Archiv für den Monat: August 2012

Stadt der verschwundenen Frauen

Heute ist der internationale Tag der Verschwundenen. Für uns ein Anlass auf die Stadt der verschwundenen Frauen zu schauen: Ciudad Juárez.

Die mexikanische Ciudad Juárez liegt an der Grenze zu den USA und erlangte durch den seit Jahren tobenden und brutalen Drogenkrieg internationale traurige Berühmtheit. Doch nicht nur der blutige Bandenkrieg sucht diese Stadt heim. In den letzten zehn bis 15 Jahren sind mehr als 400 Frauen verschwunden, etwa 370 Frauen wurden vergewaltigt und ermordet. Frauen- und Menschenrechtsorganisationen sprechen mitterlerweile von Femicides,die massenhafte und gezielte Tötung von Frauen aufgrund des Geschlechts.

Die mexikanische Regierung hat bislang kaum Maßnahmen ergriffen, um die zahlreichen Morde aufzuklären und die Täter zu verurteilen. Im Gegenteil: Lokalpolitiker, Ermittlungsbehörden und ein Teil der Medien geben den Opfern immer selbst Schuld an ihrem Schicksal, beschreiben sie als Prostituierte oder als Drogenkuriere.

Die Mütter, Familien und Freunde der Opfer haben sich in der NHRC (Nuestras Hijas de Regreso a Casa – Unsere Töchter sollen nach Hause zurückkehren) organisiert. Das Ziel der Organisation ist, die Öffentlichkeit auf die Situation in Juárez aufmerksam zu machen, Druck auf die Regierung auszuüben und das öffentliche Schweigen zu brechen, das die Straflosigkeit der Täter erst ermöglicht.

Die US-Musikerin Tori Amos hat die Frauenmorde in ihrem Song Juárez verarbeitet:

http://www.youtube.com/watch?v=ophEEOSTzEU

 

Akin, Assange und Co

In dieser Woche sorgten die Äußerungen des US-Republikaners Akin über „richtige Vergewaltigungen“ für einen Sturm der Entrüstung. Todd Akin hatte in einem Interview gesagt, dass Schwangerschaften nach Vergewaltigungen „eher selten“ seien, weil sich der Körper einer Frau nach einer „wirklichen Vergewaltigung“ gegen eine Schwangerschaft wehre.

Dies ist nur ein (!) Beispiel für Vergewaltigungsmythen, die in unserer Gesellschaft noch immer weit verbreitet sind. MONAliesA hat diesem Thema im April eine ganze Veranstaltungsreihe gewidmet mit dem provokanten, aber doch vielsagendem Titel: „Für die Frau war es eine Vergewaltigung, für mich nicht.“ Es ist weitherin unser Anliegen das Thema sexualisierte Gewalt in der Öffentlichkeit präsent zu halten und unter einer feministisch-kritischen Perspektive zu diskutieren.

Aus diesem Grund möchten wir an dieser Stelle auf den aktuellen Blogeintrag der britischen Feministin Laurie Penny (→ Fleischmarkt) verweisen. Darin schreibt sie sehr eindrücklich über ihre eigene Vergewaltigung und kritisiert die Assange-AnhängerInnen, die Meinungsfreiheit gegen Frauenrechte aufwiegen wollen. Pennys Fazit: „Es ist nicht nur möglich, beides zu verteidigen: Frauenrechte und Meinungsfreiheit. Es ist moralisch unvertretbar, das eine ohne das andere zu tun.“

Wikipedias Gender Gap

Der Sozialwissenschaftler Andreas Kemper, der im vergangen Mai auch an einer Podiumsdiskussion im Rahmen unserer „Antifeminismus“-Reihe teilnahm, übt in einem aktuellen Blogbeitrag scharfe Kritik an der deutschen Wikipedia:

Ich gehe davon aus, dass de.Wikipedia von institutionalisiertem Sexismus geprägt ist.

