Archiv für den Monat: September 2012

Alternativer Nobelpreis an Simar Samar

Den diesjährigen Right Livelihood Award (Alternativer Nobelpreis) wurde heute an die afghanische Ärztin und Frauenrechtlerin Simar Samar verliehen.

Simar Samar studierte Medizin an der Universität Kabul. Während der russischen Okkupation floh sie nach Pakistan und arbeitete dort in einem Flüchtlingslager als Ärztin. In der Grenzstadt Quette gründete sie ein Hospital für Mädchen und Frauen, wo sie auch unter der Herrschaft der Taliban weiterarbeitete. 2001 wurde sie zur Ministerin für Frauenangelegenheiten ernannt, trat aber nach nur einem Jahr von diesem Amt wieder zurück. Heute ist sie Chefin der unabhängigen afghanischen Menschenrechtskommission.

Wer sich weiter mit starken Frauen aus Afghanistan beschäftigen möchte, sei aus unserem Bestand folgendes Buch empfohlen:

Kathrine Kiviat: Women of courage. Intimate stories from Afghanistan.

 

Prinzessin, Partygirl oder Diva

Man kann gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte: Die Rosafizierung von Mädchen hat einen neuen traurigen und beängstigenden Höhepunkt erreicht: In München hat ein Beauty-Salon für Mädchen ab 5 Jahren eröffnet! „Für Mädchen, junge Prinzessinnen und solche, die es werden wollen“, wie es in der Werbebroschüre heißt.

Dort ist natürlich alles schön rosa. Klar, und nach Erdbeeren riechts dort auch. Ziel des Mädchen-Spas ist laut Betreiberin Frau Kobus eine „fachgerechte Heranführung an das Thema Frau-sein“. Dafür hat die Dame verschiedene Angebote bzw. Event-Pakete entwickelt. Da wären z. B. „Prinzessin sein für einen Tag“ oder „Party Girl. Bei „Little Diva“ gibts ne rosa Limousine, Laufsteg-Training und Luxusklamotten.

Und für die Jungens hat Frau Kobus auch schon eine Idee: Ein Salon für „kleine Superhelden“.

Würg!!

A tsunami of life

Jeanne Córdova ist eine Pionierin der lesbisch-feministischen Bewegung in den USA. In den1970er Jahren gehörte sie zu den ersten, die in vorderster Reihe für Frauen und soziale Gerechtigkeit kämpften.

Bereits 1971 veröffentliche sie The Lesbian Tide, das erste nationale Magazin, welches sich ausschließlich mit lesbischen Themen befasste: As the first of my many political children, The Lesbian Tide exceeded our hopes that we wanted to build a national lesbian publication that would reflect the fact that we were a national community. Not just a small group in L.A., or NYC cells of activists.

Neben ihren journalistischen Arbeiten veröffentlichte Jeanne Córdova zahlreiche Bücher w.z.B. „Kicking the Habit: An Autobiographical Novel. A Lesbian Nun Story“ oder „Sexism. It’s a Nasty Affair“.

Nun hat Jeanne Córdova ihr bewegtes Leben in einer Autobiographie niedergeschrieben: „When we where outlaws“. Kaum erschienen wurde es auch gleich mit drei Preisen ausgezeichent: dem LAMBDA LITERARY AWARD (Lesbian Memoir/Biography), der PUBLISHING TRIANGLE (Judy Grahn lesbian non-fiction award) sowie dem GOLDEN CROWN LITERARY AWARD

Na wenn das mal keine Einladung ist, dieses Buch zu lesen! (Dieses Buch wird demnächst auch in unserem Bestand zu finden sein – Bitte noch etwas Geduld!)

20 Jahre Little Earthquakes

Vor 20 Jahren veröffentliche Tori Amos einer ihrer wichtigsten und großartigsten Platten: Little Earthquakes.

Nach ihrem ersten und doch recht unglücklichen Start als Musikerin mit dem Projekt Y Kant Tori Read, kehrte sie zu ihrem Klavier zurück und schrieb Musikgeschichte.
1992, als die Welt komplett dem Grunge-Fieber verfallen war, tauchte sie mit ihrem Bösendorfer auf und legte eine bis dato nicht dagewesene Karriere als Musikerin und Komponistin hin. Songs wie „Crucify“, „Winter“, „Silent all these years“ oder der Jahrtausendsong „Me and a Gun“ gehören heute zu ihren Klassikern und werden regelmäßig auf ihren inzwischen legendären Konzerten gespielt.

Doch nicht nur auf musikalischer Ebene betrat Tori Amos Neuland. Auch mit ihren Texten setzte sie neue Maßstäbe: Feminismus, Christentum, Patriarchat und weibliche Sexualität bilden bis heute ständige Themen auf ihren Alben. Unvergessen sind Textzeilen wie „Boy you best pray that I bleed real soon…“, „Look I´m standing naked before you, don´t you want more than my sex“ oder „give me life, give me pain, give me myself again“.

Zugegeben, hier schreibt ein glühender Tori-Amos-Fan und diese Platte sei allen empfohlen, die sich mit dem umfangreichen und komplexen Werk der rothaarigen Ausnahmekünstlerin beschäftigen wollen. Ein kleiner Einstieg sei hier gegeben, ansonsten kann man bei uns vorbeischauen und CDs sowie Bücher von Tori Amos ausleihen.

