Archiv für den Monat: Mai 2012

Brothers of Metal

MONAliesA ist auch dieses Jahr wieder dabei beim WGT in Leipzig. Auf alle Interessierten mit und ohne Festivalbändchen wartet am Samstag wieder ein genderkritischer Vortrag, der sich mit spezifischen Erscheinungen in der Musikwelt auseinandersetzt. Dieses Jahr: Heavy Metal!

Aggression, Gewalt und Hyper-Maskulinität sind Schlagworte, die wohl annähernd jedem ad hoc zum Musikgenre Heavy Metal einfallen. Dabei wird die Diversität der Metal-Szene häufig allzu leicht übersehen. Diese ist nicht nur musikalischer Natur, sondern drückt sich auch in Bezug auf textliche und visuelle Inhalte, Ästhetik und Performance aus.

Die Philologin (Skandinavistik und Anglistik) Imke von Helden wird uns in ihrer Präsentation Einblicke in die Inszenierungen und Paradoxa eines Musikgenres geben, in dem Make-Up und Machismo, Nietenarmband und Strumpfhosen oft näher beieinanderliegen, als gemeinhin angenommen wird.

In Rahmen des Wave Gothic Treffens:
Brothers of Metal? Gender, Ästhetik und Performance im Heavy Metal
Vortrag mit Imke von Helden
Uhrzeit: 16 Uhr; der Eintritt ist frei.

„Wehe! Die Frauen wollen Männer werden“

Zum Abschluss der sehr erfolgreichen Reihe „Weiberplage“ oder „Der Geschlechterkampf von rechts“. Der moderne Antifeminismus in Deutschland soll an dieser Stelle mal ein großes Dankeschön an alle TeilnehmerInnen, BesucherInnen und natürlich auch alle HelferInnen rausgehen! Verbunden mit einer herzlichen Einladung zur heutigen Abendveranstaltung: Aufgrund der großen Nachfrage werden die Frauen des MONAliesA e.V. ihre erste selbstgestaltete szenische Lesung noch einmal auf die Bühne bringen und euch mit einem witzigen Schlagabtausch zwischen Hedwig Dohm, Eva Herman, Kristina Schröder und Alice Schwarzer unterhalten.

Hedwig Dohm zählt zu den bedeutendsten Vertreterinnen der Frauenbewegung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Mit viel Verve und spitzer Feder („Wehe! Die Frauen wollen Männer werden“) plädierte sie in ihren Artikeln, Essays, Feuilletons, Novellen und Romanen für die Gleichberechtigung von Frau und Mann. Immer wieder erwies sie sich dabei als eine ausgesprochen scharfsinnige und rhetorisch brillante Autorin und Polemikerin, die ihrer Zeit oft weit voraus schien. Wie aktuell ihre Gedanken zum Antifeminismus heute noch sind, zeigt ein Treffen zwischen ihr und Eva Herman, Kristina Schröder sowie Alice Schwarzer.

„Aber ich soll ein wahres Weib sein?!“ – Hedwig Dohm trifft auf die (Anti-)Feministinnen von heute. Szenische Lesung von und mit den Frauen des MONAliesA e.V.
Beginn der Veranstaltung ist 19 Uhr; Eintritt läppische 2,- € gibt auch Kuchen…

An dieser Stelle auch schon mal ein kleiner Hinweis auf unsere morgige Veranstaltung zu „Gender, Ästhetik und Performance im Heavy Metal“ (→ Termine): Es wird bestimmt ein paar lustige Videos zu sehen geben, hihi (mehr dazu auch morgen hier im Blog) 😉

Nackt und mächtig?!

In den vergangenen Jahren ist feministischer Protest definitiv auch freizügiger geworden. Während in den 1970er und frühen 1980er Jahren FeministInnen ausschließlich angezogen und mit phantasiereichen Inszenierungen auf den (westdeutschen) Straßen gegen sexualisierte Gewalt und für Gleichberechtigung demonstrierten, gehen nun selbsternannte „Schlampen“ in BH und Höschen gegen Vergewaltigungsmythen und für mehr körperliche Selbstbestimmung auf die Barrikaden. Eine bislang nicht gekannte (und von vielen wohl auch nicht für möglich gehaltene) Steigerung erfuhr diese „feministische Selbstentblößung“ durch die Femen aus der Ukraine. Die Brüste der zumeist um die 30 nackten Aktivistinnen haben es ruckzuck in die Zeitungen und Fernsehnachrichten geschafft – so schnell waren feministische Forderungen bislang wohl nur selten auf eine derart breite mediale Resonanz gestoßen.

Stellt diese Art des feministischen Protests eine Kapitulation vor den Medien dar, die nur berichten, wenn die Feministinnen „sexy“ aussehen? Oder ist diese Art von Widerstand ein feministischer Akt, in dem der weibliche (halb-)nackte Körper als politisches Instrument funktionalisiert wird?

Im Rahmen der Internationalen Studentischen Woche wird es in der MONAliesA am Mittwoch, den 23.05., einen Vortrag zum Thema „FEMEN – Weiblichkeit als politisches Happening“ geben. Auf dem Podium sitzen mit den Politikwissenschaftlerinnen Andrea Priebe und Dorothée Marth zwei ausgewiesene Spezialistinnen für dieses Thema.

Beginn ist 19 Uhr. Der Eintritt beträgt 3 bzw. 2 Euro.

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Eine Frau … kommt öfter allein

Louise Otto Peters und die ihrigen drehen sich zurzeit vermutlich heftig in ihren Gräbern um: Das Land Sachsen, in dem sich – daran muss man heute erstmal wieder erinnern – eine der Wiegen der deutschen Frauenrechtsbewegungen befindet, hinkt beim Frauenanteil in politischen Führungsetagen mächtig hinterher. Laut Leipziger Volkszeitung liegt der Anteil weiblicher Führungskräfte in Ministerien und Staatssekretariaten gegenwwärtig bei knapp 19 Prozent. Unter 21 MinisterInnen und StaatssekretärInnen finden sich gerade einmal 4 Frauen. Deutlich positiver sieht es hingegen im öffentlichen Dienst des Freistaates aus: Dort beträgt der Frauenanteil auf der obersten Leitungsebene rund 43 Prozent, unter leitenden Angestellten einschließlich SchulleiterInnen sogar rund 66 Prozent.

Dazu möchten wir gern ergänzen:

Wie „ernst“ es die Sächsische Landesregierung mit der Gleichstellung von Frau und Mann meint, zeigen im Übrigen jedoch vor allem die drastischen Mittelkürzungen im Gleichstellungsbereich. Während im Jahr 2004 noch 2,5 Millionen Euro (ca. 0,33 Prozent des Sozialhaushaltes) in Sachsen für die sog. „Querschnittsaufgabe Gleichstellung von Frau und Mann“ ausgegeben wurde, setzte in den darauffolgenden Jahren ein rücksichtsloser Abbau dieser Förderung ein. Im Jahr 2012 lag ihr Anteil bei gerade noch 0,1 Prozent. Oder in Euro ausgedrückt: Die Sächsische Landesregierung hat für die Gleichstellung von Frau und Mann gerade mal 150.000 € übrig! Die traurige Ironie an der Sache ist, dass hierfür ausgerechnet eine der wenigen Frauen in der Regierung maßgeblich verantwortlich zeichnet: Sozialministerin Christine Clauß.

Die Folgen für hiesige Frauen- und Gleichstellungsprojekte sind fatal! Viele Initiativen mussten ihr Personal und ihre Angebote massiv reduzieren, manche gar schließen. Auch die MONAliesA ist von den Einsparungen betroffen und kann nur mit viel ehrenamtlichen Engagement ihr Angebot in der gewohnten Qualität und Breite aufrechterhalten. Unter anderem werden die Öffnungszeiten und die Betreuung der Bibliothek komplett ehrenamtlich abgedeckt.

