľr vergewaltigte Frauen und M√§dchen. Weitere Zentren in ganz Bosnien folgten. Allein im ersten Jahr wurden in Zenica mehr als 4000 Frauen ambulant versorgt und 150 Frauen und Kinder dauerhaft aufgenommen.

Seit zwanzig Jahren engagieren sich Hauser und ihre Mitarbeiterinnen und Helferinnen bei medica mondiale f√ľr die Opfer kriegsbedingter, sexueller Gewalt. Inzwischen betreibt die gemeinn√ľtzige Organisation auch Hilfszentren im Kosovo, in Albanien, Liberia und Afghanistan und kooperiert mit eine ganzen Reihe Partnerorganisationen in vielen weiteren L√§ndern der Welt. Ihr spezifischer Ansatz ist ein ganzheitlicher: Traumatisierte Frauen und Kinder werden nicht nur medizinisch versorgt sondern erhalten auch eine umfassende psychosoziale Betreuung.

Dr. Monika Hauser wird am kommenden Montag, den 25. November 2013 bei uns zu Gast sein und √ľber Geschichte, Gegenwart und Zukunft von medica mondiale sprechen.

Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr in der Unteren Wandelhalle des Neuen Rathauses zu Leipzig. Der Eintritt ist frei, wir bitten alle BesucherInnen jedoch freundlich um Spenden f√ľr medica mondiale.

Zugleich weisen wir auch auf unsere Fotoausstellung ‚ÄěStarke Stimmen ‚Äď Frauen in Afghanistan‚Äú hin, die noch bis zum 2. Dezember 2013 ebenfalls in der Unteren Wandelhalle des Neuen Rathauses zu sehen ist.

http://www.medicamondiale.org

Prostitution – ein deutscher Skandal

Seit letzter Woche schlagen die Wellen mal wieder hoch. Die Zeitschrift EMMA hat einen Appell gegen Prostitution lanciert. Auf dem Cover sind einige der insgesamt 90¬† prominenten Erstunterzeichner_innen, die die Abschaffung der Prostitution und die √Ąnderung des Zuh√§lter-Gesetzes fordern. Bislang haben ca. 2.800 Menschen diesen Appell unterzeichnet, Tendenz steigend.

Die Gegenreaktionen lie√üen nat√ľrlich nicht lange auf sich warten. Sofort hagelte es – mal mehr, mal weniger sachlich und fundiert – Kritik. Diese reicht von „Polizeifeministin“ bis hin zu Rassismus. Letzteres ist wohl auf dem von Alice Schwarzer verwendeten Begriff white slavery zur√ľckzuf√ľhren.

Die Debatte weiter anfachen wird das neue¬† von Alice Schwarzer herausgegebene Buch „Prostitution – Ein deutscher Skandal.“, das diese Woche ver√∂ffentlicht wird. Unter den insgesamt vier Themenbl√∂cken „Die Folgen der Reform – und der Widerstand“, „Prostitutierte reden“, „Reicher Sextourist – arme Prostitutierte“ und „Blick Zur√ľck – und Blick in die Gegenwart“ sind zahlreiche Beitr√§ge versammelt, die zum Teil bereits in der EMMA ver√∂ffentlicht wurden. Anhand dieser Beitr√§ge hat die Leser_in die M√∂glichkeit, die nun mittlerweile 30 Jahre andauernde Berichterstattung von EMMA kritisch nachzuvollziehen. Als besonders eindr√ľcklich erweisen sich die Gesp√§che mit den Prostutierten, die EMMA-Redakteurinnen in den letzten Jahrzehnten immer wieder gef√ľhrt haben. Neben prominente „Alt-Huren“ wie Domenica kommen vor allem die Frauen zu Wort, die nicht so recht in das Glamourbild der freien selbstbestimmten in Sau√ü und Braus lebenden Sexarbeiterin passen. Dabei muss man nicht wie Bettina Flittner und Cornelia Filter bis in das deutsch-tschechische Grenzgebiet fahren, um die unmenschlichen Au√üma√üe des internationalen Frauenhandels und der sexuellen Ausbeutung erfahren. Auch hierzulande hat sich die Situation seit 2002 massiv ver√§ndert. „Seit der Reform des Prostitutionsgesetzes sind nicht nur die Anzeigen enthemmter geworden, sondern auch die Freier brutaler… Das Gesetz hat nichts gebracht. Zumindest nichts f√ľr uns Prostitutierte, so die Domina Ellen Templin. Aber wem nutzt nun dieses Gesetz? Diese und andere Fragen werden in der erhellenden Reportage √ľber die „Pro-Prostitutionsfront gestellt. Am Beispiel der „Hurenprojekte“ Hydra und Dona Carmen fragt die Autor_in, wer eigentlich hinter der „Prostituiertenlobby“ steckt, wer sie finanziert und wem sie vor allem n√ľtzen.

