Archiv fĂĽr den Monat: Oktober 2012

Lesben aus der Mottenkiste

An dieser Stelle wollen wir uns einer Kritik an dem letzten Tatort anschließen, die daher hier in voller Länge wiedergegeben wird:

Kopfschuss fĂĽr den Tatort

Am Sonntagabend ferngesehen: Geldgeiles Lesbenpaar zockt Tierfreunde ab und kaserniert hochverschuldete Heteros in einer Drückerkolonne – der ARD-Tatort griff tief, ganz tief in die Mottenkiste und holte Vorurteile hoch, die wir längst schon ausgemustert hatten:

  1. Mädchen, die im Erziehungsheim waren, werden lesbisch
  2. Lesben mit schwieriger Jugend werden kriminell
  3. Kriminelle Lesben sind brutal, eiskalt, manipulativ und zu allem fähig
  4. Bei einem Lesbenpaar ist eine dominant, die andere labil und eigentlich hetero
  5. Hat eine Lesbe Sex mit einem Mann, bringt ihre Freundin den Liebhaber um
  6. Fazit: Die pathologische Killerlesbe verdient den Tod als Befreiungsschlag ihrer hörigen Geliebten

Das erinnert an die Serie „Die Verbrechen der lesbischen Frauen“. Die Bildzeitung hatte so Mitte der 70er Jahre die aufkommende Frauenbewegung denunziert und erstarkendes lesbisches Selbstbewusstsein in die Grenzen verwiesen.
Mit dem Tatort knĂĽpft die ARD nahtlos daran an und verbreitet am Sonntagabend verqueres Weltwissen ĂĽber lesbische Liebesbeziehungen. 8,73 Millionen Zuschauer wollten das sehen und verschafften der ARD einen Quotenhit von 23,7 Prozent. Katastrophal.

Ăśbrigens: Die – immer noch – verzerrte Darstellung von Lesben in der Presse hat JB-Frau Elke Amberg in ihrem Buch „Schön!Stark!Frei!“ aufgezeigt, erschienen im Ulrike Helmer Verlag.

Buchtipp: Wir sind die Macht!

Im vergangenen Jahr erhielt Leymah R. Gbowee zusammen mit Ellen Johnson Sirleaf und Tawakkul Karman den Friedensnobelpreis. Zu recht, wie ihre jĂĽngst erschienene Autobiographie „Wir sind die Macht“ beweist.

Darin beschreibt Leymah R. Gbowee mit schonungsloser Ehrlichkeit ihren Weg zu einer der prägendsten Gestalten der afrikanischen Frauen- und Friedensbewegung. Der Weg dorthin war mehr als steinig: Sie war 17 Jahre alt, als der liberianische Bürgerkrieg ausbricht. Sie galt als Hoffnung der Familie, wollte Kinderärztin werden. Stattdessen schlitterte sie in eine Beziehung, die geprägt war von sexualisierter und psychischer Gewalt. Am Ende besaß sie keine Ausbidung, hatte vier Kinder und keine Träume mehr. Erst als sie ein Praktikum als Streetworkerin mit ehemaligen Kindersoldaten absolvierte, erwachte sie aus ihrer Lethargie und nahm ihr Leben selbst in die Hand.

Ihr Weg hin zu einer international renommierten Frieden- und Frauenaktivistin liest sich nicht nur spannend, er ist auch lebensnah und selbstkritisch geschrieben. Besonders eindringlich sind ihre Schilderungen ĂĽber ihre Arbeit mit den traumatisierten liberianischen Frauen und wie sie ihnen wieder Hoffnung und neuen Lebensmut gab.

FĂĽr alle, die meinen, nichts ändern zu können oder die sich schön in ihrer vermeintlich emanzipierten westlichen Scheinwelt eingerichtet haben á la „Wir haben doch Gleichberechtigung!“, seien hier eines besseren belehrt:

“ Die Stimme der älteren liberianischen Frau klingt noch immer nach: Hör nicht auf. Hör niemals auf. Meine Antwort: Nein. Ich werde niemals aufhören.“

Leymah R. Gbowee: Wir sind die Macht.     Ab jetzt bei uns ausleihbar.

