Archiv fĂĽr den Monat: September 2013

Gegen das Schweigen – Audre Lorde

Die Frauenbewegungsforschung hat sich in den letzten Jahrzehnten recht ausdifferenziert und durch zahlreiche Publikationen interessante Ergebnisse zu Tage gebracht. Jedoch fällt auf, dass angesichts der Fülle an Literatur bislang ein Teil der Bewegungsgeschichte ausgeblendet wurde: die Afro-Deutsche Frauenbewegung in Deutschland.

Zum 20. Todestag von Audre Lorde hat Peggy Piesche unter dem Titel „Euer Schweigen schĂĽtzt euch nicht“ eine groĂźartige Anthologie von bereits erschienen und ĂĽbersetzten Texzten von Audre Lorde veröffentlicht.  Ergänzt werden diese durch Texte und gedichte von Wegbegleiterinnen und Schwarzen Frauen der Nachfolgegenerationen aus Deutschland, die sich mit ihrem Erbe und den aktuellen Kämpfen auseinandersetzen.

Am 25.09.2013 um 20 Uhr wird Peggy Piesche persönlich das Buch im Conne Island vorstellen. Wir werden neben einem Büchertisch mit themenrelevanter Literatur auch eine Sonderaktion durchführen: An diesem Abend können Interessierte eine MONAliesA-Jahreslesekarte für 10€ erwerben. Ihr spart also 50%!

Wer nicht abwarten kann, hat die Möglichkeit das Buch von Peggy Piesche sich bei uns auszuleihen. Und auch sonst sei dazu folgende Literatur aus unserem Bestand empfohlen:

Audre Lorde: Zami

Audre Lorde / Adrienne Rich: Macht und Sinnlichkeit

May Ayim: Grenzelos und unverschämt

Katharina Oguntoye u. a. : Farbe bekennen. Afro-Deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte

Gabriele Dietze: WeiĂźe Frauen in Bewegung. Genealogien und Konkurrenzen von Race- und Genderpolitiken

Anja Meulenbelt: Scheidelinien. Ăśber Sexismus, Rassismus und Klassismus

Gloria I. Joseph: Schwarzer Feminismus. Theorie und Politik afro-amerikanischer Frauen

bell hooks: Black Looks

Anette Diedrich: WeiĂźe Weiblichkeiten. Konstruktionmen von „Rasse“ und Geschlecht im deutschen Kolonialismus

Und viel viel viel mehr….

 

 

The Industrial Vagina

Nachdem Maria Furtwängler alias Charlotte Lindholm im Tatort „Wegwerfmädchen“ gegen Zwangsprostitution ermittelt hat, ist nun am 15.09. um 20.15 Uhrauf ARD das Wiener Team Bibi Fellner und Moritz Eisner dran. In der Folge „Angezählt“ servieren sie zur besten Sendezeit den Zuschauer_innen harte Kost: Von ca. 6.000 Prostituierten arbeiten in Wien gerade mal 1.500 legal. An Stelle die viel beschworene „selbstbestimmte Sexarbeiterin“ zu präsentieren, zeigen sie den harten Alltag in einem harten globalisierten frauenverachtenden Männer-Business.

Und am Montag wird wieder in diversen vermeintlich linken, antikapitalistischen und feministischen Zeitungen und Blogs Folgendes zu lesen sein: „Nein, das ist doch alles gar nicht so schlimm. Hier wird wieder pauschalisiert und ĂĽberhaupt machen die meisten das doch freiwillig.“ Dieser Ton ist in Zeiten, wo gerne von Intersektionalität die Rede ist, ziemlich erstaunlich. Denn genau bei diesem Thema wird in den Diskussionen und Zeitungsbeiträgen die Verbindung von Race, Class und Gender ausgeblendet. Wieso eigentlich? Vielleicht weil dann das Bild von der „selbstbestimmten Sexarbeiterin“ (die es durchaus gibt, aber sie ist nun mal leider eine Ausnahme) zerstört wird? Und weil mensch sich dann vielleicht auch mit der Komplizenschaft, den so ein pseudo-emanzipatorischer und kapitalistisch-neoliberaler Diskurs nun mal leistet, auseinandersetzen muss?