Aufschlussreich ist auch der Beitrag aus dem Jahr 1979. Die Autorinnen Rosemarie Giesen und Gunda Schumann geben darin einen ersten √úberblick √ľber die Haltung der neuen Feministinnen zur Prostitution. W√§hrend in den USA und Frankreich Prostituierte damit beginnen sich zu organisieren und politische Forderungen zu stellen (sei es Legalisierung oder Verbot der Zuh√§lterei), bleibt es in Westdeutschland relativ still.

Ob das Buch dazu beiträgt die verhärteten Fronten in der Prostitutionsdebatte zu lockern, bleibt fraglich. Vielleicht gelingt es am 14. November, denn an diesem Tag findet um 20 Uhr im Urania/Berlin in Anwesenheit von Alice Schwarzer eine Podiumsdiskussion statt.

Aber eines steht nach der Lekt√ľre des Buches jetzt schon fest: Deutschland ist zum Paradies der Frauenh√§ndler geworden. Un dar√ľber muss nicht nur geredet, sondern es muss vor allem gehandelt werden!

Gegen das Schweigen – Audre Lorde

Die Frauenbewegungsforschung hat sich in den letzten Jahrzehnten recht ausdifferenziert und durch zahlreiche Publikationen interessante Ergebnisse zu Tage gebracht. Jedoch f√§llt auf, dass angesichts der F√ľlle an Literatur bislang ein Teil der Bewegungsgeschichte ausgeblendet wurde: die Afro-Deutsche Frauenbewegung in Deutschland.

Zum 20. Todestag von Audre Lorde hat Peggy Piesche unter dem Titel „Euer Schweigen sch√ľtzt euch nicht“ eine gro√üartige Anthologie von bereits erschienen und √ľbersetzten Texzten von Audre Lorde ver√∂ffentlicht.¬† Erg√§nzt werden diese durch Texte und gedichte von Wegbegleiterinnen und Schwarzen Frauen der Nachfolgegenerationen aus Deutschland, die sich mit ihrem Erbe und den aktuellen K√§mpfen auseinandersetzen.

Am 25.09.2013 um 20 Uhr wird Peggy Piesche pers√∂nlich das Buch im Conne Island vorstellen. Wir werden neben einem B√ľchertisch mit themenrelevanter Literatur auch eine Sonderaktion durchf√ľhren: An diesem Abend k√∂nnen Interessierte eine MONAliesA-Jahreslesekarte f√ľr 10‚ā¨ erwerben. Ihr spart also 50%!

Wer nicht abwarten kann, hat die Möglichkeit das Buch von Peggy Piesche sich bei uns auszuleihen. Und auch sonst sei dazu folgende Literatur aus unserem Bestand empfohlen:

Audre Lorde: Zami

Audre Lorde / Adrienne Rich: Macht und Sinnlichkeit

May Ayim: Grenzelos und unverschämt

Katharina Oguntoye u. a. : Farbe bekennen. Afro-Deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte

Gabriele Dietze: Weiße Frauen in Bewegung. Genealogien und Konkurrenzen von Race- und Genderpolitiken

Anja Meulenbelt: Scheidelinien. √úber Sexismus, Rassismus und Klassismus

Gloria I. Joseph: Schwarzer Feminismus. Theorie und Politik afro-amerikanischer Frauen

bell hooks: Black Looks

Anette Diedrich: Wei√üe Weiblichkeiten. Konstruktionmen von „Rasse“ und Geschlecht im deutschen Kolonialismus

Und viel viel viel mehr….

 

 

The Industrial Vagina

Nachdem Maria Furtw√§ngler alias Charlotte Lindholm im Tatort „Wegwerfm√§dchen“ gegen Zwangsprostitution ermittelt hat, ist nun am 15.09. um 20.15 Uhrauf ARD das Wiener Team Bibi Fellner und Moritz Eisner dran. In der Folge „Angez√§hlt“ servieren sie zur besten Sendezeit den Zuschauer_innen harte Kost: Von ca. 6.000 Prostituierten arbeiten in Wien gerade mal 1.500 legal. An Stelle die viel beschworene „selbstbestimmte Sexarbeiterin“ zu pr√§sentieren, zeigen sie den harten Alltag in einem harten globalisierten frauenverachtenden M√§nner-Business.

