Archiv fĂĽr den Monat: Juli 2012

Dann mach dich halt unsichtbar!

Europa und insbesondere Deutschland feiert sich gerne als fortschrittlich, tolerant und aufgeklärt. Sie fordert die Einhaltung der Menschenrechte und schmückt sich gerne mit quietschbunten CSD-Paraden als das Paradies der Geschlechtergerechtigkeit. Dass die Realität etwas anders aussieht, zeigt der Fall Samira Ghorbani Danesh.

Samira ist Iranerin und musste aus Teheran fliehen. Der Grund: Samira liebt Frauen. Im Gottesstaat steht auf homosexuelle Handlungen die Todesstrafe. Allein von 1979 bis 2009 wurden etwa 4000 Menschen auf Grund ihrer sexuellen Orientierung hingerichtet, meistens durch Steinigung. Doch das fechten das Bundesamt fĂĽr Migration und FlĂĽchtlinge (BAMF) und das Verwaltungsgericht Bayreuth nicht an. Sie lehnten den Asylantrag von Samira Ghorbani Danesh ab. Ihre BegrĂĽndung: „Es gibt keine Hinweise darauf, dass die iranischen Behörden aggressiv gegen Homosexuelle vorgehen.“ Bei einer RĂĽckkehr in den Iran habe Samira „bei entsprechend zurĂĽckhaltendem Lebenswandel, den alle Homosexuellen im Iran praktizieren, die unbehelligt leben wollen, keine VerfolgungsmaĂźnahmen zu befĂĽrchten.“ Ja, so einfach ist das.

Dank der öffentlichen Empörung ĂĽber die richterliche Entscheidung darf Samira nun fĂĽr ein Jahr in Deutschland bleiben. Jetzt bestehen „NachfluchtgrĂĽnde“, wie die JuristInnen sagen, weshalb die Behörden Samira nicht abschieben können.

Der Fall Samira Ghorbani Danesh erinnert an einem ähnlichen Vorfall vor zwei Jahren in GroĂźbritannien. Die Iranerin Kiana Firouz floh ebenfalls aus dem Iran, weil sie Frauen liebt. Ihr Schicksal und ihren Kampf mit den britischen Behörden verarbeitete der iranische Regisseur Ramin Goudarzi-Nejad zu einem bewegenden Dokumentarfilm „Cul de Sac„.

Feministischer Pin-up Kalender 2013

Heute um 19 Uhr startet in Neukoniakow (Merseburger Str. 17) die offizezielle Release-Party des feministischen Pin-up Kalenders RainerMaria!

Dieser Kalender zeigt die Resultate einer gemeinsamen, lustvollen Auseinandersetzung mit Geschlecht, Körper und Sexualität sowie den gesellschaftlichen Zuschreibungen und Anrufungen die damit einhergehen. Ideologiekritik am eigenen Leib, also.
Ein Bilderkanon aus ganz eigenen Positionen und Wahrheiten in Bezug auf den Geschlechterwahnsinn, performt und inszeniert in Bildern, die sich an das stereotype Format des Pin- up Kalenders richten und ihn und seine Betrachter_Innen auffordern, die Konfektion zu ändern.

Wer es heute nicht zur Party schafft, sich aber unbedingt einen kaufen will, kann diesen auch bei uns in der MONAliesA erwerben!

Feminist Press Part 1

An dieser Stelle möchten wir Euch in loser Reihenfolge feministische Zeitschriften vorstellen. Den Anfang macht die feministische Presse aus dem D.I.Y.-Bereich.

Die 2008 in Leipzig gegründete outside the box – Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik hat sich zur Aufgabe gemacht, feministische Debatten von ihrem Randerscheinungs-Dasein in den Betrachtungs-Mittelpunkt zu rücken. Bei ihrer emanzipatorischen Auffassung des Feminismus-Begriffs sollen auch Überschneidungen mit anderen Diskriminierungsformen wie Antisemitismus und Rassismus beachtet werden, um eine umfassende emanzipatorische Kritik üben zu können.

