Archiv fĂĽr den Monat: Februar 2013

Feministische Protestkultur heute

Seit Beginn der Frauenbewegungen bildete der öffentliche Protest bzw. die feministische Demonstration einen wichtigen Bestandteil, um für gesellschaftliche Tabus, feministische Forderungen und Themen zu sensbilisieren. Dabei bewiesen die Feminist_innen über die Jahrzehnte hinweg eine enorme Kreativität. Bereits die Akteurinnen der Ersten Frauenbewegung um 1900 und die Feministinnen der 1970er Jahre wussten sich und ihre Protestaktionen medienwirksam zu inszenieren. Angefangen von den Radikalen über die Dollen Minas aus den Niederlanden und den Guerrilla Girls bis hin zu den La-Barbe-Aktionen. Auffällig ist jedoch, dass der Protest freizügiger geworden ist. Bekanntestes Beispiel sind die Femen aus der Ukraine. Auch inhaltich scheint es neben konstanten Problemen auch Verschiebungen gegeben zu haben.

Die Diskussionsveranstaltung am Dienstag den 5.3. um 19 Uhr möchte den Blick auf die Gegenwart richten und die feministische Protestkultur der letzten 20 Jahre resümieren. Das Hauptaugenmerk richtet sich u.a. auf die Slutwalk-Bewegung, die Femen und auf Pussy Riot. Neben den Aktuer_innen und deren Netzwerke soll vor allem über die Themen und die visuellen Inszenierungen des gegenwärtigen feministischen Protests diskutiert werden. Die Rolle der Medien gilt es ebenso kritisch zu reflektieren wie auch die Ziele und Forderungen der feministischen Aktivist_innen.

Eingeladen sind Femen Germany, e*vibes und Dorothee Marth. Los geht es um 19 Uhr. der Eintritt beträgt 2 €.

Falls eine englische Übersetzung benötigt wird, bitte an monaliesa@leipzigerinnen.de Bescheid geben!

Achtung: Bei der Veranstaltung handelt es sich um eine reine Diskussionsveranstaltung! Protestkundgebungen oder -veranstaltungen jeglicher Art (an- oder ausgezogen) und das zeigen von Protestmedien (Plakate, Körper, usw.) sind untersagt. Auch das Nutzen oder Zeigen faschistischer und verfassungsfeindlicher Symbole ist nicht gestattet. Personen, die diesen Bestimmungen zuwiderhandeln, werden des Raumes verwiesen.

ShePop!

Dass die Leistungen von Frauen im Musikbusiness noch nicht die Anerkennung finden, die sie eigentlich verdienen, pfeifen leider immer noch die Spatzen vom Dach. Das rock´npopmuseum in Gronau möchte dies (endlich) ändern und hat zusammen mit der Universität Oldenburg und Paderborn eine Ausstellung erarbeitet, die sich sämtlichen Bereiche widmet, in denen Frauen eine entscheidende Rolle eingenommen haben – sei es vor oder hinter der BĂĽhne. Gezeigt werden berĂĽhmte BĂĽhnenoutfits und Instrumente, sowie das Wirken von Produzentinnen, Songwriterinnen und Frauenlabels.

MONAliesA hat ebenfalls aus ihren queer-feministischen Archiv Exponate für diese längst überfällige Ausstellung bereitgestellt.

 

Die Ausstellung eröffnet am 1. März und ist bis 8. September 2013 zu sehen.

Zur Ausstellung erscheint der gleichnamige Katalog, der von Thomas Mania, Sonja Eismann, Christoph Jacke, Monika Bloss und Susanne Binas-Preisendörfer herausgegeben und demnächst auch in unserem Bestand zu finden sein wird.

Doppelgeburtstag: Maxie Wander und MONAliesA

Am 26.02. um 19 Uhr lässt es die Frauen-/Genderbibliothek MONAliesA so richtig krachen! Es darf ausgelassen getanzt, geschmaust und gefeiert werden, ohne rücksicht auf Füße, Hüfte und den morgigen Arbeitstag!