Fleischmarkt. Weibliche Körper im Kapitalismus

Mit »Fleischmarkt. Weibliche Körper im Kapitalismus« trifft Laurie Penny, Star der britischen Bloggerszene, den Nerv der Zeit. Sie seziert eine verrückte Welt voller Heidi Klums und feuchter Schoßgebete: Sie wehrt sich gegen eine Kultur, die besessen ist von der Kontrolle über den weiblichen Körper und von Darstellungen unwirklicher weiblicher Schönheit überquillt; sie wundert sich über die Schizophrenie einer Öffentlichkeit, die jungen Frauen in allen Lebenslagen größtmögliche Sexyness abverlangt und gleichzeitig magersüchtigen Starlets, schwangeren Teenagern und Mädchen/Frauen, die ihre Sexualität tatsächlich leben, mit Verachtung begegnet. All das betrachtet Laurie Penny mit Scharfsinn, Witz und Kampfgeist.

In der ZEIT schwärmte Marie Schmidt von dieser »starke(n) Ermutigung für einen jungen, lebendigen Feminismus«: »Es muss endlich ein Ende haben mit Heidi Klum und der Dressur des weiblichen Körpers. Es ist befreiend, Laurie Penny zu lesen (…) Ihr Buch ist eine starke Ermutigung für einen jungen, lebendigen Feminismus.«

Laurie Penny ist Journalistin, Autorin, Bloggerin, Feministin, Sozialistin, Utopistin, Querulantin und Unruhestifterin. Sie lebt in London und New York und versucht, die Welt in Ordnung zu bringen. Sie trinkt zu viel Tee und hat noch immer nicht das Rauchen aufgegeben. Schreibt regelmäßig für den New Statesman, den Guardian den Independent und für ihren Blog.

Vortrag und Diskussion mit Laurie Penny herself

Termin: Do, 18.10.2012 um 19 Uhr

Eintritt: 4,- bzw. 2,- €

Schön! Stark! Frei! …

… Wie Lesben in der Presse (nicht) dargestellt werden

Mit diesem interessanten Vortrag melden wir uns nun auch offiziell aus der Sommerpause zurĂĽck:

Frauen, die lesbisch leben, sind im Alltag sehr präsent. Doch während sich ganze TV-Serien um sie drehen, kommen sie in der Presse noch kaum vor. Die Journalistin und Kommunikationswissenschaftlerin Elke Amberg hat nun Tageszeitungen unter die Lupe genommen. Sie analysierte die Berichterstattung zur lesbisch-schwulen Gleichstellungspolitik sowie rund um das alljährliche Szene-Event Christopher-Street-Day. Ergebnis: Schwule Männer dominieren die Berichterstattung. Ambergs Studie liefert jetzt erstmals Zahlen und Fakten zur bisher nur gefühlten “Leerstelle Lesben”, analysiert die wenigen, oftmals verzerrenden Darstellungen lesbischer Frauen und erhellt die Gründe, warum Lesben im öffentlichen Diskurs nach wie vor unsichtbar sind.

Vortrag und Diskussion im Rahmen des Leipziger Lesbentreffen 2012
Mit Elke Amberg

Mittwoch 17.10.2012, 19:00 Uhr

Eintritt: 4,-/2,- €
ACHTUNG: Am 18.10. kommt Laurie Penny in die MONAliesA!!!

Oktoberprogramm der Mädchenarbeit

Die Kolleginnen von der Mädchenarbeit halten für Euch im Oktober folgende Angebote bereit:

10. Oktober: offener Treff 14-18 Uhr

Liebes Tagebuch, Teil 1

Den Kopf voller Schmetterlinge bunter Ideen oder fantasievoller Gedanken und ein leeres Blatt Papier? Wir basteln mit Euch Euer ganz persönliches Tagebuch und unterstützen Euch dabei, Euren allerersten Text zu schreiben.

 

17. Oktober: offener Treff 14-18 Uhr

Liebes Tagebuch, Teil 2

gemeinsam begeben wir uns auf die Spuren von „Freedom Writers“ und Anne Frank, die sich mit ihren Tagebüchern in die Herzen der Menschen geschrieben haben.