 

Native American Feminism

Wir richten gerne unseren Blick über den eurozentristischen Tellerrand hinaus und empfehlen unseren Leser_innen sich auch mal mit anderen Feminismen zu beschäftigen. An dieser Stelle möchten wir Literatur empfehlen, die den Native American Feminism bzw. den indigenen Feminismus zum Thema haben.

The sacred hoop. Recovering the Feminine in American Indian traditions

Paula Gunn Allen zählt zu den Pionierinnen des Native American Feminism und hat dazu eines der wichtigsten Bücher geschrieben: The sacred hoop. Darin zeigt sie die anhaltende Lebendigkeit der amerikanisch-indianischer Traditionen auf und betont dabei die elementare Rolle der Frau. Paula Gunn Allen war mit diesem Buch nicht nur eine der ersten Aktivistinnen, die lesbische Indianerinnen eine Stimme gab, sondern auch die „roten“ Wurzeln des weißen amerikanischen Feminismus hervorhob.

 

I am woman

Lee Maracle ist eine der profiliertesten Stimmen der First Nations in Kanada. Sie ist eine mit Preisen ausgezeichnete Autorin, Perfomerin, Schauspielerin und Mythenbewahrerin der Staulo. Ihr Buch I am woman bezeichnet sie selbst als eine persönliche Auseinandersetzung mit Frausein, Kultur, traditionellen spirituellen Glauben und politische Unabhängigkeit: „My original intention was to empower Native women to take heart their own personal struggle for Native feminist being.“

 

 

 

Weg der Tränen

Wilma Mankiller hat Geschichte geschrieben. Zwar war sie nicht, wie oft behauptet, der erste weibliche Chief der Cherokee Nation. Dennoch hatte sie in dieser Position von 1985 bis 1995 die Geschicke dieser Nation geleitet und ihren Fortlauf maßgeblich geprägt. In ihrem Buch Weg der Tränen erzählt sie nicht nur ihre eigene Lebensgeschichte, sondern auch die ihrer Nation. Ein bewegendes Buch einer starken Frau, die vom (Über)leben und Kraft der Cherokee im 20. Jahrhundert erzählt und Mut macht.

Zum Ausklang und für eine weitere Inspiration: Buffy Sainte Marie mit „No no Keshagesh“


Wie immer alles bei uns auszuleihen! 🙂

Freund_innentag in der MONAliesA

Der Kölner Frauengeschichtsverein hat vor zwei Jahren den Freundinnentag ins Leben gerufen, da es noch keinen Tag gab, der guten Freundinnen gewidmet ist. Dieser Tag kann Anlass sein, einer Freundin eine Freude zu machen, ihr eine Karte zu schreiben oder etwas gemeinsam zu unternehmen.

Gute Idee finden wir und laden ein zum

Freund_innenbrunch am 9. September von 11 bis 16 Uhr!

ab 11 Uhr lecker  Brunch*

ca. 13 Uhr Bibliotheksführung für alte und neue Freund_innen

ca. 14 Uhr die Mädchenarbeit stellt sich vor

ca. 15 Uhr Mediation. Konflikte umwandeln – Ulrike Schauer-Wystrik stellt sich vor

Herzlich willkommen sind all unsere Freund_innen und alle diejenigen, die es werden wollen.

* Wer will, kann gerne etwas mitbringen!

Der Gelbe Schein

Das Centrum Judaicum in Berlin zeigt  zusammen mit dem Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven bis zum 28. Februar 2013 die Doppelausstellung „Der Gelbe Schein. Mädchenhandel 1860 bis 1930“.

Die Ausstellung widmet sich einem Thema, das sowohl von der historischen Forschung als auch von der jüdischen Sozialforschung bislang kaum beachtet wurde. Der internationale Mädchen- und Frauenhandel ist kein Phänomen unserer heutigen Zeit, sondern florierte bereits vor 1900. Die damaligen gesellschaftlichen und industriellen Veränderungen zwangen viele Menschen in die Emigration, vor allem in die USA. Besonders betroffen waren junge Frauen und Mädchen aus den ärmeren Bevölkerungsschichten und aus dem so genannten „Stedl“. Eine Auswanderung in die Neue Welt wurde für sie fast immer zur riskanten Gratwanderung: Sie suchten Arbeit in Privathaushalten, Gaststätten oder Tanzpalästen und landeten im Bordell. Mit Gewalt verschleppt, mit märchenhaften Versprechen verführt oder aus freien Stücken? Die Diskussion darüber wurde schon damals vehement geführt.

Das Thema Frauenhandel wurde auch in der damaligen Frauenbewegung stark diskutiert. Insebsondere die jüdische Frauenbewegung setzte sich mit dieser Problematik kritisch auseinander. Deren Vertreterin Bertha Pappenheim kämpfte vehement gegen den Handel von Frauen und Mädchen und setzte sich auch für eine Stärkung der Frauen in den jüdischen Gemeinden ein.

Die Ausstellung „Der Gelbe Schein. Mädchenhandel 1860 bis 1930“ ist im Centrum Judaicum Berlin noch bis 30.12.2012, im Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven noch bis 28.02.2013 zu sehen.