Und am Montag wird wieder in diversen vermeintlich linken, antikapitalistischen und feministischen Zeitungen und Blogs Folgendes zu lesen sein: „Nein, das ist doch alles gar nicht so schlimm. Hier wird wieder pauschalisiert und √ľberhaupt machen die meisten das doch freiwillig.“ Dieser Ton ist in Zeiten, wo gerne von Intersektionalit√§t die Rede ist, ziemlich erstaunlich. Denn genau bei diesem Thema wird in den Diskussionen und Zeitungsbeitr√§gen die Verbindung von Race, Class und Gender ausgeblendet. Wieso eigentlich? Vielleicht weil dann das Bild von der „selbstbestimmten Sexarbeiterin“ (die es durchaus gibt, aber sie ist nun mal leider eine Ausnahme) zerst√∂rt wird? Und weil mensch sich dann vielleicht auch mit der Komplizenschaft, den so ein pseudo-emanzipatorischer und kapitalistisch-neoliberaler Diskurs nun mal leistet, auseinandersetzen muss?

√úbrigens stammt die Blog-√úberschrift von dem gleichnamigen Buch von Sheila Jeffrey. Darin untersucht sie den Aufstieg der Sex-Branche zu einem globalen Industriezweig bestehend aus Puffs, BrideOrder, Pornos und Strip-Clubs. Jeffrey: „The important¬† is the new economic ideology and practice of these times, neo-liberalism, in which the tolerance of ¬īsexual freedom¬ī has been merged with a free market ideology to reconstruct prostitution as legitimate ¬īwork¬ī which can form the basis of national and international sex-industries.“ Ihre These: Dieser global wachsende und milliardenschwere Wirtschaftssektor muss als die kommerzalisierte Unterdr√ľckung der Frauen verstanden werden, an der nicht nur Zuh√§lter_innen und Wirtschaftsunternehmen verdienen, sondern auch staatliche Regierungen. Zum Beispiel Deutschland.

 

Lose Hate not Weight!

Haley Morris Cafiero

Ich wei√ü gar nicht mehr wann genau, aber es war auf jeden Fall vor meinem 10. Lebensjahr, als meine Mom meine erste Di√§t verordnete. „Ich sei zu dick.“, meinte sie. Seitdem habe ich begriffen, dass M√§dchen vorrangig nicht schlau und stark zu sein haben, sondern schlank und sch√∂n.

Wie stark dicke Menschen mit Ressentiments zu k√§mpfen haben zeigen die Fotos von Haley Morris Cafiero. W√§hrend in der Highschool die Welt noch in Ordnung schien (Sie war sportlich und spielte in drei Teams Soccer.), nahm sie auf dem College pl√∂tzlich drastisch zu (von Gr√∂√üe 7 auf 14). Die Diagnose: eine Schilddr√ľsenunterfunktion. „Ich versuchte zun√§chst, mit Di√§ten und Gewichtstraining gegenzuhalten. Dann kam ich irgendwann an den Punkt, dass es keinen Sinn mache, mich f√ľr etwas zu bestrafen, f√ľr das ich nichts konnte. Seltbstzerfleischung ist Zeitverschwendung.“

Ihre Umwelt und Mitmenschen sahen das aber anders. Sie machten sich auf offener Stra√üe √ľber den K√∂rper von Haley Morris Cafiero lustig. Doch Cafiero schoss zur√ľck und zwar mit einer Fotokamera. Ihre produzierten Fotoserien tragen Titel wie „Wait Watchers!“ oder „Gelato“. Sie zeigen Haley an √∂ffentlichen Orten, wo sie sich unwohl f√ľhlte. Egal ob in Spanien, Peru, New York oder Memphis, das Ergebnis war √ľberall gleich. Haley: „Wenn ich diese Bilder betrachte, bin ich nicht verletzt. Ich f√ľhle mich dann so, als ob ich ihren Blick erwidere und gegen sie richte. Ich f√ľhle mich gut, so wie ich bin, ich brauche von niemandem eine Erlaubnis f√ľr meine Existenz.“

An dieser Stelle sei auch das Buch von Virgie Tovar empfohlen (Bei uns ausleihbar!) . In „Hot and Heavey. Fierce Fat Girls on Life, Love and Fashion“¬† versammelt sich bewegende und ermutigende Berichte von dicken Frauen. Sie schreiben offen √ľber Sex mit dicken K√∂rpern, Fat-Burlesque oder Plus-Size-Modeling.