Konkreter Anlass ist der Fall einer systematischen Mobbing- und Verleumdungsaktion gegen die kritische wikipedia-Autorin Fiona Baine, die am vergangenen Dienstag die Reißleine zog und ihren Account endgültig löschen ließ. Baine ist, nachdem sie zuletzt den wiki-Artikel „Patriarchat“ zu überarbeiten versuchte, von diversen Sexisten und Maskulisten über Monate hinweg in einschlägigen Internetforen attackiert, beleidigt und bedroht worden. Von „institutionalisiertem Sexismus“ spricht Kemper aufgrund der Tatsache, dass die verantwortlichen Administratoren und Mitarbeiter, wie schon zuvor in ähnlichen Fällen, so auch in diesem Fall nicht eingeschritten seien. Das ist, wenn man der deutschen Wikipedia-Community in Gänze hier nicht ein absichtsvolles Handeln unterstellen will, zumindest grob fahrlässig:

Es ist nicht das erstemal, dass Frauen sich aufgrund sexistischen Mobbings und fehlender Unterstützung von Admins aus Wikipedia verabschieden. Die Wikipedia-Community und der Verein Wikimedia.de zeigten sich bislang immer ratlos und unschuldig, Sexismus gäbe es in Wikipedia nicht, jedenfalls nicht mehr als in anderen Institutionen auch. Tatsächlich verabschieden sich aber wiederholt Frauen, die in den Bereichen zu Antifeminismus schreiben, nicht, weil sie angegriffen werden, sondern weil Admins nicht konsequent gegen diese Angriffe vorgehen.

Dass Wikipedia, insbesondere die deutsche Sektion, hier an einem strukturellen Problem leidet, verdeutlichen schon die Zahlen: Frauen stellen nur rund 8 Prozent aller AutorInnen. Nur etwa jede/r zehnte AdministratorIn ist weiblich (auch in internationaler Perspektive sieht es nicht besser aus). In der Vergangenheit fiel die Community von de.wikipedia.org zudem durch eine Reihe weiterer antifemistischer, diskriminierender oder schlicht bescheuerter Aktionen auf: Mit Verweis auf eine angebliche Postgender- und Neutralitäts-Policy wurde (und wird zum Teil nach wie vor) etwa eine geschlechtersensible Sprache konsequent abgelehnt, wird die Artikel-Kategorie „Sexismus“ vom Vorsitzenden des deutschen Wikimedia-Vereins mal eben gelöscht, werden antifeministische Artikel ohne Quellenbelege über Monate hinweg geduldet oder werden, wie im Fall Fiona Baine, queer-/feministische/-… oder sonstwie kritische AutorInnen (auch auf den internen Wiki-Diskussionsseiten) systematisch gemobbt.

Im deutschsprachigen Raum wird die Online-Enzyklopädie, die mittlerweile zu den populärsten Informationsquellen gezählt werden kann, auch scheinbar systematisch von der Männerrechtler-Szene beobachtet und gegebenenfalls zu konzertierten Aktionen, wie jener gegen Fiona Baine, aufgerufen.

Mehr dazu im Blog von Andreas Kemper unter dem tag „wikipedia“ sowie in seiner Dokumentation „Nimms´s wie ein Mann! Gender-Gehampel in Wikipedia“ (pdf).

Free Pussy Riot!

Aus aktuellem Anlass veröffentlichen wir das Pressecommuniqué des Zürcher Frauenbündnisses 8. März:

FREE PUSSY RIOT – FREE OUR SISTERS – FREE OURSELVES

Das Urteil gegen drei feministische Aktivistinnen von Pussy Riot wird
am Freitag 17. August 2012 erwartet. Solidaritätsbekundungen finden
überall auf der Welt statt, so auch in Zürich, wo ein Transparent
aufgehängt wurde. Frauen kämpfen nicht nur im „fernen Osten“ gegen
rechts-konservative und religiöse Bemühungen, die Rechte der Frauen zu
beschneiden.

