Archiv der Kategorie: Bibliothek/Archiv

Web Opac endlich online

Was lange w√§hrt, wird nun endlich gut: Nach einem Jahr t√ľfteln geht der MONAliesA Web Opac (Online Katalog) nun online. Damit k√∂nnt ihr und k√∂nnen Sie auch aus der Ferne den Bestand der MONAliesA durchst√∂bern.

Erreichbar ist der Katalog √ľber den Link in der Men√ľleiste.

Viel Spa√ü beim Suchen und neue B√ľchersch√§tze entdecken!

Vielen Dank!

Ein gro√ües Dankesch√∂n an alle, die gestern auf der Er√∂ffnungsfeier waren. Eure und Ihre Worte haben uns gro√üen Mut gemacht und uns sehr ger√ľhrt!
Vielen Dank an Susi Scharff f√ľr Deine euphorische Rede, an die Dogmatic Loverboyz f√ľr die musikalische Umrahmung, an das Catering-Team und den Fotografen.
Es war ein tolles Fest und wir nehmen die Begeisterung mit in die weitere Arbeit und hoffen, viele von Euch und Ihnen ab nächster Woche Dienstag zum Buch Ausleihen oder ab Oktober zu einer der kommenden Veranstaltungen zu sehen!
Und allen, die gestern leider nicht dabei sein konnten, erz√§hlen wir bei diesen Gelegenheiten gern vom Fest und unseren weiteren Pl√§nen…

HERZLICH WILLKOMMEN IN DER WIEDER ER√ĖFFNETEN MONAliesA!

eroeffnung

Liebe LeserInnen, liebe Unterst√ľtzerInnen,

die MONAliesA benötigt Ihre Hilfe.
Wegen finanzieller Probleme ist unsere Bibliothek bis auf Weiteres geschlossen.

Nach der Aufl√∂sung des MONAliesA e.V. gibt es nun eine Gruppe engagierter Frauen, die die Bibliothek mithilfe eines neuen Vereins weiterf√ľhren m√∂chte. Aufgrund der fehlenden st√§dtischen Zuwendung in Form von F√∂rdermitteln in diesem Jahr sind wir im Moment auf Spenden angewiesen.

Die Spenden werden f√ľr die Zukunft der Bibliothek ben√∂tigt: Zun√§chst vor allem f√ľr den Ankauf des B√ľcher- und Medienbestandes und die Miete im Haus der Demokratie, sodass die Frauen- und Genderbibliothek in der zweiten Jahresh√§lfte wiederer√∂ffnet werden kann.

Bitte helfen Sie uns, die MONAliesA als Teil des frauenpolitischen Netzwerks zu erhalten!

Gespendet werden kann per √úberweisung oder auf betterplace.

Der neue Verein, Lotta e.V., ist als gemeinn√ľtzig anerkannt und somit berechtigt Spendenbescheinigungen auszustellen. Bitte schicken Sie uns daf√ľr Ihre Postanschrift.

F√ľr R√ľckfragen stehen wir sehr gerne zur Verf√ľgung unter monaliesa_leipzig@gmx.de.

Bitte richten Sie Ihre Spenden an:

Kontoinhaber: Lotta e.V.
BIC: GENODEM1GLS
IBAN: DE35 43060967 1121222800

Bei der GLS Bank

Als Verwendungszweck bitte unbedingt angeben: Spende MONAliesA

Vielen Dank!

i.d.a. kommt zu Besuch!

Vom 18.10 bis zum 20.10.2013 sind wir Gastgeberin des 30. Treffens des i.d.a. Dachverbandes deutschsprachiger Frauen-/Lesbenarchive, -bibliotheken und -dokumentationstellen.

Wir erwarten G√§ste aus Luxemburg, Schweiz, √Ėsterreich und S√ľdtirol! Er√∂ffnet wird das Jubil√§umstreffen am 18.10. um 14 Uhr in Haus Steinstra√üe mit einem Vortrag zum Thema „Teaching Gender in Libraries and Archives: The Power of Information“. Sara de Jong und Sanne Koevoets sprechen √ľber die historischen Zusammenh√§nge zwischen Frauenarchiven und -bibliotheken und der Frauen-/Genderforschung. Zugleich wird auch der Blick auf die Gegenwart gerichtet und gefragt, vor welchen Herausforderungen Frauen-/Lesbenarchive und -bibliotheken mit Blick auf die Digitalisierung feministischen Aktivismen stehen.