MONAliesA wird in diesem Jahr 23 Jahre alt und das ist angesichts der weiterhin bestehenden unsicheren Fördersituation nicht nur ein Grund das Tanzbein zu schwingen, sondern auch immer wieder ein Wunder.

Die Feierlichkeiten stehen ganz im Zeichen der DDR-Autorin Maxie Wander. Als feierliches Abendprogramm gibt es eine musikalisch szenische Lesung, bei der aus dem Klassiker „Guten Morgen, Du Schöne“ gelesen wird.

„Ich halte jedes Leben fĂĽr hinreichend interessant, um anderen mitgeteilt zu werden“, sagte Maxie Wander ĂĽber „Guten Morgen, du Schöne“. Mit dieser Motivation entstanden Gespräche mit 19 ganz unterschiedlichen Frauen, welche die Schriftstellerin aufzeichnete und 1977 veröffentlichte. Alles kam in dem Buch zur Sprache. Die Frauen redeten ĂĽber GefĂĽhle, Familie, Arbeit, Männer, Sexualität und immer ging es um die Frage: Ist meine Art zu leben die „richtige“? Entstanden sind bewegende Gesprächsprotolkolle, die Imtraud Morgner einmal als ReichtĂĽmer bezeichnete. Dieses Buch verdient wiederentdeckt zu werden – dazu möchte die Veranstaltung einen Beitrag leisten.

Dieses Woche startet unsere Autorinnenreihe „Mein Antrieb wäre, Welt zu machen.“ Los geht es mit der wunderbaren Dokumentation „Winter adĂ©“ von Helke Misselwitz am 20.2. um 18 Uhr in der Kinobar Prager FrĂĽhling.

An dieser Steller möchten wir ein Grußwort von Prof. Dr. Ilse Nagelschmidt veröffentlichen. Sie ist Professorin für Germanistik an der Universität Leipzig und Direktorin des Zentrums für Frauen- und Geschlechterforschung, die unsere Reihe ebenfalls unterstützen.

Gedenktage bilden immer wieder einen geeigneten Anlass, um sich mit historischen Ereignissen, mit Kunstwerken oder dem Leben populärer Autor_innen zu befassen, sich ihre vielseitige Bedeutsamkeit zu vergegenwärtigen und postume Widmungen und Ehrungen vorzunehmen.

So bilden die 80. Geburtstage von drei Autorinnen, die unter den spezifischen Voraussetzungen der DDR gelebt und geschrieben haben, ein Motiv, um sowohl biografische Ausschnitte als auch literarische Eindrücke von Brigitte Reimann, Irmtraud Morgner und Maxie Wander multimedial in gegenwärtige Diskussionen und literarische Interessenlagen zu übermitteln.

Literaturanalytisch aufgearbeitet werden die genannten Schriftstellerinnen, indem ihre Werke als Pionierarbeiten gelesen werden sollen, worin erstmalig Individualkonzepte, z.B. als sogenannte Ankunftsliteratur, erarbeitet und patriarchale GefĂĽge unterlaufen werden.

Irmtraud Morgners Texte werden im sozialistischen Realismus verortet, der sich fantastisch ausweitet und dabei eine feministische Sichtweise einnimmt, während Maxie Wander für eine Protokoll-Literatur einst bekannt geworden ist, die sie aus belletristischen Anteilen und essayistischen Montagestücken zusammengesucht und weiterentwickelt hat.