Am Freitag 17. August 2012 wird das Urteil gegen die feministischen
Aktivistinnen der Frauenpunkband Pussy Riot in Moskau erwartet.
Verhaftet wurden die drei Aktivistinnen nach ihrem Punk-Gebet in der
Christi-Erlöser-Kathedrale. Mit ihrer bewusst provokativen Aktion
brachen sie gleich mehrere Tabus und stellten den patriarchalen
russischen Machtapparat der politischen und religiösen Elite
öffentlich in Frage.
Ihre feministische Kritik wird kriminalisiert und mit der geballten
Repression des politisch-religiösen Machtsystems Putins konfrontiert:
Ihnen wird mit bis zu sieben Jahren Gefängnis gedroht. Auch bei einem
Freispruch bleiben die 5 Monate Untersuchungshaft. Denn seit März
dieses Jahres sitzen die drei Frauen unter übelsten Bedingungen in
Untersuchungshaft: Schlaf- und Essensentzug, bloss eine halbe Stunde
Pause während der täglichen 10-12stündigen Verhören und
Gerichtsverfahren, so sieht der momentane Alltag der drei Gefangenen
aus. Ausserdem werden gegen sie und ihre Angehörigen Drohungen
ausgesprochen (z. B. Entzug des Sorgerechts für die Kinder).
Im Rahmen internationaler Aktionstage zeigten verschiedene
Solidaritätsbekundungen in Russland und anderswo – auch aus
kirchlichen Kreisen –, dass längst nicht alle mit der konservativen
Politik des Kremls und der orthodoxen Kirche einverstanden sind. So
wurde auch in Zürich unter anderem ein Transparent an prominenter
Stelle aufgehängt.
Doch nicht nur im „fernen Osten“ müssen patriarchale Strukturen und
die daraus resultierende Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen und
Mädchen bekämpft werden: Der Angriff auf feministische
Institutionen/Errungenschaften schlägt sich unter anderem in
politischen Vorstössen der Rechtsparteien nieder: Rechts-konservative
Kräfte stellen die Existenz und die Finanzierung durch die öffentliche
Hand von Frauenhäusern seit deren Bestehen stetig in Frage. Die
Frauenhäuser sind darum gezwungen, immer wieder um Ihre Akzeptanz und
die Finanzierung zu kämpfen. Dies obwohl gemäss einer Studie des
Europarats häusliche Gewalt die Hauptursache für Tod oder
Gesundheitsschädigung bei Frauen zwischen 16 und 44 Jahren ist.
Deshalb setzen sich feministische und migrantische Organisationen seit
Jahren für das Recht auf einen vom (schweizer) Ehemann unabhängigen
Aufenthaltsstatus für Frauen ein.
Ein weiterer Angriff auf lang erkämpfte Errungenschaften findet im
Bereich des Schwangerschaftsabbruchs statt. So verbünden sich auch in
der Schweiz politisch konservative Kräfte mit religiösen
Fundamentalisten und fordern mittels Initiative, dass die die Kosten
einer Abtreibung auf die anscheinend allein „verursachenden“ Frauen
abgewälzt werden. Noch weiter gehen radikale Christen in ganz Europa,
die regelmässig gegen einen straffreien Schwangerschaftsabbruch und
gegen sexuelle Aufklärung in der Schule predigen. Auch wenn diese
Fundamentalisten in der Schweiz (noch) keine breite Unterstützung
finden, so treffen sie sich dieses Jahr am 15. September doch schon
zum dritten Mal in Zürich.
Es ist wichtig ein Zeichen zu setzen und sich entschieden gegen rechte
und konservative Angriffe zu stellen, hier, in Russland und überall!

Für ein selbstbestimmtes Leben, kein Gott, kein Staat, kein Vaterland!

Free Pussy Riot!

Frauenbündnis für den 8. März, Zürich

LaD.I.Y.fest Berlin

Heute startet das 4. LaD.I.Y.fest Berlin!

Vom 16.8. bis zum 19.8. finden wieder zahlreiche Workshops, Vorträge und Konzerte statt.

LaD.I.Y.fest Berlin ist ein unkommerzielles, ‘Do it yourself’ (D.I.Y.)-Festival. Es wird von feministischen Frauen/Lesben/Trans*/Genderqueer (flt*gq) Aktivist_innen, Künstler_innen und Musiker_innen auf freiwilliger Basis organisiert. Es bietet diversen Feminist_innen, die sich künstlerisch und politisch engagieren, einen Raum im Rahmen von Konzerten, Kunstausstellungen, Filmvorführungen, Diskussionen und Workshops ihre Fähigkeiten und Talente zu zeigen. Es ist ein Mitmach- und ein Gemeinschaftsfestival!

In Berlin greifen wir die Idee der ersten Ladyfeste, ‘die Präsenz von Frauen in der Kunst zu verstärken’, auf und versuchen sie außerhalb eines binären Geschlechtersystems weiterzuführen.

Feminism now!

Praktikant_innen gesucht!

Die Frauen- und Genderbibliothek MONAliesA hat von September bis Ende Dezember 2012 maximal 2 Praktikant_innenplätze zu vergeben!

Aufgabenbereiche wären u. a.: Veranstaltungsmanagement, Öffentlichkeitsarbeit, Betreuung der Ausleihe und Mitarbeit in der Projektplanung. Darüber hinaus könnt Ihr sehr gerne eigene Wünsche und Ideen miteinbringen!

Auf Grund der aktuellen Fördersituation ist das Praktikum leider unentgeltlich.