Der Dachverband deutschsprachiger Frauen/ Lesbenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen, schlie√üt seit 1994 Einrichtungen aus Deutschland, √Ėsterreich und der Schweiz zusammen. Er dient der Vernetzung, dem regelm√§√üigen fachlichen und pers√∂nlichen Austausch, der Weiterqualifikation sowie gemeinsamer √ľberregionaler √Ėffentlichkeitsarbeit. Insbesondere bem√ľht sich der Dachverband darum, politische und finanzielle Unterst√ľtzung f√ľr die finanziell nicht abgesicherten Frauenbibliotheken und -archive zu organisieren.

Buchtipps f√ľr den Herbst

F√ľr die kalten und regnerischen Herbsttage empfehlen wir unseren Leser_innen folgende frisch eingetroffene B√ľcher:

Jennifer Teege: Amon. Mein Großvater hätte mich erschossen

Es ist ein Schock, der ihr ganzes Selbstverst√§ndnis ersch√ľttert: Mit 38 Jahren erf√§hrt Jennifer Teege durch einen Zufall, wer sie ist. In einer Bibliothek findet sie ein Buch √ľber ihre Mutter und ihren Gro√üvater Amon G√∂th. Millionen Menschen kennen G√∂ths Geschichte. In Steven Spielbergs Film ¬ęSchindlers Liste¬Ľ ist der brutale KZ-Kommandant der Saufkumpan und Gegenspieler des Judenretters Oskar Schindler. G√∂th war verantwortlich f√ľr den Tod tausender Menschen und wurde 1946 geh√§ngt.

Dieses Buch ist zurecht von den Feuilletons gelobt worden. Jennifer Teege gelingt es auf beeindruckender Art und Weise die Leser_innen auf ihre Reise in die Vergangenheit mitzunehmen. Teegers Schilderungen √ľber ihre schonungslose Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Familiengeschichte wird von Zeitzeug_inneberichten und historischen Fakten √ľber Amon G√∂th angereichert. Dadurch gewinnt das Buch nicht nur an Intensit√§t, sondern macht auch deutlich, dass die Aufarbeitung des Nationalsozialismus in der dritten bzw. gar vierten Generation noch lange nicht abgeschlossen ist.

 

Janet Frame: Auf dem Maniototo

Janet Frame z√§hlt zu den bekanntesten Autorinnen Neuseelands. Zur literarischen Ber√ľhmtheit schaffte sie es mit ihrem autobiografisch gef√§rbten Roman „Der Engel an meiner Tafel“, der 1990 von Jane Campion fulminant verfilmt wurde.

Nun hat der C.H.Beck-Verlag den bereits 1987 erschienen Roman „Auf dem Maniototo“ auf deutsch ver√∂ffentlicht: In ihrem vielleicht sch√∂nsten Roman erz√§hlt Janet Frame von einer Frau, die, nachdem sie ihren Ehemann verloren hat, beschlie√üt Schriftstellerin zu werden. Sie absolviert einen Kurs, geht auf Reisen, verliebt sich, heiratet erneut ‚Äď und wird wieder Witwe. Auf Einladung von Freunden verbringt sie, die Neuseel√§nderin, den Sommer in Berkeley, Kalifornien, und erbt unversehens das Haus ihrer Freunde, die bei einem Erdbeben in Italien ums Leben kommen. Doch am Ende des Sommers tauchen sie quicklebendig wieder auf. Was ist Realit√§t, was Fiktion, wie glaubw√ľrdig ist die Erz√§hlerin, die sich uns unter verschiedenen Namen vorstellt? Am√ľsant und detailreich, haarstr√§ubend und bunt, in einer grandiosen Sprache erz√§hlt dieser Roman lauter Geschichten und handelt dabei zugleich vom Schreiben und Erz√§hlen selbst.