 

Ess O Ess – Mädchenübernachtung

23.10. 16 Uhr – 24.10. 13 Uhr

Bin ich zu dick? Bin ich zu dĂĽnn? Wieviel Zucker ist in Bubbletea? Ist McDonalds gesund? Kann Sport SpaĂź machen? … Falls Ihr Euch diese Fragen auch schon mal gestellt habt, seid Ihr hier genau richtig! Bei dieser MädchenĂĽbernachtung klären wir Euch auf ĂĽber gesunde Ernährung und ĂĽber (falsche) Wahrheiten rund ums Thema Essen, Gesundheit, Schönheit und Sport. Wir kochen gemeinsam etwas leckeres und gesundes, entspannen und werden gemeinsam aktiv.

Anmeldung erforderlich! Es können auch Mädchen teilnehmen, die nicht übernachten möchten.

 

PaperFashion// Medienprojekt für Mädchen zwischen 10 und 15 Jahren

31.10.-03.11.2012, je 9-17 Uhr

Mädels aufgepasst! Dreht mit MONAliesA und dem SAEK Leipzig euren eigenen Modewerbespot. Eine Designerin zeigt Euch, wie man aus Papier stylische Kleidungsstücke designen kann, bevor es mit Kamera und Mikro an die Videoarbeit geht.

Kosten: 20€ pro Teilnehmerin

Anmeldung bis 17.10.2012 unter 0341/5194363

Ort: SAEK Leipzig, Rosa-Luxemburg-Str. 29, 04103 Leipzig

Neues vom Märchenerzähler Kachelmann

Vor etwa zwei Jahren begann der Kachelmann-Prozess. Die medialen Wogen schlugen hoch. Von Bild bis Spiegel mischten alle mit, mal mit fundierter Sach- und Faktenkenntnis, mal mit weniger journalistischer Professionalität und mit merkwĂĽrdiger Parteiergreifung.Nach acht Monaten erfolgte der Freispruch, aber nicht wegen erwiesener Unschuld, sondern wegen des Grundsatzes „im Zweifel fĂĽr den Angeklagten“. In ihrer UrteilsbegrĂĽndung betonten die RichterInnen explizit, dass der Verdacht der Vergewaltigung sich nicht „verflĂĽchtigt habe“.

Nun holt Kachelmann und seine Ehefrau zum Gegenschlag aus. In ihrem gemeinsam geschriebenen Buch „Recht und Gerechtigkeit. Ein Märchen aus der Provinz“ beklagen sie die „schlecht ausgebildete“ Polizei, Staatsanwaltschaft, GutachterInnen und RichterInnen. Sie alle wären Teil einer „gewohnheitsmäßig männerverurteilenden Justiz“. Dies zeige sich, laut Frau Kachelmann, auch in der „Opferindustrie, die in dieser kranken Form endlich weg muss.“ Laut Ehepaar Kachelmann sei „die Falschbeschuldigung mittlerweile ein Massenphänomen geworden“, um sich an „frĂĽher Chefs oder Ehepartner zu rächen.“ Aha.

Und ĂĽberhaupt, die doofe Alice Schwarzer! Die bekommt natĂĽrlich auch ihr Fett weg und das nicht zu knapp. Zitat: „Frau Schwarzer und ihre Vasallinnen stehen meiner Ansicht nach schon lange nicht mehr auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Einfach weil sie nicht mehr fĂĽr die – notwendige – Gleichstellung der Geschlechter kämpfen, sondern fĂĽr die Privilegierung eines Geschlechts und die Kriminalisierung des anderen.“

Bei soviel Antifeminismus, Falschinformationen und Polemik verweisen wir mal auf ein paar Fakten:

– Von den geschätzten 90.000 Vergewaltigungen Jahr fĂĽr Jahr allein in Deutschland sind laut internationaler Statistik maximal 3% (!) Falschanschuldigungen. Und gerade mal 1% (!!) endet mit einem richterlichen Urteil.

– Literaturhinweis: Streitsache Sexualdelikte (PDF)

– Alice Schwarzer: Kachelmann. Propaganda und Recht

– Frauen gegen Gewalt