In Wien erscheint zweimal im Jahr das Magazin fiber. werkstoff für feminismus & popkultur als „(Medien-)Projekt“, das versucht, Frauen zu mehr Präsenz in der Öffentlichkeit zu verhelfen, feministisches Gedankengut zu verbreiten und eine Vernetzung zu fördern. Die fibretten wollen Verborgenes sichtbar machen und populäre Musik, Konsumkultur, TV-Shows & Co. aus einer feministischen Perspektive neu beleuchten.

KRASS – kritische Assoziationen ist eine Hamburger Variante moderner Herrschafts-, Macht- und Normkritik, die sich als pro-post-queer-feministisch versteht. Die Zeitschrift vernetzt TheoretikerInnen, KünstlerInnen und SchrifstellerInnen und versucht durch Infragestellung vermeintlicher Normen zu einer Veränderung der Gesellschaft beizutragen.

Alle drei Magazine freuen sich über neue LeserInnen und können, sofern vorhanden, über die MONAliesA bezogen werden.

Mein Bauch gehört Tayyip Erdogan

Der Wolf zieht seinen Schafspelz aus.

Wie die internationale Frauenrechtsorganisation Women on Waves berichtet, hat die türkische Regierung den Vertrieb des Medikaments Misoprostol, das beim medikamentösen Schwangerschaftsabbruch eingesetzt wird, verboten.

Bereits im Mai bezeichnete der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan den Schwangerschaftsabbruch als Mord und versuchte eine gesetzliche Verschärfung des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch durchzusetzen, die aber Dank internationaler Proteste abgewendet werden konnte.

Die Türkei ist nur ein Beispiel für die weltweite Verschärfung des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch und damit auch des Rechts auf körperliche Selbstbestimmung der Frau.

MONAliesA machte bereits im Januar mit der Veranstaltungsreihe „Mein Bauch gehört mir! – oder doch nicht?!“ auf die Entwicklung aufmerksam. Zu Gast waren neben Prof. Dr. Barbara Duden  und Prof. Dr. Ulrike Busch von pro familia die Mitarbeiterin der feministischen NGO Women on Waves Susan Davies. (Bild rechts)

Literatur über die Geschichte des Schwangerschaftsabbruchs sowie eine eigene kleine Ausstellung über den Kampf um den § 218 in den neuen Bundesländern nach der deutschen Wiedervereinigung können bei uns ausgeliehen werden. Anfragen per Mail an monaliesa@leipzigerinnen.de

Sommerpause

Liebe Leser_innen, liebe Freund_innen,

die Frauen- und Genderbiblliothek MONAliesa geht vom 01.08. bis 31.08. in die Sommerpause.

Wer sich also noch ein oder zwei Bücher ausleihen möchte, sollte sich beeilen. Wer es dennoch nicht schafft und während der Sommerpause sich unbedingt und ganz dringend etwas ausleihen möchte, kann sich per Mail melden und mit uns einen Termin vereinbaren.

Einen sonnigen August wĂĽnscht Euch das MONAliesA-Team!

Little Thirteen

Auch wenn dieser Film bedauerlicherweise in keinem Leipziger Kino zu sehen ist, möchten wir ihn dennoch sehr empfehlen:

Der Film Little Thirteen erzählt die Geschichte der 13jährigen Sara, die aus einer sozial benachteiligten Familie kommt und dort kaum Zuneigung und Nähe erfährt. Diese emotionale Leere versucht Sara mit schnellen und flüchtigen sexuellen Bekanntschaften zu kompensieren, bis sie auf den drei Jahre älteren Lukas trifft. Zum ersten Mal in ihrem Leben entwickelt sie eine Sehnsucht nach einer Beziehung.

Nah, aber doch unaufdringlich zeigt der Film einen Lebensstil fernab von Verantwortlichkeit und Perspektive, oft direkt vom Elternhaus übernommen. In zum Teil schonungslosen Bildern zeigt Christian Klandt das Leben der so genannten Generation Porno, das gezeichnet ist von gähnender Leere, Einsamkeit und Enttäuschung.