Swetlana Alexejewitsch: Second Hand Zeit. Leben auf den Tr√ľmmern des Sozialismus

Bereits mit ihren B√ľchern „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ und „Tschernobyl. Chronik einer Zukunft“ hat sich Swetlana Alexejewitsch als gro√üartige Zuh√∂rererin und Erz√§hlerin bewiesen. Mit ihrem neuen Buch „SecondHand Zeit“ beweist sie sich einmal mehr als Meisterin¬† der Zeitgeschichte. Darin widmet sie sich den Verlierer_innen des russischen Wandels, den Menschen, die von M√ľhlen der Politik und √Ėkonomie zermalmt werden. Swetlana Alexejewitsch h√∂rt denen zu, die nicht mehr geh√∂rt werden – nicht mal von ihren eigenen Kindern und Enkelkindern. Die Autorin selbst nimmt sich zur√ľck, will sie doch „ein n√ľchterner Historiker ohne Fakel“ sein. Um so mehr strahlen die Berichte von Dissident_innen, Student_innen, ehemaligen GULag-H√§ftlingen, Verlierer_innen und Gewinner_innen des Turbo-Kapitalismus der 1990er Jahre. Zusammen ergeben sie ein atemberaubendes und kaum etr√§gliches Panorama an Menschen, die vor allem eins zu einen scheint: die Last in der Sowjetunion geboren zu sein.

Sommerpause und Ausblick

In der kommenden Woche startet die Frauen- und Genderbibliothek in die wohlverdiente Sommerpause! Der Ausleihbetrieb ist daher vom 29. Juli bis 31. August geschlossen.
Das B√ľro ist ebenfalls eingeschr√§nkt besetzt: Vom 06.08. bis 31.08. am Dienstag und Donnerstag jeweils von 9 bis 14 Uhr.

Ab September starten wir wieder durch und es erwarten Euch u. a. diese Neuerwerbungen:

Rigoberta Menchu: Enkelin der Maya und Klage der Erde

In diesen beiden B√ľchern erz√§hlt die Friedensnobelpreistr√§gerin Rigoberta Menchu √ľber den Kampf der Maya gegen Genozid und politische Verfolgung der indigenen Bev√∂lkerung in Guatemala. Die ber√ľhmteste Frau Guatemalas erz√§hlt ausf√ľhrlich √ľber ihre Kindheit in dem kleinen Dorf Chimel, √ľber ihre Familie, die Zeit der furchtbaren Repression, √ľber ihren Bezug zur Erde und zur Natur, ihre Bem√ľhungen in den Korridoren der UN-Menschenrechtskommission in Genf und New York, die Verleihung des Nobelpreises …

 

 

 

Peggy Piesche (Hg.): Euer Schweigen sch√ľtzt euch nicht

Der vorliegende Band ist eine Sammlung von bereits erschienenen und bisher unveröffentlichten Texten Audre Lordes. Ergänzt werden diese durch Texte von Frauen, die gemeinsam mit der Autorin den Weg einer deutschen Schwarzen Frauenbewegung gingen und von Schwarzen Frauen der Nachfolgegenerationen aus Deutschland, die sich mit ihrem Erbe und den aktuellen Kämpfen auseinander setzen.

 

 

Gabriele Dietze: Weiße Frauen in Bewegung. Genealogien und Konkurrenzen von Race- und Genderkritiken

Die Studie konfrontiert zwei zentrale Emanzipationsanstrengungen der Moderne miteinander: unmarkierte ‚Äļwei√üe‚ÄĻ US-amerikanische Frauenbewegungen und den Kampf um B√ľrgerrechte von people of color. Es geht dabei um implizite Sozio- und Psycho-Logiken, die Feminit√§t mit whiteness gleichsetzen und race-Emanzipation mit Maskulinit√§t. Die Studie untersucht kontraproduktive Race-Gender-Konkurrenzen, z.B. einen ‚ÄļRape-Lynching-Komplex‚ÄĻ, der schwarze M√§nner und wei√üe Frauen in ein Gewaltverh√§ltnis imaginiert, Sexualpolitik im Second Wave Feminism und den Prozess um O.J. Simpson. Erkenntnisinteresse ist die Verfugung von Sexismus und Rassismus und seine soziokulturellen Repr√§sentationsformen.

 

Beate Binder u. a. (Hg.): Eingreifen, kritisieren, Verändern. Interventionen ethnographisch und geschlechtertheoretisch

Unter dem Stichwort ‚ÄěInterventionen‚Äú versammelt dieser Band unterschiedliche Perspektiven auf ethnographische und geschlechterkritische Wissensproduktion, die kritisierend und ver√§ndernd in politische Konfliktfelder eingreifen will und auf vielf√§ltige Formen der Kollaboration mit sozialen Bewegungen und gesellschaftlichen AkteurInnen setzt. Die Beitr√§ge loten das Dazwischensein aus ‚Äď zwischen ForscherInnen und Beforschten, zwischen Wissenschaft, Kunst und Aktivismus.

 

Linda Tuhiwai Smith: Decolonizing Methodologies. Research and indigenous peoples

Ein Klassiker! In diesem Grundlagenwerk beschreibt sie wie westliche Wissenschaften immer noch kolonialistisch arbeiten und wie wissenschaftliche Methoden dekolonialisiert werden k√∂nnen, damit indigene Menschen wieder zu Subjekten werden k√∂nnen. Weiterhin hinterfragt Linda Tuhiwai Smith die Verbindungen zwischen Imperialismus und Forschung und Konzepte wie „Entdeckung“ und „Claiming“, die dazu beigetragen haben, wie sich der Westen indigene Welten in das eigene Netz integriert und dadurch diese entfremdet hat. Ein gro√üartiges Buch! Lesen!

 

 

Hit so hard. The life and near death of Patty Schemel (DVD)

Patty Schemel war ab 1992 die Drummerin der Band Hole. In dem Doku-Film „Hit so Hard“¬† erz√§hlt sie √ľber ihre Zeit in der Band und √ľber ihre massiven Drogenprobleme. Neben Interviews mit Courtey Love, Eric Erlandson und Melissa Auf Der Maur sind bislang noch nie gezeigte Filmaufnahmen zu sehen, die Patty Schemel w√§hrend ihrer Zeit mit Hole gedreht hat. Patty Schemel, eine Frau √ľber die eine Dokumentation auf alle F√§lle lohnt.

Jagende Aborigines-Frauen

KästnerJagendeSammlerinnen
© Sibylle Kästner

Am Dienstag, den 04.06., um 19 Uhr laden wir zu einer Buchvorstellung ein. Sybille K√§stner wird √ľber Jagende Sammlerinnen und sammelnde J√§gerinnen bei den australischen Aborigines sprechen.

In ihrer feministisch-kritischen Analyse räumt die Autorin mit dem Stereotyp auf, Jagd sei eine Männerdomäne. Vielmehr ist das Erbeuten von Tieren in den Lebenszyklus und die religiöse Welt der Aborigines-Frauen eingebettet, wozu auch ihre aktive Teilhabe an Zeremonien zur Beutevermehrung gehört.

An dieser Stelle m√∂chten wir auf weitere Literatur √ľber Aborigines-Frauen aus unserem Bestand hinweisen.

 

Jackie und Rita Huggins: Die Stimme meiner Mutter

Entwurzelt und verschleppt leben noch heute Aboriginals aus den Zeiten der Stolen Generation in Australiens Ghettos. Rita erz√§hlt ihre Geschichte, die durch all diese Dem√ľtigungen ging, aber sich durch ihre Lebenseinstellung zu beachtlichen Erfolgen wendete. Die Kindheit im Lager, wohin sie mit ihrer Familie deportiert war. Sie erlebt Ungerechtigkeit und Hoffnungslosigkeit des Reservats unter den entw√ľrdigenden Regeln des wei√üen Mannes. Der Zusammenhalt ihrer Familie, das Bewu√ütsein der Eltern f√ľr Menschenw√ľrde und spirituelle Werte, retten Ritas Pers√∂nlichkeit.
Wir erleben sie als Ehefrau, als Mutter, in ihrer Sehnsucht nach Liebe, in ihrer Suche nach geistiger Erf√ľllung. Wir verfolgen aber auch ihren Weg als Aktivistin f√ľr die Rechte der Schwarzen.