Ăśbrigens stammt die Blog-Ăśberschrift von dem gleichnamigen Buch von Sheila Jeffrey. Darin untersucht sie den Aufstieg der Sex-Branche zu einem globalen Industriezweig bestehend aus Puffs, BrideOrder, Pornos und Strip-Clubs. Jeffrey: „The important  is the new economic ideology and practice of these times, neo-liberalism, in which the tolerance of ´sexual freedom´ has been merged with a free market ideology to reconstruct prostitution as legitimate ´work´ which can form the basis of national and international sex-industries.“ Ihre These: Dieser global wachsende und milliardenschwere Wirtschaftssektor muss als die kommerzalisierte UnterdrĂĽckung der Frauen verstanden werden, an der nicht nur Zuhälter_innen und Wirtschaftsunternehmen verdienen, sondern auch staatliche Regierungen. Zum Beispiel Deutschland.

 

Unser kurzes Leben

Heute endet (leider) unsere Autorinnenreihe „Mein Antrieb wäre, Welt zu machen“. Den Abschluss krönt der selten aufgefĂĽhrte DEFA-Film „Unser kurzes Leben“, eine Verfilmung des Romans „Franziska Linkerhand“ von Brigitte Reimann. Dieser Film läuft heute um 18 Uhr in der Kinobar Prager FrĂĽhling.

Die junge Architektin Franziska trennt sich von ihrem Mann und scheidet freiwillig aus dem Mitarbeiterstab eines berĂĽhmten Dresdner Professors aus, um in einem KleinstadtbĂĽro zu arbeiten. Hart in ihren Anforderungen an sich selbst und voller Ideale möchte sie eine Stadt bauen, in der sich die Menschen wohlfĂĽhlen. Doch Franziska spĂĽrt bald, wie sehr sich ihre Vorstellungen und WĂĽnsche vom tatsächlichen, oft bĂĽrokratischen Arbeitsalltag unterscheiden. Ihre Kollegen ĂĽberzeugt sie von einem Ideenwettbewerb zur Umgestaltung des Stadtzentrums. Als Franziskas Entwurf ĂĽberzeugen kann und sie den Wettbewerb gewinnt, geschieht fĂĽr sie Unerwartetes: Die Umsetzung des Projekts wird auf unbestimmte Zeit verschoben…

Brigitte Reimann

Unsere Autorinnenreihe neigt sich (leider) dem Ende zu. Der September steht ganz im Zeichen der Autorin Brigitte Reimann.

Bereits mit 14 Jahren beschlieĂźt Brigitte Reimann Schriftstellerin zu werden. Ihr erstes StĂĽck, ein Laienspiel fĂĽr die Schulweihnachtsfeier, wurde 1948 uraufgefĂĽhrt. Als sie 1951 das Abitur macht, waren bereits einige ihrer Erzählungen veröffentlicht und Reimann hatte erste Preise erhalten. Sie beginnt ein Studium der Theaterwissenschaften, welches sie aus gesundheitlichen GrĂĽnden abbrechen muss. Ihr Geld verdient sie sich dann zunächst als Lehrerin. In der Arbeitsgemeinschaft Junger Autoren kommt sie in Kontakt mit weiteren AutorInnen und widmet sich ab 1953 ganz der Schriftstellerei…

Am 06.09. um 19 Uhr besteht die Möglichkeit mehr ĂĽber das Leben und Werk der bedeutenden DDR-Autorin zu erfahren. In Kooperation mit der Landeszentrale fĂĽr politische Bildung Sachsen referieren und lesen Angela Potowski, Martin und Helene Schmidt unter dem Titel „Brigitte Reimann – zwischen Euphorie und Resignation“ aus den Werken Reimanns.

Zum Abschluss zeigen wir am 11.09. um 18 Uhr zusammen mit der Kinobar Prager FrĂĽhling den Film „Unser kurzes Leben“ – eine selten gezeigte Defa-Verfilmung des Romans „Franziska Linkerhand“.