Archiv f√ľr den Monat: Mai 2013

Jagende Aborigines-Frauen

KästnerJagendeSammlerinnen
© Sibylle Kästner

Am Dienstag, den 04.06., um 19 Uhr laden wir zu einer Buchvorstellung ein. Sybille K√§stner wird √ľber Jagende Sammlerinnen und sammelnde J√§gerinnen bei den australischen Aborigines sprechen.

In ihrer feministisch-kritischen Analyse räumt die Autorin mit dem Stereotyp auf, Jagd sei eine Männerdomäne. Vielmehr ist das Erbeuten von Tieren in den Lebenszyklus und die religiöse Welt der Aborigines-Frauen eingebettet, wozu auch ihre aktive Teilhabe an Zeremonien zur Beutevermehrung gehört.

An dieser Stelle m√∂chten wir auf weitere Literatur √ľber Aborigines-Frauen aus unserem Bestand hinweisen.

 

Jackie und Rita Huggins: Die Stimme meiner Mutter

Entwurzelt und verschleppt leben noch heute Aboriginals aus den Zeiten der Stolen Generation in Australiens Ghettos. Rita erz√§hlt ihre Geschichte, die durch all diese Dem√ľtigungen ging, aber sich durch ihre Lebenseinstellung zu beachtlichen Erfolgen wendete. Die Kindheit im Lager, wohin sie mit ihrer Familie deportiert war. Sie erlebt Ungerechtigkeit und Hoffnungslosigkeit des Reservats unter den entw√ľrdigenden Regeln des wei√üen Mannes. Der Zusammenhalt ihrer Familie, das Bewu√ütsein der Eltern f√ľr Menschenw√ľrde und spirituelle Werte, retten Ritas Pers√∂nlichkeit.
Wir erleben sie als Ehefrau, als Mutter, in ihrer Sehnsucht nach Liebe, in ihrer Suche nach geistiger Erf√ľllung. Wir verfolgen aber auch ihren Weg als Aktivistin f√ľr die Rechte der Schwarzen.

Gail Jones: Perdita

Die zw√∂lfj√§hrige Perdita lebt mit ihrer wahnsinnigen Mutter und ihrem verbitterten Vater in der australischen Wildnis heran, in einer H√ľtte voller Zeitungsausschnitte √ľber den Zweiten Weltkrieg und vermodernder B√ľcher, in denen Schlangen hausen. Die Shakespeare-Zitate der Mutter sind die Grundlage von Perditas sp√§rlicher Bildung. Verwildert und frei, sucht sie Liebe bei dem taubstummen Sohn der Nachbarn und in dem Aborigine-Hausm√§dchen Mary. Perdita scheint zufrieden mit ihrem Leben in diesem gottverlassenen Winkel der Erde ‚Äď bis zu dem Tag, an dem ihr Vater erstochen aufgefunden wird. Mary bekennt sich schuldig und wird verhaftet, Perdita verliert das Ged√§chtnis und kann fortan nur noch fl√ľstern und stottern. Erst als sie die wahren Umst√§nde des Mordes zu erinnern gezwungen ist, findet sie auch ihre Sprache wieder‚ÄČ…

Perdita ist Gail Jones¬ī Beitrag zur Debatte um die Entschuldigung der australischen Regierung f√ľr ihre unmenschliche Behandlung der Aborigines.

The Rabbit-Proof-Fence (Long walk home), DVD

Australien, 1931, in einem Aborigine Dorf namens Jigalong Ein heranrasendes Auto zieht eine gewaltige Staubwolke hinter sich her. Pl√∂tzlich st√ľrmen M√§nner aus dem Wagen. Wenige Augenblicke sp√§ter verfl√ľchtigt sich der Staub – und drei Kinder sind verschwunden. Gewaltsam haben die M√§nner die 14-j√§hrige Molly, ihre achtj√§hrige Schwester Daisy sowie deren zehnj√§hrige Cousine Gracie aus ihren Familien gerissen. Ganz legal, im Namen der Regierung, denn die australische Rassenpolitik duldet keine „Mischlingskinder“. Quer durch den Kontinent werden Molly, Daisy und Gracie in das fast 2.500 Kilometer entfernte Erziehungsheim Camp Moore River transportiert. Zwei N√§chte halten es die M√§dchen in ihrem Gef√§ngnis aus. Dann wagen sie das Unm√∂gliche Sie treten die nahezu endlose Flucht nach Hause an. Dabei orientieren sie sich an dem gro√üen Zaun, der den Kontinent zerteilt, um Kaninchen vom Farmland fernzuhalten, dem Rabbit-Proof Fence…

An den/die Zettelschreiber_in

img_0001Liebe_r Zettelschreiber_in,

leider haben wir auf Grund fehlender Kontaktdaten nicht die Möglichkeit persönlich auf Ihren Zettel zu antworten, daher dieser Blogeintrag in der Hoffnung, dass Sie ihn eventuell lesen werden.

Sie haben uns am 5. März, am Abend der Femen-Veranstaltung, einen Zettel hinterlassen, den wir leider erst jetzt entdeckt haben. Darin kritisieren Sie zwei Bezeichnungen unserer Bibliothekssystematik und die darin eingeordnete Literatur.

Zur Bestandssystematik:

Sie kritisieren die Begriffe „Behinderte“ und „Indianerinnen“. Sie haben v√∂llig Recht. Auch ich pers√∂nlich verwende die Umschreibung „Menschen mit Behinderung“ und spreche lieber von „Native Women“, „Indigene Frauen“ oder „Frauen der First Nations“. Nicht unerw√§hnt soll aber bleiben, dass es nat√ľrlich auch Natives gibt, die sich (in ironischer Aneignung) selbst als „Indians“ bezeichnen – um „den Wei√üen“ vor Augen zu f√ľhren, was f√ľr Nieten sie doch in Geografie seien.

Sie kritisieren ferner, wenn auch etwas unkonkret, die angebotene Literatur unter dem Schlagwort „Indianerinnen“. Unter diesem (nochmal: ungl√ľcklichen) Begriff sind B√ľcher einsortiert, die sich aus unterschiedlicher Perspektive und mit verschiedenen stilistischen Mitteln mit den Native Women besch√§ftigen. Ich bestreite nicht, dass sich auch B√ľcher darunter befinden, die ein verkitschtes und romantisierendes Bild der Native Americans zeichnen. Dazu ist zun√§chst grunds√§tzlich zu sagen, dass der Medienbestand von MONAliesA nicht erst vor zwei Wochen aufgebaut wurde, sondern seit 1990 (!) kontinuierlich w√§chst. Inhalt und Struktur unserer Bibliothek haben bereits eine eigene Geschichte und weisen die „Handschriften“ der zahlreichen Mitarbeiterinnen und Helferinnen der vergangenen 23 Jahre auf. Eine vorsichtige Sch√§tzung geht mittlerweile von mehr als 20.000 Medieneinheiten aus. Die kontinuierliche Pflege eines solch gro√üen Bestandes ist f√ľr einen Verein wie uns eine sehr aufw√§ndige Angelegenheit. Sie k√∂nnen sich aber sicher sein, dass die Frage der Bestandsrevision bei MONAliesA seither mehrfach, auch kontrovers, diskutiert wurde. Schon aus Platzgr√ľnden sortieren wir ab und an auch B√§nde aus und vertreten dennoch die Meinung, dass es nicht Aufgabe einer Bibliothek ist, seine Leser_innen mittels Giftschranksystem zu bevormunden. Im Zweifelsfall setzen wir lieber auf pers√∂nliche Beratung und den Hinweis auf weitere Literatur. Dazu ist es freilich unabdingbar, dass wir auch offen angesprochen werden – Uns also (anonym) ein mangelndes Bewusstsein vorzuwerfen, verkennt die Hintergr√ľnde und Rahmenbedingungen einer Bibliothek wie MONAliesA vollkommen. H√§tten Sie sich, liebe_r Kritiker_in, zudem einmal die Zeit genommen, den kritisierten Bestand genauer durchzusehen, dann w√§re Ihnen unschwer aufgefallen, dass die gro√üe Mehrheit der angebotenen Literatur von Native Women selbst verfasst wurde. Zu nennen w√§ren hier: Winona LaDuke, Wilma Mankiller, Beverly Hungry Wolf oder Leslie Marmon Silko. Wer diese B√ľcher liest, dem wird schnell klar, dass hier keine (post)kolonialen Fanasien best√§tigt werden, sondern tiefe Einblicke in die Geschichte, Gegenwart und Kultur der Native Americans geboten werden.

MONAliesA hat im Blog schon mehrfach auf Themen wie „Native Women“ oder „Indigenous Feminisms“ hingewiesen, auch Literaturtipps gegeben. Wir haben auch den kopflosen Umgang mit Symbolen und Bekleidungen der amerikanischen Ureinwohner kritisiert und dazu passende B√ľcher¬† empfohlen. In unserem Veranstaltungsprogramm ber√ľcksichtigen wir quasi permanent auch Themen, die sich kritisch mit diesen und √§hnlichen Zusammenh√§ngen besch√§ftigen: Ich gehe nicht davon aus, dass Sie, liebe_r Kritiker_in, schon mal einen solchen Vortrag bei uns besucht haben, denn diese Themen geh√∂ren h√§ufig leider nicht zu den besucherst√§rksten. Und darum noch mal: Uns mangelnde Sensibilit√§t oder fehlendes Wissen √ľber (post-)koloniale Zusammenh√§nge vorzuwerfen, ist nicht fair.

Warum √§ndern wir aber nicht einfach solch problematische Schlagworte wie „Indianerinnen“ oder „Behinderte“? An Willen fehlt es uns sicher nicht, schon eher an Kapazit√§ten: Die Frauen-/Genderbibliothek wird zur Zeit komplett ehrenamtlich betreut. Dies schlie√üt die Einarbeitung neuer Medien, Betreuung der Ausleihe und die Bestandpflege mit ein. Jeder Eingriff in die Tektonik eines historisch gewachsenen Bestandes wie den unsrigen ist ein √§u√üerst arbeitsaufw√§ndiges Unterfangen: Es m√ľssen nicht nur zahllose Karteikarten ge√§ndert, sondern auch Eintragungen im Online-Bestandskatalog sowie¬† √Ąnderungen in der Gesamtsystematik vorgenommen werden. Dazu fehlen uns im Moment schlicht die personellen Ressourcen.

Zum Schluss schreiben Sie, dass Sie sich in der Bibliothek „sehr unwohl“ f√ľhlten. Ich bedaure das sehr, zumal Ihnen so leicht h√§tte geholfen werden k√∂nnen: Wir freuen uns jederzeit √ľber Kritik und Meinungsbekundungen an unserer Arbeit, sofern die Betroffenen sich wenigstens bem√ľhen auch das direkte Gespr√§ch mit uns zu suchen. Es ist √§u√üerst schwer auf anonyme Kritik zu reagieren und es zeugt auch nicht von Fairness. Ich finde diesen Umstand mehr als schade und w√ľnsche mir f√ľr die Zukunft, dass Besucher_innen und Nutzer_innen auf uns zu kommen, uns ihr Anliegen oder Problem direkt schildern bzw. uns einfach fragen. Nur so k√∂nnen Missverst√§ndnisse k√ľnftig vermieden werden. „Also, traut Euch!“

WGT 2013: Women and the Horrors

Auch dieses Jahr ist MONAliesA wieder mit einem Vortrag auf dem WGT vertreten: In alter Tradition sollen Geschlechterstereotype in den verschiedenen Spektren der dunklen Pop- und Subkulturen aufgedeckt und hinterfragt werden.

Dieses Jahr geht es um die Repr√§sentation von Frauen in den popul√§ren US- und Asia-Horror-Movies. Gender und seine vielf√§ltigen Schrecken waren schon immer ein zentraler Aspekt des Horrorfilmgenres. Was jedoch in den USA und in Europa erst eine Randerscheinung war, sucht inzwischen auch dort in Scharen die Kinos heim: geisterhafte, zumeist weibliche Gestalten mit langem, ins Gesicht h√§ngendem Haar und finsteren Absichten. Remakes der modernen asiatischen Klassiker haben sich, seit 2002 die erfolgreiche Neuverfilmung von ‚ÄúRingu‚ÄĚ anlief, l√§ngst als fester Bestandteil des westlichen Horrorkanons etabliert.
Aber was genau macht Sadako, Kayako & Co. so besonders und was unterscheidet sie von den √ľblichen Verd√§chtigen, wie Michael Myers und Freddy Krueger? Wie behandelt die amerikanische und die asiatische Filmindustrie klassische Gender-Horrorthemen, wie den Slasher, die r√§chenden Untoten und Reproduktionsgrusel? Wie wird Geschlechtszugeh√∂rigkeit in den einzelnen Filmen verhandelt, wo setzt der (Body-)Horror an und welche Ver√§nderungen unterlaufen Frauen und M√§nner der Asian Classics in den amerikanischen Remakes? Wer stirbt, wer √ľberlebt und was bleibt von ihnen √ľbrig?

Referentin ist Britta Meyer, die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr.

Rookie Yearbook One

Endlich habe ich eine wunderbare Gelegenheit mich als ein Riesenfan von Tavi Gevinson und ihrem Blog rookiemag zu outen!

Vor etwa zwei Jahren hat mir eine Kollegin von rookiemag erz√§hlt und seitdem lese ich regelm√§√üig die vielen vielen wunderbaren Texte von M√§dchen und jungen Frauen √ľber Popkultur, Liebe, Sexualit√§t, Gewalt, Literatur oder Mode. Zwar bin ich aus dem Teenageralter l√§ngst raus, dennoch lohnt es sich die Artikel und Interviews zu lesen. Es ist gerade die subjektive Sichtweise der Schreiberinnen, welche die Texte so interessant machen und immer noch zum Nachdenken anregen.

Nun hat Tavi Gevinson Artikel und Interviews aus dem ersten Jahr von rookiemag in einem Buch zusammengefasst. Veredelt werden die Beiträge durch wunderbare Illustrationen, einer Pappkrone (cool!!!) und einer CD mit Songs von Supercute! und Dum Dum Girls!

Das Buch ist bereits auf dem Weg √ľber den gro√üen Teich zu unseren B√ľcherregalen. Also bitte etwas Geduld. Als Trost hier noch ein wunderbarer Clip mit Tavi Gevinson auf der TedxTeen:

Gedanken zum Männertag

Hats off – dresses on!

An diesem Donnerstag ist es mal wieder soweit: M√§nner jeglicher Altersgruppen werden sich auf ihre mit Flieder beschm√ľckten Fahrr√§der schwingen und gr√∂lend durch die Gegend torkeln. Ja, es ist mal wieder M√§nnertag und f√ľr einige bestimmt auch eine Himmelfahrt.

W√§hrend der Internationale Frauentag ein allj√§hrlicher Anlass daf√ľr ist auf zahlreichen Veranstaltungen √ľber Sexismus, Quote, Kita-Pl√§tze oder Gehaltsdiskriminierung bei Frauen zu sprechen, zeichnet sich der M√§nnertag durch kollektive Saufgelage, Bordellbesuche und andere fragw√ľrdige M√§nnlichkeitsrituale aus. Aber warum ist das so? W√§re es denn nicht w√ľnschenswert diesen Tag, der √ľbrigens auch Vatertag genannt wird, als Anlass zu nehmen, um √ľber M√§nnlichkeit, Machtstrukturen, neue V√§ter oder Emanzipation kritisch zu diskutieren? Angesichts einer wachsenden antifeministischen Bewegung w√§re das mehr als notwendig. Aber vielleicht liegt dieser bedauernswerte Umstand daran, dass es in Deutschland keine emanzipative, feministische M√§nnerbewegung gibt. Schade, dabei gibt es inner- und au√üerhalb Europas sehr gute Beispiel, wie diese aussehen k√∂nnte.

Da w√§ren zum Beispiel die men against prostitution oder z√©romacho, die sich gegen Prostitution und Frauenhandel aussprechen und dazu zahlreiche Kampagnen durchf√ľhren.

Oder eine Solidarit√§tsaktion kurdischer M√§nner (siehe Bild). In der facebook-Aktion „Kurd Men for Equality“ solidarisiseren sie sich mit einem kurdischen Mann, der von der iranischen Regierung dazu verurteilt wurde als Strafe traditionelle kurdische Frauenkleidung zu tragen. Gegen dieses sexistische und auch rassistische Urteil haben zahlreiche M√§nner weltweit reagiert und sich in Frauenkleidern fotografiert.

An Stelle einer Kiste Bier empfehlen wir die Lekt√ľre „Fritzi und ich“ von Jochen K√∂nig. Darin beschreibt der Autor √ľber sein Vater-Tochter-Verh√§ltnis und dar√ľber wie es sich anf√ľhlt, ein echter „neuer Vater“ sein.

Also Jungs und M√§nner, ihr k√∂nnt ja gerne mit euren Blumenfahrr√§dern durch die Gegend kurven. Aber anstatt die Bierplautze mit noch mehr Bier zu f√ľllen, wie w√§re es mit einer Antisexismus-Radeltour? Es w√§re h√∂chste Zeit!