Die geplante Veranstaltungsreihe soll nicht einer Erinnerungskultur zeitigen, die lediglich am jeweils aktuellen Jubiläumstag Texte einer Relektüre unterzieht und Biografien zum Vergessen rekonstruiert. Die Verwaltung literarischer DDR-Vergangenheit soll am Paradigma der drei Autorinnen nachhaltig wiederbelebt und einem Publikum (erneut) zugänglich gemacht werden, die im weiterhin männlich konnotierten Kanon des Schulunterrichts und der akademischen Lehre der Literaturwissenschaft vernachlässigt werden sowie auch im literarischen Gedächtnis ehemaliger Leser_innen vergraben zu liegen scheinen. Kaum auffindbar in den Lektürelisten und Bücherregalen ist Reimanns Erzählung Ankunft im Alltag (1961), Morgners umfangreicher Roman Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura (1974) und dessen Fortsetzung in Amanda. Ein Hexenroman (1983) oder Wanders Tonband-Protokolle Guten Morgen, du Schöne von 1977.

So gilt es, Erinnerungsfragmente und Leerstellen mit den Nachlässen der Autorinnen zu verfüllen, um sie über ihr Jubiläum hinaus dauerhaft erinnerungswürdig zu halten und generationenübergreifend lesbar zu machen.

One Billion Rising!

Kachelmann, DSK, Sexismus-Debatte, Indien, Quotendebatte, Frauenarmut, die Gewalt gegen Frauen in den nordafrikanischen Staaten und und und…

Allein diese Bespiele zeigen, wie weit die feministische Bewegung nicht gekommen ist! Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist weltweit immer noch ein massives Problem. Allein in Deutschland war jede vierte Frau schon einmal sexueller oder anderer Gewalt ausgesetzt. 90 Prozent aller Frauen sind von sexueller Belästigung in der Ă–ffentlichkeit betroffen. Und auch am Valentinstag – der Tag der Liebe – werden die Frauennotrufe nicht stillstehen.

Aus Anlass des Valentinstages 2013 wurde „One Billion Rising“ ins Leben gerufen: Weltweit sind eine Milliarde Frauen und Mädchen, Männer und Jungen aufgerufen, sich gemeinsam zu erheben, auf die StraĂźe zu gehen und zu tanzen, um ein klares Signal gegen Gewalt und Unrecht an Frauen und Mädchen zu setzen.

Auch wir rufen Euch dazu auf morgen, am 14.Februar, um 17 Uhr auf dem Markt vor dem Alten Rathaus in Leipzig ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen:

Come on up for the rising
Com on up, lay your hands in mine
Come on up for the rising
Come on up for the rising tonight (Bruce Springsteen, The Rising)

Miss Navajo

Filmplakat

Schönheitswettbewerbe sind schwer im Trend. Mittlerweile gibt es für alles und jeden eine Miss: Miss Universe, Miss World, Miss Internet, Miss Germany oder die nächsten Topmodels. Damit der Nachwuchs auch ja nie ausgeht, werden bereits kleine Mädchen auf Schönheit getrimmt und auf Kinderschönheitswettbewerbe geschickt. Vor allen in den USA sind diese Veranstaltungen ein Millionengeschäft. Was Mütter dazu antreibt ihre Töchter wie Puppen zu behandeln und wie es den Mädchen dabei geht, zeigte gestern ein aufschlussreicher Beitrag in der Sendung Kulturzeit.

Dass es auch anders gehen kann, zeigt die Dokumentatuion Miss Navajo von Billy Luther. Bereits der Untertitel spricht Bände: „May the best butcher win.“ Bei der Wahl zur Miss Navajo geht es nicht um Schönheit und Makellosigkeit. Hier stehen ganz andere Qualitäten im Vordergrund. Die Frauen mĂĽssen z. B. Fragen flieĂźend auf Navajo beantworten, umfangreiches Wissen ĂĽber ihre Geschichte und Kultur vorweisen und ĂĽber Fertigkeiten in der täglichen Arbeit verfĂĽgen, z. B. das richtige Schlachten eines Schafes. DarĂĽber hinaus mĂĽssen sie sich als wĂĽrdige Vertreterin ihrer Nation erweisen und als Role Model fĂĽr die junge Navajo-Generation fungieren. Wir versuchen die Dokuementation fĂĽr unseren Bestand zu erwerben. Solange mĂĽssen wir Euch mit dem Trailer vertrösten: