Archiv fĂŒr den Monat: November 2012

Filmtipp: Festung

http://bilder.filmstarts.de/r_160_240/b_1_d6d6d6/medias/nmedia/18/89/42/38/20325724.jpgLaut der Frauenrechtsorganisation Terre Des Femmes hat in Deutschland jede vierte Frau schon einmal Gewalt in der Partnerschaft erlebt. Alter, Bildung oder Religionszugehörigkeit spielen dabei keine Rolle. Trotz der alamierenden Befunde ist das Thema hĂ€usliche Gewalt in der Öffentlichkeit kaum prĂ€sent.

PĂŒnkltich zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen lief in Deutschland der Film „Festung“ an. Der Film wagt den Blick hinter der schönen Einfamilienhausfassade und zeigt aus der Persepktive der 13jĂ€hrigen Tochter Johanna die tagtĂ€gliche Gewalt in einer Familie. Die Regisseurin Kirsi Marie Liimatainen verzichtet auf dumpfe Gewaltszenen und schafft es dennoch berĂŒhrend, behutsam und Ă€ußerst sensibel die seelischen und physischen Auswirkungen hĂ€uslicher Gewalt darzustellen. Der Film wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Max OphĂŒls Preis der Jugendjury und auf der Berlinale mit dem Thomas Strittmatter Drehbuchpreis.

Der Film „Festung“ lĂ€uft in der Kinobar Prager FrĂŒhling vom 3.-5.12. um jeweils 17 Uhr.

http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=chPzqJWZgVk

Quellenworkshop am Beispiel Ladyfest

Es ist soweit! Am 03.12. von 10 bis ca. 14 Uhr findet in der MONAliesA der erste Quellenworkshop im Rahmen der feministischen ArchivpÀdagogik statt! Am Beispiel Ladyfest möchten wir nicht nur den Umgang mit den Quellen der feministischen Zeitgeschichte vermitteln, sondern auch wichtige Eigenschaften wie Recherche- und Informationskompetenzen sowie Methoden-, Lern- und Medienkompetenzen. Der Workshop interdisziplinÀr und multimedial angelegt, um der KomplexitÀt und VielfÀltigkeit der gegenwÀrtigen feministischen Bewegung Rechnung zu tragen.

Sowohl das Queer-feministische Archiv als auch die feministische ArchivpĂ€dagogik sollen zu einer Etablierung einer feministischen Erinnerungskultur beitragen, die das Leben und Wirken von Frauenrechtler_innen und Feminist_innen nicht nur wĂŒrdigen, sondern auch in der Öffentlichkeit prĂ€sent hĂ€lten.

Der Workshop ist auf max. 20 Personen begrenzt. Teilnahmevoraussetzungen gibt es nicht.

Open for all genders!

Vortrag: Ad fontes – Ladiez!

Morgen hĂ€lt  die GeschĂ€ftsleiterin der MONAliesA Jessica Bock im Rahmen des Moduls „Genderkompetenzen“ des Zentrums fĂŒr Frauen- und Geschlechterforschung der UniversitĂ€t Leipzig einen Vortrag. Titel: „Ad fontes – Ladiez! Geschichte und Gegenwart von feministischen Frauenarchiven und -bibliotheken“.

Nach einem historischen Überblick zur Entstehungsgeschichte von Frauenarchiven und -bibliotheken spricht sie ĂŒber das neue Queer-feministische Archiv der MONAliesA sowie ĂŒber die im Ganzen noch junge feministische ArchivpĂ€dagogik.

Beginn: 17.15 Uhr im Hörsaal 2.010 des GWZ in der Beethovenstraße 15.

EIGE und DAM

Heute prĂ€sentiert das Resource and Documentation Centre (RDC) des EuropĂ€ischen Instituts fĂŒr Gleichstellungsfragen (EIGE)  eine neue Datenbank mit internationalen Ressourcen zu Genderthemen. FĂŒr das Pilotprojekt wurde das Thema geschlechtsspezifische Gewalt ausgewĂ€hlt. Die Datenbank stellt ĂŒber 26.000 DatensĂ€tze zum Thema “geschlechtsspezifische Gewalt” in mehreren Sprachen bereit. Das Thema selbst wird inhaltlich sehr breit widergespiegelt – von physischer Gewalt gegenĂŒber Frauen und Kindern, ĂŒber sexuelle Gewalt, Zwangsheirat, Prostitution und Menschenhandel bis zu Stalking, Mobbing und sprachlicher Gewalt.

An diesem europaweit einmaligen Projekt waren sechs europĂ€ischen Dokumentationszentren und Bibliotheken beteiligt, die sich mit Genderfragen beschĂ€ftigen – und zwar aus den Niederlanden, aus Belgien, Luxemburg , Schweden und der BRD. Dazu zĂ€hlen unter anderem unsere Freundinnen von cid-femmes aus Luxemburg oder die die Genderbibliothek des ZtG an der HU Berlin.

Die Sensibilisierung und BekĂ€mpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt findet nicht nur auf der wissenschaftlichen Ebene statt, sondern auch im Bereich der Popkultur. Ein neues und positives Beispiel liefert die palĂ€stinensische Hip-Hop-Band DAM. Sie haben zusammen mit den Vereinten Nationen ein Musik-Video „If I Could Go Back In Time“ gegen sogenannte Ehrenmorde an jungen Frauen vorgestellt.

„Ich möchte eine Bitch sein.“

Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray ist zurĂŒck und zwar nicht nur mit einem Doktortitel in der Linguistik, sondern auch mit einem Buch: „Bitchsm. Emanzipation. Integration. Masturbation“.

„Das Bitchsm ist ein feministisches AufklĂ€rungsbuch und die Neudefinition der Bezeichnung Bitch. [
] Eine Art Lifestyleguide fĂŒr „Bitches“, der sich auf die heutige Ungleichbehandlung von Frauen bezieht.“ Denn: „Es ist jetzt meines Erachtens allerhöchste Zeit, diesen Emanzipationsbegriff um weitere Bedeutungsinhalte der heutigen Zeit zu erweitern.“  Damit stellt sich Dr. Lady Bitch Ray selbst und den Leser_innen hohe Erwartungen, die aber das Buch letztendlich nicht einlöst.

Es ist nicht so, dass Lady Bitch Ray in ihrem Buch nicht bestehende Probleme und Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern thematisiert. Das tut sie durchaus. Die selbstbestimmte weibliche SexualitĂ€t ist immer noch ein Tabuthema, Frauen erhalten immer noch weniger Lohn als MĂ€nner, Frauen werden immer noch sexualisiert und als Objekt reduziert und sind ebenso massiver sexualisierter Gewalt ausgesetzt mit wenig Chancen unter Justitia Gerechtigkeit zu erfahren und und und. Das alles ist nicht neu. Hier den Anspruch zu verfolgen, einen neuen Feminismus zu vertreten ist gelinde gesagt mehr als vermessen. Die oben genannten Problemfelder sind nicht nur Themen des „alten“ Feminismus der 1970er Jahre. Die Forderung nach einer selbstbewussten und sexuell selbstbestimmten Frau stand bereits auf der Agenda der Frauenbewegung Anfang des letzten Jahrhunderts! Siehe Minna Cauer, Hedwig Dohm oder Helene Stöcker. Eine intensivere Auseinandersetzung mit dem „Frauenrechtlertum“ wĂ€re an dieser Stelle wohl sinnvoll gewesen.

Anstatt die Frage zu stellen, was eigentlich in den letzten Jahrzehnten an Frauenpolitik und Feminismus NICHT passiert ist, um daraufhin eine intensive Fehleranalyse zu betreiben und daraufhin neue Lösungsstrategien zu entwickeln, soll das Rad wieder mal neu erfunden werden. Dazu gehört auch das mittlerweile ĂŒblich gewordene Bashing gegen Alice Schwarzer, das im Buch derart plump vorgenommen wird, dass hier nicht weiter darauf eingegangen werden soll. Anstelle eine tiefgrĂŒndigen und allumfassenden Analyse der Situation der Frauen durchzufĂŒhren, die Faktoren wir Politik, Gesellschaft, Geschlecht, Ökonomie und auch Ökologie mit einschließt, beschrĂ€nkt sich Lady Bitch Ray auf die Erstellung diverser Gebote mit konservativ-bĂŒrgerlicher EinfĂ€rbun(„Geh zur Schule!“) und praktischen Tipps fĂŒr Mösen-Meditation und Penis-Pilates.

Lady Bitch Ray ist promovierte Linguistin. Dies zeigt sich insbesondere im Kapitel „Cunnilinguistik“ und in ihren “kreativen” Wortneuschöpfungen wie “pussytief” (positiv) oder “Reflecktion” (Reflexion). Was hier als Provokation, neu oder lustig daher kommen soll, ist spĂ€testens ab der dritten Seite einfach nur noch nervend und lĂ€sst die LektĂŒre zu einer Tour de Force werden. Die redundanten Verwendungen von Begriffen wie „Bitch“, „Ficker“, „Votze“, „Schwanz“ oder „ficken“ tun ihr Übriges.

Nicht nur in ihrem Versuch das Wort „Bitch“ feministisch umzudeuten bzw. wieder zu erobern, sondern auch in ihrer visuellen Inszenierung orientiert sich Lady Bitch Ray an ihren großen Vorbildern wie Missy Elliot oder Lil Kim. Auf den zahlreichen und durchaus gephotoshoppten Hochglanzbildern ist sie mit ihren eigenen Kreationen samt PlĂŒschpenissen und Muschis sowie in ReizwĂ€sche oder gar ganz nackt zu sehen. Dabei stĂ¶ĂŸt eine bildliche Inszenierung besonders auf. Auf diesem Bild ist sie mit einer auffĂ€llig dunkleren bzw. brauneren Hautfarbe und mit einen Bikini in Safari-Muster breitbeinig auf einem Sessel sitzend zu sehen. Diese Inszenierung erinnert stark an die rassistische Praxis des black paint, wo Weiße sich „schwarz“ anmalen, um wie „Schwarze“ auszusehen. Bei einer Frau wie Lady Bitch Ray, die ĂŒber tĂŒrkische Wurzeln und Diskriminierungserfahrungen verfĂŒgt, wĂ€re mehr SensibilitĂ€t zu erwarten gewesen.

Fazit: Viel LĂ€rm um nichts! Das Buch „Bitchsm“ „glĂ€nzt“ mehr durch die Verpackung als mit Inhalten. Eine vertane Chance in Zeiten ökonomischer und ökologischer Krisen sowie einer dramatischen Zunahme von Frauenarmut  – gerade jetzt scheint  eine theoretische und praktische Weiterentwicklung des Feminismus dringender denn je.

Lady Bitch Ray: Bitchsm. Emanzipation. Integration.Masturbation. Ab sofort bei uns ausleihbar.

MIRIAM zu Gast in Leipzig

Yolanda Acuña Urbina tourt derzeit durch Deutschland. Sie ist GrĂŒnderin und Koordinatorin der Frauenrechtsorganisation MIRIAM, die sich seit mehr als 20 Jahren in Nicaragua fĂŒr Bildungsprojekte zur Frauenförderung, Geschlechtergerechtigkeit und Menschenrechte von Frauen, Jugendlichen und Kindern einsetzt.

Die Gewalt gegen Frauen und MĂ€dchen hat in Nicaragua mittlerweile epidemische Ausmaße angenommen. Laut einer statistischen Erhebung durch die nicaraguanische Regierung (ENDESA 2006/2007) erlebt jede dritte Frau in ihrer Beziehung physische oder sexuelle Gewalt. In ihrem Bericht „Listen to their Voice and Act: Stop the Rape and Sexual Abuse of Girls in Nicaragua“ (2010) zeigt Amnesty International das Ausmaß sexueller Gewalt im hĂ€uslichen Umfeld: Zwei Drittel der Opfer sind unter 17 Jahre alt, 90% der TĂ€ter sind Familienangehörige.

Heute Abend wird Yolanda Acuña Urbina um 19 Uhr im Tipi Westwerk die Organisation MIRIAM, deren Projekt vorstellen und einen Film zeigen. Anschließend wird sie mit den Zuschauer_innen diskutieren.

Zinefest Berlin

An diesem Wochenende (03.11-04.11.) startet in Berlin das zweite Zinefest. Zine – was? Das Festival widmet sich einer austerbenden Spezies: dem Fanzine. Es beschĂ€ftigt sich mit der subversiven Kultur selbst veröffentlichter Publikationen (zines) und bietet eine Plattform und einen Treffpunkt fĂŒr Zine-Liebhaber_innen und kleine unabhĂ€ngige Verlage aus aller Welt. Zines sind Teil der Subkultur des DIY (“do it yourself”), einem Konzept mit einem verĂ€nderten VerhĂ€ltnis von Produktion und Konsum. Zines sind individuelle autonome Medien, hĂ€ufig politische Stimmen. Das Zinefest möchte sie der Öffentlichkeit prĂ€sentieren und feiern wie besonders sie sind!

Es werden zahlreiche Workshops angeboten, die viele Aspekte der Zine-Produktion abdecken: Schreiben, Layout, Buchbinden oder unabhÀngigem Verlegen sowie VortrÀge und Diskussionen zur Geschichte und Kultur der Zines.

Die MONAliesA freut sich deswegen so sehr ĂŒber ein solches Fest, da u. a. zum Erhalt einer wichtigen Quellengattung beitrĂ€gt, nĂ€mlich dem feministischen Fanzine. Diese suchen wir dringend fĂŒr unser queer-feministisches Archiv und freuen uns ĂŒber Zusendungen oder NachlĂ€sse!