Gail Jones: Perdita

Die zw√∂lfj√§hrige Perdita lebt mit ihrer wahnsinnigen Mutter und ihrem verbitterten Vater in der australischen Wildnis heran, in einer H√ľtte voller Zeitungsausschnitte √ľber den Zweiten Weltkrieg und vermodernder B√ľcher, in denen Schlangen hausen. Die Shakespeare-Zitate der Mutter sind die Grundlage von Perditas sp√§rlicher Bildung. Verwildert und frei, sucht sie Liebe bei dem taubstummen Sohn der Nachbarn und in dem Aborigine-Hausm√§dchen Mary. Perdita scheint zufrieden mit ihrem Leben in diesem gottverlassenen Winkel der Erde ‚Äď bis zu dem Tag, an dem ihr Vater erstochen aufgefunden wird. Mary bekennt sich schuldig und wird verhaftet, Perdita verliert das Ged√§chtnis und kann fortan nur noch fl√ľstern und stottern. Erst als sie die wahren Umst√§nde des Mordes zu erinnern gezwungen ist, findet sie auch ihre Sprache wieder‚ÄČ…

Perdita ist Gail Jones¬ī Beitrag zur Debatte um die Entschuldigung der australischen Regierung f√ľr ihre unmenschliche Behandlung der Aborigines.

The Rabbit-Proof-Fence (Long walk home), DVD

Australien, 1931, in einem Aborigine Dorf namens Jigalong Ein heranrasendes Auto zieht eine gewaltige Staubwolke hinter sich her. Pl√∂tzlich st√ľrmen M√§nner aus dem Wagen. Wenige Augenblicke sp√§ter verfl√ľchtigt sich der Staub – und drei Kinder sind verschwunden. Gewaltsam haben die M√§nner die 14-j√§hrige Molly, ihre achtj√§hrige Schwester Daisy sowie deren zehnj√§hrige Cousine Gracie aus ihren Familien gerissen. Ganz legal, im Namen der Regierung, denn die australische Rassenpolitik duldet keine „Mischlingskinder“. Quer durch den Kontinent werden Molly, Daisy und Gracie in das fast 2.500 Kilometer entfernte Erziehungsheim Camp Moore River transportiert. Zwei N√§chte halten es die M√§dchen in ihrem Gef√§ngnis aus. Dann wagen sie das Unm√∂gliche Sie treten die nahezu endlose Flucht nach Hause an. Dabei orientieren sie sich an dem gro√üen Zaun, der den Kontinent zerteilt, um Kaninchen vom Farmland fernzuhalten, dem Rabbit-Proof Fence…

An den/die Zettelschreiber_in

img_0001Liebe_r Zettelschreiber_in,

leider haben wir auf Grund fehlender Kontaktdaten nicht die Möglichkeit persönlich auf Ihren Zettel zu antworten, daher dieser Blogeintrag in der Hoffnung, dass Sie ihn eventuell lesen werden.

Sie haben uns am 5. März, am Abend der Femen-Veranstaltung, einen Zettel hinterlassen, den wir leider erst jetzt entdeckt haben. Darin kritisieren Sie zwei Bezeichnungen unserer Bibliothekssystematik und die darin eingeordnete Literatur.

Zur Bestandssystematik:

Sie kritisieren die Begriffe „Behinderte“ und „Indianerinnen“. Sie haben v√∂llig Recht. Auch ich pers√∂nlich verwende die Umschreibung „Menschen mit Behinderung“ und spreche lieber von „Native Women“, „Indigene Frauen“ oder „Frauen der First Nations“. Nicht unerw√§hnt soll aber bleiben, dass es nat√ľrlich auch Natives gibt, die sich (in ironischer Aneignung) selbst als „Indians“ bezeichnen – um „den Wei√üen“ vor Augen zu f√ľhren, was f√ľr Nieten sie doch in Geografie seien.

Sie kritisieren ferner, wenn auch etwas unkonkret, die angebotene Literatur unter dem Schlagwort „Indianerinnen“. Unter diesem (nochmal: ungl√ľcklichen) Begriff sind B√ľcher einsortiert, die sich aus unterschiedlicher Perspektive und mit verschiedenen stilistischen Mitteln mit den Native Women besch√§ftigen. Ich bestreite nicht, dass sich auch B√ľcher darunter befinden, die ein verkitschtes und romantisierendes Bild der Native Americans zeichnen. Dazu ist zun√§chst grunds√§tzlich zu sagen, dass der Medienbestand von MONAliesA nicht erst vor zwei Wochen aufgebaut wurde, sondern seit 1990 (!) kontinuierlich w√§chst. Inhalt und Struktur unserer Bibliothek haben bereits eine eigene Geschichte und weisen die „Handschriften“ der zahlreichen Mitarbeiterinnen und Helferinnen der vergangenen 23 Jahre auf. Eine vorsichtige Sch√§tzung geht mittlerweile von mehr als 20.000 Medieneinheiten aus. Die kontinuierliche Pflege eines solch gro√üen Bestandes ist f√ľr einen Verein wie uns eine sehr aufw√§ndige Angelegenheit. Sie k√∂nnen sich aber sicher sein, dass die Frage der Bestandsrevision bei MONAliesA seither mehrfach, auch kontrovers, diskutiert wurde. Schon aus Platzgr√ľnden sortieren wir ab und an auch B√§nde aus und vertreten dennoch die Meinung, dass es nicht Aufgabe einer Bibliothek ist, seine Leser_innen mittels Giftschranksystem zu bevormunden. Im Zweifelsfall setzen wir lieber auf pers√∂nliche Beratung und den Hinweis auf weitere Literatur. Dazu ist es freilich unabdingbar, dass wir auch offen angesprochen werden – Uns also (anonym) ein mangelndes Bewusstsein vorzuwerfen, verkennt die Hintergr√ľnde und Rahmenbedingungen einer Bibliothek wie MONAliesA vollkommen. H√§tten Sie sich, liebe_r Kritiker_in, zudem einmal die Zeit genommen, den kritisierten Bestand genauer durchzusehen, dann w√§re Ihnen unschwer aufgefallen, dass die gro√üe Mehrheit der angebotenen Literatur von Native Women selbst verfasst wurde. Zu nennen w√§ren hier: Winona LaDuke, Wilma Mankiller, Beverly Hungry Wolf oder Leslie Marmon Silko. Wer diese B√ľcher liest, dem wird schnell klar, dass hier keine (post)kolonialen Fanasien best√§tigt werden, sondern tiefe Einblicke in die Geschichte, Gegenwart und Kultur der Native Americans geboten werden.

MONAliesA hat im Blog schon mehrfach auf Themen wie „Native Women“ oder „Indigenous Feminisms“ hingewiesen, auch Literaturtipps gegeben. Wir haben auch den kopflosen Umgang mit Symbolen und Bekleidungen der amerikanischen Ureinwohner kritisiert und dazu passende B√ľcher¬† empfohlen. In unserem Veranstaltungsprogramm ber√ľcksichtigen wir quasi permanent auch Themen, die sich kritisch mit diesen und √§hnlichen Zusammenh√§ngen besch√§ftigen: Ich gehe nicht davon aus, dass Sie, liebe_r Kritiker_in, schon mal einen solchen Vortrag bei uns besucht haben, denn diese Themen geh√∂ren h√§ufig leider nicht zu den besucherst√§rksten. Und darum noch mal: Uns mangelnde Sensibilit√§t oder fehlendes Wissen √ľber (post-)koloniale Zusammenh√§nge vorzuwerfen, ist nicht fair.

Warum √§ndern wir aber nicht einfach solch problematische Schlagworte wie „Indianerinnen“ oder „Behinderte“? An Willen fehlt es uns sicher nicht, schon eher an Kapazit√§ten: Die Frauen-/Genderbibliothek wird zur Zeit komplett ehrenamtlich betreut. Dies schlie√üt die Einarbeitung neuer Medien, Betreuung der Ausleihe und die Bestandpflege mit ein. Jeder Eingriff in die Tektonik eines historisch gewachsenen Bestandes wie den unsrigen ist ein √§u√üerst arbeitsaufw√§ndiges Unterfangen: Es m√ľssen nicht nur zahllose Karteikarten ge√§ndert, sondern auch Eintragungen im Online-Bestandskatalog sowie¬† √Ąnderungen in der Gesamtsystematik vorgenommen werden. Dazu fehlen uns im Moment schlicht die personellen Ressourcen.

Zum Schluss schreiben Sie, dass Sie sich in der Bibliothek „sehr unwohl“ f√ľhlten. Ich bedaure das sehr, zumal Ihnen so leicht h√§tte geholfen werden k√∂nnen: Wir freuen uns jederzeit √ľber Kritik und Meinungsbekundungen an unserer Arbeit, sofern die Betroffenen sich wenigstens bem√ľhen auch das direkte Gespr√§ch mit uns zu suchen. Es ist √§u√üerst schwer auf anonyme Kritik zu reagieren und es zeugt auch nicht von Fairness. Ich finde diesen Umstand mehr als schade und w√ľnsche mir f√ľr die Zukunft, dass Besucher_innen und Nutzer_innen auf uns zu kommen, uns ihr Anliegen oder Problem direkt schildern bzw. uns einfach fragen. Nur so k√∂nnen Missverst√§ndnisse k√ľnftig vermieden werden. „Also, traut Euch!“

Buchmesse 2013

Heute startet die Leipziger Bucmesse 2013. Das Veranstaltungsprogramm ist so groß wie eh und je. Damit Sie, liebe Besucher_innen, nicht die Qual der Wahl haben, stellen wir unsere Lesungen vor.

Donnerstag, 14.3., um 18 Uhr

Bona Peiser ‚Äď Die erste deutsche Bibliothekarin

Lesung und Diskussion mit Frauke Mahrt-Thomson

Bona Peiser (1864 ‚Äď1929), die erste deutsche Bibliothekarin, war eine Wegbereiterin der B√ľcher- und Lesehallen-Bewegung und der Frauenarbeit in Bibliotheken. Lebenslang hat sie sich f√ľr die Qualit√§tssicherung des bibliothekarischen Berufs eingesetzt und f√ľr die Interessenvertretung ihrer Kolleginnen und sp√§ter auch Kollegen. Nicht nur in der Lesehalle der Deutschen Gesellschaft f√ľr Ethische Kultur, sondern auch in der Bibliothek des Kaufm√§nnischen Verbandes f√ľr weibliche Angestellte (VWA) wurde sie zur Ausbilderin einer ganzen Generation bibliothekarisch arbeitender Frauen. Die Entwicklung der jahrzehntelang von ihr geleiteten Bibliotheken sowie die Darstellung ihrer fachlichen Leistungen und ihres berufs- und frauenpolitischen Engagements stehen im Mittelpunkt dieser Biographie.

Eintritt: 3,- / 4,- ‚ā¨

 

Donnerstag, 14.3., um 20 Uhr

Das Ende der Aufzählung

Lesung mit Irngard Maria Ostermann

Die letzte Lebensstation der Autorin Vera hat einen Namen: Max. Sie lernt den Hobbypoeten bei der Hochzeit von Freunden kennen und akzeptiert, dass er seine Familie nicht zerst√∂ren will. Seine tolerante Frau wei√ü um seine Fremdg√§nge, reagiert aber, als sie den Ernst der Lage erkennt, mit Eifersucht und rivalisiert mit Vera, die ihrerseits mit Hilfe eines Stipendiums aus dem Beziehungsgeflecht nach Rhodos flieht. Dort lebt sie unbeschwert bald an der Seite des Lokalbesitzers Yannis, obwohl sie wei√ü, dass seine traditionellen Lebensentw√ľrfe sich nicht mit ihren decken. Sie ahnt, dass ein neuer Lebensabschnitt bevorsteht, genie√üt die Musik und das Meer. Noch einmal vorm Vergehen bl√ľhn , denn seit Beginn der Liaison mit Max begreift sie den Tod als Ungl√ľck, auf das man unweigerlich zusteuert. Als er ihr Leben ersch√ľttert, verliert sie den Halt, lockert die Distanz zu Max, dessen Hartn√§ckigkeit sie untersch√§tzt hat. Die Sehnsucht ist wie ein Schmetterling, der von Bl√ľte zu Bl√ľte fliegt, solange der schwarze Vogel sich zur√ľckh√§lt.