Es ist deshalb längst an der Zeit, nicht mehr nur eine Frauenquote für Führungspositionen in Politik und Wirtschaft einzufordern. Es bedarf auch endlich einer adäquaten finanziellen Förderung von frauen- und gleichstellungspolitischen Projekten, die tagtäglich an der gesellschaftlichen Basis einen fundamentalen Beitrag für die Geschlechtergerechtigkeit in Sachsen leisten.

Chancengleichheit, Gleichberechtigung und Gleichstellung sind keine Schönwetter-Angelegenheit für die Abteilung „politisches Marketing“, sondern elementare Voraussetzungen einer soliden Demokratie. Bei solchen Zahlen kommt uns aber das blanke Grauen…

(R)Echte Kerle im Geschlechterkampf

Andreas Kemper (Hg.): Die Maskulisten. Organisierter Antifeminismus im deutschsprachigen Raum (erscheint vorauss. Juni 2012).

»In Frauenhäuser werden Kinder gegen den Willen eines sorgeberechtigten Elternteils verbracht und vor diesem versteckt.«
»Frauen sind nicht das unterdrückte Geschlecht. Frauen sind das subventionierte Geschlecht.«
»Genderismus kann als Rassenlehre des 21. Jahrhunderts bezeichnet werden. Allerdings ist sie weder wissenschaftlich haltbar, noch mit handfesten Fakten belegbar.«

Dies sind nur einige Beispiele antifeministischer Parolen und Einstellungen, die nicht nur in einschlägigen Internetforen wie „MANNdat“ oder „Weiberplage“ zirkulieren. Sie sind mittlerweile auch in den meinungsmachenden Printmedien zu lesen.

Über die aktuelle Entwicklung der antifeministischen Männerrechtsbewegung, ihre Akteure und Medien veranstalten wir zusammen mit Weiterdenken e.V. am kommenden Dienstag (22.05.)  um 19 Uhr eine Podiumsdiskussion. Es diskutieren Andreas Kemper und Hinrich Rosenbrock.

Einlass nur nach bestätigter Anmeldung! monaliesa[at]leipzigerinnen[pkt]de

Antifeminismus früher und heute

+++ ACHTUNG: Aufgrund eines Zwischenfalls bei der Anreise der Referentin, muss der Vortrag um eine Stunde verschoben werden. Beginn ist jetzt erst um 20 Uhr! +++

Im Rahmen unserer aktuellen Veranstaltungsreihe »Weiberplage« oder »Der Geschlechterkampf von rechts« Der moderne Antifeminismus in Deutschland“ lädt MONAliesA alle Interessierten ganz herzlich zur heutigen Auftaktveranstaltung ein!

Die Journalistin und Politologin Dr. Antje Schrupp wird einen Einführungsvortrag unter der Überschrift „Antifemismus früher und heute“ halten, der unter anderem auf einige grundlegende Fragen zum Rahmenthema eingehen wird: Was ist eigentlich Antifeminismus? Wie wird da argumentiert? Auf welche historischen Wurzeln greift diese politische Bewegung zurück?

Beginn der Veranstaltung ist 19 Uhr 20 Uhr. Der Eintritt beträgt 3 bzw. 2 Euro.

Bitte allen weitersagen 🙂

[in Kooperation mit: Fachschaftsrat Politikwissenschaften/Universität Leipzig, Gleichstellungsbeauftragter der Universität Leipzig, Weiterdenken e.V.]

Altpapier

Die Dings.. ähh, na… hier… die… Köhler!… nee Quatsch: Schröder! Genau, Bundes… -dings… Ministerin Schröder… Ihr wisst schon … Dortmund den Dortmundern, ja genau die…: Die hat ja jetzt auch mal ein Buch geschrieben. Nicht alleine, sondern (GIRLPOWER!!!) mit ’ner Freundin zusammen. So’n typisches Politikerbuch eigentlich, was dann am Ende eh keiner kauft, geschweige denn liest, weshalb es als Prämie an Parteifreunde zwangsverschenkt oder im großen Stil von anderen Freunden aufgekauft werden muss, damit der Verlag keine Regressansprüche geltend macht…

Naja, und die äh Dings hat jedenfalls versucht, das Geschäft mit ihren zu Druck gebrachten… sagen wir mal: recht angestaubten Ansichten über die Rolle der Frau sowie die Chancenleichheit der Geschlechter mit einem kleinen Skandälchen anzukurbeln. Hat sogar öfffentlichkeitswirksam das BKA eingeschaltet, wegen der ganzen Rowdys aus der linken und feministischen Ecke. Naja, das hat zwar nicht ganz so geklappt, dummerweise sah sich trotzdem die halbe Welt verpflichtet, ihre Broschüre mal testweise durchzublättern. Aber wir bräuchten uns ja nicht Homo sapiens sapiens zu nennen, hätten wir nicht wenigstens etwas aus dem Fall mit einer anderen Skandalschwarte (auch aus der Feder eines (Ex-)Politikers) dazugelernt: Um die verhängnisvolle Dynamik „Skandal → öffentliche Aufmerksamkeit → steigende Verkaufszahlen → $-$-$“ zu durchbrechen, hat die taz-Kolumnistin Margarete Stokowski angeboten, ihr Rezensionsexemplar zu verschenken. Die/der Beschenkte kann das Buch dann lesen und es anschließend, nachdem sie/er die Fassung wieder gefunden hat, weiterverschenken und so weiter und so fort.

Coole Idee. Und in diesem Sinne noch ein Hinweis an die Nutzerinnen und Nutzer von MONAliesA: Da die schwarz-gelbe Regierung im Übrigen bislang kaum mehr als einen Rotstift für frauen- und gleichstellungspolitische Initiativen übrig hatte, ist uns unser knappes Neuanschaffungs-Budget einfach zu schade für so einen Scheiß. Ihr müsstet euch also in die Liste bei Frau Stokowski eintragen oder mit einem anderen Rezensionsexemplar einen neuen Lesekreis initiieren. Ihr könnt’s aber auch einfach sein lassen und euch bei uns ein paar schönere Bücher ausleihen! ♥

Ad fontes, Ladiez!

„Die Geschichte aller Zeiten, und die heutige ganz besonders, lehrt: dass diejenigen, welche selbst an ihre Rechte  zu denken vergessen, auch vergessen wurden.“

Dieses Zitat von Louise Otto Peters, der bedeutenden Frauenrechtlerin aus Leipzig, lässt sich ohne Weiteres auch auf das allgemeine Feld der weiblichen Erinnerungs- und Geschichtskultur übertragen: „Die Geschichte aller Zeiten, und die heutige ganz besonders, lehrt: dass diejenigen, welche selbst an ihre Geschichte zu denken vergessen, auch vergessen wurden.“ Diesen Umstand haben bereits die Kämpferinnen der Frauenbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts erkannt und ihre eigenen Archive und Sammlungen begründet. Entstanden ist eine breite und vielfältige Frauenarchivlandschaft mit wertvollen Schätzen der Frauenbewegung.

Auch heute ist es wichtig feministische Gruppen und deren Aktivitäten zu dokumentieren. Warum, das zeigt ein Video, das zwar mehr auf die Occupy-Bewegung gemünzt ist, aber durchaus auf die heutige queer-feministische Bewegung übertragbar ist:

[vimeo 41009024 w=500 h=369]



Also Ladiez: Verantwortung – Selbstbestimmung – Forschung – Austausch – Kontinuität:

MONAliesA plant zurzeit den Aufbau eines queer-feministischen Archivs, das die vielfältigen Strömungen gegenwärtiger frauen-/queerpolitischer Bewegungen so dicht und umfassend wie möglich dokumentieren und archivieren soll. Seien Sie dabei und unterstützen Sie uns! Wir sammeln:
Plakate, Flyer, Fotos, Protokolle, Bilder, (fremdsprachige) Fan-Zines, Aufnäher, studentische Arbeiten, Radiosendungen, Konzertmitschnitte etc.etc. etc. …

Weitere Informationen →hier.