La Barbe

PĂĽnktlich zum Nationalfeiertag der FranzösInnen am 14. Juli erklommen französische Feministinnen der Aktionsgruppe „La Barbe“ die Marianne und andere Frauenstatuen und verpassten ihnen Bärte – natĂĽrlich in der Trikolore. Auf Bannern und Plakaten fragten sie provokant: „Warum sollten die Ideale Frankreichs ausgerechnet von den Frauen repräsentiert werden?“

Frankreich braucht keine leblosen Statuen, sondern lebendige Frauen, die sich aktiv in Politik und Wirtschaft einmischen. Die Feministinnen beklagen einen immer noch skandalös niedrigen Frauenanteil im französischen Parlamant (18,5%) und in den FĂĽhrungsetagen der größten Wirtschaftsunternehmen sind es gar  nur 15%. Genau aus diesem Grund benannten sie ihr Manifest „Frauen aus Frankreich, die Republik ruft euch!“

Die fanzösischen Feministinnen mischten bereits den letzten Präsidentschaftswahlkampf ordentlich auf. Der Auslöser war nicht zuletzt die Causa Strauß-Kahn und die damit einhergehende sexistische Berichterstattung über sexualisierte Gewalt.

Nachahmung der feministischen Bartaktion sehr empfohlen!

Gedenken an Lene Voigt

Lene Voigt (2.5.1891 – 16.7.1962), Schrifstellerin und sächsische Mundartdichterin

Populär wurde die Leipziger Autorin in den 1920er und 1930er Jahren mit Parodien in sächsischer Mundart, die sie in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlichte, und BĂĽchern wie „Säk’sche Balladen“ oder „Säk’sche Glassiger“. Nach einem Publikationsverbot in der NS-Zeit wegen des „unheldischen“ sächsischen Dialekts, wurde eben dieser in der Anfangszeit der DDR leicht als Parodie auf das sächselnde Staatsoberhaupt aufgefasst, sodass sich Lene Voigts Werke erst seit den 1970er Jahren wieder einer größeren Verbreitung erfreuen können. Ăśber Rundfunk und Kabarett erlangte die gelernte Kindergärtnerin und Tochter eines Schriftsetzers in den letzten Jahrzehnten schlieĂźlich wieder ĂĽberregional groĂźe Bekanntheit. – Ganz gemäß ihres Zitats: „Was Sachsen sin von echtem Schlaach, die sin nich dod zu griechn…“. Heute ist ihr 50. Todestag.

Roseanne for president!

Es hätte so schön sein können: Amerikas bekannteste Comedian Roseanne Barr wäre fast die Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten der Grünen Partei geworden.

Roseanne – wer? FĂĽr alle, die nicht in den 90er Jahren mit dem Fernseher sozialisiert worden sind: Roseanne Barr war die Protagonistin der gleichnamigen US-Sitcom. Darin verkörperte sie die „typische amerikanische Unterschichts-Hausfrau“ Roseanne Connor, die mit ihrem resolutem Auftreten und mit einer groĂźartigen Portion Galgenhumor die größeren und kleineren Alltagsprobleme löste.

Nun hat sich die Partei fĂĽr Cheri Honkla entschieden. Schade, denn unserer Meinung nach wäre sie die idaele Kandidatin gewesen – nicht nur als Vizepräsidentin, sondern auch als Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika! 🙂

 

 

Joy Harjo: Crazy Brave

Joy Harjo, 1951 in Tulsa/Oklahoma geboren,ist eine der führendesten Stimmen der Native Americans in den USA. Stark beeinflusst von ihrer indianischen Herkunft (Muscogee Creek), feministischen und sozialen Fragen, bezieht sie indianische Mythen, Symboliken und Werte in ihre Lyrik mit ein.             Neben zahlreichen Gedichtbänden veröffentlichte die Saxophonistin mit ihrer Band Poetry Justice zahlreiche Alben.

Ihr bewegendes Leben hat sie jetzt als Autobibografie unter dem Titel „Crazy Brave“ veröffentlicht. Dieses Buch sei allen wärmstens empfohlen! Mit einer atemberaubenden lyrischen Sprache schreibt sie ĂĽber ihre schwere und von Missbrauch gezeichnete Jugend und wie sie zu ihrer eigenen lyrischen und musikalischen Stimme fand.

„It’s important as a writer to do my art well and do it in a way that is powerful and beautiful and meaningful, so that my work regenerates the people, certainly Indian people, and the earth and the sun. And in that way we all continue forever.“ (Joy Harjo)