In memoriam: Johanna Ludwig (1937-2013)

Johanna Ludwig

Johanna Ludwig (*26.01.1937 Р†02.08.2013)

ist nach langer, schwerer Krankheit am 2. August 2013 verstorben.  MONAliesA trauert um eine jahrelange Mitkämpferin und Wegbegleiterin, die das frauenkulturelle und -politische Geschehen in Leipzig nachhaltig geprägt hat.

Die Initiatorin, langj√§hrige Vorsitzende und Ehrenvorsitzende der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e.V. hat mehr als zwei Jahrzehnte lang unerm√ľdlich, ideenreich und gewissenhaft Leben und Werk der Schriftstellerin und Frauenpolitikerin Louise Otto-Peters erforscht, andere ermutigt und f√ľr die Rechte der Frauen sensibilisiert.

Johanna Ludwig hat damit einen ma√ügeblichen Beitrag zur Wiederaneignung des Erbes der deutschen Frauenbewegung in Leipzig geleistet, das hier im 20. Jh. aus unterschiedlichen Gr√ľnden wenig Beachtung fand und partiell in Vergessenheit geriet. Ma√ügeblich durch ihre vielf√§ltigen √∂ffentlichen Initiativen wissen inzwischen viele Leipzigerinnen und Leipziger, dass ihre Stadt nicht nur als Universit√§tsstadt, Messestadt, Musikstadt, Buchstadt, Stadt des Sports und Stadt der deutschen Arbeiterbewegung Ber√ľhmtheit erlangte, sondern dass sie auch ein Zentrum der deutschen Frauenbewegung war, und verbinden dies mit den Namen von Louise Otto-Peters, Auguste Schmidt, Henriette Goldschmidt und anderen.
Johanna Ludwigs Anliegen bestand aber nicht nur aus rein historischen Betrachtungen; aktuelle Bez√ľge zur F√∂rderung der Gleichstellung von Frauen in der heutigen Zeit wurden bewusst gesucht.

Die Louise Otto-Peters-Gesellschaft e.V. wird ihre Arbeit im Sinne von Johanna Ludwig fortsetzen.

Sommerpause und Ausblick

In der kommenden Woche startet die Frauen- und Genderbibliothek in die wohlverdiente Sommerpause! Der Ausleihbetrieb ist daher vom 29. Juli bis 31. August geschlossen.
Das B√ľro ist ebenfalls eingeschr√§nkt besetzt: Vom 06.08. bis 31.08. am Dienstag und Donnerstag jeweils von 9 bis 14 Uhr.

Ab September starten wir wieder durch und es erwarten Euch u. a. diese Neuerwerbungen:

Rigoberta Menchu: Enkelin der Maya und Klage der Erde

In diesen beiden B√ľchern erz√§hlt die Friedensnobelpreistr√§gerin Rigoberta Menchu √ľber den Kampf der Maya gegen Genozid und politische Verfolgung der indigenen Bev√∂lkerung in Guatemala. Die ber√ľhmteste Frau Guatemalas erz√§hlt ausf√ľhrlich √ľber ihre Kindheit in dem kleinen Dorf Chimel, √ľber ihre Familie, die Zeit der furchtbaren Repression, √ľber ihren Bezug zur Erde und zur Natur, ihre Bem√ľhungen in den Korridoren der UN-Menschenrechtskommission in Genf und New York, die Verleihung des Nobelpreises …

 

 

 

Peggy Piesche (Hg.): Euer Schweigen sch√ľtzt euch nicht

Der vorliegende Band ist eine Sammlung von bereits erschienenen und bisher unveröffentlichten Texten Audre Lordes. Ergänzt werden diese durch Texte von Frauen, die gemeinsam mit der Autorin den Weg einer deutschen Schwarzen Frauenbewegung gingen und von Schwarzen Frauen der Nachfolgegenerationen aus Deutschland, die sich mit ihrem Erbe und den aktuellen Kämpfen auseinander setzen.

 

 

Gabriele Dietze: Weiße Frauen in Bewegung. Genealogien und Konkurrenzen von Race- und Genderkritiken

Die Studie konfrontiert zwei zentrale Emanzipationsanstrengungen der Moderne miteinander: unmarkierte ‚Äļwei√üe‚ÄĻ US-amerikanische Frauenbewegungen und den Kampf um B√ľrgerrechte von people of color. Es geht dabei um implizite Sozio- und Psycho-Logiken, die Feminit√§t mit whiteness gleichsetzen und race-Emanzipation mit Maskulinit√§t. Die Studie untersucht kontraproduktive Race-Gender-Konkurrenzen, z.B. einen ‚ÄļRape-Lynching-Komplex‚ÄĻ, der schwarze M√§nner und wei√üe Frauen in ein Gewaltverh√§ltnis imaginiert, Sexualpolitik im Second Wave Feminism und den Prozess um O.J. Simpson. Erkenntnisinteresse ist die Verfugung von Sexismus und Rassismus und seine soziokulturellen Repr√§sentationsformen.