Interessent_innen melden sich bitte per Mail an monaliesa(at)leipzigerinnen.de

Wir freuen uns auf Euch! 🙂

Elsa Morante (1912-1985)

Am 18. August jährt sich der Geburtstag von Elsa Morante zum hundersten Mal. Die aus einfachen Verhältnissenen stammende Römerin zählt zu den bedeutendsten Protagonistinnen der italienischen wie europäischen Nachkriegsliteratur. In einem Nachruf schrieb der SPIEGEL 1985 über Morante: „In ihrer großen Zeit war Elsa Morante eine wirkungsvoll schillernde Erscheinung in der römischen Literaturszene, großzügig und exaltiert hofhaltend, von zahlreichen Katzen umgeben, eine Mutter-Göttin der homosexuellen Boheme, eine Hohepriesterin der eigenen Kunst, die von den Freunden bedingungslose Anbetung forderte. Doch sie war auch eine besessene Kunst-Arbeiterin, die jeweils viele Jahre lang an ihren eigensinnig phantasiereichen Romanen schrieb, die ihren Ruhm ausmachen. Zu der realistisch-sozialkritischen Hauptströmung der italienischen Nachkriegsliteratur hielt Elsa Morante stets einen Abstand, der ihre Besonderheit betonte: Ihr Element war das Weiblich-Kreatürliche, auf ihrer poetischen Welt lag der Schimmer des Märchenhaften.“ Ihr berühmtestes Buch „La Storia“ erschien im Jahre 1974 (dt. bei Piper, S.Fischer u.a. 1976ff.) und sorgte in seiner ideologiekritischen Grundposition seinerzeit für große Erregung in der italienischen Linken; auch Morantes jahrelange, enge Freundschaft mit Pier Paolo Pasolini ging darüber zu Bruch.

Deutschlandradio Kultur sendet am 12. August um 0:05 Uhr ein Feature über diese außergewöhnliche Schriftstellerin, deren Leben ein so tragisches Ende fand.

Antisexismus Tage

Allen, die am Wochenende noch nichts vorhaben, seien die Antisexismus Tage in Wuppertal vom 10. bis 12.8. empfohlen!

Sexismus und sexualisierte Gewalt gehören für viele Menschen zum Alltag und machen auch vor linken subkulturellen Zusammenhängen nicht halt. Zwar sind viele autonome Zentren bemüht einen Raum frei von Sexismus zu schaffen, doch bleibt es auch hier meist nur bei Zetteln an der Wand mit Parolen wie „Macker_innen unerwünscht“.

Die Defizite in der theoretischen und tatsächlichen Auseinandersetzung mit Sexismus und anderen -ismen sind ausschlaggebend für die Antisexismus Tage in Wuppertal. Das Programm und weitere Infos findet ihr hier.

Trauer um Chavela Vargas

Sie war die große Stimme Mexikos! Chavela Vargas‘ Gesang stand vielen sinnbildlich für die Stärke spanischer und lateinamerikanischer Frauen. Zu den Liedern, die heute jeder Mexikaner mitsingen kann, gehören La Llorona, Luz de Luna, Toda una Vida, Las simples cosas und Volver,volver.

Chavela Vargas wurde 1919 in Costa Rica geboren und ging bereits mit 17 Jahren nach Mexiko, wo sie mit Interpretationen der Lieder von José Alfredo Jiménez internationale Erfolge feierte. Vargas war mit zahlreichen Größen der mexikanischen Kultur befreundet, darunter mit der deutsch-mexikanischen Malerin Frida Kahlo.

In einer ihrer letzten Botschaften ließ sie die gesamte Welt wissen: „Ich werde nicht sterben, denn ich bin eine Schamanin, und wir sterben nicht, wir wirken weiter.“

Am vergangenen Sonntag verstarb Chavela Vargas im Alter von 93 Jahren in Mexiko.

Aktuelle Angebote unserer Mädchenarbeit

Diese Woche bietet der Offene Treff der Mädchenarbeit Folgendes an:

08. August, 14 bis 18 Uhr: Besuch der Ausstellung „Mit 17…Jung sein in Deutschland“

Gemeinsam mit Euch wollen wir uns die Ausstellung im Zeitgenössischem Forum ansehen. Dabei wird es viel zu entdecken geben und wir wollen von Euch wissen, wie Jung sein heute eigentlich so ist.

09. August, 14 bis 18 Uhr: „Ein Ort für meine Gedanken“

Die Jugend ist eine aufregende Zeit, die hin und wieder aber auch ganz schön verwirrt. Verwirrung will sortiert werden. Dazu kann Schreiben ein Mittel sein. Wir basteln mit Euch Euer persönliches Tagebuch, dem ihr alle Eure Gedanken anvertrauen könnt.

Kontakt:

Shalimar Klee

Tel.: 0341 / 3065260

Mail: maedchenatmonaliesa.de