Archiv für den Monat: November 2019

Do., 19.12.19, 19 Uhr: “Ich habe da immer so ein Bild im Kopf, das ein bisschen bunter ist als das Jetzt…” Lesung und Diskussion mit dem AK.Unbehagen

“Ich habe da immer so ein Bild im Kopf, das ein bisschen bunter ist als das Jetzt…”

Gespräch mit dem AK.Unbehagen

In der gegenwärtigen Gesellschaft erscheinen Fürsorge, die fundamentale Bezogenheit aufeinander und Abhängigkeiten – kurz alles, was mit Mütterlichkeit assoziiert ist – systematisch abgewertet. Dies spiegelt sich nicht nur in konkreten Erfahrungen von Müttern, sondern weiterhin in den prekären Arbeitsbedingungen im Care-Sektor oder den miserablen Zuständen in Pflegeeinrichtungen wieder. Auch die feministische Auseinandersetzung mit Mutterschaft verläuft notgedrungen ambivalent.

Wir möchten nach einer Kritik an gegenwärtigen Bedingungen von Mutterschaft suchen, die nicht bei der Aushandlung von Aufgaben oder beim Entwurf der “neuen Mutterideale” endet. Wir möchten danach fragen, was mit einer Gesellschaft und ihren Beziehungen passiert, wenn eine grundlegende Abhängigkeit nicht mehr geleugnet werden muss.

In einem fiktiven Gespräch diskutiert der AK Unbehagen die Wünsche und (An-)Forderungen an utopische Mutterschaft und Elternschaft mit dem Begehren, utopische Vorstellung von dem Umgang mit Care-Arbeit ins hier und jetzt zu holen.

Do, 14.11.19, 19 Uhr: What difference does it make? – Zur Bedeutung der Geschlechterdifferenz in der männlichen Subjektwerdung.

Vortrag von Johanna Niendorf

Differenz und Differenzierung gehört notwendig zum Prozess der Individuation. Die Erkenntnis, dass Ich nicht Du bin, ist der erster Schritt, der auf dem Weg der Subjektwerdung vollzogen werden muss. Damit einher gehen Verwerfungen und Probleme, denn wenn Ich nicht Du bin, bedeutet das auch, dass Ich nicht alles sein kann. Subjektwerdung heißt Grenzen zu ziehen und eigene Begrenzungen zu akzeptieren.

Das männliche Subjekt der patriarchalen und kapitalistischen Gesellschaft befindet sich dabei in einem besonderen Konflikt zwischen Autonomiebestrebungen und der Abhängigkeit von Anderen. Gerade in der Beziehung zu Frauen ist dieser Konflikt zur Ursache von Abwertung,Aggression und Gewalt werden.
Im Vortrag soll das Spannungsfeld männlicher Subjektwerdung mit der psychoanalytischen Sozialpsychologie beleuchtet und Erklärungsansätze vorgestellt werden.

Sa., 02.11., 19 Uhr: Ja heißt Ja? Feministische Debatten um einvernehmlichen Sex

Vortrag und Diskussion mit Rona Torenz

Weil es nicht immer allen möglich ist, «Nein» zu sagen, ist aus der feministischen Losung «Nein heißt Nein» die Forderung nach «Ja heißt Ja» entstanden. Demnach ist die ausdrückliche Zustimmung aller Beteiligten notwendig, damit Sex als einvernehmlich gilt. So wird die Verantwortung für sexuelle Gewalt verlagert: Weg von jenen, die nicht (klar genug) «Nein» sagen hin zu jenen, die nicht das nötige «Ja» bekommen. Aus der Perspektive sexueller Selbstbestimmung erscheint das zunächst plausibel.

Die Autorin sieht das Konzept dennoch kritisch. Ihre wesentliche These: Die Fokussierung auf ausdrückliches Einverständnis als Hebel zur Verhinderung sexualisierter Gewalt unterschätzt die Verinnerlichung sexueller Machtverhältnisse. «Ja heißt Ja» kann somit heteronormative Strukturen stabilisieren und wenig zu einer Veränderung hegemonialer Sexualkultur beitragen. Was heißt das für unseren Kampf gegen sexuelle Gewalt?

Diese Fragen und mehr diskutiert Rona Torenz im Gespräch.