 

Beate Binder u. a. (Hg.): Eingreifen, kritisieren, Verändern. Interventionen ethnographisch und geschlechtertheoretisch

Unter dem Stichwort ‚ÄěInterventionen‚Äú versammelt dieser Band unterschiedliche Perspektiven auf ethnographische und geschlechterkritische Wissensproduktion, die kritisierend und ver√§ndernd in politische Konfliktfelder eingreifen will und auf vielf√§ltige Formen der Kollaboration mit sozialen Bewegungen und gesellschaftlichen AkteurInnen setzt. Die Beitr√§ge loten das Dazwischensein aus ‚Äď zwischen ForscherInnen und Beforschten, zwischen Wissenschaft, Kunst und Aktivismus.

 

Linda Tuhiwai Smith: Decolonizing Methodologies. Research and indigenous peoples

Ein Klassiker! In diesem Grundlagenwerk beschreibt sie wie westliche Wissenschaften immer noch kolonialistisch arbeiten und wie wissenschaftliche Methoden dekolonialisiert werden k√∂nnen, damit indigene Menschen wieder zu Subjekten werden k√∂nnen. Weiterhin hinterfragt Linda Tuhiwai Smith die Verbindungen zwischen Imperialismus und Forschung und Konzepte wie „Entdeckung“ und „Claiming“, die dazu beigetragen haben, wie sich der Westen indigene Welten in das eigene Netz integriert und dadurch diese entfremdet hat. Ein gro√üartiges Buch! Lesen!

 

 

Hit so hard. The life and near death of Patty Schemel (DVD)

Patty Schemel war ab 1992 die Drummerin der Band Hole. In dem Doku-Film „Hit so Hard“¬† erz√§hlt sie √ľber ihre Zeit in der Band und √ľber ihre massiven Drogenprobleme. Neben Interviews mit Courtey Love, Eric Erlandson und Melissa Auf Der Maur sind bislang noch nie gezeigte Filmaufnahmen zu sehen, die Patty Schemel w√§hrend ihrer Zeit mit Hole gedreht hat. Patty Schemel, eine Frau √ľber die eine Dokumentation auf alle F√§lle lohnt.

Chapeau, Frau Sch√ľcking!

Das nennt man wohl: Jemandem eine Nase drehen. Nachdem der Erweiterte Senat der Universit√§t Leipzig im Mai beschlossen hatte, in seiner Grundordnung k√ľnftig das „generische Femininum“ zu verwenden, verbreiteten unz√§hlige Medien die Falschmeldung, dass in Leipzig k√ľnftig alle m√§nnlichen Lehrenden mit „Herr Professorin“ angesprochen werden m√ľssen. Es geschah, was geschehen musste, angesichts der hitzigen Unsachlichkeit, die die Debatte √ľber Feminismen und Gender Mainstreaming in gro√üen Teilen der √Ėffentlichkeit mittlerweile pr√§gt: Ein Shitstorm war geboren und in besonders abscheulicher, sexistischer Form ergoss sich dieser √ľber der Rektorin, Frau Professor Dr. Beate Sch√ľcking. Was nutzt es da zu erw√§hnen, dass die Rektorin im Erweiterten Senat √ľberhaupt kein Stimmrecht hat; augenscheinlich hatten weder Medien noch KommentatorInnen ein ernstes Interesse an einer sachlichen Debatte. Schier todesmustig reihte sich denn auch der Dekan der Juristischen Fakult√§t in die Reihe der K√§mpfer f√ľr das Wahre, Gute und M√§nnliche: Seine Studierenden, von denen (Zitat) „mehr als die H√§lfte“ Frauen seien, br√§uchten auch in Zukunft nicht zu bef√ľrchten als „Studentin“ angesprochen zu werden.

Da das Ger√ľcht von der feministischen Diktatur nun einmal in der Welt war, wollte man von Seiten der Angegriffenen auch irgendwie produktiv damit umgehen. In der „Zeit“ k√ľndigte Sch√ľcking jetzt an, die eingegangenen „Protestschreiben“ sprachwissenschaftlich auswerten zu lassen: ‚ÄěDamit bekommt die Sache einen akademischen Nutzen.‚Äú Den Schreih√§lsen einfach mal den Spiegel vorzuhalten ist immer wieder ein guter Einfall… Chapeau, Frau Sch√ľcking!