Eintritt: 3,- / 4,- ‚ā¨

 

Freitag, 15.03., um 19 Uhr

Die Frau meines Vaters

Lesung und Diskussion mit Anja Röhl

¬ĽKind sein hei√üt allein sein, schuld sein, essen m√ľssen, schlafen m√ľssen, brav sein m√ľssen. Kind sein hei√üt, sich nicht wehren zu k√∂nnen.‚ÄĚIn ihren Kindheits- und Jugenderinnerungen zeichnet Anja R√∂hl ein Portr√§t der autorit√§ren und lebensfeindlichen Gesellschaft der 1950er und 60er Jahre in Deutschland. Als Kind geschiedener Eltern ist sie einsam und unsicher. Erst die moderne, antiautorit√§re zweite Frau ihres Vaters, zu dem sie an den ¬ĽPapi-Tagen¬ę geht, bringt ihr Verst√§ndnis, Zuwendung und Zutrauen entgegen: Es ist Ulrike Meinhof.

Eintritt: 4,- / 5,- ‚ā¨

Mein Antrieb wäre, Welt zu machen.

2013, das wei√ü nicht nur der brave Leipziger, ist das Jahr der gro√üen Jubil√§en: Richard Wagner, Guiseppe Verdi und die sogenannte „V√∂lkerschlacht“. Was f√ľr ein Dreiklang! Damit das allgemeine Testosteronlevel am Ende des Jahres nicht g√§nzlich aus dem Gleichgewicht zu geraten droht, will die Frauen- und Genderbibliothek MONAliesA mit einer ganzj√§hrigen Veranstaltungsreihe auf ein ganz besonderes, ebenfalls dreifaches Jubil√§um aufmerksam machen:

„Mein Antrieb w√§re, Welt zu machen. – Zum 80. Geburtstag von Maxie Wander, Irmtraud Morgner und Brigitte Reimann“.

Im Zentrum stehen drei Schriftstellerinnen, die die(ost-)deutsche Literaturlandschaft der Nachkriegszeit ganz ma√ügeblich gepr√§gt haben: Brigitte Reimann (1933‚Äď1973), Irmtraud Morgner (1933‚Äď1990) und Maxie Wander (1933‚Äď1977). Alle drei Autorinnen wurden im geschichtstr√§chtigen Jahr 1933 geboren und geh√∂rten zu den bedeutendsten weiblichen Stimmen der DDR-Literatur, die einer breiten √Ėffentlichkeit heute jedoch kaum mehr bekannt sind.

groß - morgner_reimann_wander

2013 wären alle drei Schriftstellerinnen 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass präsentiert die Frauen- und Genderbibliothek MONAliesA e.V. zusammen mit zahlreichen KooperationspartnerInnen eine ganzjährige Veranstaltungsreihe, die sich Leben und Werk dieser drei Autorinnen widmet und damit auch eine Art literarische Wiederentdeckung befördern will.

Neben Lesungen Vortr√§gen und Diskussionen √ľber die Autorinnen, ihr literarisches Wirken und ihr soziales Engagement sollen auch Dokumentationen sowie Literaturverfilmungen gezeigt werden. Umrahmt wird das Ganze von einer kleinen, sehr sehr feinen Fotoausstellung unter dem Titel ‚ÄěFrauenleben in der DDR‚Äú, die ab sofort in unserer Galerie zu sehen ist.

Auf unserer Terminseite und hier im Blog werden wir euch √ľber den Ablauf der einzelnen Veranstaltungen genau auf dem Laufenden halten. Zudem haben wir eine kleine Sonderseite eingerichtet mit genaueren Infos zu den drei Jubilarinnen sowie zur Veranstaltungsreihe.

Wir freuen uns auf euren Besuch!